Lars, but not least: Das Buhlen um die Deskcenter-Kunden

Rund 600 Kunden wurden von der Pleite der Deskcenter schwer getroffen, nun beginnt ein Wettstreit der UEM-Mitbewerber um ihre Accounts. Nach Baramundi steigt jetzt auch Aagon mit seiner Alternative samt Migrationshilfe in den Ring und feuert dabei gleich noch verbale Giftpfeile gegen den Mitbewerber.

(Foto: GettyImages - Deagreez)

Das endgültige Aus der Deskcenter AG bringt die rund 600 Kunden und mehr als 40 Partner des Asset- und Lifecycle-Management-Anbieters unter erheblichen Zugzwang. Sie müssen nun ihre meist geschäftskritischen Prozesse rund um Endpoint- und IT-Service-Management, zu denen oft zentrale Betriebsfunktionen wie Softwareverteilung, Patch Management, Asset Management, Service Desk und Compliance gehören, möglichst schnell und zugleich zukunftsfähig neu aufstellen.

Und auch für die vom Deskcenter-Aus betroffenen Systemhäuser stellt die Situation zunächst einmal eine erhebliche Herausforderung dar, da sie sich ebenfalls nach einer Alternative für sich und ihre Kunden umsehen und Wege für die Umsetzung erarbeiten müssen. Immerhin haben sie dann jedoch gute Chancen, von den dadurch ausgelösten Beratungs- und Migrationsprojekten profitieren und die Kunden bei der Bewertung bestehender Installationen, der Planung eines Plattformwechsels und der Absicherung laufender Betriebsprozesse unterstützen zu können.

Migrationshilfe für Deskcenter-Kunden

Nachdem sich zuerst Baramundi mit einem kostenlosen Soforthilfspaket in Stellung gebracht hatte, nimmt nun auch Aagon diese Situation zum Anlass, den Kunden des ehemaligen UEM-Mitbewerbers ein spezielles Migrationsprogramm auf die eigene Aagon Client Management Platform (ACMP) anzubieten. Diese deckt laut Aagon alle zentralen Funktionen ab, die bislang in Deskcenter-Umgebungen genutzt wurden, darunter Inventarisierung, Softwareverteilung, Patch Management, Lizenzmanagement, OS Deployment, Asset Management, Remote Support sowie Ticketing und Reporting. Kunden und ihre Dienstleister können diese modular nach ihrem individuellen Bedarf zusammenstellen. Darüber hinaus betont Aagon einige Zusatzfunktionen wie Vulnerability Management, BitLocker-Management, Microsoft-Defender-Management und die Einbindung hybrider Microsoft-Intune-Umgebungen, die den Bedarf moderner UEM-Umgebungen nach der Verzahnung von Client Management mit Sicherheits- und Compliance-Themen abdecken sollen.

Um einen möglichst reibungslosen Wechsel von Deskcenter auf ACMP zu ermöglichen, bietet Aagon den Kunden in mehreren Schritten Unterstützung bei der Migration an. So soll ihnen etwa das kotenlose Webinar "Von Deskcenter zu ACMP" einen ersten Überblick über die Plattform und ihre Unterschiede zu Deskcenter bieten und auch erprobte Vorgehensweisen sowie Wechselkonditionen vorstellen. Zusätzlich können sie sich konkrete Hilfe beim Aagon-Partner Kelobit IT-Experts holen, dessen Migrations-Tool bestehende Deskcenter-Umgebungen strukturiert und mit möglichst geringem Aufwand nach ACMP überführen soll.

Nervosität statt Souveränität

So weit, so gut und im Rahmen des zu erwartenden Runs auf die Betroffenen als potenzielle Kunden. Weniger eindeutig ist das allerdings bei den Einlassungen von Aagon-Geschäftsführer Jürgen Vogler, der zunächst konstatiert "Die aktuelle Situation zeigt, wie wichtig langfristige Stabilität und Verlässlichkeit bei strategischer IT-Infrastruktur sind", um dann noch nachzuschieben: "Für die betroffenen Unternehmen steht jetzt nicht die Suche nach dem günstigsten Angebot im Vordergrund, sondern die Frage, wie sie den Betrieb ihrer IT sicher und ohne Unterbrechungen fortführen können. Wir möchten diesen Unternehmen eine realistische Perspektive bieten und sie bei einem strukturierten Wechsel unterstützen."

Damit nimmt Vogler allerdings selbst nur bedingt die Bedürfnisse der betroffenen Unternehmen in den Fokus, sondern schießt stattdessen kaum versteckt gegen den Mitbewerber Baramundi und dessen vermeintlich nicht realistische und wenig zukunftsträchtige Offerte. Dass sich damit just zwei Anbieter beharken, die sich beide "Made in Germany" auf die Fahne schreiben und auf lokale Präsenz und Souveränität setzen, ist bei allem Wettbewerb kein sonderlich gutes Omen – weder für den Markt, noch für die ehemaligen Deskcenter-Partner und Kunden. Allzu schnell könnte sich damit gemäß dem Sprichwort schnell ein Dritter, höchstwahrscheinlich in Form eines amerikanischen UEM-Anbieters, freuen und die betroffenen Kunden mit sachlichen Argumenten für sich gewinnen. Kandidaten dafür gibt es bekanntlich genug.

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