Komponentenkrise: Deutlicher Preisanstieg bei Notebooks und PCs im Q2 erwartet
Um die gigantische Nachfrage nach KI-Infrastruktur möglichst weitgehend nutzen zu können, haben viele Hersteller ihre Produktion entsprechend angepasst. Auf der anderen Seite verschärft sich dadurch die angespannte Situation bei Komponenten für PCs und andere Endgeräte. Im zweiten Quartal dürfte dieser Druck auf Preise und Verfügbarkeiten nochmals zunehmen.
Als Reaktion auf den gigantischen Ausbau der KI-Kapazitäten haben viele wichtige Komponentenhersteller wie Intel oder Micron in den letzten Wochen ihre Fertigungslinien deutlich in Richtung der entsprechenden Infrastrukturprodukte wie etwa Speichern mit hoher Bandbreite verschoben. Aufgrund der begrenzten Produktionskapazitäten geschieht diese Priorisierung der margenstarken Produkte zulasten der Komponenten für andere Hardware. "Da neue Fertigungsanlagen in der Regel mehr als zwei Jahre benötigen, um in Betrieb zu gehen, hat das Angebot Schwierigkeiten, mit der Nachfrage Schritt zu halten", fasst James Bates, Senior Retail Analyst bei Context, zusammen und konstatiert: "Die jüngsten Gewinne der großen Speicheranbieter unterstreichen das Ausmaß dieser Verschiebung, da die durch KI getriebenen Umsätze stark ansteigen und die Lagerbestände bis weit ins Jahr 2026 hinein begrenzt bleiben werden."
Preise verdoppelt und kein Ende in Sicht
Bezogen auf einen Preisindex von 100, der die Durchschnittskosten von Juli bis September 2025 abbildet, sind laut Context allein die RAM-Preise in Europa im Schlussquartal auf Indexwerte zwischen 155 und 220 geklettert, haben sich also innerhalb eines Quartals in etwa verdoppelt. Etwas weniger stark war die Entwicklung demnach bei Standard- und Consumer-SSDs, deren Indexpreis im Jahresendgeschäft um 25 bis 35 Prozent auf Werte zwischen 125 und 135 gestiegen ist. Ähnliche Verteuerungen sind zudem bei einigen CPUs zu verzeichnen, ganz zu schweigen von Verfügbarkeitsengpässen, die teils schon jetzt Projektplanungen über mehrere Wochen oder gar Monate unmöglich machen.
Besonders drastisch wirkt sich diese Entwicklung auf Produktgruppen wie PCs aus, die gleich mehrere der zunehmend knappen und teuren Komponenten benötigen. Am deutlichsten ist das derzeit bei Desktop-PCs zu beobachten. Im Vergleich zum Jahresanfang 2025 ist der durchschnittliche Verkaufspreis im Channel den Erhebungen von Context zufolge von 560 Euro auf 609 Euro angestiegen.
Völlig anders stellt sich die Lage derzeit noch bei Notebooks dar, deren aktueller Durchschnittspreis von 728 Euro sogar unter dem Vorjahreswert von 768 Euro liegt. Das ist nach dem Dafürhalten von Context jedoch einzig dem längeren Produktionszyklus von Notebooks geschuldet, aufgrund dem die Hersteller größere Lagerbestände anlegen. Somit handelt es sich hier lediglich um eine Art Strohfeuer, das sich aus dem Abverkauf von Geräten speist, deren Komponenten zum Großteil noch vor der Zuspitzung der Lage gekauft wurden.
PC-Markt: Schlechte Aussichten für das Q2
Die Marktforscher gehen jedoch davon aus, dass dieser Puffer schon bald aufgebraucht sein wird. Bei neueren Geräten werden die Hersteller die gestiegenen Komponentenkosten dann entsprechend einpreisen, wodurch sich zeitversetzt auch Notebooks spürbar verteuern dürften. Angesichts dieser Entwicklung und der erwarteten weiteren Zunahme der Verknappungen rechnet Context für das zweite Quartal mit einer weiter zunehmenden Volatilität und Steigerung der Preise.
"Sobald die alten Lagerbestände aufgebraucht sind, werden höhere Komponentenkosten unvermeidlich sein", bestätigt Bates und empfiehlt Resellern deshalb vorzusorgen: "Einzelhändler, die sich frühzeitig Lagerbestände sichern und den Wert einer Aufrüstung klar erklären, werden besser positioniert sein, wenn sich die Preise auf dem gesamten Markt neu einpendeln." Eine Strategie, die ganz ähnlich auch Hersteller wie Lenovo ihren Partnern nahelegen (siehe: Komponentenkrise: "So schnell wie möglich kaufen")
CRN-Newsletter beziehen und Archiv nutzen - kostenlos: Jetzt bei der CRN Community anmelden