Microsoft plant weitere Entlassungen

Rund 7 Prozent der US-Belegschaft von Microsoft sollen Berichten zufolge ein Abfindungsangebot erhalten, während zugleich Gehaltsstufen konsolidiert und Aktienprämien entkoppelt werden. Partner sehen das als Beleg für eine strategische Wende und rechnen damit, dass es "sowohl Druck als auch Chancen für MSPs" mit sich bringt.

(Foto: Microsoft)

Microsoft strafft Berichten mehrerer US-Medien zufolge seine Organisations- und Gehaltsstrukturen. Damit einhergehend sollen rund 9.000 ältere Mitarbeiter in den USA Abfindungen angeboten bekommen, wenn sie sich frühzeitig in den Ruhestand verabschieden. Ein Novum in der Geschichte des Konzerns. Die Abschiedsprämien stehen laut den Berichten allen US-Angestellten bis zum Level Senior Director zu, die keine verkaufsabhängigen Prämienprogramme haben und deren Dienstjahre und Alter zusammen mindestens 70 betragen. Bis zu 7 Prozent der dortigen Belegschaft könnten damit abgebaut werden.

Darüber hinaus passt Microsoft einige Regeln rund um die internen Stufen und Vergütungen an. So soll es etwa statt der bisherigen 9 künftig nur noch 5 Basis-Gehaltsstufen geben. Darüber hinaus werden die Aktienprämien von den anderen Boni entkoppelt. Das soll es Managern ermöglichen, langjährige Mitarbeiter unabhängig von ihrer bisherigen Leistungsbewertung mit Aktien zu belohnen, führen die auf Informationen von internen Quellen basierenden Berichte aus. Weitere Informationen dazu könnte es in wenigen Tagen geben, wenn Microsoft seinen Bericht zum dritten Geschäftsquartal vorstellt, das bis Ende März ging.

Partner müssen mehr Aufgaben übernehmen

In einer ersten Reaktion auf die Meldung erklärte Corey Kirkendoll, CEO des texanischen Microsoft-Lösungspartners 5K Technical Services, dass er durch die Umstrukturierungen beim Hersteller auch mit Auswirkungen auf die Partner und das eigene Geschäft rechne. Im Interview mit CRN zeigte er sich überzeugt, dass die geringere Zahl interner Mitarbeiter bei Microsoft dazu führen dürfte, dass man bei der Zusammenarbeit mit Kunden stärker auf das 500.000 Mitglieder umfassende Partner-Ökosystem zurückgreifen müsse.

"Aus MSP-Sicht ist das nicht nur eine Anpassung der Belegschaft, sondern ein Zeichen dafür, dass Microsoft auf ein KI-orientiertes, effizienzgetriebenes Modell zusteuert", so Kirkendoll. Der Schritt "schafft sowohl Druck als auch Chancen für MSPs, aktiv zu werden und die Lücke zu schließen."

Milliardenschwere Investitionen für KI

Microsoft investiert Milliarden von Dollar, um mehr Kapazitäten für die Nachfrage nach seinem KI-Produktportfolio zu schaffen. So hatte das Unternehmen im Januar bekanntgegeben, im vorangegangenen Quartal insgesamt 37,5 Milliarden Dollar an langfristigen Investitionsausgaben (CapEx) getätigt zu haben. Zugleich arbeitet Microsoft auch noch mit anderen Unternehmen zusammen, um weitere Kapazitäten zu schaffen. Dazu gehört etwa eine Vereinbarung mit Nscale für ein Projekt in Norwegen, das ursprünglich für OpenAI’s Stargate-Initiative gedacht war, berichtet Bloomberg. Microsoft-CEO Satya Nadella erklärte Anfang des Monats auf X, dass das Fairwater-Rechenzentrum in Wisconsin früher als geplant in Betrieb genommen wird und dort Hunderttausende GB200 KI-Chips zusammengeführt werden.

Und der Konzern hält das Tempo weiter hoch. Im am Mittwoch erwarteten Quartalsbericht sollen weitere 37,2 Milliarden Dollar an Investitionen enthalten sein, berichtet KeyBanc. Das wären über 2,5 Milliarden Dollar mehr als die Analysten an der Wall Street prognostiziert haben. Über das Quartal hinaus rechnen diese insgesamt mit Investitionsausgaben von 154 Milliarden Dollar und damit 50 Milliarden Dollar mehr, als noch vor einem Jahr geschätzt und doppelt so viel vor zwei Jahren.

An der Spitze hat der Konzern den Umbau für die stärkere Ausrichtung auf KI bereits im letzten Jahr begonnen. Ein markanter wichtiger Schritt war hier die Beförderung des Channel-Chefs Judson Althoff zum Commercial CEO. Damit will Microsoft mehr Freiraum für CEO Satya Nadella schaffen, damit er sich stärker auf Infrastruktur und Ingenieurwesen konzentrieren kann, um die KI-Kapazitätsengpässe zu überwinden.

Microsoft ist mit diesen strukturellen Veränderungen nicht allein. Auch andere Hersteller haben angesichts der KI-Investitionen sowie der weltweit steigenden Komponentenpreise und den Engpässen in den Lieferketten damit begonnen, ihre Mitarbeiterzahl zu reduzieren und Strukturen anzupassen. In den letzten Wochen kündigten etwa Amazon, Atlassian, Autodesk, Crowdstrike, Kaseya und Oracle entsprechende Pläne und Maßnahmen an.

Dieser Artikel erschien zuerst bei unserer Schwesterpublikation crn.com.

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