Highend-Business-Notebooks (nur) in Deutschland gefragt

In ganz Europa versuchen immer mehr Unternehmenskunden die Preissteigerungen bei Business-Notebooks durch Einsparungen an der Ausstattung zu kompensieren, die den Channel Umsatz und Marge kosten. In ganz Europa? Nein! In Deutschland investieren weiterhin viele in hochwertige Geräte mit ausreichend Leistung für die KI-Zukunft und vertrauen dabei zugleich besonders stark auf Systemhäuser und Fachhändler.

Während die Unternehmen in Deutschland trotz der Preissteigerungen häufig zu höherwertigen und KI-fähigen Notebooks greifen, investieren sie in den anderen großen europäischen Märkten deutlich zurückhaltender (Foto: Dell)

Die steigenden Preise für Business-Notebooks durch die Verteuerung von Speicher und andere Komponenten treiben zunehmend einen Keil in die Investitionsbereitschaft der Unternehmen. Während einige von ihnen den Aufpreis in Kauf nehmen, um sich mit starker Hardware für die wachsenden KI-Anforderungen zu rüsten, sparen ihn andere lieber an der Ausstattung wieder ein, wie aktuelle Zahlen der Channel-Marktforscher von Context belegen. Diesen zufolge stellen Mittelklasse-Geräte mit üblicherweise 16 Gigabyte Arbeitsspeicher aktuell zwar noch immer klar den größten Anteil an den Verkäufen in den vier wichtigsten Märkten Europas. 53 Prozent der in Deutschland, Italien, Frankreich und Spanien über kleine und mittelständische Reseller (SMR) verkauften Geräte gehören zu dieser Kategorie, im Retail-Bereich stellen sie sogar noch 60 Prozent der Absatzmenge.

Allerdings mit sinkender Tendenz. Denn immer mehr Unternehmen setzen den Rotstift an und greifen, ungeachtet der wachsenden Hardwareanforderungen durch die KI-Welle, lieber zu Einstiegmodellen mit niedrigeren Spezifikationen und nur 8 Gigabyte RAM. Der Anteil dieser Gerätegruppe an den Gesamtverkäufen stieg laut den Analysten in den letzten Wochen bei den SMR auf 20 und bei den Retail-Ketten auf 25 Prozent. Andere Firmen verschieben die Anschaffung neuer Notebooks oder streichen sie zumindest vorerst.

Oberklasse als Umsatzstütze

Damit einhergehend werden für den Umsatz der Fachhändler leistungsfähigeren Konfigurationen der Oberklasse mit 32 und mehr Gigabyte Arbeitsspeicher immer wichtiger. Obwohl diese insgesamt nur 14 Prozent der Verkäufe ausmachen, bringen sie 25 Prozent des Kategorieumsatzes ein. Im Retail-Bereich stellen sie mit 26 Prozent sogar bereits einen höheren Umsatzanteil als die Mittelklasse-Geräte. Während die Preissteigerungen im unteren Feld der Leistungsklassen die Margen der Händler unter Druck setzen, können sie im oberen Drittel eher davon profitieren. Einerseits, weil die Verteuerung im Verhältnis zum Gesamtpreis weniger ins Gewicht fällt, andererseits weil die Kunden oft einen höheren Beschaffungsdruck für starke Hardware durch ihre KI-Projekte haben. Preislich liegen diese Geräte laut Context aktuell im Handel im Durchschnitt 1.514 Euro, im Retail-Umfeld beträgt der mittlere Verkaufspreis 220 Euro weniger.

In Deutschland sind diese teureren Geräte sogar besonders stark gefragt. Zudem kaufen die Kunden sie ungeachtet des Preisunterschieds vor allem über Systemhäuser und Fachhändler. Laut Context stellt die Oberklasse mehr als ein Drittel (35 Prozent) der hierzulande über die SMR verkauften Mobilrechner und sogar 45 Prozent ihres Notebook-Umsatzes. Bei Einzelhandelsketten entfallen unterdessen nur 23 Prozent des Absatzes auf solche Modelle und damit ähnlich viele wie in der Einstiegsklasse (28 Prozent). Dass die Marktforscher selbst hier eine leicht steigende Tendenz registrieren, unterstreicht die Verschiebung der Käufe an die beiden Enden des Spektrums.

"Je nach Budget und den Anforderungen an ihre Notebooks treffen Käufer sehr unterschiedliche Entscheidungen", fasst Senior Retail Anal James Bates zusammen und erklärt: "Für diejenigen, die unter Druck stehen, die Anschaffungskosten niedrig zu halten, wird ein Modell mit weniger Arbeitsspeicher zu einem praktikablen Kompromiss. Andere sind bereit, mehr für Konfigurationen auszugeben, von denen sie erwarten, dass sie anspruchsvolle Workloads länger bewältigen. Dadurch bedient der Channel zwei zunehmend klar voneinander getrennte Kundengruppen."

Einbruch in Italien, Mittelweg in Frankreich

"Wenn Unternehmen im letzten Quartal des Jahres ihre Ausgaben überprüfen, wird die Herausforderung darin bestehen, kurzfristige Einsparungen mit längerfristigen Anforderungen in Einklang zu bringen." James Bates, Senior Retail Analyst, Context (Foto: Context)

Dabei gilt es jedoch zu beachten, dass diese Entwicklung in allen vier Ländern äußerst unterschiedlich verläuft. So ist etwa die Investitionsbereitschaft in Oberklasse-Modelle in Spanien besonders niedrig. Dass dies vor allem die Reseller hart trifft, zeigt sich daran, dass der Anteil am Geräteabsatz bei den dortigen SMR (9 Prozent) sogar auf einen niedrigeren Wert abgesackt ist als bei den Retail-Ketten (11 Prozent), die damit dennoch nur 21 Prozent ihres Notebook-Umsatzes einfahren. In Frankreich wiederum ist die Verschiebung am schwächsten wahrzunehmen. Dort dominieren weiterhin die Mittelklasse-Modelle, die 69 Prozent der über Reseller und 66 Prozent der über Einzelhandelsketten stellen. Dafür kann der Handel mit den von ihm verkauften Oberklasse-Geräten einen spürbar höheren Durchschnittspreis von 1.668 Euro erzielen.

Am deutlichsten nach unten geht die Verlagerung der Nachfrage hin zu preisgünstigen Konfigurationen in Italien. Sie machen dort 40 Prozent der abgesetzten Notebooks aus. Bei den Einzelhandelsketten kommen fast 8 von 10 (78 Prozent) verkauften Notebooks aus der Mittelklasse mit 16 Gigabyte RAM. Der Verkauf der Oberklasse ist bei ihnen unterdessen mit nur noch 1,7 Prozent Volumenanteil quasi komplett zum Erliegen gekommen.

Eine Entspannung der Situation ist nicht in Sicht. Ganz im Gegenteil, wie Bates unterstreicht: "Sollten die Komponentenkosten weiter unter Druck bleiben, gehen wir davon aus, dass sich diese Zweiteilung des Kaufverhaltens fortsetzt."

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