Intel unter Druck: AMD erreicht Rekord-Marktanteil
Um durch die Lieferengpässe bei Server-CPUs nicht noch mehr Geschäft an AMD zu verlieren, priorisiert Intel die entsprechenden Produktlinien. Bislang allerdings mit bescheidenem Erfolg: Denn AMD holt nicht nur im Client-Bereich weiter auf, sondern nimmt Intel mit seinen Server-CPUs auch im Datacenter-Segment weitere Marktanteile ab.
Intels strategische Entscheidung, angesichts der Lieferengpässe im Zuge des KI-induzierten Datacenter-Booms die Produktion von Server-CPUs zu priorisieren, hat einen gehörigen Pferdefuß. Weil Intel dafür Marktanteile im PC-Bereich opfern muss, hat der Mittbewerber AMD hier leichtes Spiel und kann sich dadurch laut Mercury Research neben dem Client-Geschäft auch beim gesamten CPU-Marktanteil über ein neues Allzeithoch freuen. Demnach erreichte AMD im Q4 2025 erstmals einen Marktanteil von 29,2 Prozent bei CPUs, ohne IoT- und Semi-Custom-Produkte. Obwohl Intel mit den verbleibenden 70,8 Prozent seine Spitzenposition klar halten kann, bedeutet das einen weiteren Verlust von Marktanteilen an AMD. Im Vergleich zum Q3 konnte AMD Intel demnach 3,6 Prozentpunkte abnehmen, im Vergleich zum Vorjahr sogar 4,5 Prozentpunkte.
Auch Mercury-Präsident Dean McCarron stellte bei der Präsentation dieser Zahlen einen direkten Zusammenhang zwischen diesen Entwicklungen und Intels Reaktion auf die Lieferengpässe her. Besonders bitter ist für Intel insofern die Feststellung der Marktforscher, dass Intel danke der Maßnahmen im Server-Bereich zwar seinen Absatz steigern konnte – aber nicht so stark wie AMD, das damit weitere Marktanteile erobert hat. "AMD verzeichnete im Quartal in allen Segmenten ein deutlich stärkeres Wachstum als im saisonalen Durchschnitt", fasste McCarron zusammen. Einzige Ausnahme waren ihm zufolge semi-custom Produkte für Spielkonsolen. "Im Gegensatz dazu waren Intels Desktop- und Mobil-Lieferungen aufgrund von Lieferengpässen schwächer als saisonal üblich. Und obwohl Intels Server-CPU-Wachstum den Rückgang im Client-Bereich leicht ausglich, reichte dies nicht aus, um die Veränderung des Gesamtmarktanteils zu beeinflussen", so der Analyst.
Ähnliches berichtet auch AMD selbst. In einer E-Mail erklärte ein Sprecher des Chip-Herstellers, dass der Umsatzanteil am x86-CPU-Markt gegenüber Intel in allen Bereichen gestiegen sei und 41,3 Prozent im Serverbereich, 42,6 Prozent bei Desktops und 24,9 Prozent bei mobilen PCs erreicht habe. Basis dieser Zahlen sind ebenfalls die von Mercury verzeichneten Auslieferungen und Marktanteile, über die AMD seinen Umsatzanteil ableitet.
Intel: Marktführer in Verteidigungsstellung
Angesichts unerwartet hoher Nachfrage nach Server-CPUs hat Intel in den letzten Monaten die Produktion solcher Produkte gegenüber Client-CPUs, insbesondere bei Einstiegsmodellen, priorisiert. Trotz dieser Umverteilung musste Intel-Finanzchef David Zinsner letzten Monat bei der Bilanzkonferenz des Unternehmens allerdings einräumen, dass der Server-CPU-Umsatz für das vierte Quartal "deutlich höher gewesen wäre, wenn wir mehr Nachschub gehabt hätten". "Wir sind absolut eingeschränkt. Was wir im Client-Bereich tun, ist, dass wir uns auf den mittleren und höheren Bereich konzentrieren und weniger auf den Einstiegsbereich. Und wenn wir Überschüsse haben, schieben wir alles in den Data-Center-Bereich, um die Kundennachfrage zu bedienen. Ich denke, Sie werden darauf basierende Marktanteilsverschiebungen sehen", hatte er im Call prognostiziert.
Genau diese Verschiebung tritt nun ein, wenngleich wohl mit etwas mehr Wucht als von Intel erhofft. McCarron zufolge traf die Kapazitätsumverteilung "die mobilen Client-CPU-Auslieferungen des Unternehmens am härtesten und führte dazu, dass Intel im Quartal erhebliche sequenzielle und jahresbezogene Rückgänge bei den Auslieferungen verzeichnete, weit unter den saisonalen Normwerten in einem normalerweise positiven Quartal". Ganz anders die Lage bei AMD: "Im Gegensatz dazu war das mobile Client-CPU-Segment AMDs stärkstes im Quartal. Dies führte zu einem deutlichen Anstieg von AMDs Anteil am mobilen CPU-Markt, der im Quartal einen neuen Rekord erreichte", konstatierte der Marktforscher. Infolgedessen wuchs AMDs Anteil im mobilen CPU-Segment um 4,1 Punkte sequenziell und 2,2 Punkte im Jahresvergleich auf 26 Prozent gegenüber Intels 74 Prozent, so Mercury.
Zudem litt Intel durch die Umverteilung der Produktionskapazitäten auch im Desktop-CPU-Segment unter Lieferengpässen. AMDs Anteil in diesem Bereich stieg um 2,7 Punkte gegenüber dem vorherigen Quartal und im Jahresvergleich um 9,5 Punkte. Damit erreichte AMD auch hier ein Rekordhoch von 36,4 Prozent gegenüber dem Rivalen Intel mit nur noch 63,6 Prozent. "Der Absatz von Desktop-Prozessoren wuchs im Schlussquartal unterhalb der normalen saisonalen Raten, wobei AMDs überdurchschnittliche Ergebnisse durch Intels schwächeres (aber leicht positives) Wachstum aufgrund von Lieferengpässen ausgeglichen wurden", erklärte McCarron dazu in seiner E-Mail.
Während in den Vorquartalen AMDs High-End Ryzen 9000 "Granite Ridge"-Prozessoren den wichtigste Wachstumstreiber gestellt hatten, waren die Auslieferungen des Unternehmens im aktuellen Quartal "breit über alle Produktlinien hinweg höher, einschließlich älterer CPUs und AMDs [Ryzen 8000G] ‚Phoenix Point‘ APU-Produkte", so der Marktforscher.
Trotz Priorisierung holt AMD auch bei Server-CPUs auf
Selbst mit Intels Priorisierung der Produktionskapazitäten für Server-CPUs und nahezu verdoppelter Auslieferungen gegenüber dem saisonalen Durchschnitt reichte dies laut McCarron nicht aus, um AMDs Wachstum im Segment im vierten Quartal entgegenzutreten, oder es gar zu übertreffen. Denn AMDs Server-CPU-Auslieferungen "wuchsen mehr als dreimal so stark wie der Durchschnitt", ergänzte er. Infolgedessen stieg AMDs Anteil im Server-CPU-Segment sequenziell um 1,1 Punkte und im Jahresvergleich um 3,1 Punkte auf 28,8 Prozent gegenüber Intels 71,2 Prozent, so Mercury. Dies markierte laut McCarron ein weiteres Rekordhoch für AMD.
Der Forscher hob hier zudem hervor, dass AMDs fünfte Generation der EPYC "Turin"-Prozessoren erstmals für mehr als 50 Prozent des Server-Umsatzes verantwortlich war. Auch bei Intel übertrafen die Xeon-Prozessoren der fünften Generation "Emerald Rapids" die Vorgängergeneration "Sapphire Rapids" und avancierten damit laut McCarron "Intels meistverkaufter Server-CPU". Während im PC-Markt viele Kunden die Verknappungen und Preissteigerungen mit dem Griff zu älteren CPU-Generationen umgehen, sind für die Datacenter-Kunden somit eindeutig die aktuellen Modelle die erste Wahl, trotz der höheren Wartezeiten und Preise.
Unter Einbeziehung von semi-custom und IoT-Produkten in die Gesamtzahlen des CPU-Marktes konnte AMD seinen Anteil immer noch um 0,4 Punkte sequenziell und um 5,7 Punkte im Jahresvergleich auf 31,3 Prozent gegenüber Intels 68,7 Prozent steigern. Der Hauptfaktor, der das sequenzielle Wachstum für AMD verlangsamte, war der bereits erwähnte Rückgang der System-on-Chip-Lieferungen für Spielkonsolen.
Für das laufende Jahr haben sowohl Intel als auch AMD bereits eine Erhöhung der Produktionskapazitäten angekündigt. Intel will den Ausstoß mit jedem Quartal weiter erhöhen und hofft so darauf, den aktuellen Trend eindämmen und AMD wieder stärker begegnen zu können.
Dieser Artikel basiert auf Material unserer Schwesterpublikation crn.com.
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