Intel nutzt die Krise: Weniger CPUs, mehr Umsatz
Durch die Priorisierung auf teure Server-CPUs und teure Modelle mit größeren Margen profitiert Intel kräftig vom KI-Boom und den damit einhergehenden Verknappungen. Trotz geringerem Absatz stieg der Umsatz im Datacenter-Geschäft im ersten Quartal um 22 Prozent. Das PC-Geschäft legte nur um 1 Prozent zu.
Intels Strategie, sich angesichts der enormen Nachfrage durch die entstehenden KI-Rechenzentren in der Produktion auf Server-CPUs zu konzentrieren, zahlt sich für den Chiphersteller aus. Verstärkt durch Preiserhöhungen konnte der Chiphersteller dadurch im ersten Quartal einen ordentlichen Schub für sein Geschäft erzeugen, wie aus dem Ende letzter Woche bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereichten vierteljährlichen 10‑Q-Bericht hervorgeht. Demnach steigerte der Chiphersteller seinen Umsatz in den ersten drei Monaten gegenüber dem Vorjahr insgesamt um 7 Prozent auf 13, 6 Milliarden US-Dollar und übertraf damit die Erwartungen der Anleger an der Wall Street (12,4 Milliarden Dollar) so klar, dass diese den Kurs der Aktie im Anschluss an die Veröffentlichung um mehr als 20 Prozent nach oben trieben.
Und dieses Wachstum entfällt nahezu komplett auf die Umstellung der Produktion und die Preiserhöhungen, wie ein genauerer Blick auf die Zahlen verdeutlicht. Während der Umsatz mit Produkten für Client-PCs in diesem Zeitraum nur um 1 Prozent auf 7,7 Milliarden Dollar zulegte, wuchs er im Rechenzentrums-Geschäft um 22 Prozent auf 5,1 Milliarden Dollar. Rund zwei Drittel davon entfielen allein auf Server-CPUs. Und das, obwohl Intel davon weniger 5 Prozent weniger verkaufen konnte als noch 2025. Teils lag das auch an fehlender Ware. "Die Marktnachfrage überstieg unser verfügbares Produktangebot aufgrund interner Lieferbeschränkungen", so der Bericht. Dies habe, so ergänzte das Unternehmen darin, "unsere Fähigkeit eingeschränkt, die Kundennachfrage vollständig zu bedienen."
Verkaufspreise steigen um 27 Prozent
Der entscheidende Faktor waren somit die deutlich höheren durchschnittlichen Verkaufspreise (Average Selling Prices, ASPs), die Intel mit jedem verkauften Server-Prozessor absetzen konnte. In dem Behördendokument weist Intel einen durchschnittlichen Anstieg der ASPs für Server-CPUs um 27 Prozent aus und nennt einen "höheren Anteil an Premiumprodukten" sowie "nachfragebasierte Preisanpassungen" als Gründe. Den Effekt letzterer hatte Finanzchef David Zinsner jedoch vergangenen Mittwoch bei der Bekanntgabe der Quartalszahlen als vernachlässigbar bezeichnet und trotz der Engpässe von einem "besser als erwarteten verfügbaren Angebot" gesprochen.
Entwicklungen, die sich nach der Beobachtung von Kent Tibbils, Vice President of Marketing des kalifornischen Distributors ASI, durch den gesamten Channel ziehen. Gegenüber CRN berichtete er am Freitag, dass sein Unternehmen von Seiten der Channel-Partner dasselbe Marktbild gespiegelt bekomme, wie von Intel: einen größeren Bedarf an höherwertigen CPUs, um das Wachstum von Inferenz-Workloads zu unterstützen. "Wir sind in einer frühen Phase, in der sich dieses Inferencing zu etablieren beginnt, insbesondere im Enterprise-Bereich. Das ist gut für den Channel", ist er überzeugt.
Trotz dieser Erfolge sieht sich Intel zugleich einer immer stärkeren Konkurrenz von AMD ausgesetzt. Der Rivale kommt mindestens ebenso gut mit den aktuellen Herausforderungen zurecht und konnte Intel zuletzt weitere Marktanteile abnehmen.
Steigende ASPs auch im PC-Geschäft
All das wirkt sich entsprechend auf das PC-Geschäft aus. Indem Produktionskapazitäten in Richtung Server-CPUs verschoben wurden, wanderte im Gegenzug ein Teil der dortigen Verknappungen in das Client-Segment. Indem auch dort die Premium-Produkte priorisiert wurden, stiegen die ASPs um 16 Prozent. Hier spielten zudem die Preiserhöhungen eine etwas deutlichere Rolle als im Server-Segment, auch wenn sie Intel zufolge zum Großteil dem Ausgleich gestiegener Kosten für Ausgangsmaterialien und Produktion dienten.
Zudem hat Intel in diesem Segment im ersten Quartal seine neuen Prozessoren der Core Ultra Serie 3 auf den Markt gebracht. Die große Nachfrage habe Intel zum "schnellsten Hochlauf eines neuen Produkts" veranlasst, den er in den vergangenen fünf Jahren gesehen habe, berichtete CEO Lip-Bu Tan.
Intel rechnet mit weiteren Preiserhöhungen und besserer Versorgung
Dementsprechend positiv ist Intels Prognose für den weiteren Jahresverlauf. Der Hersteller geht weiterhin davon aus, dass die Engpässe im CPU-Bereich ihren Höhepunkt im ersten Quartal überschritten haben. Dafür sollen vor allem zusätzliche Kapazitäten und eine bessere Auslastung und Effizient der bestehenden Fabs sorgen. So berichtet Intel etwa von entsprechenden Fortschritten bei seinen Fertigungsknoten Intel 4 und Intel 3; zudem liegen die Ausbeuten (Yields) des fortschrittlichsten Prozesses Intel 18A "nun über der internen Prognose", so Tan. Das, so ergänzte der CEO, stelle "einen spürbaren Wendepunkt in unserer Umsetzung und unserer Produktion fertiger Produkte in den Fabriken" dar.
Damit sollte sich die Lage im weiteren Verlauf des Jahres etwas entspannen. Zumindest hinsichtlich der Verfügbarkeiten. Denn die Preise dürften auch nach Intels Dafürhalten vorerst noch weiter steigen. Dank einer "verbesserten Versorgung und eines vollen Quartals mit Preisanpassungen" erwartet Zinner in beiden Haupt-Geschäftsbereichen weiteres Wachstum.
Den Ton soll dabei weiterhin das Datacenter-Geschäft angeben, für das mit einem anhaltenden zweistelligen Wachstum gerechnet wird. Neben dem Anhaltenden Rennen um Rechenzentrums-Kapazitäten für KI beobachtet Intel hier eine Verschiebung des Verhältnisses von GPUs zu CPUs in den Servern, die den Bedarf an CPUs zusätzlich steigen lässt. Für das zweite Quartal prognostiziert Intel einen Umsatz in einer Spanne von 13,8 bis 14,8 Milliarden US-Dollar. Das entspräche einem sequenziellen Wachstum von 2 Prozent am unteren und 9 Prozent am oberen Ende der Spanne.
CEO Tan ist überzeugt, damit den Turnaround geschafft zu haben. "Vor einem Jahr ging es in der Diskussion über Intel um die Frage, ob wir überleben können", sagte er in der Telefonkonferenz. "Heute geht es darum, wie schnell wir Fertigungskapazitäten ausbauen und unser Angebot skalieren können, um die enorme Nachfrage nach unseren Produkten zu bedienen. Heute ist dies ein grundlegend anderes Unternehmen – und es liegt noch viel Arbeit vor uns."
Dieser Artikel wurde in Teilen mit Material unserer geschätzten Kollegen von crn.com erstellt.
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