Cisco streicht in Bereich KI und Sicherheit fast 4.000 Stellen
Netzwerkgigant Cisco kündigt den Abbau von Tausenden von Arbeitsplätzen an. Der Hersteller will Ressourcen umschichten und so seine Investitionen in strategische Bereiche wie fortschrittliche KI, Sicherheit und Quantennetzwerktechnologie fortsetzen. Partner zeigen sich besorgt und hoffen, dass Cisco seine Wettbewerbsfähigkeit vor allem bei Preisen verbessert.
Cisco gab vergangene Woche eine Unternehmensumstrukturierung einzuleiten, die zum Abbau von rund 4.000 Stellen führen wird. Chuck Robbins, Vorstandsvorsitzender und CEO von Cisco, stellte in seiner vorbereiteten Rede für Finanzanalysten während der Telefonkonferenz zum dritten Quartal des Geschäftsjahres 2026 den Plan vor. Cisco wolle, Ressourcen auf strategische Bereiche konzentrieren.
"Um sicherzustellen, dass wir die bedeutenden Chancen in den Bereichen Halbleiter, Optik, Sicherheit und KI nutzen, haben wir heute [Mittwoch] einen Umstrukturierungsplan angekündigt, um Ressourcen neu zuzuweisen und Investitionen in diese wichtigen Wachstumsbereiche zu ermöglichen", sagte der Cisco-Chef. Diese Maßnahmen bauten auf einer "Position der Stärke auf und konzentrieren sich auf die Technologien, die unser Wachstum beschleunigen, Kunden und Partnern unübertroffene Innovationen bieten und unsere Zukunft bestimmen werden".
Auf seiner Website veröffentlichte Cisco zum Stellenabbau einen Blogbeitrag. Darin sagte Robbins, dass die IT-Branche mit einem komplexen Umfeld konfrontiert sei und dass Unternehmen, die wachsen wollen, ihre Investitionen auf Bereiche mit starker Nachfrage und langfristiger Wertschöpfung verlagern müssten.
"Das bedeutet, schwierige Entscheidungen zu treffen – darüber, wo wir investieren, wie wir organisiert sind und wie unsere Kostenstruktur die vor uns liegenden Chancen widerspiegelt", schrieb er. "Damit nehmen wir Veränderungen vor, die im vierten Quartal zu einem Abbau von insgesamt weniger als 4.000 Stellen führen werden, was weniger als 5 Prozent unserer gesamten Belegschaft entspricht. Die meisten Kündigungen werden am 14. Mai beginnen und weltweit in Übereinstimmung mit den geltenden lokalen Gesetzen und Vorschriften fortgesetzt werden."
Gleichzeitig, so Robbins, tätige Cisco weitere strategische Investitionen, um das Unternehmen weiterzuentwickeln. "Während wir in einigen Bereichen Stellen abbauen, tätigen wir klare, strategische Investitionen – insbesondere in den Bereichen Halbleiter, Optik, Sicherheit und in den unternehmensweiten Einsatz von KI durch unsere Mitarbeiter", so der Cisco-Chef. "Diese Investitionen bauen auf einer Position der Stärke auf – und konzentrieren sich auf die Technologien und Geschäftsbereiche, die unser Wachstum beschleunigen, Kunden und Partnern unübertroffene Innovationen bieten und unsere Zukunft bestimmen werden."
In einer Meldung an die US-Aufsichtsbehörde teilte Cisco mit, dass der Konzern in seinen GAAP-Finanzergebnissen Aufwendungen vor Steuern in Höhe von bis zu 1 Mrd. US-Dollar verbuchen werde, und zwar für Abfindungen und anderen einmaligen Abfindungsleistungen sowie sonstigen Kosten. Das Unternehmen gab an, dass es davon ausgeht, etwa 450 Mio. Dollar dieser Aufwendungen im vierten Quartal des Geschäftsjahres 2026 zu verbuchen, während der verbleibende Betrag voraussichtlich im Geschäftsjahr 2027 verbucht werde.
Cisco-Partner: "Das ist etwas, das wir genau im Auge behalten müssen"
"Wenn man sich viele der Technologieunternehmen ansieht, die Umstrukturierungen vornehmen, hat KI einen Einfluss darauf, wie sie ihr Geschäft führen und wie sie Kosten senken", sagte Lane Irvine, Director of Strategic Alliances bei Long View Systems (Calgary, Alberta) gegenüber CRN.
Cisco sei "definitiv einer der führenden Partner, was die Unterstützung des Vertriebskanals und unserer Arbeit angeht", sagte Manager Irvine. "Aber sie bewegen sich definitiv mehr in Richtung Mainstream, wo es weniger Unterstützung gibt und höhere Erwartungen an die Partner gestellt werden, was die Kundenakquise, den Kundensupport und den Kundenerfolg betrifft". Cisco würde seiner Ansicht nach einen größeren Teil dieser Verantwortung auf Partner verlagern. "Das ist etwas, das wir genau im Auge behalten müssen."
Cisco steht derzeit auf dem Markt unter großem Wettbewerbsdruck, da andere Anbieter in ihren jeweiligen Bereichen aufholten, so Irvine. "Cisco hat ein wirklich starkes End-to-End-Angebot, aber sie müssen sicherstellen, dass sie preislich wettbewerbsfähig bleiben", sagte er.
"Um das zu erreichen, müssen sie natürlich ihre Kosten senken. Das hat zwei Seiten. Wir sind auf der Partnerseite und beim Partner-Support sicherlich vorsichtig. Aber wir freuen uns definitiv auf einige Preissenkungen, die ein wettbewerbsfähigeres Umfeld für Cisco schaffen werden."
KI-Investitionen im Fokus
Cisco investiert weiterhin in strategische Chancen wie KI, sagte Robbins. So habe Cisco beispielsweise Anfang vergangener Woche bekannt gegeben, dass es "Foundry Security Spec" als Open Source zur Verfügung stelle – einen produktionsreifen Entwurf für den Aufbau skalierbarer agentischer Sicherheitsbewertungssysteme unter Verwendung verfügbarer und neuer KI-Modelle.
"Wir stellen diesen Entwurf unseren Kunden zur Verfügung, um ihre Fähigkeit zu beschleunigen, die Vorteile agentischer KI zu nutzen und Angreifern einen Schritt voraus zu sein", kommentierte der Cisco-CEO.
Cisco IQ, die einheitliche, KI-gestützte Bereitstellungsplattform des Unternehmens für Cisco-Dienste, ist nun allgemein verfügbar. Bereits mehr als 250 Kunden sind an Bord, verriet Robbins. "Cisco IQ bietet Kunden einen Echtzeit-Benchmark-Überblick über Cisco-Ressourcen und -Konfigurationen in ihrer Umgebung und hilft dabei, diese gegen aufkommende architektonische Bedrohungen zukunftssicher zu machen", so der Manager.
Cisco treibt laut Robbins auch intern die KI-Entwicklungen für seine Teams voran. "CIRCUIT, unser firmeneigener KI-Assistent, ist mittlerweile vollständig in die Arbeitsabläufe bei Cisco integriert, wird von fast allen Mitarbeitern genutzt und verzeichnet insgesamt über 8 Millionen Interaktionen pro Quartal.".
CIRCUIT nutzte ein Netzwerk fortschrittlicher KI-Modelle von Drittanbietern und wähle automatisch die beste Engine für jede Aufgabe aus oder überlasse diese Entscheidung den Benutzern. "Als Gründungspartner von OpenAI bei Codex nutzen unsere Ingenieure das System von Anfang an. Seit dieser Woche haben wir Codex unserer gesamten Produktorganisation zur Verfügung gestellt, damit diese Tools entwickeln und neue Produkte mit beispielloser Geschwindigkeit neu konzipieren kann", erläuterte Robbins.
Quantennetzwerke: "Rechenzentren der Zukunft"
Cisco habe auch im Bereich der Quantennetzwerke "Fortschritte erzielt", so der CEO. "Wir haben kürzlich einen funktionierenden Forschungsprototyp des Cisco Universal Quantum Switch vorgestellt, der dafür ausgelegt ist, Quanteninformationen zwischen Systemen bei Raumtemperatur und über Standard-Telekommunikationsglasfaser zu leiten und zu bewahren", so Robbins. "Indem wir diese Infrastruktur jetzt aufbauen, tragen wir dazu bei, das gesamte Quanten-Ökosystem zu beschleunigen, das die Rechenzentren der Zukunft antreiben wird."
Umsatz- und Gewinnsteigerung im dritten Quartal
Für das dritte Geschäftsquartal 2026, das am 25. April endete, meldete Cisco einen Gesamtumsatz von 15,84 Mrd. US-Dollar, was einem Anstieg von 11,9 Prozent gegenüber den 14,15 Mrd. Dollar entspricht, die das Unternehmen für das dritte Geschäftsquartal 2025 gemeldet hatte.
Darin enthalten waren Produktumsätze in Höhe von 12,12 Mrd. Dollar, ein Anstieg gegenüber den 10,37 Mrd. Dollar des Vorjahres, sowie Dienstleistungsumsätze in Höhe von 3,74 Mrd. Dollar, ein Rückgang gegenüber 3,78 Mrd. Dollar.
Auf der Produktseite entfielen 8,82 Mrd. Dollar auf den Bereich Netzwerke, ein Plus von 25 Prozent; 2,01 Mrd. Dollar bei Security Sicherheit, unverändert gegenüber dem Vorjahr; 1,02 Mrd. Dollar in der Sparte Kollaboration, ein Minus von 1 Prozent, und 269 Mio. Dollar auf den Bereich Observability, ein Plus von 3 Prozent.
Cisco meldete zudem einen GAAP-Nettogewinn von 3,37 Mrd. Dollar oder 85 Cent pro Aktie, was einen deutlichen Anstieg gegenüber den 2,49 Mrd. Dollar oder 62 Cent pro Aktie des Vorjahres entspricht. Auf Non-GAAP-Basis meldete Cisco einen Nettogewinn von 4,23 Mrd. Dollar, ein Anstieg gegenüber 3,83 Mrd. Dollar im Vorjahreszeitraum. Damit wurden die Erwartungen der Analysten laut Seeking Alpha um 2 Cent pro Aktie übertroffen.
Der Artikel erschien zuerst bei unserer Schwesterpublikation crn.com.
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