Stehaufmännchen Intel
Intel hat die vor gut einem Jahr begonnene Restrukturierung und Neuausrichtung nach dem Dafürhalten von CEO Lip-Bu Tan erfolgreich umgesetzt und verzeichnet dadurch nun "das stärkste Umsatzwachstum seit mehr als 15 Jahren". Gestützt wird es maßgeblich von einer starken Nachfrage nach Server-CPUs, KI-Lösungen und Foundry-Leistungen.
In den letzten Jahren hatte Intel mit einigen, zum Großteil selbst verschuldeten, Turbulenzen zu kämpfen. Sowohl auf Seiten der Produkte, als auch bei der Fertigung konnte das Unternehmen oft weder die internen noch die externen Erwartungen erfüllen und lieferte Mitbewerbern wie AMD damit Steilvorlagen. Umso wichtiger ist es CEO Lip-Bu Tan darauf hinzuweisen, dass sich das seit seinem Amtstritt und dem von ihm mit teils harten Einschnitten verbundenen Kurswechsel nachhaltig geändert hat. So auch bei der Telefonkonferenz zu den Finanzergebnissen des zweiten Geschäftsquartals 2026, in der er erneut bekräftigte, dass der Chiphersteller seine Umsetzung, Fertigung und operativen Abläufe verbessert, um von der starken Nachfrage nach x86-Prozessoren, KI-Infrastruktur, Advanced Packaging und Foundry-Dienstleistungen zu profitieren.
Als Beleg für den Erfolg dieser Strategie führte Tan an, dass Intel erneut die Prognosen bei Umsatz, Bruttomarge und Gewinn je Aktie übertroffen hat – zum siebten Mal in Folge, wie er betonte. "Unsere zentrale Botschaft ist einfach: Die starke Nachfrage nach unseren Produkten übersteigt weiterhin unser wachsendes Angebot", fasste er zusammen. "Unsere Umsetzung in Design und Fertigung verbessert sich, und die vor 15 Monaten eingeführte operative Disziplin zeigt erste greifbare Ergebnisse. Heute verzeichnen wir das stärkste Umsatzwachstum seit mehr als 15 Jahren."
Diese Ergebnisse spiegeln die internen Veränderungen wider, mit denen Intel schneller und stärker kundenorientiert werden soll, darunter eine bessere Umsetzung in Design und Fertigung, straffere operative Disziplin und eine engere Kundenbindung, erläuterte Tan. Die ausgeweitete Zusammenarbeit mit Google Cloud sei beispielsweise Teil eines breiteren Vorstoßes, Intel im gesamten Unternehmen mit einer KI-First-Mentalität zu führen. Der globale Ausbau der KI-Infrastruktur eröffne dem Chipkonzern sehr gute Chancen in seinem Produkt- und Foundry-Geschäft, zeigte sich Tan überzeugt, verwies aber zugleich darauf, dass die Branche bei führender Logik, Wafern, Speicher und Substraten an Kapazitätsgrenzen stoße.
"Intel ist gut positioniert, um von dieser starken, anhaltenden Nachfrage zu profitieren – mit drei strategisch wichtigen Assets: unserem x86-CPU-Geschäft, unserer Advanced-Packaging-Technologie und unserem umfangreichen Wafer-Foundry-Netzwerk", erklärte er. "Während sich KI vom Training zur Inferenz und zunehmend zu agentischen und Multi-Agenten-Systemen entwickelt, steigt die Dichte von Allzweck-Server-CPUs weiter, und unser Kerngeschäft mit Server-CPUs wächst schneller als je zuvor."
Comeback als Fertiger
Und nicht nur die eigenen CPUs sind derzeit äußerst gefragt. Weil immer mehr Partner, Kunden und OEMs in diesem angespannten Halbleitermarkt nach Alternativen suchen, sieht Tan auch Intel Foundry als zentralen Baustein der Comeback-Strategie des Unternehmens. Auch hier gab es einige Fortschritte zu vermelden. So sollen die Fabriken Intel 7, Intel 3 und Intel 18A die internen Volumenziele dank besserer Ausbeuten, kürzerer Zykluszeiten und mehr Wafer-Starts übertroffen haben.
Die Produktion von Intel 18A sei im Quartal gestiegen, wobei die Ausbeuten über den Erwartungen lägen, während Intel mehrere Produkte auf diesem Fertigungsknoten hochfahre, führte Tan aus. "Wir fahren nun mehrere neue Produkte auf 18A hoch und unterstützen gleichzeitig die wachsende Nachfrage nach unseren führenden Produkten, darunter Panther Lake und Wildcat Lake", sagte er. "Ich lege die Messlatte bei den internen Zielen immer höher, und das Team nimmt die Herausforderung weiter an."
Ähnlich beschrieb der CEO die Lage bei Intel 14A, das ebenso Fortschritte mache. Defektdichte und Transistorleistung lägen hier sogar auf besserem Niveau als bei 18A im gleichen Entwicklungsstadium. "Wir bauen das IP-Portfolio für 14A weiter aus und validieren es, während wir die 14A-Familie für eine breite Nutzung durch unterschiedlichste Kunden positionieren", so Tan. "Ich freue mich über die zunehmende Dynamik bei Kundenprojekten für Intel 14A und bin immer zuversichtlicher, dass 14A ein hoch wettbewerbsfähiges Prozessangebot über die zentralen Faktoren Leistung, Energieeffizienz, Dichte, Kosten und Zeitplan hinweg sein wird."
Blühendes Rechenzentrumsgeschäft
Das besonders starke Quartal von Intels Data Center AI Group (DCAI) wertete der CEO als Beleg, dass Kunden zunehmend die Rolle von x86-CPUs in der KI-Infrastruktur in den Blick nehmen. Das im zweiten Quartal gegenüber dem Vorjahr erzielte Wachstum bei den Serverprozessoren sei das stärkste in der Unternehmensgeschichte gewesen, während Xeon 6 weiterhin zu den am schnellsten hochgefahrenen Produkten in Intels Geschichte zähle, betonte er. Dennoch stehen in Intels Datacenter-Sparte Entlassungen an.
Intel-CFO und Executive Vice President David Zinsner ging in seinen Ausführungen unter anderem auf den von der Data Center AI Group vorgestellte Xeon 6+ (Codename: Clearwater Forest) ein, der das erste Serverprodukt des Unternehmens auf 18A ist. Zudem habe das Team gemeinsam mit den Partnern Sambanova und Foxconn Innovationen für Rack-Scale- und disaggregierte Inferenz angekündigt. "Darüber hinaus hat DCAI unser Connectivity-Angebot durch neue Controller- und Adapterprodukte für Rechenzentrums-, Enterprise- und Telekommunikationsanwendungen weiter ausgebaut", ergänzte er.
Intel sieht Stärkung der Marktführerschaft bei x86 als Priorität
Tans Erläuterungen zufolge entwickelt sich auch Intels Design-Services-Angebot zu einem immer wichtigeren Geschäftsteil mit großem Potenzial: Der Umsatz habe sich im Jahresvergleich nahezu verdreifacht. Intel könne sein x86-Geschäft, IP, Designfähigkeiten, Waferfertigung und Advanced Packaging kombinieren, um speziell entwickelte Netzwerk-, Compute- und Beschleunigerprodukte für die KI-Ära zu entwickeln, unterstrich Tan.
Als Intels wichtigste Prioritäten bezeichnete es Tan, die x86-Produktführerschaft zu stärken und Intel Foundry als weltweit führendes Wafer- und Packaging-Foundry-Geschäft zu etablieren. "Unsere Strategie ist klar, und das Umsetzungstempo nimmt zu", schloss er. "Die Chancen vor uns sind erheblich. Unsere Strategie zeigt erste Ergebnisse, und ich bin zuversichtlich, dass Intel gut positioniert ist, um die nächste Ära des Computings mitzuprägen."
Partner goutieren Intels Wiedererstarken – Lieferprobleme bleiben
Auch Partner bestätigen diese Sicht und sehen Intel zurück in der Erfolgsspur. Eine Entwicklung, die von den meisten äußerst positiv bewertet wird. So etwa von Dominic Daninger, Vice President of Engineering bei Nor-Tech, einem in Minneapolis ansässigen Anbieter kundenspezifischer Systeme mit Schwerpunkt auf Servern für High-Performance Computing. Er berichtete gegenüber CRN, der Wettbewerber AMD habe Intel zuletzt zwar spürbar unter Wettbewerbsdruck gesetzt und damit frischen Wind in den lange deutlich von Intel dominierten Markt gebracht. Dennoch sei es zugleich gut zu sehen, dass Intel seine Wettbewerbsfähigkeit zurückgewinne. "Wir wollen nicht nur einen dominierenden Anbieter am Markt", stellte Daninger klar. "Wettbewerb sorgt auf beiden Seiten für Gesundheit. So sehen wir das. Beide Unternehmen waren über die Jahre gute Partner. Wir nutzen Lösungen von beiden."
Trotz des Aufschwungs bleibt das größte Problem aus seiner Sicht jedoch die Verfügbarkeit. Nach eigener Aussage konnte Daninger hinsichtlich der Engpässe bei Komponenten von Intel bislang noch keine deutliche Entspannung feststellen. Nor-Tech sehe jedoch weiterhin recht solide Lieferzeiten von sechs bis acht Wochen, gelegentlich etwas länger. "Wenn Intel diese Lieferzeiten verkürzt, würde uns das helfen, schneller auf Kundenaufträge zu reagieren", konstatiert er. "Vieles, womit wir zu tun haben, liegt im oberen Preissegment. Wenn wir vorausplanen können, hilft das, denn nur wenige Kunden geben 100.000 bis 200.000 oder vielleicht 500.000 Dollar aus, ohne eine entsprechende Vorlaufzeit einzuplanen."
Geschäftszahlen: Intel wächst in allen wichtigen Bereichen deutlich
Für das zweite Geschäftsquartal 2026, das am 27. Juni endete, meldete Intel einen Gesamtumsatz von 16,13 Milliarden Dollar. Das entspricht einem Plus von 25,4 Prozent gegenüber 12,86 Milliarden Dollar im zweiten Geschäftsquartal 2025 und übertraf die Analystenerwartungen laut Seeking Alpha um 1,65 Milliarden Dollar.
Den größten Teil des Umsatzes stellte die Intel Client Computing and Physical AI Group mit 8,9 Milliarden Dollar, was einem Plus von 13 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Das größte Wachstum verzeichnete der Chiphersteller unterdessen bei der Data Center and AI Group, deren Umsatz um 59 Prozent auf 6,3 Milliarden Dollar hochschnellte. Damit könnte es nicht mehr allzu lange dauern, bis der Geschäftsbereich DCAI die Clients überholt. Aber auch der Umsatz von Foundry kletterte um 31 Prozent und lag mit 5,8 Milliarden Dollar nicht allzu weit davon entfernt. Gleichzeitig sackte das Geschäft mit sonstigen Produkten und Leistungen ab, der Umsatz fiel um 33 Prozent auf 700 Millionen Dollar. Teils konnte das durch segmentübergreifende Verrechnungen in Höhe von 5,5 Milliarden Dollar ausgeglichen werden.
Unter dem Strich erzielte Intel daraus einen GAAP-Nettoverlust für das Quartal von 11,03 Milliarden Dollar beziehungsweise 2,16 Dollar je Aktie. Damit fiel der Verlust deutlich höher aus als im Vorjahr, wo er bei 2,92 Milliarden Dollar beziehungsweise 67 Cent je Aktie gelegen hatte. Auf Non-GAAP-Basis erzielte das Unternehmen einen Nettogewinn von 2,20 Milliarden Dollar beziehungsweise 42 Cent je Aktie, deutlich besser als der Nettoverlust von 441 Millionen Dollar beziehungsweise 10 Cent je Aktie im Vorjahr.
Für das dritte Geschäftsquartal 2026 erwartet Intel einen Umsatz zwischen 15,8 Milliarden und 16,8 Milliarden Dollar. Das wäre ein deutlicher Anstieg gegenüber den 13,7 Milliarden Dollar, die das Unternehmen im dritten Geschäftsquartal 2025 ausgewiesen hatte. Das Unternehmen erklärte außerdem, es rechne für das dritte Quartal 2026 mit einem GAAP-Gewinn von 31 Cent je Aktie und einem Non-GAAP-Gewinn von 38 Cent je Aktie. Im Vorjahr hatte Intel einen GAAP-Gewinn von 90 Cent je Aktie und einen Non-GAAP-Gewinn von 23 Cent je Aktie erzielt.
Dieser Artikel enthält Material unserer geschätzten Kollegen von crn.com.
CRN-Newsletter beziehen und Archiv nutzen - kostenlos: Jetzt bei der CRN Community anmelden