Überraschende Wendung im Fall Deskcenter

Der Insolvenzverwalter der Deskcenter AG hat einen Käufer für wesentliche Assets wie die Software sowie Markenrechte gefunden: Es ist der einstige Fusionspartner Mosaic IT, an dem die Deskcenter bis zur Insolvenz Anteile hielt.

Michael Bölk (l.) und Martin Schaletzky übernahmen vor zwei Jahren beim Zusammenschluss mit Mosaic IT die Führung (Foto: Deskcenter)

Die Insolvenz der Deskcenter ist um eine weitere Kapriole reicher. Während sich nach dem endgültigen Aus die Mitbewerber bereits in Stellung gebracht haben und eifrig um die Kunden der insolventen Deskcenter buhlen, tritt nun plötzlich auch wieder die einstige Schwester Mosaic IT auf den Plan, mit der sich die Deskcenter vor zwei Jahren zusammengeschlossen hatte. Wie die verantwortliche Insolvenzverwalterin PLUTA Rechtsanwalts GmbH mitteilt, hat ihr Rechtsanwalt Dr. Stephan Thiemann einen Deal mit der Mosaic IT ausgehandelt, in dessen Rahmen diese das geistige Eigentum der Deskcenter übernimmt. "Uns war wichtig, eine Lösung zu finden, die den Wert der Software erhält und zugleich den Kunden eine Perspektive bietet", erklärt Insolvenzverwalter Thiemann. "Mit der Veräußerung an die Mosaic IT GmbH haben wir dafür eine gute Grundlage geschaffen."

Neben der Software und dem Quellcode liegen damit nun auch die Markenrechte und Domains beim Service-Provider, der auf der Webseite umgehend ein Angebot für die Bestandskunden und auch -Partner freigeschaltet hat, Kontakt mit ihnen aufzunehmen und die Belieferung mit der Software, Updates und Support unmittelbar fortzusetzen. "Wir haben die Assets gezielt am Markt angeboten und erreichen mit dem Verkauf die bestmögliche Verwertung im Interesse der Gläubiger", erklärt PLUTA-Rechtsanwalt Heinz-Joachim Hombach. Völlig anders stellt sich die Lage allerdings für die Mitarbeitenden der Deskcenter dar: Während der einstige Partner sich nun die Reste der Deskcenter einverleibt, haben sie in der neuen Konstruktion keinen Platz. Ihre Kündigungen bleiben wirksam.

"Beide Unternehmen haben schon Hand in Hand gearbeitet, dies ist daher ein logischer Schritt für uns gewesen", erklärt Mosaic-Geschäftsführer Michael Bölk, der bis zuletzt zugleich Vorstand bei der Deskcenter war und dort die Technik verantwortete. "Wir freuen uns, dass wir so schnell eine Lösung erzielt haben, die nicht nur unser Security-Portfolio sinnvoll erweitert, aber dabei auch Deskcenter-Kunden ein Angebot zur weiteren Nutzung der Software macht." Nun wird es spannend zu sehen, wie die Kunden diese Volte bewerten und ob sie der neuen alten Führung unter dem Dach der Mosaic weiterhin ihr Vertrauen schenken, oder nach all der Aufregung doch einen genaueren Blick auf die in den meisten Fällen wohl bereits eingeholten Angebote der Mitbewerber werfen.

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