Speicherkrise: HP wappnet sich für weitere Preissteigerungen

Zum Beginn des zweiten Quartals seines Geschäftsjahres registriert HP eine weitere Verdopplung der Speicherpreise. Nach dem Dafürhalten von Finanzchefin Karen Parkhill ist das noch lange nicht der "Höchststand". Vielmehr geht sie davon aus, dass die Preise auch in der zweiten Jahreshälfte noch weiter ansteigen werden. Zugleich vermeldet der Hersteller steigende Erträge und eine wachsende Nachfrage nach KI-PCs.

Karen Parkhill, CFO, HP Inc. (Foto: HP)

HP Inc. geht nicht davon aus, dass die Komponenten- und Speicherkrise bald an ein Ende kommt. Am Dienstag berichtete der PC-Hersteller im Rahmen der Bekanntgabe seiner jüngsten Quartalsergebnisse, dass die Preise für Speicherchips aktuell erneut um etwa 100 Prozent gestiegen sind. Laut Finanzchefin Karen Parkhill hat sich der Preis zum Beginn des zweiten Geschäftsquartals im Februar gegenüber dem ersten Quartal verdoppelt. Aus Sicht von HP "sehen wir derzeit etwa 100 Prozent höhere Preise im Quartalsvergleich von Q1 zu Q2", führte Parkhill aus. "Und wir erwarten, dass die Speicherpreise in der zweiten Jahreshälfte weiter steigen. Wir werden sehen, wie stark sie steigen, aber wir gehen nicht davon aus, dass wir im Q2 schon den Höchststand erreichen."

Auch sie sieht den Hauptgrund für die extremen Kostensteigerungen bei DRAM- und NAND-Chips in der Strategie der Hersteller, vorwiegend die immense wie lukrative Nachfrage der Datacenter-Kunden im KI-Bereich zu bedienen. Das führt auf der anderen Seite dazu, dass sich die Verknappung des Angebots bei Chips für PCs und andere Endgeräte drastisch verschärft. Dennoch zeigte sich Parkhill überzeugt, dass HP dank der frühzeitig eingeleiteten Maßnahmen strategisch solide aufgestellt ist, um sich "mit der Zeit" wieder von den Auswirkungen der branchenweiten Speicherkrise zu erholen.

HP ergreift Gegenmaßnahmen

Gemeinsam mit Interims-CEO Bruce Broussard stellte Parkhill beim Analystentermin einige der zur Schadensbegrenzung ergriffenen Gegenmaßnahmen vor. Dazu zählen etwa das Abschließen möglichst langfristiger Vereinbarungen mit Lieferanten und die Qualifizierung neuer Lieferanten, die zudem deutlich beschleunigt wird. Darüber hinaus habe HP unternehmensweit Maßnahmen zur Kostensenkung eingeführt, ergänzte Broussard. Zusätzlich werden auf Produktebene die Produkte neu konfiguriert und die Nachfrage gesteuert, um das vorhandene Angebot mit den Kundenbedürfnissen abzustimmen. Zudem werden gezielte Preisanpassungen vorgenommen, um die verbleibenden Kostenauswirkungen auszugleichen, sagte Broussard.

Aus Sicht der beiden HP-Führungskräfte sollten es solche Schadensbegrenzungsmaßnahmen und die damit verbundene Strategie dem Unternehmen ermöglichen, die Auswirkungen der steigenden Speicherpreise gut auszugleichen. "Wir haben eine Kombination aus Produktkostmaßnahmen, unternehmensweiten Kostensenkungen und Preiserhöhungen, die uns helfen, die Gesamtbelastung im Laufe der Zeit wieder aufzufangen", fasste Parkhill zusammen.

Partner loben HPs offene Kommunikation

Den Aussagen von Systemhaus-Führungskräften gegenüber CRN zufolge, hat HP bei alldem vorbildlich darauf geachtet, seine Partner schnell und offen über die Preisproblematik zu informieren. "HP war immer die erste, die Alarm schlägt und kommuniziert, was passieren wird", lobte etwa Mike Turicchi, Vice President für strategische Beziehungen und Marketing bei NCS Technologies Anfang des Monats in einem Interview mit CRN. "Bei allen bevorstehenden Preisänderungen waren sie sehr offen und transparent, auch warum sie die Preise erhöhen", sagte Turicchi. "Wir sehen die Situation jeden Tag in den Nachrichten – aber, dass sie das anerkennen und so mit uns zusammenarbeiten, finde ich großartig. Das zeigt echte Partnerschaft."

Wachstum gegen die Krise

Das alles zahlt sich für HP bislang auch aus. Allen Unwägbarkeiten zum Trotz meldete HP für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2026 einen gegenüber dem Vorjahr um 6,9 Prozent auf 14,44 Milliarden US-Dollar angestiegenen Nettoumsatz. Damit übertraf das Unternehmen deutlich die Konsensschätzung der Wall-Street-Analysten, die für das Quartal einen Nettoumsatz von 13,93 Milliarden US-Dollar erwartet hatten. Auch beim Gewinn übertraf HP im Q1 die Analystenerwartungen und meldete einen Non-GAAP-Gewinn je Aktie von 81 Cent, verglichen mit den von der Wall Street erwarteten 77 Cent.

HP auf CEO-Suche

Noch keinen Erfolg gab es hingegen bei der Suche nach einem neuen CEO zu vermelden, nachdem sich der seit 2019 amtierende CEO Enrique Lores Anfang Februar überraschend verabschiedet hatte, um CEO von PayPal zu werden. Der Suchprozess für einen permanenten CEO sei jedoch "bereits in vollem Gange", versicherte Broussard während der Quartalskonferenz am Dienstag. Bei der Auswahl der Kandidaten für den CEO-Posten konzentriere sich der HP-Vorstand auf "bewährte Führungskräfte, die erfolgreich ein großes, mehrteiliges Unternehmen in einem komplexen und dynamischen Umfeld geführt haben", so Broussard.

KI-PCs stark gefragt

Im Gespräch mit CRN Anfang dieses Monats berichtete Kobi Elbaz, Senior Vice President und General Manager für globale Umsatzoperationen bei HP, dass sich das Unternehmen mitten in einer großen KI-PC-Umstellung befindet, die enorme Chancen für Partner biete. Da KI-Chips derzeit von den Lieferanten bevorzugt werden, "bin ich überzeugt, dass wir einen steigenden Anteil der KI-PCs am Gesamtmarkt sehen werden", sagte Elbaz und konstatierte, KI-PCs seien "ein riesiger Markt". "Wir sehen immer mehr Anwendungsfälle und auch leistungsfähigere Geräte hinsichtlich der Anzahl der TOPS [Trillionen Operationen pro Sekunde], die sie ausführen können." Letztlich "glaube ich, wird dies weiterhin das Umsatzwachstum der PC-Branche antreiben", so Elbaz. Diegute Nachricht bei all den Verwerfungen: "Wir sehen eine steigende Nachfrage."

Dieser Artikel erschien zuerst bei unserer Schwesterpublikation crn.com.

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