Hornetsecurity-Chef: "Wir wollen globaler Marktführer für MSP-Security werden"

Es war Daniel Hofmann, der Investoren zum Verkauf von Hornetsecurity an Proofpoint aus den USA drängte. Und damit viel Aufmerksamkeit auf den Security-Spezialisten aus Hannover lenkte – und Neid auf seine Person. Welche Pläne er unter dem Dach von Proofpoint verfolgt. Wie er auf Vorhaltungen des Ausverkaufs digitalsouveräner Softwarefirmen reagiert.

Ein Bild, das Menschliches Gesicht, Person, Lächeln, Kleidung enthält. KI-generierte Inhalte können fehlerhaft sein.

"In den USA sitzt die Hälfte der weltweiten MSPs – also rund 25.000. Wir wollen in den USA und schließlich auch global Security-Marktführer für MSPs werden", sagt Daniel Hofmann im CRN-Gespräch (Foto: Hornetsecurity)

Ein Paukenschlag in der Security-Branche, viel Neid angesichts des Milliarden-Transaktionsvolumens und die Sorge einiger Branchenbeobachter vor dem Auskauf deutscher und damit europäischer Technologieanbieter, die das Konzept der digitalen Souveränität in die Tonne getreten hätten: Daniel Hofmann hatte mit dem Verkauf seiner Hornetsecurity aus Hannover an den strategischen Investor und Security-Riesen Proofpoint im Mai vergangenen Jahres mächtig für Schlagzeilen gesorgt. 1,8 Mrd. US-Dollar schwer war der Deal (der von Medien zunächst auf 1 Mrd. Dollar taxiert worden war), der mittelständische Softwareunternehmer müsste mit seinen erst 45 Jahren wohl nie mehr arbeiten, denken sich Außenstehende und Repräsentanten der deutschen Neidkultur. Hofmann sieht es locker und lacht. "Neid betrachte ich als die höchste Anerkennung", sagt er im CRN-Gespräch. Und für gehörig viel Anerkennung, respektive Neid, hat der gebürtige Freiberger (Sachsen) selbst gesorgt.

Verkauft haben die meisten Anteile die Investoren von Hornetsecurity - Verdane, PSG Equity, TA Associates. Aber auf Initiative von Hofmann. "Die treibende Kraft ging von mir aus. Ich habe neben anderen Unternehmen auch mit Proofpoint gesprochen und diesen Wunschkandidaten dann vorgeschlagen". Mit Proofpoint-CEO Sumit Dhawan habe er sich prächtig verstanden, die "Chemie passt", so Hofmann über den ehemaligen Topmanager bei VMware, der seit Ende 2023 Proofpoint führt und Investor Thomas Bravo mit einer "Story" überzeugte, die sich ganz mit der von Hofmann deckt.

Expansion: USA und global

Die Hornisse aus Hannover soll den Security-Markt für MSPs in den USA aufmischen und Proofpoint hohe, regelmäßig wiederkehrende Einnahmen bescheren. ARR (Annual Recurring Revenue): Die "Währung" schlechthin, für die Investoren kräftige Aufschläge zu zahlen bereit sind. "In den USA sitzt die Hälfte der weltweiten MSPs – also rund 25.000. Wir wollen in den USA und schließlich auch global Security-Marktführer für MSPs werden", so Hofmanns ambitioniertes Ziel. Sich bescheiden auf die DACH-Region und Europa ist nicht sein Ding. Eben so wenig ein eher gemächliches Wachstum, wie es andere Softwarehersteller aus der deutschen Security-Branche planen, die historisch mit Antispam (Hofmann und Kompagnon Oliver Dehning gründeten 2007 Antispameuropa und firmierten später zu Hornetsecurity) und E-Mail-Security starteten.

Expansion aus eigener Kraft in die USA und andere Länder kam für Hofmann aus eigener Kraft nicht in Frage. Das Risiko wäre zu groß gewesen, die finanziellen Mittel hätten wohl auch nicht gereicht. "Ein Scheitern hätte die ganze Firma gefährden können", sagt er. Das habe er im Interesse der Kunden nicht riskieren wollen. Hofmanns Vision, die ihn antreibt: "Wir wollen die besten Produkte mit der höchsten Sicherheitsrufe bieten und so unsere Kunden schützen".

Umsatzverdopplung alle 18 Monate steht bei Hornetsecurity auf dem Plan. Den Umsatz von Hornetsecurity gab Proofpoint bei der Übernahme im Mai 2025 mit 200 Mio. Dollar an (ARR). Mit dem Geschäftsjahr 2025 ist Hofmann sehr zufrieden, das Jahresendgeschäft war ausgesprochen stark. "Rekordzahlen für Hornetsecurity, das stärkste Jahr überhaupt".

Kunden seien übrigens nicht abgesprungen, versichert Hofmann und reagiert damit auf Stimmen und Stimmung von Wettbewerbern, die sich angeblich nicht haben retten können vor MSPs, die den angeblich unsicher gewordenen Hafen der digitalen Souveränität verlassen und Hornetsecurity den Rücken kehren wollten. "Es gab Nachfragen, aber wie aber keinen einzigen Partner verloren", sagt Hofmann. Technologisch kann man den Zugriff Dritter auf Plattformen und Daten ausschließen, "US-Gesetze ändern können wir nicht", so der Chef von Hornetsecurity.

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250 neue Jobs bei Hornet, Proofpoint-Börsengang vielleicht in diesem Jahr

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Ist nun größter Einzelaktionär von Proofpoint nach dem Verkauf der von Daniel Hofmann (im Bild) und Oliver Dehning gegründeten Hornetsecurity an den US-Konzern aus dem Silicon Valey (Foto: CRN)

Er leitet nun unter dem Dach von Proofpoint das globale MSP-Business, zu dem die MSP-Plattformen Hornetsecurity und Proofpoint Essentials MSP gehören. Beide Plattformen sollen perspektivisch integriert werden, was nicht in einer Hauruck-Aktion durchgeführt wird. Ginge es nach Hofmann, er würde die technologische Vereinigung "in sechs Monaten" durchziehen. Macht er aber aus Rücksicht auf die Partner nicht. "Ihr Feedback ist uns wichtig", so Hofmann. Seine Sparte soll bis 2030 so viel Umsatz generieren, dass sie mit den anderen Geschäftssäulen von Proofpoint gleichzieht.

Personell will Hornetsecurity in diesem Jahr kräftig aufstocken. Zu den aktuell rund 900 Beschäftigten sollen 250 Mitarbeitende dazukommen. 12.000 Kunden zählen die Hannoveraner. Auch in den USA stellt Proofpoint aktuell viele Mitarbeiter ein, so Hofmann, der alle 3 bis 4 Wochen ins Silicon Valey zur Zentrale von Proofpoint reist, während Frau, drei kleine Kinder und Hund auf ihn warten.

Für den einen Termin, der Neidern wieder einmal Grund gibt, wird Daniel Hofmann nach New York fliegen. Wenn die Bösenglocke für Proofpoint an der Technologiebörse Nasdaq läuten wird und einer der größten Einzelaktionäre den Eröffnungskurs mit der Anzahl seiner Aktien im Kopf überschlägt. Die Vorbereitung für das noch nicht terminierte IPO laufen.

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