Partner über Entlassungen bei Oracle: "Zu 1.000 Prozent gut für den Channel"

Es könnte die größte Entlassungsrunde bei Oracle sein, wenn bis zu 30.000 Beschäftigte eine Kündigung erhalten und fast jeden Fünften der 162.000 Mitarbeitenden den Job verliert. Oracle will dem Stellenabbau KI-Investitionen stemmen und könnte stärker auf seine Lösungspartner angewiesen sein.

Fast jeder 5. Oracle-Beschäftigte könnte von der Entlassungswelle betroffen sein, über die am Dienstag Medien berichten (Foto: Oracle)

Softwareriese Oracle plant offenbar Stellenstreichungen im großen Umfang. Äußern wollte sich der Hersteller dazu nicht, wie viele Mitarbeiter entlassen wurden oder welche Auswirkungen die Kürzungen auf den Channel haben würden.

Auf Linkedin berichten viele Oracle-Mitarbeiter von ihren Entlassungen, die per E-Mail zugestellt worden sein sollen. Einige haben den Wortlaut der E-Mail veröffentlicht, was Oracle eigentlich nicht gestattet. Laut den Postings, die CRN nicht verifizieren kann, beschreibt Oracle darin vor allem den technischen Ablauf der Entlassung. Als Grund wird pauschal genannt, dass die Stelle des Adressaten wegfalle. Ein Link zum individuellen Abfindungspaket ist angegeben, zudem sollen Betroffene eine E-Mailadresse angeben, unter der sie erreichbar sind, wenn Oracle ihre Firmen-E-Mail und den Zugang zu Systemen abschaltet.

Anfang des Jahres hatte die Investmentbank TD Cowen in einer Mitteilung berichtet, dass Oracle laut mehreren Berichten Entlassungen von 20.000 bis 30.000 Mitarbeitern in Erwägung ziehe, um den Ausbau seiner KI-Sparte zu finanzieren.

Eine Entlassung von 30.000 Mitarbeitern würde etwa 19 Prozent der 162.000 Mitarbeiter von Oracle im Mai 2025 ausmachen.

Partnerstimmen zu Oracle-Entlassungen

CRN USA hat Oracle-Partner kontaktiert und um eine Einschätzung gebeten, welche Auswirkungen die jüngste Entlassungswelle auf ihre Beziehungen zu Oracle und ihr Geschäft haben könnte.

Oracle-Partner gehen davon aus, dass der Cloud-Software-Riese für Unternehmen stärker auf den Channel angewiesen sein wird. "Zu 1.000 Prozent gut für den Channel", sagt etwa Rhos Dyke, Gründer und Leiter des Oracle Alliance-Bereichs bei Acropolis Advisors. "Die Direktverkäufer von Oracle werden zunehmend auf glaubwürdige und kompetente Partner angewiesen sein, die das Oracle-Versprechen einlösen können."

Dyke verkaufe seit drei Jahrzehnten Oracle-Lösungen. "Die Chancen waren noch nie besser", so der Unternehmer., "Ich werde nie in Rente gehen. Diese Entlassungen bedeuten mehr Chancen für den Channel. Das macht Oracle auf positive Weise schlanker und schlagkräftiger. Die Partner, die Oracle vor 10 Jahren den Rücken gekehrt haben, sollten noch einmal einen Blick darauf werfen. Wenn sie das nicht tun, verpassen sie eine riesige Chance."

Aich C.R. Howdyshell, CEO von Advizex, einem Unternehmen von Myriad360, sieht Potenzial, wenn sich Oracle stärker auf Channel-Partner stützen werde. "Wenn sie weniger Direktverkäufer haben, kommt das dem Channel zugute", so Howdyshell. "Wir sind für alle Oracle-Produkte zertifiziert. Oracle-Partner müssen über die Ressourcen, Mitarbeiter und Beziehungen verfügen, an die Oracle glaubt. Sie sind sehr wählerisch und stellen hohe Anforderungen an ihre Partner. Dies könnte uns helfen, die Beziehung zu Oracle auszubauen, um unseren Kunden einen zusätzlichen Mehrwert zu bieten."

Howdyshell erklärt ferner, dass Advizex seit zwei Jahrzehnten eine Beziehung zu Oracle unterhalte. Er hoffe, dass Oracle angesichts der Entlassungen sein Engagement im Channel verstärken werde. "Oracle könnte wirklich davon profitieren, den Channel stärker einzubinden, da immer mehr Kunden auf uns zählen, um ihnen bei der Ausarbeitung ihrer KI- und Cloud-Strategie zu helfen", sagt er. "Sollte dies zu mehr Chancen für den Channel führen, wären wir bereit, stärker in die Markteinführungsstrategie von Oracle zu investieren."

Welle der Betroffenen auf Linkedin

Zu der Welle von Mitarbeitern, die auf LinkedIn über die Kürzungen berichten, gehören Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen aus verschiedenen Bereichen, darunter Vertrieb, Partnerschaften und Sicherheit:

Ein Vertriebsleiter in der Industrie, der seit etwa vier Jahren bei Oracle tätig ist und an "Cloud-ERP, EPM, CX und SCM" arbeitet und sich als Branchenexperte für "Hightech-Fertigung, Öl & Gas sowie Transportwesen" bezeichnet verfügt.

Ein Senior Application Sales Manager für Oracles Human Capital Management (HCM)-Produkt, der seit etwa fünf Jahren im Unternehmen ist.

Ein leitender Vertriebsmitarbeiter, der seit etwa drei Jahren für Oracle arbeitet, davor etwa sieben Jahre bei Cerner tätig war (Oracle hatte Cerner im Jahr 2022 übernommen).

Ein Experte für globale strategische Partnerschaften, der laut eigener Aussage "eine globale strategische Partnerschaft mit Microsoft im Wert von über 1 Milliarde US-Dollar leitet, einen 360-Grad-Überblick über die Beziehung hat und messbare geschäftliche Auswirkungen in allen Geschäftsbereichen sicherstellt.

Ein Senior Director für Sicherheitsbewertungen, der seit etwa 13 Jahren im Unternehmen tätig ist und "Oracles globales Produkt-Sicherheitszertifizierungsprogramm leitet, wobei der Schwerpunkt auf der Unterstützung von Oracles Cloud-First-Strategie liegt".

Oracle-Ökosystem: "Ich sehe, dass es genauso groß wird wie die Ökosysteme von Microsoft, Google und AWS"

Angesichts der Entlassungen sagt Rhos Dykevon Oracle-Partner Acropolis Advisors, dass Oracle "glaubwürdige und fähige" Partner benötige, um seine Verpflichtungen im Bereich der Cloud-Infrastruktur – die als 'Remaining Purchase Obligation' (RPO) bezeichnet werden – zu erfüllen und erfolgreich zu sein, während das Unternehmen seine Verkaufsoffensive im Bereich der Cloud-Infrastruktur vorantreibt.

"Wenn die Nutzungsraten der Oracle-Cloud in dem Tempo steigen, in dem die RPO-Zahl weiterhin exponentiell wächst, wird Oracle Partner benötigen, um das Versprechen einzulösen, dass jedes Kundenunternehmen auf der Oracle-Cloud in jeder vom Kunden gewählten Umgebung betrieben werden kann – sei es Oracle, AWS, Microsoft oder Google."

Dyke sagt, es gebe eine "riesige Chance für Partner", die 50 Prozent oder mehr der verbleibenden Oracle-Lizenznehmer, die noch vor Ort arbeiten, in die Cloud zu bringen. "Das umfasst alles von Datenbanken über Anwendungen bis hin zu JD Edwards und allen Produkten, die Oracle besitzt", so der IT-Unternehmer.

Dyke sehe auch ein stetig wachsendes globales Oracle-Ökosystem. Tatsächlich, so Dyke, helfe Acropolis Advisors auch aufstrebenden Technologiepartnern dabei, in das Oracle-Ökosystem einzusteigen. "Das sind Unternehmen mit wirklich interessanter KI-gestützter Technologie, Multicloud-Plattform-Sicherheit und -Management", sagt er. "Das Oracle-Ökosystem wächst dramatisch. Ich sehe, dass es genauso groß wird wie die Ökosysteme von Microsoft, Google und AWS."

"Vertriebskanalkonflikte weitgehend beseitigt"

Dyke zeigt sich zudem erfreut darüber, dass Oracle die Partnerzertifizierung durch eine verbesserte Umsatzbeteiligung im Rahmen des neuen kollaborativen Vertriebsmodells des Oracle Partner Network gestärkt hat. "Mit ihrem kollaborativen Vertriebsmodell des Oracle Partner Network haben sie ziemlich gravierende Vertriebskanalkonflikte weitgehend beseitigt".

Der Artikel erschien zuerst bei unserer Schwesterpublikation crn.com und wurde von CRN Deutschland ergänzt.

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