Rekordbewertung für NinjaOne

Geld für Expansion? Braucht NinjaOne eigentlich nicht. Die Geschäfte für den US-Anbieter von IT-Management laufen blendend. Dennoch sammeln die Eigentümer 400 Mio. frisches Kapital ein – und behalten die Kontrolle über ihr milliardenschweres Softwareunternehmen.

Investoren taxierten NinjaOne auf einen Wert von 12,3 Mrd. US-Dollar. Sal Sferlazza und Chris Matarese haben den Softwarehersteller für IT-Management 2013 mitbegründet. Die Meldung über Investoren, die angeblich Schlange stehen, könnte die Bewertung von NinjaOne im Zuge eines Börsengangs noch weiter in die Höhe treiben (Foto: NinjaOne)

Luxussituation für die Unternehmer Sal Sferlazza und Chris Matarese, der eine CEO von NinjaOne, der andere CFO, President und Seriengründer zahlreicher Softwarefirmen. Die Investoren stehen Schlange, um sich an ihrem Softwareunternehmen NinjaOne zu beteiligen. Sferlazza und Matarese haben NinjaOne 2013 unter dem Namen NinjaRMM federführend gegründeten. "Wir hatten eine lange Liste von Unternehmen, die an einer Finanzierung interessiert waren, und haben diese Runde als Gelegenheit verwendet, die bestmöglichen Partner auszuwählen, damit wir unsere Kunden noch besser unterstützen können", sagt Matarese selbstbewusst und legt noch eins obendrauf: "Da wir profitabel sind, ging es bei dieser Finanzierungsrunde nie darum, Kapital für Wachstum zu benötigen". NinjaOne hat gerade mit Investoren eine Serie-C-Erweiterungsrunde abgeschlossen und 400 Mio. US-Dollar erhalten.

Rasantes Umsatzwachstum

Die Expansion samt Zukauf des Backup-Spezialisten Dropsuite vergangenes Jahr für 270 Mio. US-Dollar konnte NinjaOne offensichtlich zum großen Teil allein stemmen. 2025 sei man um fast 70 Prozent gewachsen. Das erste Quartal 2026 sei "rekordverdächtig" ausgefallen, so das Unternehmen. Man habe Profitabilität erreichen können. Die Firma meldete zuletzt Anfang Januar dieses Jahres, die Marke beim regelmäßig wiederkehrenden Umsatz (ARR) von 500 Mio. Dollar geknackt zu haben.

Zudem zeichnete Gartner im Magic Quadranten 2026 für Endpoint Management Tools NinjaOne als Leader aus. Jedem IT-Journalisten, der in den Social Media-Kanälen Softwareanbietern folgt, spült der Algorithmus diese Grafik in die Timeline.

Auf Channelvertrieb umgeschaltet

In Deutschland setzte sich NinjaOne mit seiner SaaS-Lösung für das IT-Management an die Spitze. Maßgeblichen Anteil am Erfolg hierzulande und in anderen Ländern Europas hatte Andre Schindler. CEO Sferlazza machte seinen von Berlin aus agierenden Leiter für die Region EMEA 2024 zum globalen Sales-Chef. Ein Partnerprogramm wurde eingeführt, der Fokus auf den Channelvertrieb gelegt, die MSP-Community gestärkt, neuerdings gemeinsam mit Pax8. Anfang dieses Jahres schloss NinjaOne einen Distributionsvertrag mit dem Augsburger VAD SOS Software Service für die DACH-Region.

Durchbruch "Unified IT Operations" erwartet

Technologisch sieht sich NinjaOne führend im IT-Management, die Anbieter richten ihre Software auf "Unified IT Operations" aus, integrieren KI-Funktionalität für mehr Automatisierung, was Kosten für IT-Verwaltung spart. Die Phantasie der Investoren für dieses Marktsegment regen Analysten mit ihren Marktprognosen an. Gartner beispielsweise: Bis 2030 würden mehr als 50 Prozent der Aufgaben im digitalen Arbeitsplatz über Digital Workplace Operations Automation Platforms automatisiert sein, "verglichen mit weniger als 5 Prozent im Jahr 2026".

Geschickt lässt NinjaOne von anderen Analysten die Vorteile für die aktuell 40.000 Unternehmen in 140 Ländern ermitteln, die die SaaS-Plattform von NinjaOne einsetzen: 720 Prozent Return on Investment über drei Jahre, Amortisierung der Investition innerhalb von vier Monaten, 1 Mio. US-Dollar Mehrwert jährlich pro 5.000 verwalteten Endgeräten, rechnet IDC vor.

"Visionäre Produktführung mit operativer Disziplin auf außergewöhnliche Weise"

"NinjaOne ist hervorragend positioniert, um die zentrale Steuerungsebene für Unified IT zu sein. Die Grundlage dafür bilden eine leistungsstarke, zugleich einfache Plattform, unsere Automatisierungs-DNA und unser konsequenter Fokus darauf, unsere Kunden und Partner erfolgreich zu machen", bekundet CEO Sal Sferlazza.

Die beiden Gründer genießen höchsten Respekt bei Investoren und geben ihnen sehr geschickt zu verstehen, dass die weitere Unternehmensentwicklung am besten in ihren Händen in der Doppelrolle Top-Manager und Mehrheitseigner bleiben sollte, auch wenn weitere Millionen Beteiligungskapital fließen. "Sal und Chris verbinden visionäre Produktführung mit operativer Disziplin auf außergewöhnliche Weise", so Isaiah Boone, Partner bei Sequoia Capital. Indem sie Kunden in den Mittelpunkt jeder Entscheidung stellen, haben sie eine Plattform geschaffen, die einfach funktioniert. Sie ist leicht zu bedienen, gibt IT-Teams und MSPs Zeit zurück, steigert ihre Produktivität und liefert erheblichen Mehrwert," zählt Boone all die Vorteile auf, die man auch von NinjaOne hört.

400 Mio. Dollar frisches Kapital – 12,3 Mrd. Dollar Bewertung

Glaubt man Sal Sferlazza und Chris Matarese die Sache mit den Schlange stehenden Kapitalgebern, dürften sich die ausgewählten Ventures der Serie-C-Erweiterungsrunde, freuen, weitere 400 Mio. US-Dollar in die Kasse von NinjaOne gespült zu haben. Zum Zuge kamen Wellington Management, Teachers’ Venture Growth, BDT & MSD Partners, Sequoia Capital, ICONIQ, Hedosophia, NEA, Washington Harbour Partners, CapitalG und Pinegrove Opportunity Partners. Sollte ein Börsengang klappen, auf den das Management hinarbeitet, werden sie voraussichtlich eine Traumrendite erzielen.

Im Rahmen der weiteren Finanzierungsrunde wurde NinjaOne auf einen Wert von 12,3 Mrd. US-Dollar taxiert – mehr als das Doppelte seit der letzten Kapitalspritze vergangenes Jahr.

Das US-Unternehmen beschäftigt rund 2.000 Mitarbeiter, ist also in den Jahren seit der Gründung enorm gewachsen. Auch nach der neuen Finanzierungsrunde bleibe NinjaOne gründergeführt und schuldenfrei, teilt das Unternehmen. Die Mitgründer Sal Sferlazza und Chris Matarese würden weiter Mehrheitsanteile behalten.

Wettbewerber Teamviewer an der Börse abgestraft

Von so einer "Story" können deutsche Softwareunternehmer nur träumen. Abgesehen von SAP ist der deutsche Softwaremarkt über den Mittelstand nicht hinausgewachsen. Es gibt natürlich auch hierzulande jüngste Erfolgsgeschichten wie die von Daniel Hofmann, Gründer von Hornetsecurity. Sein Unternehmen ging für schätzungsweise 1,8 Mrd. Dollar an den US-Security-Anbieter Proofpoint.

Enttäuschung dagegen bei der Göppinger Softwareschmiede Teamviewer, die mit ihrer Lösung für Gerätefernwartung ein Jahr vor Ausbruch der Corona-Pandemie an die Börse ging und ihren Firmenwert zunächst mehr als verdoppeln konnte.

Teamviewer, 2005 gegründet, mit 1.900 Beschäftigten fast so groß wie US-Konkurrent NinjaOne und mit einer sehr vorzeigbaren EBITDA-Marge (340 Mio. Euro Gewinn bei 767 Mio. Euro Umsatz) kommt allerdings auf eine Marktkapitalisierung von gerade einmal 1 Mrd. Euro. Obwohl in einem nachfragestarken Markt für IT-Management unterwegs, werden die Erlöse der Schwaben in diesem Jahr stagnieren oder nur leicht steigen, so die jüngste Prognose des Vorstands.

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