Schrumpfkur: Microsoft startet nächstes großes Abfindungspaket
Microsoft hat gegenüber CRN bestätigt, rund 60.000 Mitarbeitern ein freiwilliges Abfindungsangebot unterbreitet zu haben. Das sind fast 30 Prozent der weltweit 223.000 Beschäftigten. Im Hinblick auf die anstehenden Veränderungen durch KI soll es ihnen das Paket ermöglichen "ihr nächstes Kapitel selbst zu gestalten", wie Personalchefin Amy Coleman euphemistisch erklärt.
Während Microsoft Hunderte Milliarden Dollar in Infrastruktur investiert, um künstliche Intelligenz zu ermöglichen und die KI-Nachfrage zu bedienen, werden Raum und Geld für menschliche Mitarbeiter zunehmen knapp. Wie das Unternehmen gegenüber CRN bestätigte, wurde kurz vor der anstehenden Quartalskonferenz noch ein neues Abfindungspaket geschnürt, mit dem rund 60.000 Beschäftigten ein Angebot für ihr freiwilliges Ausscheiden unterbreitet wird. Das entspricht etwa 27 Prozent der weltweit 223.000 Beschäftigten, die der Anbieter zum 30. Juni zählte – nachdem ein freiwilliges Vorruhestandsprogramm sowie eine separate Entlassungsrunde in den vergangenen Monaten bereits zu mehreren Tausenden Abgängen geführt haben.
Die angesprochenen Beschäftigten haben nun bis Dezember Zeit, sich für oder gegen die Annahme des Abfindungsangebots zu entscheiden, das ihr Ausscheiden zum 31. Dezember vorsieht. Amy Coleman, Executive Vice President und Chief People Officer bei Microsoft, erklärte am Montag, das Austrittsangebot "baut auf dem auf, was wir Anfang dieses Jahres durch das Voluntary Retirement Program gelernt haben", an dem Tausende Microsoft-Beschäftigte teilnahmen. "Das freiwillige Austrittsangebot ist ein wichtiger Teil davon, wie wir unseren Umgang mit Veränderungen weiterentwickeln: Wir schaffen mehr Flexibilität und – wo möglich – mehr Wege für Beschäftigte, ihr nächstes Kapitel selbst zu gestalten", so Coleman weiter.
Microsoft legt am Mittwoch die Ergebnisse für das erste Quartal seines Geschäftsjahres 2027 vor, das am 30. September endete. Microsoft rechnet 2026 mit Investitionsausgaben (CapEx) von 175 Milliarden US-Dollar.
Details zum Austrittsangebot: Fokus auf USA, Kanada, Großbritannien und Indien
Das zeitlich befristete Austrittsangebot richtet sich laut Colemans Beitrag vom Montag an Microsoft-Beschäftigte in Kanada, Indien, Großbritannien und den USA bis einschließlich Level 70 und bietet den Teilnehmern "finanzielle Unterstützung und Ressourcen für die Karriereplanung". Dazu gehören laut Business Insider auch leitende Führungskräfte des Unternehmens. Vertriebsorganisationen, einige Entwicklungsbereiche und bestimmte Konzernfunktionen erhalten laut Quellen wie CNBC jedoch keinen Zugriff auf die Ausstiegsoption. Nicht jede Microsoft-Organisation nimmt daran teil; Coleman nannte jedoch keine Einzelheiten dazu, welche Bereiche ausgeschlossen sind. Damit bleibt vorerst offen, ob und inwieweit auch deutsche und europäische Angestellte entsprechende Ausstiegsoptionen angeboten bekommen.
"Das freiwillige Austrittsangebot ist für uns neu", erklärte Coleman. "Wir werden daraus lernen. Gleichzeitig werden wir die Menschen weiterhin dabei unterstützen, sich auf die wichtigste Arbeit zu konzentrieren, neue Fähigkeiten aufzubauen und – wo es sinnvoll ist – neue Möglichkeiten innerhalb von Microsoft zu finden. Es gibt keinen Ansatz, der für jedes Team oder jeden Beschäftigten gleichermaßen passt. Dies sind einige der Wege, mit denen wir unterschiedlichen geschäftlichen Anforderungen gerecht werden und zugleich unseren eigenen Mitarbeitenden weiterhin Chancen bieten wollen, sich weiterzuentwickeln und einen Beitrag zu leisten."
Entlassungen und Personalabbau in Serie
Nach einer Phase umfangreicher Entlassungen bei Microsoft im Jahr 2025, darunter 6.000 Stellenstreichungen im Mai und 9.000 im Juli, setzte der Anbieter seinen Personalabbau in diesem Jahr fort. Im April 2026 wurden Berichte über Abfindungsangebote im Rahmen eines freiwilligen Vorruhestandsprogramms bekannt. Microsoft teilte in einem Blogbeitrag vom 6. Juli mit, dass letztendlich mehr als 30 Prozent der berechtigten Beschäftigten an dem Programm teilnahmen. Damit lag die Zahl der ausscheidenden Mitarbeitenden bei rund 3.000, weniger als sich der Konzern erhofft hatte: In seinem Bericht zum vierten Geschäftsquartal vom 29. Juli wies der Technologieriese "niedriger als erwartete Aufwendungen im Zusammenhang mit dem Voluntary Retirement Program" aus. Nimmt man eine ähnlichen Teilnahmequote für das neue freiwillige Austrittsangebot an, würden damit rund 18.000 weitere Microsoft-Beschäftigte das Unternehmen verlassen. Das entspräche etwa 8 Prozent der weltweiten Belegschaft.
Microsoft gab in dem Blogbeitrag vom 6. Juli außerdem bekannt, rund 4.800 Stellen gestrichen zu haben. Das entsprach damals etwa 2,1 Prozent der weltweiten Belegschaft. Die Kürzungen konzentrierten sich auf die Vertriebsorganisation und den Xbox-Gaming-Bereich. Als weiterer Faktor wurde die Gründung der Microsoft-Frontier Co. genannt, die Entwickler direkt bei Kunden einsetzt. Ohne das freiwillige Vorruhestandsprogramm wäre die Zahl der Kündigungen wohl höher ausgefallen. Darüber hinaus hatte Microsoft nach eigenen Angaben innerhalb des vorangegangenen Jahres bis Juli mehr als 4.000 Beschäftigte in neue Funktionen versetzt, darunter weitere 500 allein in diesem Monat.
In dem Beitrag vom Juli betonte Coleman noch, die gestrichenen Stellen würden "nicht durch KI ersetzt", räumte jedoch gleichzeitig ein, "dass KI verändert, wie Arbeit erledigt wird". In ihrem aktuellen Blogbeitrag vom Montag zum freiwilligen Austrittsangebot erwähnte sie KI nicht.
Mehr Gewinn mit weniger Personal
Microsofts diesjähriger Geschäftsbericht wies zum Juni 223.000 Beschäftigte aus, 5.000 weniger als im Vorjahr. Microsoft hat damit gezeigt, dass das Unternehmen mit gleicher oder geringerer Personalstärke mehr leisten kann: Der Umsatz pro Beschäftigtem lag im vergangenen Geschäftsjahr bei 1,5 Millionen US-Dollar, nach 1,1 Millionen US-Dollar im Vorjahr, so ein Bericht von KeyBanc vom Montag. Die Investmentbank führte das neue Austrittsangebot auf Microsofts Bestreben zurück, die Margen zu sichern, während die Infrastrukturkosten zur Ermöglichung des KI-Zeitalters steigen.
Microsoft reiht sich damit in andere Technologiekonzerne ein, die Beschäftigte abbauen, während sie Investitionen in die KI-Chancen verlagern und sich die geschäftliche Nachfrage im Zeitalter agentischer KI verändert. Zu den weiteren Anbietern, die in den vergangenen Wochen Entlassungen angekündigt oder Stellen gestrichen haben, zählen Intel, Oracle, Nutanix und Cisco.
Der Anbieter hat weltweit rund 500.000 Partner, so die CRN Channel Chiefs 2026. Wayne Roye, CEO des in New York ansässigen Microsoft-Lösungsanbieters Troinet, sagte CRN kürzlich in einem Interview, seine Kunden fragten nicht nur Microsofts KI-Produkte nach, sondern auch grundlegende Überprüfungen von Unternehmensrichtlinien und Leitplanken, um Organisationen auf das KI-Zeitalter vorzubereiten. Ein Teil seiner Arbeit mit Microsoft-Kunden bestehe darin, sicherzustellen, dass sie den gesamten Microsoft-Stack nutzen, der in ihrer jeweils erworbenen Lizenz enthalten ist. "Haben Sie grundlegende Richtlinien festgelegt? Wie arbeiten Sie einen neuen Mitarbeiter ein? Wie gestalten Sie den Austritt eines Mitarbeiters? Diese üblichen Grundlagen, von denen man annimmt, dass jeder sie haben sollte, sind in Wirklichkeit oft nicht vorhanden", mahnte Roye an. "Deshalb greifen wir das jetzt wieder auf und überprüfen es."
Dieser Artikel erschien zuerst bei unserer Schwesterpublikation crn.com.
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