VMware oder Alternative? "Niemand sagt halt gerne: 'Ich habe noch keinen fertigen Plan'"

Oktober 2027 ist für aktuelle und ehemalige VMware-Dienstleister eine wichtige Deadline. Handeln müssen und sollten Partner aber jetzt, rät das Systemhaus SAC. Im Markt kursiere aktuell viel Halbwahres, stellt Jan Wichmann von SAC fest.

"Seit Broadcom Ende 2023 VMware übernommen hat, ist im Lizenzmodell ziemlich viel passiert, und das meiste davon trifft Mittelständler härter als Großkonzerne", sagt Jan Wichmann von SAC. Das Bild entstand auf der VMware Explore 2024 in Las Vegas (Foto: Broadcom)

Kann politischer Druck etwas gegen VMware-Eigentümer Broadcom ausrichten? Gegen die Geschäftspraktiken (u.a. Kündigung aller Partnerverträge) und teils massive Lizenzkostensteigerungen haben sich 5 europäische Cloud- und IT-Anwenderverbände (u.a. CISPE und VOICE) zusammengeschlossen und fordern von der EU-Kommission wettbewerbsrechtliche Eilmaßnahmen, die Broadcom zwingen würden, die Änderungen zurückzunehmen.

Würde die EU-Kommission ein förmliches Kartellverfahren gegen Broadcom/VMware einleiten, würde eine Entscheidung mehrere Jahre dauern. Derweil setzt der Marktführer für Virtualisierungssoftware seine Pläne zur Neuausrichtung seiner Geschäftsbeziehungen und seine Produkt-Roadmap unbeirrt fort. Ehemalige Partner, die ihren Status bei VMware verloren, aber noch Installationen von Kunden bereuen, müssen reagieren.

Nicht jeder heimlos gewordene VMware-Partner will seine Installationen (und Kunden) in die Rechenzentren großer VMware-Partner überführen, die dafür bereitstehen (CRN berichtete über Datagroup und diese Woche im Rahmen einer Personalmeldung über Leaseweb). Was aber tun? Augen zu und warten? Die schlechte Nachricht herauszögern und Kunden über steigende Kosten erst einmal nicht informieren?

"Viele IT-Dienstleister stecken selbst noch in der Orientierungsphase. Manche scheuen das Gespräch, weil die Nachricht unangenehm ist. Sowas wie 'Eure Kosten steigen, und ich habe noch keinen fertigen Plan' sagt halt niemand gerne", beobachtet Thorsten Podzimek vom IT-Dienstleister SAC, selbst Systemhaus-Chef, wie andere Systemhaus-Chefs an das ungelöste Strategieproblem herangehen – nämlich gar nicht. "Manche haben ein eigenes Interesse, ihre Kunden in einer bestimmten Lösung zu halten. Das ist menschlich, aber es hilft dem Kunden nicht", so Podzimek.

Oktober 2027: "Wer einen klaren Plan hat, ist vorbereitet, Top!"

Was dem Kunden helfen würde: Klarheit, Aufzeigen der Möglichkeiten auch alternativer Virtualisierungsanbieter, valide Kostenrechnungen, also fachlicher Rat und Empfehlungen. Voraussetzung: ein solches Systemhaus hat (und behält) den Überblick, was bei VMware passiert – sofern der Hersteller seine Infos auf den Tisch gelegt hat.

Oktober 2027 wird VMware eine weitere Maßnahme in Kraft setzen, deren Folgen Partner gut überlegen sollten – und zwar jetzt, nicht erst in einem Jahr. "Was ist euer Plan für unsere VMware-Umgebung nach Oktober 2027? Wer einen klaren Plan hat, ist vorbereitet, Top! Wer ausweicht oder vertagt, hat sich selbst noch nicht damit beschäftigt. Weniger gut", so Podzimek.

Abteilungsleiter Jan Wichmann und sein Team bei SAC stellen Fakten zusammentragen und räumen mit manchen Mythen auf, die sich um VMware und Virtualisierung ranken. Hier der Beitrag von Jan Wichmann, den er im sehr lesenswerten IT-Blog auf der Homepage von SAC veröffentlicht hat. Er bietet mittelständischen IT-Dienstleistern einen sehr guten Überblick, was in Sachen Broadcom/VMware bisher passiert ist und wie er weitergeht.

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Jan Wichmann leitet die Infrastruktur bei SAC und verantwortet den Betrieb sowie die Weiterentwicklung der IT-Systemlandschaft am Standort Darmstadt (Foto: SAC)

Wenn Sie aktuell VMware auf eigenen Servern betreiben, wird Ihre nächste Lizenzverlängerung vermutlich unangenehm. Was hast sich seit der Broadcom-Übernahme wirklich geändert? Welche Mythen können Sie ignorieren und wann sollten Sie spätestens zu handeln beginnen?

Was sich seit der Broadcom-Übernahme bei VMware geändert hat

Seit Broadcom Ende 2023 VMware übernommen hat, ist im Lizenzmodell ziemlich viel passiert, und das meiste davon trifft Mittelständler härter als Großkonzerne. Die wichtigsten Veränderungen in der Kurzfassung:

Das Ergebnis ist eine Lizenzkostensteigerung, die je nach Ausgangslage zwischen Faktor 3 und Faktor 5 liegt. Für Großkonzerne ist das eine Verhandlungsrunde [wie CRN berichtete, Anmerkung von CRN]. Für einen Mittelständler mit zwei Hosts ist es ein veritables Budget-Problem.

Die Oktober-2027-Deadline: Was sie wirklich bedeutet, und was nicht

Hier wird es interessant, weil im Markt aktuell viel Halbwahres kursiert. Ich sage es mal so: Wer Ihnen erzählt, Sie müssten bis Oktober 2027 zwingend auf VCF 9 migriert sein, will Ihnen vermutlich etwas verkaufen.

Der tatsächliche Stichtag: Am 11. Oktober 2027 endet der General Support für vSphere 8. bis 11. Oktober 2029 läuft danach noch sogenannte "Technical Guidance", also ein eingeschränkter Support ohne neue Patches.

Was das praktisch bedeutet:

Und der Mythos vom erzwungenen VCF-Full-Stack? Stimmt nicht. Wer aktuell vSphere betreibt und in der Welt bleiben will, kommt mit einem minimalen VCF-Operations-Deployment aus. Ein erzwungener Komplettumbau der Infrastruktur ist das nicht.

Trotzdem: Wenn Sie ehrlich einrechnen, dass eine strukturierte Migration im Mittelstand 8 bis 12 Wochen reine Umsetzung braucht, plus mehrere Monate Vorlauf für Entscheidung und Beschaffung, dann müssen Sie spätestens Mitte 2026 anfangen, sich Gedanken zu machen. Nicht Mitte 2027.

Was die neuen Lizenzkosten für den Mittelstand konkret bedeuten

Ein Beispiel aus der Praxis, das gerade durch die Fachpresse läuft: Die CIIT Software GmbH aus Österreich hat fast 20 Jahre lang VMware betrieben, mit 148 Cores und 79 virtuellen Maschinen. Eine typische Mittelstands-Konstellation. Nach der Broadcom-Übernahme stieg die VMware-Mindestlizenz auf rund 10.548 Euro pro Jahr. Die Alternative Proxmox Basic kostet 1.770 Euro pro Jahr. Das sind 83 Prozent Ersparnis bei den Lizenzkosten, also rund 8.700 Euro pro Jahr für ein einziges Setup dieser Größe.

Aber, und das ist die wichtige Einschränkung: Lizenzkosten sind nicht TCO. Eine Migration kostet einmalig Projektaufwand. Backup-Lösungen müssen mitmigriert werden. Monitoring, Patch-Management, Dokumentation, Notfallpläne, alles dranhängen. Und Ihr Team braucht möglicherweise Skills, die heute nicht da sind.

Heißt: Die reine Lizenzersparnis ist ein gutes Argument für die Geschäftsführung. Die ehrliche Rechnung sieht etwas anders aus. Sie wird trotzdem in fast allen Fällen positiv für den Wechsel ausgehen, aber eben nicht so spektakulär, wie die Lizenzzahl suggeriert.

Welche Optionen Sie als Mittelständler jetzt haben

Wir sehen in der Beratung aktuell fünf realistische Pfade:

Die richtige Antwort hängt an drei Faktoren:

Der oft übersehene Faktor: Was kommt nach der Migration?

Die meisten Vergleichsartikel hören nach der Frage "Welcher Hypervisor?" auf. In der Praxis fängt da aber erst der eigentliche Aufwand an.

Ein neuer Hypervisor heißt: neues Backup-Konzept anpassen, Monitoring auf neue APIs umstellen, Notfallpläne überarbeiten, Skills im Team aufbauen oder zukaufen, Patch-Routinen einspielen. Und das alles in einer Welt, in der Ihr IT-Team sowieso schon mit Security, Modern Workplace und Tagesgeschäft ausgelastet ist.

Ich kenne wenige IT-Abteilungen im Mittelstand, die gerade Kapazitäten haben, sich nebenher zu Proxmox-Experten ausbilden zu lassen.

An dieser Stelle sprechen wir bei SAC Klartext: Der Wechsel des Hypervisors ist nicht das Ende vom Projekt, sondern der Anfang vom neuen Betrieb. Wir gehen das Thema bei Kunden so an, dass wir nicht nur die Migration übernehmen, sondern den Betrieb hinterher gleich mit. Das heißt: Sie tauschen nicht eine technische Abhängigkeit gegen die nächste, sondern lagern den ganzen Bereich an jemanden aus, der das jeden Tag macht. Eine moderne IT-Plattform braucht ein stabiles Fundament im Betrieb, sonst wird die Migration zum Pilotprojekt, das nie richtig produktiv läuft.

Das ist nicht für jeden Mittelständler die richtige Antwort. Wer ein starkes internes Team mit Virtualisierungs-Erfahrung hat, sollte das selbst machen. Wer aber merkt, dass die Migration plus laufender Betrieb das Team überfordern würde: Da gibt es bessere Optionen, als einfach loszulaufen und zu hoffen.

Eine pragmatische Roadmap für die nächsten 18 Monate

Wenn Sie heute starten, sieht ein realistischer Zeitplan ungefähr so aus:

Q3 2026 bis Q4 2026: Standortbestimmung. Schauen Sie sich Ihre Lizenz-Situation an. Wann läuft Ihre nächste Subscription oder Wartung aus? Was kostet die Verlängerung im neuen Modell? Was haben Sie an Hardware-Refresh ohnehin in Planung? Ergebnis: belastbare Zahlen für die Geschäftsführung und eine erste Pfad-Entscheidung.

Q1 2027: Entscheidung und Pilot. Pfad festlegen, Pilot-Migration mit unkritischen Test-VMs starten, Migrationsprozess validieren, Schulungen oder Partner-Auswahl abschließen.

Q2 2027 bis Q3 2027: Produktive Migration. Schrittweise Migration der produktiven Workloads, parallel zum Bestandsbetrieb. Backup und Monitoring mitziehen, Dokumentation aktualisieren.

Vor 11.10.2027: Migration abgeschlossen, vSphere 8 nur noch in Restposten oder gar nicht mehr im Einsatz.

Wer diesen Plan vor sich sieht und denkt 'Das ist sportlich', liegt richtig. Wer denkt 'Das fange ich nächstes Jahr an', liegt falsch.

Fazit

Die wichtigste Deadline ist nicht der 11. Oktober 2027, sondern Ihr nächster Verlängerungstermin. Bis dahin sollten Sie wissen, welchen Pfad Sie gehen. Fangen Sie mit einer ehrlichen Standortbestimmung an, am besten in den nächsten Wochen, nicht im nächsten Quartal.

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