OpenAI wirbt KI-Guru Noam Shazeer von Google ab
Der renommierte KI-Experte Noam Shazeer wechselt von Google zum ChatGPT-Hersteller OpenAI. Der bisherige Co-Verantwortliche von Google Gemini ist laut OpenAI-Chef Sam Altman ein Neuzugang, von dem er bereits seit zehn Jahren träumt. Mit seinem profunden Knowhow soll er die technologische Basis für die Partneroffensive und den Börsengang stärken.
Während die Vorbereitungen zum Börsengang laufen, treibt OpenAI parallel seine Personaloffensive weiter voran, mit der der KI-Konzern in den letzten Monaten bereits einige weltweit führende IT- und vor allem KI-Spezialisten zu sich locken konnte. Jetzt kann der KI-Pionier mit Noam Shazeer hier einen weiteren prominenten Neuzugang mit ausgewiesener KI-Expertise vermelden, dessen Wechsel zugleich einen der stärksten Konkurrenten weiter schwächt: Shazer kommt von Google, wo er zuletzt als Vice President of Engineering und Co-Leiter von Googles Gemini in direkter Konkurrenz zu OpenAI agierte. Damit ist der Israeli bereits der zweite hochrangige Google-Manager, den der Macher von ChatGPT innerhalb weniger Monate abwerben konnte, nachdem im Frühjahr mit Colleen Kapase auch bereits die ehemalige Channel-Chefin von Google-Cloud an Bord gekommen war, um ein Partner-Ökosystem für die KI-Angebote aufzubauen.
Shazeer gilt zudem als Google-Veteran, da er schon zu Zeiten beim Suchmaschinenkonzern angeheuert hatte, als dieser erst einige hundert Mitarbeiter hatte. Nachdem er sich 2021 schon einmal von dort verabschiedet hatte, um Character.AI aufzubauen, holte Google ihn und sein Team jedoch drei Jahre später für kolportierte 2,7 Milliarden US-Dollar zurück in die eigene KI-Abteilung. Aufgrund dieser Historie und weil Google derzeit ebenfalls massiv in die Weiterentwicklung von Gemini investiert, kommt sein Abschied nun einigermaßen überraschend.
"Ich bin unglaublich stolz auf das großartige Team bei Google und auf alles, was wir gemeinsam aufgebaut haben", kündigte Shazeer seinen Wechsel auf X an. "Ich freue mich sehr, euch mitteilen zu können, dass ich zu OpenAI wechseln werde, und freue mich auf die Zusammenarbeit mit dem außergewöhnlichen Team dort. Es war eine schwierige Entscheidung, weiterzuziehen." Google hat Shazeers Weggang gegenüber CRN inzwischen offiziell bestätigt und erklärt: "Wir sind Noam für seine bedeutenden Beiträge zu Google über die Jahre dankbar."
OpenAI rüstet Personal, Partner und Investoren auf
Eine treibende Kraft hinter den Anstrengungen, Shazeer zu OpenAI zu holen, war dessen CEO Sam Altman, der sich damit nach eigenem Bekunden einen alten Wunsch erfüllen kann. "Noam ist einer der Menschen, mit denen ich seit den Anfängen von OpenAI am liebsten zusammenarbeiten wollte. Hat nur zehn Jahre gedauert", hob Altman die Verpflichtung des KI-Innovators auf X hervor und fügte hinzu: "Ich bin sicher, das Warten hat sich gelohnt." Die prominente Personalie dürfte auch den Plänen für OpenAIs IPO zusätzlichen Rückenwind verleihen. Der KI-Pionier hat dazu im Mai vertraulich die Unterlagen bei der Börsenaufsicht eingereicht und rechnet mit einem Börsengang noch in diesem Jahr.
OpenAIs dritte große Baustelle neben dem Personalaufbau und Börsengang ist der von Kapase geführte Aufbau eines Vertriebskanals, um seine Technologie über Partner besser ins Unternehmensumfeld zu bringen und neue Geschäftsbereiche zu erschließen. Diesen lässt sich das Unternehmen im ersten Schritt 150 Millionen US-Dollar kosten. Erst in der vergangenen Woche hat der Anbieter mit dem OpenAI Partner Network sein erstes Partnerprogramm vorgestellt. Dieses ist dreistufig aufgebaut und bietet diverse Spezialisierungen, etwa für OpenAI Codex. Bis Ende 2026 will das KI-Unternehmen weltweit 300.000 zertifizierte OpenAI-Berater ausbilden.
Gleichzeitig steht OpenAI unter extremem Druck, weil der einstige Vorsprung verpufft ist und andere Anbieter wie Google und Anthropic aufgeschlossen haben.
OpenAIs "prallgefülltes Bankkonto"
Der Vice President eines Lösungsanbieters, der zu den wichtigsten Google-Cloud-Partnern gehört, kommentierte gegenüber CRN, die Verpflichtung Shazeers sei ein Rückschlag für Google Cloud, aber ein Gewinn für OpenAI. "OpenAI muss ein prallgefülltes Bankkonto haben, wenn es Noam und Colleen und all diese anderen sehr teuren Leute in diesem Jahr einstellt", fügte der Manager, der namentlich nicht genannt werden wollte, hinzu. Damit spielte er auf weitere prominente Neueinstellungen wie den OpenClaw-Gründer Peter Steinberger und die ehemalige Slack-CEO Denise Dresser an.
Auch wenn der Abgang von Koryphäen wie Kapase und Shazeer zweifelsohne "ein kleiner Stich" für Google sei, wird das den Konzern und dessen KI-Initiative nach seinem Ermessen jedoch nicht ernsthaft ausbremsen: "Google verfügt mit Blick auf seine Talente und KI-Experten ohne Frage über eine starke Breite – deshalb mache ich mir um Gemini, Workspace oder die Google Cloud Platform nicht allzu große Sorgen", erklärte er.
Wirklich spannend ist aus seiner Sicht eher der enorme Vortrieb auf Seiten von OpenAI: "OpenAI macht gerade wirklich gewaltige Schritte. Wenn man sieht, dass sie offiziell in den Channel einsteigen, dafür die Leiterin des Partnerprogramms von Google holen und nun noch jemanden [Shazeer], für den Google eine ganze Menge Geld bezahlt hat." Schritte, die offenbar auch bei ihm und seinem Unternehmen die von OpenAI erwünschte Wirkung zeigen: "Wir prüfen jetzt, ob wir vielleicht etwas mit OpenAI auf die Beine stellen sollten."
In diesen Artikel ist Material unseres geschätzten Kollegen Mark Haranas von crn.com mit eingeflossen.
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