HPE-CEO Neri: Speicherknappheit "bis weit ins Jahr 2027"

Die Partner von HPE werden wohl länger mit den neuen kurzfristigen Preisrichtlinien für Server und andere Enterprise-Infrastruktur leben müssen, als vielen lieb wäre. CEO Antonio Neri erwartet beim knappen Speicher "erhöhte Preise bis weit ins Jahr 2027". Die Nachfrage bleibt hoch, wenn auch mit Verschiebungen bei Produkten und Kundenstrukturen.

"Die Realität ist, dass die Nachfrage stark ist, egal ob sie durch Projekte oder den Einsatz von KI getrieben wird." Antonio Neri, CEO, HPE (Foto: HPE)

HPE stellt sich auf längerfristige Beeinträchtigungen durch die angespannte Situation im Speichermarkt ein. Bei der Vorstellung des aktuellen Quartalsergebnisses prognostizierte CEO Antonio Neri, dass die knappen Verfügbarkeiten und hohen Preise noch mehr als ein Jahr anhalten werden. Für die Partner sind das doppelt schlechte Nachrichten. Denn neben den direkten negativen Auswirkungen der Verknappungen auf ihr Geschäft, wie die Stornierung und Verschiebung von Aufträgen, dürfte das für sie auch bedeuten, dass sie länger als erhofft mit den von HPE eingeführten strikten Gegenmaßnahmen leben müssen, die dem Hersteller etwa die Neubepreisung von Server- und GreenLake-Bestellungen noch bis hin zur Auslieferung erlauben.

"Der IT-Markt sieht sich einer schnellen Verschärfung von Lieferengpässen und steigenden Kosten für Komponenten gegenüber, insbesondere bei DRAM und NAND", sagte Neri in Bezug auf die Situation aus "Warenknappheit und inflationärem Kostenumfeld", unter deren Folgen die gesamte Branche derzeit leidet. Der Hoffnung, dass sich das bald wieder ändern könnte, erteilte er eine klare Absage: "Wir erwarten, dass die erhöhten Preise bis weit ins Jahr 2027 anhalten werden."

Aufgrund der gestiegenen Preise machen DRAM und NAND laut Neri inzwischen mehr als 50 Prozent der "Materialstückkosten" eines traditionellen Servers aus. Zudem ist er sich sicher, dass dieser Anteil sogar noch weiter steigen wird, da die Komponentenkosten weiter zunehmen. Infolgedessen, so Neri, erwartet HPE im gesamten Jahresverlauf steigende durchschnittliche Stückpreise sowohl für Server- als auch Speicherprodukte. Schon im November, Dezember und Januar hatte die Preise erhöht. Neri zufolge waren diese Schritte zum Schutz der Margen notwendig.

Etwas unproblematischer ist die Lage im Netzwerkgeschäft. Dort sei HPE besser von der Entwicklung "abgeschirmt", da der Anteil der Speicherpreise an den Materialstückkosten hier "deutlich geringer" sei, erklärte Neri.

Starke Nachfrage und viel Verständnis seitens der Kunden

Eine gute Nachricht für HPE und auch die Partner überbrachte Neri hinsichtlich der Auswirkungen der höheren Preise und Lieferzeiten auf die Nachfrage. Hier sehe man bisher "null" Auswirkungen, weder beim Volumen noch hinsichtlich einer von manchen befürchteten zeitlichen "Verschiebung" von Bestellungen seitens der Kunden. Im Gegenteil: "Die Nachfrage ist sehr, sehr stark" und die Kunden wollen ihre Produkte laut Neri so schnell wie möglich bekommen. Nicht zuletzt wohl, um weiteren Verteuerungen zuvorzukommen. Denn auch die meisten Kunden haben inzwischen verstanden, wie schwierig die Situation ist und in welche Richtung sie sich in den nächsten Monaten bewegen wird.

Das bestätigte auch Neri und berichtete, er habe mit vielen Kunden gesprochen, die das inflationäre Kostenumfeld für Speicher verstehen. Inwieweit all das jedoch zu Verschiebungen bei den Kundenstrukturen führt, also von wem diese hohe Nachfrage und dringliche hauptsächlich kommt, erläuterte HPE nicht näher. "Die Realität ist, dass die Nachfrage stark ist, egal ob sie durch Projekte oder den Einsatz von KI getrieben wird", befand Neri. "Natürlich machen sie sich Sorgen über die inflationären Kosten, aber aktuell hat das keinerlei Auswirkungen auf die Nachfrage."

Priorität für margenstarke Aufträge

Anschließend betonte Neri nochmals, dass die Maßnahmen wie die Preisanpassungen im gesamten Portfolio und die kürzeren Angebotsbindungszeiten Teil einer "agilen Preisstrategie" sind, mit denen HPE seine Marge zu schützen versucht. "Wir haben unsere Angebotsbedingungen geändert und das Recht eingeführt, bestehende Bestellungen für Bauteil-Kostensteigerungen zwischen Angebotserstellung und Auslieferung neu zu bepreisen", fasste Neri zusammen.

Das ist aber nicht der einzige Ansatzpunkt, den der Hersteller zur Bewältigung der Speicherknappheit nutzt. Zu den weiteren Maßnahmen, die HPE ergriffen hat, gehört laut Neri auch, dass sich der Konzern zusätzliche Liefermengen an Speicherprodukten gesichert hat. "Wir haben unsere langfristigen, mehrjährigen Vereinbarungen mit unseren wichtigsten Chip- und Speicherpartnern ausgeweitet, um die nötige Kapazität für die Kundenbedürfnisse zu sichern", sagte er.

Mit Blick auf die Vertriebsstrategie für das Geschäftsjahr 2026 kündigte Neri an, dass HPE weiterhin "Aufträge mit höheren Margen priorisiert". Eine Ausrichtung, die den Wettbewerb für die Partner deutlich verschärft. Dennoch versprach Neri, dass man weiterhin "proaktiv" mit den Channel-Partnern und Kunden kommuniziere und dabei "Transparenz bei Lieferzeiten und Kosten sowie Empfehlungen für alternative Konfigurationen" biete, um die Nachfrage zu steuern.

Wie sich die Situation auf HPEs Geschäftsergebnis auswirkt und wie Partner die Situation einschätzen, lesen Sie auf der nächsten Seite.

Partner sehen Verschiebungen bei Kunden und Produkten

Aufgrund der rapide steigenden Server-Preise wechseln immer mehr Unternehmen zu verbrauchsbasierten Angeboten wie GreenLake (Foto: HPE)

Trotz der deutlichen Anstiege bei den Speicherpreisen meldete HPE für das erste Quartal des Geschäftsjahres, das am 31. Januar endete, einen Non-GAAP-Gewinn von 65 Cent pro Aktie, sechs Cent über der Zacks-Konsensschätzung von 59 Cent pro Aktie. Der von HPE gemeldete Umsatz von 9,3 Milliarden US-Dollar lag hingegen leicht unter der Zacks-Konsensschätzung von 9,32 Milliarden Dollar. Vor dem Call hatte die HPE-Aktie den Tag mit einem Plus von 68 Cent beziehungsweise drei Prozent bei 21,81 Dollar geschlossen. Im nachbörslichen Handel stieg das Papier am Montag um weitere 23 Cent auf 22,04 Dollar.

HPEs kombinierte Netzwerk-Sparte mit Rückenwind

Im Netzwerkgeschäft kommt die Integration des einstigen Mitbewerbers Juniper Networks zunehmend positiv zum Tragen, für den HPE im vergangenen Juli 13,4 Milliarden US-Dollar bezahlt hatte. Mit einem Umsatzwachstum von sieben Prozent auf normalisierter Basis übertraf die Netzwerksparte im ersten Quartal die Erwartungen. Die Bestellungen für HPEs Data-Center-Switching-Produkte stiegen auf normalisierter Basis im mittleren 40-Prozent-Bereich, getrieben durch "starken Schwung in KI-Rechenzentren und fortlaufende Modernisierungsbemühungen in Rechenzentren", sagte Neri. "Betreiber und Bauherren von KI-Rechenzentren im großen Stil schätzen unsere schnelle Umsetzung, unsere intensive Unterstützung und unsere innovativen Fähigkeiten im Stau-Management."

Die Bestellungen für HPE-Routing-Produkte stiegen auf normalisierter Basis im mittleren 20-Prozent-Bereich. Die starke Nachfrage nach Routing- und Switching-Produkten von HPE – die das Networks-for-AI-Geschäft von HPE bilden – veranlasste HPE, die kumulierten Networks for AI-Aufträge bis Ende des Geschäftsjahres 2026 auf 1,7 bis 1,9 Milliarden US-Dollar anzuheben, gegenüber bislang erwarteten 1,5 Milliarden US-Dollar.

Cloud- und KI-Segment unter Druck

Im Gegensatz dazu sanken die Aufträge im Cloud- und KI-Segment von HPE – zu dem auch Server und Speicher gehören – um drei Prozent, wobei das operative Ergebnis in Dollar um 18 Prozent stieg, angetrieben durch das, was Neri als Preis- und Kostendisziplin bezeichnete.

Die Server-Bestellungen von HPE wuchsen im Quartal im niedrigen zweistelligen Prozentbereich, getrieben durch eine höhere Nachfrage nach traditionellen Servern, da "Kunden KI-Implementierungen ausweiten, die Infrastruktur modernisieren und Bestellungen aufgrund branchenweiter Lieferprobleme beschleunigen", erklärte Neri. Hier spielt aus seiner Sicht auch HPE Financial Services eine entscheidende Rolle, indem es Kunden zertifiziert wiederaufbereitete Gebraucht-Produkte als Alternative anbieten kann. Zudem dürfte aus seiner Sicht HPE GreenLake künftig noch stärker von den steigenden Speicherpreisen profitieren, da immer mehr Kunden auf ein verbrauchsbasiertes Modell umsteigen.

Partner: GreenLake als attraktive Alternative

Der CEO des zur Myriad360-Gruppe gehörenden US-Systemhauses und HPE-Partners Advizex, C.R. Howdyshell, kann die Prognosen von HPE-CEO Neri gut nachvollziehen. Auch er rechnet damit, dass die Speicherkrise bis weit ins Jahr 2027 anhalten wird und dass damit Verbrauchslösungen wie GreenLake zusätzlichen Auftrieb erhalten. Darauf müsse er das Unternehmen entsprechend einstellen: "Wir müssen unsere Risiken durch die Speicherpreise mit anderen Lösungen ausgleichen, sei es Software, as a Service oder Beratungsdienste."

Im Hinblick auf die Kundenstrukturen sieht Howdyshell durchaus eine Veränderung. Während sich große Neocloud- und Cloud-Service-Anbieter seiner Beobachtung zufolge von den Preisen nicht abschrecken lassen, würden einige Bestandskunden zögern und lieber bei ihrer aktuellen Infrastruktur bleiben, sofern es sich bei der geplanten IT-Investition nicht um eine geschäftskritische Situation handelt. Als Beispiel führt er einen großen Fertigungskunden von Advizex an, der eine geplante Compute-Bestellung kürzlich aufgeschoben habe und stattdessen nun plane, die aktuelle Infrastruktur noch für die nächsten 18 bis 24 Monate beizubehalten.

"Sie können es sich mit ihrer aktuellen Lieferkette nicht leisten, weil sie die Kosten letztlich an ihre Kunden weitergeben müssten", führte er aus. "Wenn Kunden können, versuchen sie durchzukommen. Wenn sie es nicht können, suchen sie nach der günstigsten Möglichkeit, mit der Situation umzugehen." Letzten Endes, so Howdyshell, werde in dieser Situation derjenige Anbieter, der die "Herausforderungen in der Lieferkette zuerst löst, am Ende klar als Gewinner dastehen."

Dieser Artikel basiert auf Material unserer Schwesterpublikaiton crn.com.

CRN-Newsletter beziehen und Archiv nutzen - kostenlos: Jetzt bei der CRN Community anmelden