Server-CPUs: AMD will Intel weitere Kunden abnehmen
AMD sieht seine neue EPYC-Prozessorgeneration "Venice" klar im Vorteil gegenüber Intels "Diamond Rapids" Xeon-CPUs. Insbesondere das fehlende Simultane Multithreading werde "uns helfen, noch mehr Marktanteile zu gewinnen", ist das AMD-Management überzeugt. Intel sieht sich unterdessen selbst auf gutem Weg zurück zu alter Stärke.
In den letzten Jahren konnte sich AMD im Bereich der Server-CPUs bereits ein erkleckliches Teil des Kuchens von Intel abschneiden. Neben der Stärke der eigenen Produkte, die zahlreiche neue OEMs und Kunden einbrachte, bekam der Chiphersteller dabei gleich in mehrfacher Hinsicht Schützenhilfe vom Mitbewerber. Zunächst indem Intel sein "Hyperthreading" genanntes Simultaneous Multithreading (SMT) aus den Serverprozessoren entfernte und zuletzt auch durch unglückliche strategische Entscheidungen von Intel hinsichtlich seiner Produktionsstätten, die dazu führten, dass man deutlich schlechter auf die Verwerfungen der aktuellen Komponentenkrise reagieren kann als AMD.
Damit geht AMD mit einer äußerst komfortablen Ausgangslage ins neue Jahr, in dem die Karten mit den neuen CPU-Generationen eigentlich neu gemischt werden sollten. Statt sich vor der neuen Konkurrenz in Form der Intel Xeon "Diamond Rapids"-CPUs zu fürchten, geht AMD ganz im Gegenteil davon aus, deren Leistung mit den eigenen EPYC "Venice"-CPUs noch deutlicher in den Schatten stellen zu können. Auch hier spielt nicht zuletzt wieder das SMT eine wichtige Rolle, wie Madhu Rangarajan, Corporate Vice President für Compute- und Enterprise-KI-Produkte bei AMD, in einem Interview mit CRN ausführte.
AMD will Leistungsvorsprung ausbauen
Seinen Ausführungen zufolge weist selbst die aktuelle EPYC-Generation "Turin" hinsichtlich ihrer Leistung schon einen "ziemlich großen Abstand" zu Intels neuesten Xeon 6 "Granite Rapids"-Prozessoren auf. Dabei beziehe sich der genannte Abstand auf AMDs erklärtes Ziel, sowohl bei der reinen Rechenleistung, als auch bei der Leistung pro Watt und der Leistung pro Dollar die Führung zu erobern und halten, so der Manager. "Und wenn bald Venice kommt, können Sie davon ausgehen, dass sich dieser Abstand noch weiter vergrößert", ist er überzeugt. "Umso mehr als wir wissen, dass unser Wettbewerber einige interessante Entscheidungen im Hinblick auf Multithreading und einige andere Bereiche getroffen hat."
Aus seiner Sicht steht damit ein weiteres hervorragendes Jahr zu erwarten: "Das wird uns helfen, noch mehr Marktanteile im breiten Unternehmensmarkt zu gewinnen, wo dies Auswirkungen auf Ihre Lizenzierung und viele andere damit verbundene Kosten hat.". Im vierten Quartal des vergangenen Jahres war AMDs Anteil an x86-basierten Server-CPU-Auslieferungen im Jahresvergleich um 3,1 Prozentpunkte und gegenüber dem Vorquartal um 1,1 Punkte gestiegen. Der daraus resultierende Marktanteil von 28,8 Prozent bedeutete laut den Analysten von Mercury Research einen weiteren neuen Rekordwert für AMD, während Intel trotz seiner noch immer klaren Führungsposition (71,2 Prozent) zunehmend Federn lassen muss. Laut AMD stieg der Umsatzanteil des Server-Geschäfts damit zuletzt bis auf 41,3 Prozent.
So reagiert Intel auf die Aussagen des AMD-Managers
Um eine Stellungnahme zu Rangarajans Aussagen gebeten, antwortete Intel Fellow Srini Krishna gegenüber CRN, dass der Halbleiterriese weiterhin "positive Impulse bei unseren Rechenzentrums-Kunden sieht – von Cloud-Service-Anbietern über Telekommunikationsunternehmen bis hin zu breiten Unternehmensgruppen – dank der Leistung, Sicherheit und Effizienz der Intel Xeon 6-Familie." Weiter führte der in der Intel Data Group beheimatete Manager aus: "Kunden haben die Wahl und wir müssen ihr Geschäft gewinnen, aber wir sind zuversichtlich bezüglich unseres Fahrplans und konzentrieren uns darauf, Verbesserungen zu liefern, die bei realen Einsätzen zählen."
Hinsichtlich nächsten Entwicklungsschritte und der kolportierten Spezifikationen erklärte der Intel Fellow, das Unternehmen werde Details zu seiner Roadmap "zu einem späteren Zeitpunkt" bekannt geben. "Letztendlich geht es beim Erfolg im Rechenzentrum um den Gesamtwert, den wir in den Bereichen Sicherheit, Effizienz, Konsistenz, Qualität und Plattform-Erfahrung liefern", zeigte sich Krishna überzeugt.
Intel-CEO drängt auf Wiedereinführung von Multithreading
Dass wohl auch den dieses Jahr erscheinenden Diamond-Rapids-CPUs das Simultaneous Multithreading (SMT) fehlen wird, wurde bereits letzten Sommer deutlich, als Intel-CEO Lip-Bu Tan ankündigte, er habe "Maßnahmen ergriffen, um frühere Fehler im Hinblick auf die Multithreading-Fähigkeiten unserer P-Kerne zu korrigieren", indem er die Funktion für zukünftige Xeon-Prozessoren wieder einführen werde. Zu diesem Zeitpunkt war die Entwicklung von Diamond Rapids allerdings bereits so weit fortgeschritten, dass eine Einführung erst für die nächsten Generationen erwartet wird. "Der Verzicht auf SMT hat uns einen Wettbewerbsnachteil verschafft", gestand Tan in einem Rundbrief an die eigenen Mitarbeiter ein und ergänzte: "Die Wiedereinführung wird uns helfen, Leistungslücken zu schließen."
Bei diesen kurz nach seinem Einstieg bei Intel im März 2025 gemachten Aussagen bezog sich Tan auf das Rechenzentrumsgeschäft, dessen Roadmap sich zwischen CPUs mit Performance-Kernen (P-Kernen) wie Granite Rapids und solchen mit Efficient-Kernen (E-Kernen) wie "Sierra Forest" aufteilt. Bei Intel ist Hyperthreading bereits seit Jahrzehnten fester Bestandteil der meisten Prozessoren. Die Technologie ermöglicht es, dass jeder CPU-Kern als zwei logische Kerne agieren und so mehrere Aufgaben gleichzeitig erledigen kann, wodurch sich der Gesamtdurchsatz des Prozessors erheblich verbessern lässt. AMD setzt SMT erst seit der Einführung seiner Zen-Architektur im Jahr 2017 ein.
Obwohl Intel bislang nicht ausdrücklich bestätigte, dass Diamond Rapids kein SMT bieten wird, weisen zahlreiche Hinweise darauf hin. So hatte etwa zuletzt ein Wall-Street-Analyst bei der Vorstellung der aktuellen Geschäftszahlen im Januar darauf hingewiesen und CEO Tan nach der Wettbewerbsfähigkeit der kommenden Server-Prozessoren gefragt. Tan antwortete darauf, Intel sei "laserfokussiert" auf Diamond Rapids-Prozessoren mit 16 Speicherkanälen und treibe die "beschleunigte Einführung" der folgenden Xeon-Generation mit dem Codenamen "Coral Rapids" voran, die SMT mitbringen werde. Zwischen den Zeilen bestätigt auch das wieder, dass Diamond Rapids wohl kein Hyperthreading bieten wird. "Insgesamt sind wir sehr guter Dinge. Das Team ist aufgestellt, die Roadmap ist sehr klar, und wir sind sehr entschlossen, das umzusetzen", übte er sich in Zweckoptimismus.
AMD: "Wir werden das ausnutzen"
Rangarajan, der zuvor mehr als zehn Jahre bei Intel arbeitete, sagte, er gehe ebenfalls davon aus, dass Diamond Rapids ohne SMT komme. Solche Architekturentscheidungen würden Jahre im Voraus getroffen, weshalb es für Intel oder andere CPU-Designer schwierig sei, das Fehlen einer solchen Funktion innerhalb nur einer Generation zu beheben. Da Intel das SMT also wohl erst in den Generationen nach Diamond Rapids zurückzubringen kann, erwarten Rangarajan und der AMD-Manager Steve Berg, dass ihr Unternehmen im dieses Jahr beginnenden neuen CPU-Produktzyklus noch einmal spürbar von Intels inzwischen revidierter Entscheidung zur Abkehr von Hyperthreading bei den Server-CPUs profitieren wird.
"Wir werden das ausnutzen", kündigte Berg im Interview mit CRN an. Er ist als Corporate Vice President für AMDs wichtiges Server-CPU-Geschäft mit Hyperscale-Kunden verantwortlich, deren gigantische Bestellungen für ihre KI-Rechenzentren den Markt gerade antreiben und zum Teil aus den Fugen heben.
Darüber hinaus bot Rangarajan, dessen vorheriger Arbeitgeber Ampere Computing auf Multithreading für seine Arm-basierten CPUs verzichtete, noch eine etwas detailliertere Einordnung an. Er erklärte, dass der Leistungsschub, den die SMT-Fähigkeiten für Cloud- und Unternehmensanwendungen ermöglichen, den vergleichsweise geringen zusätzlichen Flächenbedarf im Silizium aus seiner Sicht in jedem Fall wert sei. "Wenn man sich viele Cloud-Workloads mit geteilten Datensätzen anschaut, profitieren sie stark von Multithreading. Denn wenn einer der Threads blockiert ist, kann der andere dennoch weiterarbeiten", führte er aus. "Und bei manchen wichtigen Workloads, die viele von uns täglich nutzen, sehen wir oft bis zu 50 Prozent Leistungssteigerung allein durch die Möglichkeit eines zweiten Threads – bei minimalem Aufwand im Gesamt-CPU-Bereich." Sein Fazit ist deshalb: "Das ist ein enormer Mehrwert hinsichtlich des Verhältnisses zwischen dem, was man bekommt und wie wenig Chipfläche es kostet."
Multithreading spart Software-Lizenzkosten
Multithreading hilft Unternehmenskunden außerdem dabei, das Maximum aus ihren Softwarelizenzen herauszuholen, besonders bei solchen Lizenzen, die pro Kern vergeben werden, fügte der Manager mit Blick auf Lösungen wie VMware hinzu. "Gerade wenn Sie Workloads haben, die relativ wenig ausgelastet sind, kann der zweite Thread Fortschritte machen, während der erste wartet – und umgekehrt. Ihre Softwarelizenz reicht also viel weiter", so Rangarajan. "Wenn Sie das nun aus Sicht der Gesamtkosten (TCO) inklusive Software betrachten, ergibt sich ein deutlicher Vorteil daraus, einen zweiten Thread zur Verfügung zu haben", ergänzte er. "Deshalb sehen wir einen sehr starken Wertbeitrag für SMT und werden diese Funktion weiterhin anbieten, verbessern und vermarkten."
Starke Arm-Konkurrenz setzt im Datacenter zum Angriff auf Intel und AMD an
Während AMD in dieser Situation gute Chancen sieht, weitere Marktanteile im Server-CPU-Bereich von Intel zu gewinnen, müssen sich beide Unternehmen zugleich mit zunehmender Konkurrenz aus einer ganz anderen Richtung auseinandersetzen: Den Entwicklern Arm-basierter Prozessoren, unter denen auch einige der Hyperscale-Kunden wie Amazon Web Services und Google sind. Zudem hatten kurz nach dem CRN-Gespräch mit den AMD-Managern auch Arm selbst und KI-Chip-Marktführer Nvidia entsprechende Ambitionen angekündigt. Während Arm auf seine AGI-CPU setzt, will Nvidia Agentic-AI-Workloads in Rechenzentren mit dem dafür maßgeschneiderten Vera-Prozessor adressieren.
Rangarajan hatte im Hinblick auf solche Initiativen der Hyperscaler zuvor schon erklärt, dass es AMDs Ziel sei, diesen "so viel Leistung, Leistung pro Watt zu bieten und die Produkte zudem über eine hohe Lieferfähigkeit pünktlich bereitzustellen, sodass wir ihnen die Entscheidung möglichst scher machen." Damit stünden die Hyperscaler vor der Wahl: "Soll ich den Aufwand betreiben, meine eigene CPU zu entwickeln und meine Lieferkette zu managen – gerade in der aktuellen Situation –, wenn AMD Spitzenleistung und Leistung pro Watt bietet, wie in zahlreichen Fällen gezeigt."
Berg ergänzte, dass zudem auch AMD den Hyperscalern die Entwicklung maßgeschneiderter Siliziumprodukte anbiete, auch wenn es derzeit keine entsprechenden Projekte gebe. Auch er unterstrich, dass es AMDs Ziel sei, für die Hyperscaler der "weltweit kollaborativste Siliziumanbieter" zu werden. "Die Beziehung ist sehr intensiv – sowohl technisch als auch geschäftlich. Wir haben Ingenieure, die direkt mit den Architekten und Hardware-Ingenieuren der Kunden zusammenarbeiten, um die passenden Lösungen, die geforderten Geschwindigkeiten und die gewünschten Features zu identifizieren", erklärte er.
Diese Partnerschaft umfasst auch gemeinsame Vertriebsaktivitäten, bei denen AMD Vertriebsteams zusammen mit den Serviceanbietern der Hyperscaler losschickt, "um die Möglichkeiten innerhalb ihrer Flotte zu identifizieren, Kunden zu migrieren oder zu modernisieren", so der Manager. "Damit gewinnen sie entweder neue Kunden oder helfen ihren Bestandskunden, Kosten zu sparen", sagte er.
Dieser Artikel basiert auf Material unserer Kollegen von crn.com.
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