Eset: Millionen-Investitionen in KI-Modelle und Expansion in neue Länder

Europas größter IT-Sicherheitsanbieter investiert 40 Mio. Euro in die Entwicklung von KI-Modellen sowie in eine neue Generation von KI-SOC. Auf rund 1.000 Ingenieure und Security-Experten will Eset die F&E-Abteilungen aufstocken. Zudem eröffnet der Security-Anbieter Niederlassungen in Frankreich, den Niederlanden und wagt den Markteintritt in Indien.

Eset-CEO Richard Marko kündigt weitere Expansionen in Europa und den Markteintritt in Indien für die Region APAC an. Außerdem investiert der IT-Security-Hersteller aus der Slowakei 40 Mio. Euro in den KI-Ausbau. (Foto: CRN)

Auf seiner Security-Konferenz Eset World kündigte Eset-CEO Richard Marko Investitionen in sein Forschungs- und Entwicklungsteam in Höhe von 40 Mio. Euro an. Nur so könnte Eset KI-Workflows sichern und "das Verständnis von Cybersicherheits-Telemetrie revolutionieren", so Marko. In seiner Keynote skizzierte der Eset-Chef die aktuelle Cyberbedrohungslage. Durch den Einsatz von KI potenzieren die Angriffsszenarien. Allein in diesem März habe Eset rund 800.000 "einzigartige KI-Fähigkeiten" gescannt, dabei etwa 25.000 als verdächtig markiert und mehr als 3.000 als bösartig blockiert.

Das entspricht einem 13-fachen Anstieg gegenüber den rund 60.000 öffentlich verfügbaren Skills, die Eset zu Beginn dieses Jahres beobachtet hatte. Laut den Forschern des IT-Security-Anbieters sind KI-Skills Teil einer schnell wachsenden Ebene der Software-Lieferkette, die oft sensible Systeme mit externen Repositorys, Plugins, Datensätzen und Diensten von Drittanbietern verbindet. Cyberakteure setzen modulare Komponenten ein, die KI-Agenten anweisen, wie sie Aufgaben ausführen, Tools nutzen, auf Dienste zugreifen und mit externen Systemen interagieren sollen.

"Wir stehen vor einer völlig neuen Ära der Cybersecurity", so Marko in seiner Keynote vor 500 Besuchern der Eset World an Dienstag. "Künstliche Intelligenz ist nicht mehr nur ein Werkzeug zur Verteidigung. Sie wird selbst Teil der Angriffsfläche". Die Investition zielten darauf ab, dass KI Cybersicherheit stärke und nicht schwäche, und Technologien entwickelt würden, die Unternehmen in einer Welt autonomer KI schützen können.

Der auf drei Jahre angelegte Investitionsplan sieht vor, die Zahl der Mitarbeitenden im F&E-Team von Eset auf 1.000 Forscher und Ingenieure zu erhöhen. Aktuell beschäftigt Eset rund 2.500 Mitarbeitende. Die 40 Mio. Euro sollen in drei strategische Bereiche fließen: Entwicklung von unabhängigen, sicherheitsorientierten KI-Modellen, einem vollständigen, mehrschichtigen KI-Sicherheitsstack sowie KI-SOC einer neuen Generation.

Europäische Alternative zu "Big Tech"

Eset will die europäische Souveränität im Bereich Cybersicherheit stärken, "zu einer Zeit, in der sich der Zugang zu fortschrittlichen KI-Systemen zunehmend auf eine kleine Zahl globaler Technologieunternehmen konzentriert", sagt Marko. "Wir glauben, dass die Zukunft der Cybersicherheit nicht vollständig von Modellen abhängen darf, die von Big Tech kontrolliert werden". In Cybersicherheit komme "es auf Souveränität an", so der Eset-Chef.

Esets Investition zielt darauf ab, KI-Nutzung sicher zu machen, KI-Modellen für Cybersicherheit zu entwickeln und sie in autonome Fähigkeiten von Sicherheitsabläufen zu integrieren – "unter menschlicher Aufsicht", ergänzt Juraj Jánošík, Eset-Vizepräsident für Künstliche Intelligenz. "Was sich jetzt ändert, ist die Rolle, die KI spielt: KI-Tools werden Teil der täglichen Arbeit und agentische Systeme erweitern die Angriffsfläche. Sicherheitsteams benötigen schnellere Wege, um auf Bedrohungen zu reagieren", so Jánošík.

Eset will die Entwicklung eigener, sicherheitsorientierter KI-Modelle beschleunigen. Im Gegensatz zu universellen KI-Systemen, die auf breit gefächerten Internetinhalten trainiert wurden, werden die Modelle von Eset mithilfe von Cybersicherheits-Telemetrie und realen Bedrohungsdaten "optimiert, die im Laufe des fast 35-jährigen Bestehens von Eset gesammelt wurden".

Bestehende KI-gestützten Technologien wie Eset LiveGrid, Eset LiveCortex und Eset LiveGuard würden weiter ausbauen. Gleichzeitig sollen die neuen KI-Konzepte, darunter World Models, in der Lage sind, Verhalten, Kontext und Absichten in digitalen Umgebungen zu verstehen.

Teil der Neuentwicklung soll es sein, Sicherheitsmaßnahmen auf Netzwerkebene für die Kommunikation zwischen KI-Agenten vorschlagen zu können. Zudem kündigt Eset eine "neue Generation von Technologien für KI-Sicherheitsoperationszentren (SOC)" an. Ziel: Das KI-SOC soll dem wachsenden Umfang und der zunehmenden Komplexität moderner Erkennungs- und Reaktionsumgebungen gerecht zu werden. "Anstatt Analysten einfach durch KI-Agenten zu ersetzen, zielt Eset darauf ab, die Art und Weise, wie Cybersicherheits-Telemetriedaten verarbeitet, korreliert und interpretiert werden, grundlegend zu überdenken".

Die "Vision": Fortschrittliche KI-gestützte Cybersicherheit nicht nur großen Unternehmen, sondern auch mittelständischen und kleineren Organisationen zugänglich zu machen- und zwar durch "hochautomatisierte, überwachte Schutztechnologien".

Exklusiv agierende Partner in Frankreich und Niederlande übernommen

Zudem baut der Sicherheitsanbieter seine Marktpräsenz aus. Auf der Eset World kündigt CEO Richard Marko die Eröffnung neue Niederlassungen in Europa und Asien an. In Frankreich (Paris), den Niederlanden (Sliedrecht) und in Indien (Neu-Delhi) werden Vertriebsteams aufgebaut, bzw. von Partnern übernommen, die Kunden und Lösungspartner in den jeweiligen Regionen unterstützen. Die dezentralen Standorte machten Eset "zu einem vollwertigen lokalen Akteur", so Marko. Die Expansion bringe durch zwei europäische Security Operations Center "zusätzliche technische Kapazitäten mit sich".

Damit erhöht sich die Gesamtzahl der weltweiten Niederlassungen auf 20 Standorte. In den Niederlanden übernimmt Eset den bisher exklusiv für den Hersteller agierenden Partner Cyber Defense Group. In Frankreich akquiriert Eset ATHENA Global Services, ebenfalls ein Eset-Partner, der Europas zweitgrößten Markt exklusiv für den Sicherheitsanbieter erschlossen hatte. Geplant ist ein Übergang aller Mitarbeiter und Kunden zur den neuen Eset-Landesgesellschaften.

"Ich freue mich, dass wir nun eine stärkere Präsenz in Frankreich haben werden, dem zweitgrößten Markt in der Europäischen Union nach Deutschland. Unser Unternehmen wird auch direkt auf dem niederländischen Markt tätig sein, der als Vorreiter bei den neuesten Technologien bekannt ist und oft das Kauf- und Nutzungsverhalten von Lösungen in anderen Ländern vorwegnimmt", sagt Miroslav Mikuš, Chief Sales Officer bei Eset. "Ebenso werden unsere Produkte und unser Fachwissen durch den Aufbau einer stärkeren Präsenz in Indien dazu beitragen, erstklassige Sicherheitspraktiken und Resilienz in einem Land zu stärken, dessen IT-Fachkräfte ein Eckpfeiler der globalen digitalen Kapazitäten sind", so Mikuš zur Expansion von Eset.

Brückenkopf Indien für Asien-/Pazifik-Region

Die Gründung von Eset Software India Pvt. Ltd. werde mit lokalem Management und Support besetzt. Indien ist für Eset ein wichtiger Brückenkopf, um die Expansion in die Region APAC voranzutreiben. Eset will seine Lösungen dort lokalisieren und auf die spezifischen Bedürfnisse des indischen Marktes zuschneiden.

Der Einstieg in den indischen Markt folgt der bisherigen Übernahmestrategie von Eset, den Start in neue Märkte mit einem lokalen Partner durchzuführen, bei der Expansion keinen überhasteten Aktionismus an den Tag zu legen. Eset denkt langfristig.

"Als Privatunternehmen stehen wir nicht unter dem Druck, unser gesamtes Portfolio sofort auf den Markt zu bringen. Stattdessen erwägen wir die Zusammenarbeit mit einem lokalen Vertriebspartner, der den indischen Markt und die Bedürfnisse der Kunden sehr gut kennt", sagt Eset-Chef Richard Marko im Interview mit CRN auf der Eset World.

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