Komponentenknappheit: Hyperscaler kaufen Intels CPU-Lager leer
Aufgrund des KI-Booms verzeichnet Intel aktuell eine deutlich größere Nachfrage nach Server CPUs als erwartet und rechnet mit "erheblichen Kapazitätsengpässen bei der traditionellen und neuen Hardware-Infrastruktur". Um gegenzusteuern, zieht der Hersteller unter anderem Produktionskapazitäten aus dem PC-Bereich ab.
Während der KI-Boom die Nachfrage nach Serverprozessoren weiter stark ankurbelt, geht Intel davon aus, dass die zunehmende Verknappung bei Server-CPUs erst etwa im April ihren Höhepunkt erreichen wird. Bei der Bekanntgabe der Ergebnisse des Unternehmens für das vierte Quartal berichtete Finanzvorstand David Zinsner am Donnerstag, dass die sehr große Nachfrage nach Server-CPUs in den letzten beiden Quartalen den Chiphersteller überrascht habe, insbesondere im Hinblick auf die Bestellungen der Hyperscaler-Kunden. Ein Problem, mit dem neben Intel auch zahlreiche andere Komponentenhersteller und ihre Vertriebspartner zu kämpfen haben, insbesondere im Speicher-Bereich. (Siehe auch: Komponentenkrise: "Ware im Regal ist im Zweifel mehr wert als Geld auf dem Konto")
Intel rechnet deshalb für das erste Quartal mit einer Spitzenauslastung bei seinen CPUs. Finanzvorstand Zinsner geht davon aus, dass Intel seine CPU-Auslieferungen nach dem ersten Quartal, das Ende März endet, beschleunigen kann. Da das zum Teil durch eine Verschiebung der Produktion zugunsten der Server-CPUs erreicht werden soll, könnte es auf der anderen Seite allerdings das Geschäft mit PC-Prozessoren beeinträchtigen, bei denen einige Marktforscher ebenfalls eine Nachfragewelle erwwarten.
Trotz der großen Nachfrage verzeichnete Intel im vierten Quartal einen Umsatzrückgang von 4 Prozent gegenüber dem Vorjahr, auf 13,7 Milliarden US-Dollar. Damit war der Umsatz ähnlich hoch wie im Q3, lag aber leicht über der Schätzung der Wall-Street-Analysten sowie der eigenen Prognose des Halbleiterriesen. Gleiches gilt für den Non-GAAP-Gewinn pro Aktie, der mit 15 Cent 15 Prozent über dem Vorjahr lag. Auch bei der Bruttomarge übertraf der Hersteller mit 37,9 Prozent (Non-GAAP-Basis) ungeachtet des leichten Rückgangs um 4,2 Punkte die eigene Prognose.
"Wir haben diese Ergebnisse trotz Lieferengpässen erzielt, die unsere Fähigkeit, alle Stärken unserer zugrunde liegenden Märkte auszuschöpfen, erheblich eingeschränkt haben", unterstrich CEO Lip-Bu Tan in der Telefonkonferenz und versprach: "Wir arbeiten intensiv daran, dieses Problem zu beheben und die Bedürfnisse unserer Kunden besser zu unterstützen." Am Ende seiner Rede zeigte sich Tan aber auch "enttäuscht, dass wir die Nachfrage in unseren Märkten nicht vollständig befriedigen können". Dem fügte er hinzu: "Mein Team und ich arbeiten unermüdlich daran, die Effizienz und den Output unserer Fabriken zu steigern."
Angesichts dieser Lieferengpässe erwartet Intel für das erste Quartal einen Umsatz zwischen 11,7 und 12,7 Milliarden US-Dollar. Im Mittel würde dies einen Rückgang von 11 Prozent gegenüber dem Vorquartal und von 3,9 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum bedeuten. Der Aktienkurs von Intel fiel im nachbörslichen Handel um mehr als 12 Prozent auf 47,60 US-Dollar.
Intel, die Hyperscaler und ihr überraschender Hunger nach Server-CPUs
Entsprechend den Berichten der Führungsebene verzeichnete der Bereich Rechenzentren und KI im vierten Quartal mit einem Anstieg von 9 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 4,7 Milliarden US-Dollar das größte Umsatzwachstum. Zinsner sagte, dies sei das "schnellste sequenzielle Wachstum" gewesen, das das Unternehmen in diesem Jahrzehnt für dieses Segment verzeichnet habe, und merkte an, dass "der Umsatz deutlich höher gewesen wäre, wenn wir mehr Lieferkapazitäten gehabt hätten".
Zur Frage, warum der der Nachfrageanstieg Intel so überrascht hat, führte Tan aus, der Umsatz im Bereich Rechenzentren sei vor allem durch die "sehr starke" Nachfrage nach traditionellen Server-CPU-Produkten für KI-Rechenzentren getrieben worden. Für ihn ein Zeichen, dass diese nicht nur die meist im Fokus stehenden GPUs und KI-Chips benötigen: "Die anhaltende Verbreitung und Diversifizierung von KI-Workloads führt zu erheblichen Kapazitätsengpässen bei der traditionellen und neuen Hardware-Infrastruktur und verstärkt die wachsende und wesentliche Rolle, die CPUs im KI-Zeitalter spielen."
Auch Zinsner verwies in Bezug auf die Nachfragefaktoren für Server-CPUs auf KI-Inferenz-Workloads, insbesondere auf autonom arbeitende KI-Agenten. "Die Welt wandelt sich von durch Menschen ausgelösten Anfragen hin zu persistenten und rekursiven Befehlen, die durch Computer-zu-Computer-Interaktionen gesteuert werden. Die zentrale CPU-Funktion, die diesen Datenverkehr koordiniert, wird nicht nur die traditionelle Servererneuerung vorantreiben, sondern auch eine neue Nachfrage schaffen, die die installierte Basis vergrößert", so Zinsner.
Dabei gestand auch der CFO ein, dass Intel in den letzten beiden Quartalen von dieser Entwicklung und dem damit einhergehenden Nachfrageanstieg von Seiten der Hyperscaler überrascht wurde. "Wenn man etwa sechs Monate zurückblickt und sich die damaligen Prognosen ansieht, dann sah es ganz danach aus, als würde die Anzahl der Kerne steigen, aber es wurde nicht mit einem Anstieg der Stückzahlen gerechnet. Alle Hyperscaler-Kunden, mit denen wir gesprochen haben, hatten uns dies so signalisiert", führte Zinsner aus. "Offensichtlich ist sie jedoch im dritten und vierten Quartal rapide gestiegen. Und bei den jüngsten Gesprächen mit einigen Hyperscaler-Kunden haben wir den Eindruck bekommen, dass dies eine Entwicklung sein wird, die wir noch mehrere Jahre spüren werden", fügte er hinzu.
Produktionsverlagerung und mögliche Einbußen im PC-Geschäft
Aus Zinsners Sicht hat Intel als Chiphersteller in dieser Situation den Vorteil "so viel Nachschub wie möglich herausholen" zu können. Bisher jedoch habe der Konzern "das Angebot nicht dementsprechend gesteuert, da nicht mit einem so deutlichen Anstieg der Stückzahlen in Rechenzentren zu rechnen war". In diesem Sinne erklärte Tan im Hinblick auf den anhaltenden Mangel an Server-CPUs, dass sich das Unternehmen "darauf konzentriert, die verfügbaren Kapazitäten zu erhöhen, um den bedeutenden Aufschwung zu unterstützen, den wir derzeit erleben. Das schließt die Zusammenarbeit mit wichtigen Kunden ein, um deren Bedürfnisse über das Jahr 2026 hinaus zu unterstützen."
Die damit einhergehende Priorisierung der Server-CPUs für wichtige und zahlungskräftige Kunden dürfte zugleich den Druck auf das Geschäft mit PC-Chips erhöhen, von denen einige ebenfalls schon von Verknappungen betroffen sind. Schon im vierten Quartal hatte sich das laut Zinsner auf die Client Computing Group ausgewirkt, deren Umsatz um 7 Prozent auf 8,2 Milliarden US-Dollar zurückging. Dadurch sah sich Intel gezwungen, die Produktion von High-End- und Mid-Range-Prozessoren Vorrang vor Low-End-Modellen zu geben. "Soweit wir dann Überschüsse haben, schieben wir all das in den Bereich der Rechenzentren, um die Kundennachfrage zu befriedigen", kündigte er an.
Der CFO fügte hinzu, dass Intel aufgrund dieser Entscheidungen mit "Anpassungen der Marktanteile" rechne, und betonte, dass das Unternehmen bei diesen Maßnahmen sowohl im Server- als auch im PC-Bereich vor allem die wichtigsten Kunden im Blick hat. "Unser Hauptaugenmerk liegt auf unseren Hauptkunden. Und natürlich haben wir wichtige Kunden im Bereich Rechenzentren. Wir haben wichtige OEM-Kunden sowohl im Bereich Rechenzentren als auch im Bereich Client, und es muss unsere Priorität sein, diese Kunden mit unseren begrenzten Liefermengen zu versorgen", so Zinsner.
Doch nicht nur die CPU-Verfügbarkeiten und Preise erschweren derzeit das Geschäft im Client-Bereich. Zinsner wies zu Beginn des Calls darauf hin, dass das Unternehmen auch von Engpässen bei anderen Komponenten betroffen ist, die die Client-Einnahmen von Intel in diesem Jahr einschränken könnten. Auch das ist laut dem CFO eine direkte Folge des Booms bei KI-Rechenzentren: "In den letzten Monaten ist das branchenweite Angebot an Schlüsselkomponenten wie DRAM, NAND und Substraten aufgrund der starken Nachfrage zur Unterstützung des raschen Ausbaus der KI-Infrastruktur zunehmend unter Druck geraten." Im Client-Bereich schlägt diese Entwicklung besonders stark zu Buche, da auch andere Hersteller die Hardware für Rechenzentren priorisieren.
Dieser Artikel erschien zuerst bei unserer Schwesterpublikation crn.com.
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