Milliarden-Chance für den Channel: Neocloud auf dem Vormarsch

Im Zuge des KI-Booms und der digitalen Souveränität entstehen weltweit neue Anbieter und hochperformante Rechenzentren für die Neocloud. Der Markt soll sich bis 2030 auf 180 Milliarden Dollar verzehnfachen. Eine gigantische Chance, die sich Anbieter wie Nvidia gemeinsam mit ihren Partnern über passende Hard- und Software sowie Dienstleistungen erschließen wollen.

Der Neocloud-Markt wächst rasant und bietet dem Channel vielseitige Möglichkeiten, davon zu profitieren (Foto: akinbostanci - GettyImages)

Einhergehend mit dem Einzug der KI ändern sich die Anforderungen an Rechenzentren und andere Teile der IT-Infrastrukturen gewaltig. Nicht nur erfordern sie deutlich mehr Performance, sondern auch anders geartete. Statt CPUs spielen in diesen Datacentern GPUs die erste Geige, und auch die Netzwerke und Datenspeicher werden für die KI-Nutzung neu ausgerichtet. Am bekanntesten sind die Gigaprojekte der Hyperscaler wie AWS, Google, Meta und Microsoft. Aber auch auf kleinerer Ebene entstehen immer mehr zu diesem neuen Bedarf passende Rechenzentren, Lösungen und darauf spezialisierte Anbieter. Dieser Bereich der sogenannten Neocloud wächst ebenfalls explosionsartig und spielt eine immer wichtigere Rolle. Insbesondere in Europa, wo das Interesse an unabhängigen und flexiblen Lösungen abseits der US-Hyperscaler im Sinne der digitalen Souveränität Fahrt aufnimmt. (siehe auch: Lokale Cloud oder Hyperscaler? Datensouveränität ist ein heißes Thema im Channel)

Im vergangenen Jahr wurde laut der Synergy Research Group weltweit bereits ein Gesamtumsatz von über 23 Milliarden US-Dollar rund um die Neocloud generiert. Bis 2030 prognostizieren die Analysten einen Anstieg auf etwa 180 Milliarden Dollar. "Es gibt viel Hype um Neocloud, Stargate und Gigawatt-Campus-Entwicklungen, aber wenn man sich durch den Marketing-Nebel hindurcharbeitet und sich die zugrunde liegenden Zahlen ansieht, sind die Wachstumsraten und die zukünftige Marktgröße wirklich beeindruckend", fasst Jeremy Duke, Gründer und Chefanalyst der Synergy Research Group, zusammen.

Neue Datacenter und Bereitstellungsmodelle als Chance

Während das Geschäft mit den Hyperscalern in weiten Teilen am Channel vorbei läuft, hat er bei der Neocloud deutlich bessere Chancen, sich ein Teil dieses Kuchens abzuschneiden. Nvidias US-Channelchef Craig Weinstein zeigte sich jüngst im Interview mit CRN überzeugt, dass sich Neoclouds zu einer "echten Alternative für den Unternehmensweinsatz" entwickeln und damit "ein stetig wachsendes und wichtiges Marktsegment für Nvidia und das gesamte Ökosystem" sind, das die "nächste Phase der Chancen" für die Partner einleite.

"Dies sind beeindruckende Computing-Plattformen, die Nvidia in Zusammenarbeit mit dem Ökosystem entwickelt hat, und wir sind überzeugt, dass Unternehmen im Laufe der Zeit von diesen Neoclouds profitieren werden", so Weinstein. Schon jetzt gebe es einige Vertriebspartner, die diese Chance mit vollem Einsatz angehen: "Wir haben weltweit viele Lösungsanbieter, die Hand in Hand mit einigen der weltweit wichtigsten Neoclouds und Tier-1-Cloud-Anbietern zusammenarbeiten und ihnen bei der Integration und dem Aufbau ihrer KI-Fabriken helfen." Aufgrund ihrer flexibleren Strukturen können die auf Neocloud fokussierten Partner Nvidias neueste KI-Computing-Plattformen wie Blackwell Ultra und die voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte für den Channel verfügbare Rubin, meist besonders schnell integrieren.

Nvidias US-Channelchef Craig Weinstein will die Partner motivieren, sich das Geschäft mit der Neocloud zu erschließen (Foto: Nvidia)

Zudem ist es mit der GPU und sonstigen Hardware und ihrer Integration allein nicht getan. Als Beispiel dafür lieferte Weinstein die mit der KI-Einführung einhergehende Neubewertung unternehmenseigener und gemieteter Rechenzentrumskapazitäten unter Berücksichtigung von Faktoren wie Immobilien-, Energie- und anderen Infrastrukturbeschränkungen. "Wir bewegen uns offensichtlich auf eine Umgebung zu, in der wir beispielsweise flüssigkeitsgekühlte gegenüber luftgekühlter Technologie bewerten und prüfen müssen, ob die Immobilien der Kunden diese Art von Infrastruktur für ihre KI-Anforderungen physikalisch unterstützen", führte Weinstein aus.

Partner als zentrale Stütze der Neocloud

Einer der wichtigsten Nvidia-Partner, die den wachsenden Neocloud-Markt für sich nutzen, ist der US-Dienstleister World Wide Technology, der auf Platz 9 der CRN-Liste "2025 Solution Provider 500" steht. Mike Trojecki, Area Vice President des KI-Bereichs von WWT, erklärte CRN letzte Woche, dass sein Unternehmen mit mehreren Neocloud-Unternehmen auf der ganzen Welt zusammenarbeitet und "erhebliche Chancen" in dem Bereich erwartet. Er geht davon aus, dass die Zahl der Neoclouds weiter steigen wird und dass jedes Neocloud-Unternehmen seine Ausgaben für Rechenzentrumsinfrastruktur und damit verbundene Dienstleistungen im Laufe der Zeit weiter erhöhen wird. "Ich sehe keine Anzeichen für eine baldige Verlangsamung. Ich sehe nur eine weitere Expansion", so Trojecki.

Dabei verdient WWT auf verschiedene Weise Geld mit den Neocloud-Kunden: Durch den Weiterverkauf von Hardware- und Softwareprodukten genauso, wie durch Dienstleistungen für die Konzeption und Integration von Rechenzentren. Dazu kommen außerdem noch laufende Managed-Services-Verträge für jede Neocloud, die für wiederkehrende Umsätze sorgen. "Wir verfügen über die erforderlichen Kompetenzen, um die Implementierungen praktisch durchzuführen. Wir haben die Ingenieure und wir haben unsere langfristige Erfahrung im Bereich der globalen Dienstleister. Das kommt uns bei solchen großen Rechenzentrums-Implementierungen zugute", sagte Trojecki.

Der WWT-Manager stimmte Weinsteins Einschätzung zu, dass der sich verändernde Bedarf der Unternehmen das Wachstum von Neocloud vorantreibt. Dabei stelle er fest, dass einige Kunden ihre KI-Workloads in Neoclouds verlagern, bevor sie den potenziellen Aufbau eigener Rechenzentren prüfen. Trojecki geht davon aus, dass sich dieser Trend bei Unternehmen mit jeder neuen KI-Workload, die sie implementieren, wiederholen wird. "Es wird eher zu einem Bereitstellungsmodell nach dem Motto: 'Lasst uns hier einfach mit Neoclouds anfangen. Dann gehen wir zur nächsten Workload über und schauen, wie es läuft'", ist er sich sicher.

Dieser Artikel entstand mit Material unseres geschätzten Kollegen Dylan Martin.

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