Eset World 2026: Stille Helden, Upselling-Könige und ein CEO ohne Allüren
Rund 500 Gäste kommen zur Eset World, die erstmalig in Deutschland stattfindet. Eset kündigt Investitionen in KI an, unterstreicht seine globale Strategie, setzt klar auf den Channel und hebt sich in vielen Punkten vom Wettbewerb ab. CRN zieht ein Fazit der dreitägigen Veranstaltung in Berlin, die mehr war als nur eine nüchterne Security-Konferenz.
Stille Helden im schmutzigen Cyberkrieg
'Wir retten mit KI und Vernetzung die Welt', mit einem solchen Video-Einspieler starten Konferenzen US-amerikanischer Techkonzerne. Das Video zur Einstimmung auf die Eset World 2026, erstmals in Berlin, setzt andere Akzente: Die Gründer Peter Paško und Miroslav Trnka (auf dem Event anwesend) sprechen von ihren Anfängen 1992 in der Slowakei. Der Fall des Eisernen Vorhangs ist erst drei Jahre her, die Zeit der Besatzung und Repression klingt noch nach. Die erkämpfte Freiheit muss verteidigt werden. Heute mehr denn je gegen stattliche und kriminelle Cyberakteure. Bratislava, Hauptstadt der Slowakei und Sitz des IT-Sicherheitsanbieters Eset, ist eine Schönheit an der Donau (Krásavica na Dunaji). Hier arbeiten die talentierten, hervorragend ausgebildeten junge IT-Experten und Expertinnen und entwickeln Software, Plattformen und Services für den globalen Markt.
Das Video zur Einstimmung auf die Eset World 2026 in Berlin transportiert mehr als nur Image eines Unternehmens. Stille Helden arbeiten an der digitalen Resilienz, sichern Wohlstand und Freiheit, damit Wirtschaften, Gesellschaften und Demokratien wehrhaft bleiben in einem schmutzigen, orchestrierten Cyberkrieg.
Stille Helden werden in der gleichnamigen Dauerausstellung in der Gedenkstätte Deutscher Widerstand gezeigt. Das Gebäude ist gleich gegenüber dem JW Marriott, wo drei Tage lang die Eset World zu Gast ist. Hier im Bendler-Block haben mutige Offiziere und Widerstandskämpfer am 20. Juli 1944 ihr Leben für die Freiheit gelassen.
Alleinstellungsmerkmale
Eset mit seinen 2.500 Mitarbeitern ist eher mittelständisches Unternehmen statt Konzern. Eigentümer und Gründer sind nach wie vor präsent, tragen jene 40 Mio. Euro Investitionen mit, die für KI-Entwicklung, noch mehr Talente sowie die weitere Expansion von Eset in den kommenden drei Jahren zur Verfügung stehen. Eset mit einem Jahresumsatz 2025 von rund 700 Mio. Euro und einem knapp zweistelligen Umsatzplus, ist größter IT-Security-Anbieter aus Europa.
Keine Schulden, finanzielle Unabhängigkeit, globaler Anspruch (jetzt auch Indien, CRN India berichtete), starke Präsenz in den drei wichtigsten Märkten Japan, USA und Deutschland, Fokus auf SMB mit Security-Lösungen für den Enterprise-Markt und öffentlichen wie militärischen Sektor: das sind für Eset-CEO Richard Marko Alleinstellungsmerkmale.
Nicht zuletzt US-Investoren treiben die Konsolidierung im Markt für Cybersecurity an. Cisco lässt sich Splunk 20 Mrd. Dollar kosten, die deutsche Hornetsecurity geht für schätzungsweise 1,8 Mrd. Dollar an Proofpoint, und noch ein mittelständischer Software-Anbieter aus der Security ist in US-Hand: Mateso geht 2022 an Netwrix. Was, wenn ein Investor, womöglich aus den USA, bei Eset einsteigt? "Das ist nicht meine Vision", so Richard Marko im Interview mit CRN.
Eset-Chef Marko gehört nicht zur lauten Sorte von CEOs, die Bühne rocken. Ruhig, konzentriert und fokussiert trägt er seine Keynote vor, legt dar, wie entscheidend für die Zukunft von Eset Investitionen in Forschung und Entwicklung sind.
Bezahlbarer SMB-Schutz auf Enterprise-Niveau
KI, Agenten, Datenhoheit und -integrität sowie Dienstleistungen wie SOC und Observability, wo Daten aus Hunderten Millionen Clients (auch Consumer-Schutz durch Eset-Lösungen) und Netzwerken analysiert werden, sind Themenfelder, mit denen sich bald 1.000 Security-Experten und -Expertinnen beschäftigen. Eset-Lösungen seien auf Enterprise-Niveau, bildeten die Basis auch für bezahlbaren Schutz der IT von SMB- und Privatkunden, so Marko.
In "Eset Privat" bündelt der Anbieter seine "Corporate Solutions" - maßgeschneiderte Sicherheit für Großkunden und große Organisationen, mit denen Eset im direkten Geschäftskontakt steht. Seine Security Operation Center öffnet Eset für mittelständische Unternehmen. Der Channel kann präventives Monitoring als Dienstleistung beziehen, Kunden beraten und als SOC-as-a-Service anbieten.
Channel steht für 90 Prozent des 700 Mio. Euro-Umsatzes von Europas größtem Security-Hersteller Eset
Das Hauptgeschäft läuft aber über den Channel: Mehr als 90 Prozent des Umsatzes von zuletzt rund 700 Mio. Euro werden über Reseller und Partner erzielt. Das Consumer-Business aus Eset-Security-Produkten über den Vertrieb von Lizenzschlüsseln über den Fachhandel und Etail-Kanal sinkt planmäßig nach und nach, während Lizenzen und Services für B2B-Kunden stetig wachsen. 200 Millionen privaten Nutzern stehen rund 600 Millionen B2B-Nutzer gegenüber – Tendenz steigend für das Business-Segment.
Deutlich zweistellig wächst der MSP-Bereich von Eset. In diesem Jahr plant Eset ein weiteres Jahr mit Umsatzplus von 11 Prozent. Eine konservative Prognose, die der nicht börsennotierte Anbieter abliefert.
DACH-Partnerkonferenz – die Könige des Upselling
Deutschland ist für Eset Markt Nummer drei, hinter Japan (an erster Stelle) und den USA. Mit der Übernahme exklusiv für Eset arbeitende Partner in Frankreich und den Niederlanden ist der Hersteller in diesen Ländern nun mit eigenen Niederlassungen vertreten. Für den Markteintritt in Indien wird Eset das Gespräch mit lokalen Partnern suchen, etwa Distributoren.
Auch die Distributionspartner aus Deutschland - Also, Elovade, Synaxon – traf CRN auf der Eset World in Berlin. Ebenso Sandra Balz von Kiwiko, Comteam-Chef Sven Glatter und Rui Sergio Pinto Barreto von CPN. "Von der Vorabendveranstaltung bis zum letzten Konferenztag war die ESET World in Berlin ein außergewöhnlich intensives und facettenreiches Event", zeigt sich der Netzwerker begeistert. Die Manager von Synaxon, Markus Rex, und Elovade, Marc Fischer, berichten von einem starken Geschäft mit Eset.
Am zweiten Tag der Eset World treffen sich die Partner zur regionalen DACH-Partnerkonferenz. DACH-Chef Holger Suhl unterstreicht mit seinem detaillierten Zahleneinblick, was CRN zuvor von Richard Marko im Interview erfährt: "Ich bin mit Deutschland sehr zufrieden", sagt der CEO. Chief Sales Officer Mirolsav Mikus gibt dem deutschen Channel einen Einblick, wie die Geschäfte weltweit in den Eset-Regionen laufen. "In Deutschland wachsen wir im ersten Quartal 2026 über Plan", sagt der CSO.
In den letzten 5 Jahren hat es Eset geschafft, das durchschnittlich jährliche Einkaufsvolumen der DACH-Partner von rund 4.000 Euro in 2021 auf deutlich über 10.000 Euro mehr als zu verdoppeln. Die Rechnung geht für Eset auf, den Fokus jedes Mal auf das Upselling-Potenzial zu legen und Partner zu motivieren, Kunden mit den Flaggschiff-Produkten Eset Protect (Elite, MDR, MDR Ultimate) auf höchste Security-Level zu heben.
Mehr Reichweite, mehr Wachstum: In seinem Vortrag zeigt Esets Channel-Chef Peter Neumeiner, warum auf der DACH-Konferenz während der Eset World in Berlin vor allem die Platinum-Partner da sind und strahlen. Sie sind sozusagen Könige des Upsellings.
Ein Krankenhaus: Renewal von 6.000 Lizenzen bringt 2025 kann über 42.000 Euro ein, ein Jahr später steht das Upgrade auf höchsten Eset-Schutz samt Support-Paket für einen zehnfachen Umsatz.
Ein Kunde aus dem Non-Profit-Sektor entwickelt sich innerhalb von drei Jahren von knapp 21.000 Umsatz auf fast 100.000 Euro. "Das Channel Momentum", so der Titel der Folie von Neumeiers Präsentation. Mit zahlreichen Aktionen und Sonderboni will Eset seinen Channel motovieren, diesen Pfad weiter zu beschreiten.
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