CEO Lip-Bu Tan: "Intel ist heute ein grundlegend anderes Unternehmen"

Während Intel beginnt, von den Vorteilen des Booms bei KI-Rechenzentren zu profitieren, führt CEO Lip-Bu Tan die "anhaltenden und stetigen Fortschritte", auf die tiefgreifenden Veränderungen zurück, die er im ersten Jahr seiner Amtszeit beim Halbleiterriesen umgesetzt hat.

"Robustes Wachstum auf lange Sicht", daran arbeitet Intel-CEO Lip-Bu Tan. Es gäbe "noch viel zu tun". (Foto: Intel)

"Vor einem Jahr drehte sich die Diskussion über Intel darum, ob wir überleben könnten", sagte Intel-Chef Lip-Bu Tan diesen Mittwoch bei der Bekanntgabe der Geschäftszahlen. "Heute geht es darum, wie schnell wir unsere Produktionskapazitäten ausbauen und unser Angebot skalieren können, um die enorme Nachfrage nach unseren Produkten zu befriedigen. Das Unternehmen ist heute ein grundlegend anderes, und wir haben noch viel Arbeit vor uns."

Das in Santa Clara, Kalifornien, ansässige Unternehmen meldete für das erste Quartal einen Umsatz von 13,6 Mrd. US-Dollar, was einem Anstieg von 7 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Dies ist vor allem dem 22-prozentigen Wachstum im Rechenzentrumsgeschäft und der KI-Nachfrage zu verdanken.

Sowohl der Umsatz als auch der Non-GAAP-Gewinn pro Aktie lagen deutlich über den Erwartungen der Wall Street. Analysten hatten im Schnitt mit einem Umsatz von 12,4 Mrd. Dollar gerechnet. Der bereinigte Gewinn pro Aktie betrug 0,29 Dollar und übertraf die durchschnittliche Analysten-Prognose von 0,01 Dollar bei weitem.

Der Aktienkurs von Intel machte im nachbörslichen Handel am Mittwoch dieser Woche einen kräftigen Sprung nach oben und kletterte um mehr als 19 Prozent.

Wie Tan Intel im vergangenen Jahr verändert hat

Seit seinem Amtsantritt als CEO im März letzten Jahres hat Tan erhebliche organisatorische Veränderungen vorgenommen, da er sich der Strategie seines Vorgängers Pat Gelsinger verschrieben hat. Die sieht vor, dass Intel neben seinen eigenen Chips auch von anderen Unternehmen entworfene Chips herstellt - Stichwort dieser Auftragsfertigung: "Intel Foundry".

Zu den Veränderungen gehörten: Personalabbau von 15 Prozent, Reduzierung der Führungskräfte um die Hälfte, Einstellung externer Fachkräfte für Schlüsselpositionen in Bereichen wie KI und Rechenzentren sowie ein konservativerer Ansatz bei der Entscheidung über kostspielige Fertigungsprojekte und der Steuerung der Gesamtausgaben.

Tan nutzte zudem eine Forderung von US-Präsident Trump aus dem vergangenen Jahr, er solle zurücktreten, als Anlass für einen Schritt der US-Regierung, zuvor gewährte Bundeszuschüsse in eine Beteiligung an Intel von rund 10 Prozent umzuwandeln, was dem Halbleiterhersteller half, seine Bilanz zu verbessern.

"Mit einer stärkeren Bilanz, einem neuen Führungsteam, einer verjüngten und motivierten Belegschaft und einem erneuten Fokus auf die technische Umsetzung richten wir unsere Aufmerksamkeit ganz auf Innovation, um Chancen in naher Zukunft zu nutzen und das Unternehmen für robustes Wachstum auf lange Sicht zu positionieren", sagte Tan.

Intel hebt Stärken im Rechenzentrums- und PC-Markt hervor

Während der Telefonkonferenz hoben Tan und sein Finanzvorstand David Zinsner die Stärken des Unternehmens im Rechenzentrums- und PC-Markt hervor. "Auch wenn wir die Produktionsleistung steigern, übersteigt die Nachfrage weiterhin das Angebot in allen unseren Geschäftsbereichen, insbesondere bei Xeon-Server-CPUs, wo wir für dieses und das nächste Jahr eine anhaltende Dynamik erwarten", so Tan.

Unter den "zahlreichen langfristigen Lieferverträgen mit Schlüsselkunden", die das Unternehmen für das Rechenzentrumsgeschäft abgeschlossen hat, nannte Tan Google als einen davon und sagte: "Dies ist ein gutes Beispiel dafür, wie wir beim Ausbau der KI-Infrastruktur punkten", während er auf künftige Ankündigungen hinwies.

Intel-Finanzvorstand David Zinsner merkte an, dass die neuen Core Ultra Series 3-Prozessoren für PCs die "stärkste Produkteinführung" seit fünf Jahren sei. Dies habe dazu beigetragen, dass das PC-Geschäft trotz "branchenweiter Komponentenknappheit und Inflationsdruck" um 1 Prozent wuchs, wobei KI-PC-Chips mittlerweile über 60 Prozent der ausgelieferten Client-Prozessoren ausmachen.

Intels Fertigung verbessert sich, aber Foundry-Kunden werden weiterhin benötigt

Aus Sicht der Fertigung berichtete Tan, dass das Unternehmen bei seinen Intel 4- und Intel 3-Knoten Fortschritte mache, da die Ausbeuten für den fortschrittlichsten Prozess, Intel 18A, "nun über den internen Prognosen liegen, was einen bedeutenden Wendepunkt in unserer Umsetzung und unserer Produktionsleistung darstellt".

Der CEO zeigte sich weiterhin zuversichtlich hinsichtlich der Aussichten für das Auftragsfertigungsgeschäft Intel Foundry. Für den langfristigen Erfolg brauche Intel aber noch weitere große Kunden.

Laut Tan hat das Unternehmen den Auftragsbestand für seine Intel 18A-P- und Intel 14A-Knoten ausgebaut, wobei letzterer den fortschrittlichsten Prozess darstellt. Er fügte hinzu, dass die Reife, die Ausbeute und die Leistung von 14A die seines Vorgängers 18A "übertreffen".

Zwar hat Intel noch keine großen Foundry-Kunden bekannt gegeben, doch Tan sagte: "Wir erwarten, dass erste Design-Verpflichtungen ab der zweiten Hälfte des Jahres 2026 und bis in die erste Hälfte des Jahres 2027 hinein entstehen werden". Er wies auf Sondierungsgespräche mit den Unternehmen von Elon Musk hin.

Wie Intel sich angesichts globaler Bedenken weiter verbessern will

Trotz der Fortschritte, die das Unternehmen gemacht habe, warnte der CEO während der Telefonkonferenz zur Bekanntgabe der Geschäftszahlen mehrfach, dass "wir noch viel Arbeit vor uns haben".

Da Intels Rechenzentrumsgeschäft im ersten Quartal im Vergleich zum Vorjahr um 22 Prozent gewachsen ist und das Unternehmen weiteres zweistelliges Wachstum erwartet, zeigte sich Tan zuversichtlich, dass das CPU-Geschäft "in den kommenden Jahren weiterhin ein bedeutender Wachstumsmotor für das Unternehmen sein wird".

Der Manager merkte jedoch an, dass Intel in anderen Bereichen noch Verbesserungspotenzial habe. So plant Intel beispielsweise, eine vor Tans Amtsantritt getroffene Entscheidung rückgängig zu machen, Multithreading aus der Xeon-Roadmap des Unternehmens zu streichen – und zwar mit der Einführung der "Coral Rapids"-CPUs, die die diesjährigen "Diamond Rapids"-Chips ablösen sollen, denen diese Funktion fehlen wird.

Der Chiphersteller baue zudem "still und leise", so Tan, das neue GPU-Angebot aus, nachdem frühere Bemühungen um Beschleunigerchips keine Wirkung gezeigt hätten.

"Der Beschleuniger bleibt für die Spitzen-KI von zentraler Bedeutung. Wir werden in diesem Bereich weiterhin aktiv sein, innovativ arbeiten und Partnerschaften eingehen", so der Intel-Chef.

Intel sieht sich zudem mit einem, wie CFO Zinsner es nannte, "dynamischen" makroökonomischen und geopolitischen Umfeld konfrontiert, ohne dabei den Krieg der USA gegen den Iran und die anhaltenden Zolländerungen zu erwähnen.

"Ansichten zu globalem Wachstum, Politik und Handel prägen weiterhin das Kundenverhalten und Investitionsentscheidungen", sagte er. "Darüber hinaus führen Engpässe und steigende Preise bei Schlüsselkomponenten wie Speicher, Wafern und Substraten zu höheren Kosten, die sich im Laufe des Jahres auf die Nachfrage nach unseren Produkten auswirken könnten."

Tans Zwischenfazit: Intel habe noch viel zu erreichen. "Es war ein ereignisreiches erstes Jahr für mich bei Intel. Es ist erfreulich, unsere Fortschritte zu sehen, auch wenn wir wissen, dass wir noch viel vor uns haben".

Der Artikel erschien zuerst bei unserer Schwesterpublikation crn.com.

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