Anthropic pumpt 2,7 Milliarden in den Channel

Die Partneroffensive des KI-Anbieters spült große Summen in den Channel: Laut einem neuen Papier zum Börsengang hat Anthropic allein im ersten Halbjahr 2026 rund 2,7 Milliarden US-Dollar Provisionen an seine Partner ausgezahlt, über 2.500 Prozent mehr als im vergangenen Jahr.

(Foto: Anthropic)

Anthropic hat in den ersten sechs Monaten des Jahres 2026 laut Anfang dieser Woche eingereichten Papieren für seinen bevorstehenden Börsengang 2,7 Milliarden US-Dollar für Channel-Partner ausgegeben. Insgesamt lagen die Aufwendungen für Vertrieb, Marketing und Partnerschaften demnach im ersten Halbjahr insgesamt bei 3,17 Milliarden US-Dollar und damit mehr als drei Milliarden Dollar beziehungsweise 2.540 Prozent über dem Wert von 2025 (120 Millionen Dollar).

"Der Anstieg war in erster Linie auf eine Erhöhung der an Channel-Partner gezahlten Provisionen um 2,7 Milliarden US-Dollar zurückzuführen und spiegelt das Wachstum unseres Geschäfts wider", erklärte Anthropic in seiner S-1-Einreichung bei der US-Börsenaufsicht SEC. Weitere 273 Millionen US-Dollar an zusätzlichen Ausgaben im ersten Halbjahr 2026 entfielen laut Anthropic auf Marketing und Werbung, was höhere Medienausgaben zur Unterstützung von Produkteinführungen widerspiegelt.

Eine Anfrage von CRN hinsichtlich weiteren Details und Informationen zu den Ausgaben von 2,7 Milliarden US-Dollar für Channel-Partner hat Anthropic bisher nicht beantwortet.

[siehe auch: Anthropic steckt 100 Millionen Dollar in Claude-Partnernetzwerk]

Auch Anthropics Ausgaben für Cloud-Anbieter steigen rasant

Wichtig ist: Anthropics genannte Gesamtaufwendungen von 3,17 Milliarden US-Dollar für Vertrieb, Marketing und Partnerschaften im ersten Halbjahr 2026 enthalten nicht die Ausgaben für Partner unter den Cloud Service Providern (CSPs) wie Amazon oder Google. Für das erste Halbjahr 2026 meldete der Anbieter operative Aufwendungen für Rechenleistung und Infrastruktur in Höhe von 8,95 Milliarden US-Dollar, 283 Prozent mehr als im Vorjahr. "Der Anstieg war auf die Bereitstellung zugesagter Rechenkapazitäten im gesamten ersten Halbjahr 2026 im Rahmen unserer CSP-Vereinbarungen zurückzuführen. Mit dem Ausbau unserer Rechen- und Infrastrukturkapazitäten sind auch die damit verbundenen Aufwendungen entsprechend gestiegen", erklärte Anthropic.

Im Detail bestehen die operativen Kosten für Rechenleistung und Infrastruktur Anthropic zufolge "hauptsächlich aus Gebühren für Rechenleistung, die im Rahmen fester und bedarfsabhängiger Vereinbarungen an CSPs gezahlt werden, einschließlich Speicher-, Netzwerk-, Konnektivitäts- und zugehöriger Supportkosten; aus Infrastrukturkosten für die Bereitstellung von Kunden-Workloads über Partnerkanäle; aus Kosten für Colocation-Einrichtungen; aus Geräteleasing und zugesagten Stromkosten im Zusammenhang mit unserem Rechenzentrumsbetrieb; sowie aus Kosten für Anwendungsinfrastruktursoftware von Drittanbietern, die unmittelbar mit unserem Rechenbetrieb zusammenhängen".

Von 43 Millionen auf über 4 Milliarden: Weitere Mittel für den Channel in Aussicht

Anthropics Aufwendungen für Vertrieb, Marketing und Partnerschaften "bestehen hauptsächlich aus Provisionen, die an Channel-Partner gezahlt werden", sowie aus Marketing- und Werbekosten einschließlich Ausgaben für Medien und Öffentlichkeitsarbeit. Und das Unternehmen rechnet fest damit, dass sie weiterhin steigen werden. "Wir gehen davon aus, dass die Aufwendungen für Vertrieb, Marketing und Partnerschaften absolut steigen werden, da wir weiterhin in Aktivitäten investieren, die die weitere Verbreitung und eine stärkere Nutzung unserer Modelle fördern", erklärte Anthropic.

Ob die Steigerungen weiterhin so enorm sein werden wie in den vergangenen Jahren, dürfte damit im Wesentlichen vom weiteren Geschäftsverlauf und der KI-Welle abhängen. Immerhin bedeutete schon das in der aktuellen Betrachtung schmal wirkende Channel-Budget des vergangenen Jahres eine sehr deutliche Steigerung. Hatte Anthropic im Gesamtjahr 2024 noch lediglich rund 43 Millionen Dollar in Vertrieb, Marketing und Partnerschaften investiert, waren es 2025 bereits 568 Millionen. Das entsprach einem Anstieg um 525 Millionen US-Dollar beziehungsweise 1.221 Prozent. "Der Anstieg war in erster Linie auf eine Erhöhung der an Channel-Partner gezahlten Provisionen um 341 Millionen US-Dollar zurückzuführen und spiegelt das Wachstum unseres Geschäfts wider", so Anthropic. Damals entfielen weitere 170 Millionen US-Dollar an zusätzlichen Ausgaben auf Marketing und Werbung zur Unterstützung von Produkteinführungen.

Nach dem Sprung im ersten Halbjahr könnten es 2026 mehr als vier oder gar fünf Milliarden Dollar werden, die der KI-Konzern hier investiert. Allerdings kann es dabei durchaus zu Schwankungen kommen, wie das Unternehmen weiter ausführt: "Wir gehen davon aus, dass die [Aufwendungen für Vertrieb, Marketing und Partnerschaften] als Anteil am Umsatz schwanken können – abhängig vom Zeitpunkt und Umfang der Ausgaben für Marketingkampagnen, von Änderungen der Konditionen unserer Vertriebsvereinbarungen mit Channel-Partnern sowie von den Kosten für die Bereitstellung unseres Intelligence-Dienstes."

Partner loben Anthropics Hinwendung zum Channel

Val Henderson, CEO des Anthropic-Channel-Partners Caylent, beurteilt Anthropics wachsende Channel-Ausgaben und die Weiterentwicklung der Partnerschaft optimistisch. "Ich glaube tatsächlich, dass uns diese Partnerschaft mit Anthropic auf die nächste Stufe bringen wird", zeigte sie sich überzeugt und bekräftigte: "Wir arbeiten sehr gern mit Anthropic zusammen. … Wir investieren ineinander."

Caylent engagiert sich so stark für Anthropic, dass der in Kalifornien ansässige Lösungsanbieter eine eigene Organisation namens Anthropic Consulting and Engineering (ACE) gegründet hat, um den Vertrieb voranzutreiben. "Als wir uns Anfang des Jahres mit Anthropic trafen, hatten wir etwa 100 Anthropic-Zertifizierungen. Bei diesem Treffen sagte ich: ‚Wir wollen uns weiterentwickeln und der führende Anthropic-SI [Systemintegrator] im Ökosystem werden‘", berichtete Henderson.

Nachdem Caylent die Zusammenarbeit mit Anthropic in diesem Jahr vertieft hat, verfügt das Unternehmen inzwischen über mehr als 1.300 Anthropic-Zertifizierungen. "Das ist eine Sache, die sich meiner Ansicht nach spürbar geändert hat: die Dynamik der Partnerschaft", führte Henderson weiter aus. "Und wir haben einen Anstieg bei den Kundenempfehlungen durch Anthropic festgestellt. Wie sich das entwickelt, ist einfach unglaublich."

Claude Certification Program erreicht 4.000 Organisationen

In der Einreichung vom Montag hob Anthropic seine Ökosystempartnerschaften mit Channel-Partnern hervor, insbesondere mit globalen Systemintegratoren (GSIs), die eigene Anthropic-Claude-Practices aufgebaut haben. "Um Wachstum und Leistungsfähigkeit dieses Ökosystems zu beschleunigen, haben wir im März 2026 das Claude Partner Network gestartet und zunächst 100 Millionen US-Dollar für 2026 zugesagt. Damit finanzieren wir Partnerschulungen, technische Zertifizierungen und die gemeinsame Marktentwicklung mit den Unternehmen, die Claude in Unternehmensumgebungen bringen", erläuterte Anthropic.

Die Effekte dieses Vorstoßes lassen sich unter anderem an der Zahl der Zertifizierungen ablesen. Zum 30. September 2026 umfasste das Netzwerk laut Anthropic bereits mehr als 150.000 Fachkräfte in über 4.000 Organisationen, die Zertifizierungen über das Claude Certification Program erhalten haben.

Dieser Artikel basiert auf Material unserer Schwesterpublikation crn.com.

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