Entlassungen bei Amazon: Welche Pläne CEO Andy Jassys verfolgt

Ist KI für die jüngste Entlassungswelle bei Amazon - 6.000 Betroffene - verantwortlich? Werden weiter folgen? Amazon-Chef Andy Jassy sendet widersprüchliche Signale. CRN zieht ein vorläufiges Fazit der fünfjährigen Amtszeit des Nachfolgers von Amazon-Gründer Jeff Bezos.

Ein Bild, das Screenshot, Design enthält. KI-generierte Inhalte können fehlerhaft sein.

Eine Gruppe von Menschen zerfällt. Mitarbeiter verlassen das Unternehmen. Wissen geht verloren, die Arbeitsbedingungen verschlechtern sich, es kommt zu Entlassungen und "Personaloptimierungen". Von der Amtszeit des CEO von Amazon, in der 57.000 Mitarbeiter entlassen wurden, bis hin zur Frage, ob KI für den Personalabbau verantwortlich ist: CRN fasst zusammen, wie Andy Jassys Amazon verändert hat, seit er 2021 Amazon-Gründer Jeff Bezos als CEO beerbte.

Vergangene Woche bestätigte Amazon, dass der 180 Milliarden Dollar schweren Tech-Giganten mit Sitz in Seattle rund 16.000 Beschäftigte entlassen wird. Hier die fünf wichtigen Erkenntnisse aus früheren Entlassungen unter der Führung von Andy Jassy, während Amazon weiterhin jedes Jahr Milliarden in künstliche Intelligenz investiert.

30.000 Unternehmensjobs in nur vier Monaten gestrichen

Vergangenen Oktober entließ Amazon 14.000 Mitarbeiter und begründete dies mit organisatorischen und strukturellen Veränderungen. Zu den 14.000 Entlassungen gehörten leitende Programmmanager und Chefdesigner ebenso wie Wissenschaftler und Softwareentwickler. Damit beläuft sich die Gesamtzahl der Entlassungen bei Amazon in den letzten vier Monaten auf rund 30.000.

"Wie ich bereits im Oktober mitgeteilt habe, haben wir daran gearbeitet, unsere Organisation zu stärken, indem wir Hierarchiestufen reduziert, die Eigenverantwortung erhöht und Bürokratie abgebaut haben", sagte Beth Galetti, Senior Vice President of People Experience and Technology bei Amazon, in einer Mitteilung an die Mitarbeiter, in der die Managerin vergangene Woche die 16.000 Entlassungen bestätigte. "Während viele Teams ihre organisatorischen Veränderungen bereits im Oktober abgeschlossen hatten, haben andere Teams diese Arbeit erst beendet", fügte sie hinzu. Künstliche Intelligenz erwähnte die Managerin in der E-Mail an die Amazon-Beschäftigten nicht ein einziges Mal.

Die Zahl der Mitarbeiter von Amazon belief sich im Jahr 2025 auf rund 350.000, sodass die 30.000 Entlassungen etwa 9 Prozent der Belegschaft ausmachen.

Fazit: Amazon entlässt keine Lagerarbeiter. Betroffen sind in der Regel hochqualifizierte Mitarbeiter der Unternehmenszentrale, was die Tech-Welt aufhorchen lässt. Amazon ist überzeugt, dass es mit 30.000 Mitarbeitern weniger in der Unternehmenszentrale effizienter und produktiver arbeiten kann, was die Frage nach dem Einfluss von KI aufwirft.

"Zu schnelles Wachstum in den vergangenen Jahren"

Amazon-CEO Jassy sagt explizit, dass die jüngste Entlassungswelle von 14.000 Betroffenen "nicht wirklich durch KI bedingt" ist. Die große Frage: Sind die 30.000 Entlassungen nicht doch darauf zurückzuführen, dass KI menschliche Arbeitsplätze bei Amazon ersetzt?

Der Konzern gibt jedes Jahr Milliarden von Dollar für den Bau neuer Rechenzentren aus, um seine KI- und Cloud-Lösungen weltweit zu betreiben und investiert außerdem massiv in KI-Produktinnovationen – von KI-Agenten bis hin zu KI-spezifischen Chips. Laut Amazon-Führungskräften wie Jassy ist KI nicht der Grund dafür, dass der Technologieriese in rasantem Tempo Unternehmensmitarbeiter entlässt. "Die Ankündigung [von 14.000 Entlassungen], die wir [im Oktober] gemacht haben, war nicht wirklich finanziell motiviert und sie ist auch nicht wirklich KI-gesteuert, zumindest derzeit nicht", sagte Jassy während der Bekanntgabe der Finanzergebnisse von Amazon für das dritte Quartal 2025 vergangenen Oktober. Jassy sieht es so: die Entlassungen seien auf das "zu schnelle" Wachstum in den vergangenen Jahren zurückzuführen.

Die Erkenntnis: Viele Technologieführer auf der ganzen Welt haben sich klar gegen die These ausgesprochen, dass KI menschliche Arbeitsplätze ersetzen wird. Stattdessen werde KI die Produktivität und Fähigkeiten der Mitarbeiter verbessern. Es ist sehr interessant, dass Amazon KI in der Diskussion um die 30.000 Entlassungen weitgehend ausklammert.

Amazon-CEO: KI wird "unsere Gesamtbelegschaft reduzieren"

Obwohl die Führungskräfte von Amazon KI nicht als Grund für die 30.000 Entlassungen in den letzten vier Monaten nannten, sagte Jassy noch im Juni 2025, dass Amazon aufgrund von Effizienzsteigerungen” durch künstliche Intelligenz eine "Reduzierung" seiner Belegschaft erwarte. "Mit der Einführung von mehr generativer KI und Agenten sollte sich die Art und Weise, wie wir arbeiten, ändern. Wir werden weniger Mitarbeiter für einige der heute ausgeführten Aufgaben benötigen und mehr Mitarbeiter für andere Arten von Aufgaben", erklärte Jassy damals in einem Brief an die Mitarbeiter.

"Es ist schwer, genau zu sagen, wie sich dies im Laufe der Zeit auswirken wird, aber wir gehen davon aus, dass KI in den nächsten Jahren zu einem Rückgang unserer Gesamtbelegschaft führen wird, da wir durch den umfassenden Einsatz von KI im gesamten Unternehmen Effizienzsteigerungen erzielen werden", so der CEO von Amazon.

Jassy sagte, dass Mitarbeiter, "die diese Veränderung begrüßen und sich mit KI vertraut machen, uns dabei helfen, unsere KI-Fähigkeiten intern aufzubauen und uns zu verbessern." Solche Mitarbeiter wären "gut positioniert und haben großen Einfluss, uns dabei zu helfen, das Unternehmen neu zu erfinden."

Fazit: Im Juni 2025 sagte Jassy, dass KI die Zahl der Mitarbeiter im Unternehmen reduzieren werde. Als Amazon im Oktober 2025 und Januar 2026 tatsächlich 30.000 Mitarbeiter entließ, sprachen die Führungskräfte plötzlich nicht über den Einfluss der KI auf diese Entscheidungen.

Während Andy Jassys Amtszeit: 57.000 Entlassungen

Die Amtszeit von Amazon-CEO Andy Jassy war seit Mitte 2021 von mehreren Entlassungsrunden und der Einstellung von Projekten mit unzureichender Performance geprägt. Zwischen Ende 2022 und Anfang 2023 baute Amazon im Rahmen einer sogenannten Umstrukturierung etwa 27.000 Stellen im Unternehmen ab.

Jassy ist der ehemalige CEO und langjährige Leiter von Amazon Web Services (AWS), das Amazons KI-Innovationen vorantreibt. Im dritten Quartal 2025 erzielte AWS einen Umsatz von 33 Milliarden US-Dollar, was einem Anstieg von 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Die Muttergesellschaft von AWS, Amazon, erzielte im dritten Quartal einen Umsatz von 180 Milliarden US-Dollar – ein Anstieg von 12 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Amazon meldete einen Betriebsgewinn von 17,4 Milliarden US-Dollar, wobei AWS 11,4 Milliarden US-Dollar zum Betriebsgewinn der Muttergesellschaft beitrug.

Fazit: Andy Jassy hat in weniger als fünf Jahren als CEO mindestens 57.000 Entlassungen veranlasst. Zuvor leitete er AWS. Das wohl wichtigste Kapital des Hyperscalers: Mitarbeiter. Folgen weitere Entlassungen in diesem Jahr? Amazon: "Das ist nicht unser Plan".

Vielmehr erklärte Amazon, man werde Einstellungen vornehmen und in strategische Bereiche investieren. Mitarbeiter müssten nicht mit ständigen Massenentlassungen alle paar Monate rechnen. "Einige von ihnen fragen sich vielleicht, ob dies der Beginn eines neuen Rhythmus ist, bei dem wir alle paar Monate umfangreiche Kürzungen ankündigen. Das ist nicht unser Plan", so die Personalverantwortliche Galetti von Amazon. "Jedes Team wird weiterhin die Eigenverantwortung, Geschwindigkeit und Innovationsfähigkeit für Kunden bewerten und gegebenenfalls Anpassungen vornehmen", sagte sie. "Das war noch nie so wichtig wie heute, in einer Welt, die sich schneller denn je verändert."

Ein Bild, das Menschliches Gesicht, Lächeln, Person, Porträtbild enthält. KI-generierte Inhalte können fehlerhaft sein.

"Einige von ihnen fragen sich vielleicht, ob dies der Beginn eines neuen Rhythmus ist, bei dem wir alle paar Monate umfangreiche Kürzungen ankündigen. Das ist nicht unser Plan". Beth Galetti, Senior Vice President of People Experience and Technology bei Amazon, jüngst in einer Mitteilung an die Mitarbeiter. (Foto: Amazon)

Amazon wird übrigens den meisten US-Mitarbeitern, die von den jüngsten 16.000 Entlassungen betroffen sind, 90 Tage Zeit geben, um intern nach einer neuen Stelle zu suchen. "Während wir diese Veränderungen vornehmen, werden wir auch weiterhin Mitarbeiter einstellen und in strategische Bereiche und Funktionen investieren, die für unsere Zukunft entscheidend sind. Wir befinden uns noch in der Anfangsphase des Aufbaus jedes einzelnen unserer Geschäftsbereiche, und es liegen noch große Chancen vor uns", sagte Galetti.

Fazit: Laut offizieller Aussage von Amazon wird es in den kommenden Monaten keine größeren Entlassungsrunden geben. Unterdessen wird Amazon voraussichtlich kommenden Donnerstag die Finanzergebnisse für das vierte Quartal 2025 und das Geschäftsjahr 2025 veröffentlichen.

Der Artikel erschien zuerst bei unserer Schwesterpublikation crn.com.

CRN-Newsletter beziehen und Archiv nutzen - kostenlos: Jetzt bei der CRN Community anmelden