Komponentenkrise: Intel erhöht Preise für OEMs
In den letzten Tagen berichteten mehrere Vertreter von OEMs gegenüber CRN, dass AMD und Intel ihnen eine Preiserhöhung für ihre CPUs angekündigt haben. Zumindest von Seiten Intels hat das nun ein Manager offiziell bestätigt und mit Engpässen in der Lieferkette bergründet. Damit müssen sich auch Reseller und ihre Kunden auf eine weitere Verschärfung der Preissituation einstellen.
Nachdem die Information über eine weitere Preiserhöhungsrunde der CPU-Hersteller im Channel bereits seit einigen Tagen die Runde machte, hat Intel-Manager David Feng gegenüber CRN nun auch offiziell bestätigt, dass sein Unternehmen die CPU-Preise für OEMs angehoben hat. Seinen Ausführungen zufolge sei dieser Schritt vor allem aufgrund der anhaltenden Lieferengpässe nötig. "Wir arbeiten eng mit den OEMs zusammen, basierend auf steigenden Rohstoffpreisen und der allgemeinen Angebot-Nachfrage-Situation", erklärte Feng, Vice President und General Manager der PC-Sparte in Intels Client Computing Group, diese Woche im CRN-Interview. "Wir haben unsere Preise für die OEMs angepasst."
Details oder zumindest eine Größenordnung wollte dabei allerdings nicht nennen, um den OEM-Partnern nicht vorzugreifen. "OEMs arbeiten eng mit ihren nachgelagerten Partnern zusammen, um Systempreise entsprechend anzupassen." Das Interview mit Feng fand kurz vor der Markteinführung der Core Ultra Series 3 Prozessoren statt, die mit den Chip-basierten Management-, Sicherheits- und Optimierungstechnologien für gewerbliche PCs, Intel vPro, ausgestattet sind. Auch andere Medien haben die durchgestochenen Informationen in den letzten Tagen aufgegriffen, die japanische Publikation Nikkei will zudem erfahren haben, dass AMD seine OEM-Partner wohl erst im April offiziell über den Schritt informieren wollte. AMD hat dazu bis Redaktionsschluss keinen Kommentar auf eine entsprechende Anfrage der CRN abgegeben.
Systemhausmargen von zwei Seiten unter Druck
Die damit weiter verstärkte Dynamik könnte die durch den KI-Datacenter-Boom verursachten Probleme steigender Hardwarepreise und schwankender Produktverfügbarkeit im Channel zusätzlich verschärfen. Schon jetzt sind Systemhäuser als Bindeglied zwischen OEMs und Kunden einem beispiellosen Margendruck ausgesetzt. Während die Hersteller teils drastische Maßnahmen wie eine weitgehende Abschaffung der Preissicherheit ergreifen, um ihre eigenen Margen zu schützen, verlangen auf der anderen Seite die Kunden mehr Verlässlichkeit hinsichtlich der Preise. Um sie bei der Stange zu halten, müssen deshalb am Ende oft die Systemhäuser selbst einen Teil der Mehrkosten und sonstigen Risiken schlucken müssen.
Immerhin versucht Intel zu beruhigen, dass die Preiserhöhungen für CPUs nicht annähernd so stark ausfallen werden wie bei Speicherchips, von denen die KI-rechenzentren noch weitaus größere Mengen aus dem Markt absaugen. Angesicht der dort zu beobachtenden Steigerungsraten um mehrere hundert Prozent, ist das allerdings ein schwacher Trost. Zugleich haben sich die Preiserhöhungen für CPUs schon länger angekündigt. Einhergehend mit der Entwicklung beim Speicher sorgen die Großbestellungen der Rechenzentrumsbetreiber schon seit dem Ende des letzten Jahres für eine zunehmende Verknappung bei Server-CPUs. Dass diese Situation auch auf CPUs für PCs durchschlägt, liegt nicht zuletzt daran, dass Intel – auch das wieder analog zu den Speicherherstellern – die Produktion der höherpreisigen und mit mehr Marge versehenen Server-Chips priorisiert. Weil neue Chips deshalb rar und teurer werden, weichen viele Kunden auf ältere CPU-Generationen aus, die nun ebenfalls schon knapp werden.
Durch diese Priorisierung geht Intel davon aus, dass die Versorgungsschwierigkeiten im Server-Bereich bis Ende März ihren Höhepunkt erreichen und sich anschließend durch die Kapazitätsverschiebungen wieder spürbar beruhigen. Dass ist für Intel auch insofern wichtig, als der Mitbewerber AMD offensichtlich weniger stark unter den Problemen leidet und Intel dadurch im vierten Quartal deutlich Marktanteile abjagen konnte. Am Ende durfte sich AMD über einen neuen Rekord im Markt für x86-CPUs freuen.
Intel behält die Situation daher sehr genau im Blick und bleibt bereit, schnell darauf zu reagieren, wie Feng erklärte: "Die kurzfristige Marktnachfrage nach CPUs für Clients und Rechenzentren ist sehr, sehr hoch, und wir arbeiten intensiv daran, dem Bedarf gerecht zu werden. Wir beobachten die Marktdynamik sehr genau."
Zur Versorgungslage bei den aktuellen Core Ultra Series 3 Prozessoren wiederholte Feng die Aussagen von Intel-CEO Lip-Bu Tan und CFO David Zinsner aus dem Januar und sagte, man sei "auf Kurs" beim Hochfahren der Produktion im großen Volumen des zugrundeliegenden 18A-Fertigungsprozesses. "Wir sind ziemlich zufrieden damit", unterstrich er. Eine Ansicht, die nicht alle Partner so teilen wollen. (siehe Seite 2)
Lenovo-Manager sieht Engpässe bei High-End-Xeon-CPUs
Zu den OEM-Vertretern, die CRN die anstehenden Preiserhöhungen bestätigten, gehört Vlad Rozanovich, Data Center Sales Executive von Lenovo. Im Rahmen von Nvidias GTC-Event berichtete er vergangene Woche über zunehmende Engpässe bei bestimmten Intel-CPU-Konfigurationen, darunter auch höherwertige Xeon 6 "Granite Rapids"-Prozessoren. Der Manager führte dies ebenfalls auf die anhaltende Nachfrage nach GPU-beschleunigten Servern im Rahmen des KI-Booms in Rechenzentren zurück, der auch zu Engpässen bei Speicherchips und GPUs geführt hat. "Da GPU-Server einen Nachfrageschub erlebt haben, sind einige der CPUs, die mit diesen GPU-Servern verbunden sind, ebenfalls von einer stark oder moderat eingeschränkten Versorgung betroffen", so Rozanovich, Senior Vice President der Lenovo Infrastructure Solutions Group.
Diese Engpässe bei Komponenten sind so gravierend, dass sie Lenovo dazu veranlasst haben, einigen Kunden und Channel-Partnern mitzuteilen, dass das Unternehmen bestimmte Rechenzentrumsprodukte "in den nächsten sechs Monaten" nicht liefern kann, so der Manager. Rozanovich deutete außerdem an, dass die Versorgungsprobleme bei Intels neuesten Xeon-CPU-Produkten einige Kunden dazu veranlassen, sich nach älteren Generationen umzusehen, darunter die Xeon-Chips der fünften Generation "Emerald Rapids" und sogar die zweite Generation "Cascade Lake". Intel wird die letzten Lieferungen dieser Produktreihe voraussichtlich bis Oktober vornehmen, nachdem das Unternehmen die Reihe vor mehr als zwei Jahren offiziell eingestellt hat.
"Wir sehen auch, dass mehr Kunden sich nach AMD umsehen", ergänzte Rozanovich. Das bedeute jedoch "nicht, dass sie [AMD] von dem Problem verschont wären".
Channel-Manager berichten über Engpässe bei Low-End- und Alt-CPUs
Auch Manager im Channel bemerken die zunehmenden Engpässe bei Intel-CPUs. Mike Turicchi von NCS Technologies aus Manassas, sagte Anfang des Monats gegenüber CRN, dass er bei Bestellungen für Einstiegs- und Mittelklasse-Xeon-Prozessoren Lieferzeiten von "bis zu sechs Monaten für neue Bestellungen" sieht. Der Lösungsanbieter berichtet außerdem von erheblichen Versorgungsproblemen bei Intel-basierten Chromebooks, wobei Hersteller NCS Technologies mitteilen, dass "es bis zu einem Jahr dauern könnte, bis bei neuen Bestellungen Produkte geliefert werden".
Greg King, Vice President Vendor Management bei D&H Distributing aus Harrisburg, PA, sagte ebenfalls Anfang des Monats, dass er von moderaten Preiserhöhungen für Intel-CPUs im März gehört habe, aber dass ernsthafte Versorgungsprobleme aus seiner Beobachtung bislang nur bei Intel-basierten Chromebooks auftreten. "Wir sehen definitiv Engpässe bei Intel-Chromebooks, und viele Partner suchen nach Alternativen von MediaTek", sagte er über den taiwanesischen CPU-Konkurrenten.
Intel: CPU-Knappheit betrifft "alle" - vom Endkunden bis zum Hyperscaler
Intels Global Channel Chief Dave Guzzi sagte letzten Monat gegenüber CRN, die Engpässe in der CPU-Lieferkette würden wahrscheinlich jeden Partner "querbeet" betreffen. "Ich denke, dass wahrscheinlich generell Partner nicht so viele Produkte von uns erhalten, wie sie gerne hätten. Das gilt wohl universell. Cloud-Service-Provider, OEMs, Systembauer – einfach alle", führte er an. Guzzi sagte zudem schon damals, Intel werde die CPU-Preise wahrscheinlich erhöhen müssen – wenn auch in deutlich geringerem Umfang im Vergleich zu den extrem stark steigenden Preisen für DRAM- und NAND-Chips. "Es wird vielleicht einige relativ kleine Preisänderungen bei CPUs geben, aber nichts im Vergleich zu dem, was wir im Speicherchipmarkt sehen", sagte er.
Dieser Artikel basiert auf Material unserer Schwesterpublikation crn.com.
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