Speicherkosten fressen den PC-Markt auf
In den beiden Schlussquartalen sollen die PC-Auslieferungen jeweils um mehr als 20 Prozent einbrechen. Hauptursache ist die Kostenexplosion für Speicher, der inzwischen fast 40 Prozent der Gerätekosten ausmacht und damit die Preise in die Höhe schraubt und die Nachfrage dämpft. Am härtesten erwischt es HP, aber auch Dell und Lenovo lassen Federn.
Nachdem sich die PC-Verkäufe im ersten Halbjahr halbwegs solide gezeigt hatten, kommt jetzt der von den Analysten vorhergesagte Absturz mit voller Härte im Markt an. Just zum Beginn der üblicherweise starken Jahreshälfte sind die Verkäufe im dritten Quartal den aktuellen Zahlen der Marktforscher zufolge weltweit um mehr als 20 Prozent eingebrochen. IDC verzeichnete ein Minus von 20,1 Prozent (62,7 Millionen Verkäufe) gegenüber dem Vorjahr, bei Omdia waren es 21,2 Prozent (58,1 Millionen Verkäufe). Der Absatz war somit im Q3 nochmals gut neun Prozent schwächer als noch im Q2, in dem der Absatz bereits um 3,8 Prozent gefallen war. Das bedeutete den stärksten Rückgang seit dem Beginn der Nach-Corona-Flaute im ersten Quartal 2023. Und damit nicht genug, sind die Aussichten für das Jahresendgeschäft noch düsterer. Die Analysten erwarten bis Ende Dezember einen weiteren Einbruch der Absatzzahlen um fast 25 Prozent im Vergleich zu 2025.
Das Gesamtjahr 2027 steht ebenfalls unter einem negativen Vorzeichen. "Angesichts der sich verschlechternden makroökonomischen Rahmenbedingungen besteht das Risiko, dass sich die Aussichten für die nächsten Quartale erst verschlechtern, bevor sie sich wieder verbessern", orakelt Jitesh Ubrani, Forschungsleiter für Verbrauchergeräte bei IDC. Omdia rechnet deshalb für 2027 ganz konkret mit etwa sieben Prozent weniger PC-Verkäufen als 2026. "Es ist davon auszugehen, dass dieser Druck anhalten wird, und der derzeitige Rückgang könnte erst der Anfang eines neuen Abwärtszyklus sein", prognostiziert Ben Yeh, Principal Analyst bei Omdia.
Auch wenn es in Deutschland Zeichen gibt, dass Fachhandel und Systemhäuser in Deutschland den Absturz zumindest im Business-Segment etwas besser ausgleichen können als andernorts, stehen im Geschäft mit PCs, Notebooks und Zubehör demnach schwere Monate an. Umso wichtiger kann es in dieser Zeit sein, gerade bei KI-PCs auch die Mehrwerte für KI-Projekte herauszustellen und Zusatzleistungen mit zu verkaufen, wie etwa Schulungen und Enablement-Formate.
Rabattschlachten im schrumpfenden Markt befürchtet
Der Hintergrund des Einbruchs ist so offensichtlich wie unvermeidlich: Die extrem gestiegenen Speicherkosten aufgrund der gigantischen KI-Datacenter-Welle, die den Markt leersaugt und bei den Herstellern zu einer Priorisierung hochrentabler Produkte führt. Was das in der Praxis bedeutet, zeigt sich besonders deutlich daran, dass die Speicherausstattung Omdia zufolge inzwischen mehr als ein Drittel der Gesamtkosten eines PCs ausmacht. "Da sich die Preise mehr als vervierfacht haben, ist der Kostenanteil von DRAM und SSDs in PCs von einem typischen Niveau von rund 15 Prozent auf fast 40 Prozent stark gestiegen", rechnet Omdia-Experte Yeh vor. Ein Effekt, der aufgrund der sich aufgrund des Speichers als bestimmender Ausstattung durch alle Geräteklassen zieht, wie die Marktforscher betonen.
Aber auch der Channel selbst trägt seinen Teil dazu bei und verstärkt den Trend mit seinem (Einkaufs)Verhalten. Viele Reseller haben sich zum Jahresanfang frühzeitig mit Ware eingedeckt, um sich vor den absehbaren Preissteigerungen zu schützen. Sie haben angesichts der sinkenden Nachfrage nun schwer damit zu tun, diese Ware auch in den Markt zu drücken. "Was wir derzeit beobachten, ist das Ergebnis der starken Vorzieheffekte im ersten Halbjahr", erklärt Ubrani. "Anbieter und Vertriebskanäle haben sich zu Beginn des Jahres mit Lagerbeständen eingedeckt, um Preiserhöhungen zuvorzukommen, und das hat die übliche saisonale Entwicklung durcheinandergebracht, bei der das dritte Quartal normalerweise stärker ausfällt als das zweite."
PC-Hersteller unter Druck: Gewinner und Verlierer
Neben sinkendem Absatz steigt damit zugleich der Preisdruck, vor allem in den unteren Segmenten bleibt nicht mehr viel oder gar keine Marge. "Die Vertriebskanäle befürchten nun, zu große Lagerbestände in einen Markt zu übertragen, in dem hohe Preise die Nachfrage dämpfen. Das könnte zu Sonderangeboten und einer kurzfristigen Entlastung für die Verbraucher führen", fasst Ubrani die Befürchtungen vieler Wiederverkäufer zusammen. "Aber wir rechnen nicht damit, dass die Preise auch nur annähernd das Niveau von vor einem Jahr erreichen werden", stellt der IDC-Analyst klar und unterstreicht: "Die Preise werden auf einem hohen Niveau bleiben."
HP, Dell und Lenovo getroffen – Apple und Asus halten zumindest rechnerisch dagegen
Unter den Herstellern hat der Einbruch bislang HP am stärksten getroffen, IDC verzeichnete im Q3 einen Rückgang der Auslieferungen gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 30,9 Prozent, von 15 Millionen auf 10,3 Millionen Einheiten. Damit einhergehend sackte HPs Marktanteil von 19,1 auf 16,5 Prozent ab. Aber auch Dell konnte den Zahlen nach von Juli bis September 2026 mit insgesamt 7,6 Millionen PCs ein Viertel weniger absetzen als 2025. Nur wenig besser erging es auch Spitzenreiter Lenovo mit einem auf 23,8 Prozent gesunkenen Marktanteil, der ein Minus der Absatzzahlen von 22,6 Prozent von 19,3 auf 14,9 Millionen verkaufte Geräte verkraften musste.
Etwa besser behauptete sich hier die Verfolgergruppe. Auf Platz vier büßte Apple 11,3 Prozent seines Absatzes ein und damit deutlich weniger als die drei Platzhirsche. Dadurch konnte der Hersteller seinen Marktanteil mit 5,9 Millionen verkauften Macs und MacBooks gegenüber letztem Jahr von 8,5 auf 9,5 Prozent steigern. Allerdings ist dieser Erfolg eher theoretischer Natur, zeigt er doch zugleich, dass der Überraschungserfolg des Verkaufsschlagers MacBook Neo, der Apple im zweiten Quartal noch klar gegen den Trend wachsen ließ, schon wieder weitgehend verpufft ist.
Am wenigsten Probleme mit der Absatzschwäche und den Preiskapriolen hatte unterdessen Asus, dessen Verkäufe von 6,0 auf 5,5 Millionen absanken, ein Minus von vergleichsweise milden 8,6 Prozent. Damit einhergehend verbessert Asus seinen Marktanteil von 7,6 auf 8,7 Prozent. Auch der Rest des Herstellerfeldes verbuchte mit 14,0 Prozent einen deutlich geringeren Rückgang der Verkaufszahlen als die drei Marktführer, die damit zusammengenommen mehr als vier Prozent des Marktes verloren haben.
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