Colleen Kapase soll OpenAIs Channel aufbauen

Einen Monat nach ihrem überraschenden Abschied von Google meldet sich Channel-Managerin Colleen Kapase nun von OpenAI zurück. Dort will sie "eine epische GTM-Maschine" für den Partnervertrieb schaffen, um den KI-Anbieter mit Hochdruck in die Unternehmenswelt zu bringen. Bestehende und potenzielle Partner zeigen sich begeistert und hoffen auf einen "Game Changer".

Nach ihrem Abschied von Google Cloud übernimmt Colleen Kapase die Verantwortung für das Partner-Ökosystem von OpenAI (Foto: Google)

Als Colleen Kapase vor einem Monat, nur gut zwei Jahre nachdem sie von Snowflake gekommen war und mitten im Rollout des maßgeblich von ihr mitgestalteten neuen Partnerprogramms, ihren Abschied von Google Cloud verkündete, reagierten viele Partner überrascht und ungläubig und fragten sich, warum sie so plötzlich ihren Hut nahm. Jetzt wissen wir die Antwort: Weil OpenAI gerufen hat. Dort erwartet sie als Vizepräsidentin für strategische globale Partner und Ökosysteme eine genauso spannende wie umfangreiche Herausforderung, gilt es doch quasi aus dem Stand ein Channel-Ökosystem in einem hoch aktiven neuen Enterprise-Marktsektor aufzubauen.

Insofern scheint Kapase, die sich schon bei VMware, Snowflake und Google Meriten mit der erfolgreichen Umsetzung solch aggressiver Channel-Initiativen verdient hat, tatsächlich eine Art Idealbesetzung für den LLM-Anbieter. "Jetzt ist die Zeit dafür, Ihre Praxis und Technologie rund um OpenAI aufzubauen", nimmt Kapase in einem LinkedIn-Post denn auch direkt die Partner mit in die Pflicht und verspricht ihnen dafür im Gegenzug: "Wir bauen hier eine epische GTM (Go-to-Market)-Maschine für Vertrieb, Marketing, Betrieb und Partner auf – maßgeschneidert und fokussiert auf KI."

Sie selbst sieht sich dabei als starkes Bindeglied, um den ChatGPT-Anbieter und seine Partner auf die Kunden auszurichten. Ihre eigene "Superkraft" sei es, "Mehrwert für Unternehmenskunden" durch ein "lebendiges, profitables und strategisches Ökosystem" zu schaffen. Um das auch bei OpenAI umsetzen zu können, will sie neue Wege gehen: "Diesmal denke ich jedoch anders als je zuvor. Diesmal werden wir die Kraft der KI nutzen, um Partner zu unterstützen, zu informieren, zu schulen und zu engagieren", erläutert Kapase. "Gemeinsam werden wir neue Kompetenzen ausbauen und Mehrwert für unsere Kunden schaffen, der Begeisterung weckt und einen echten ROI erzielt."

CRN hat OpenAI und Kapase um Statements zur Personalie und den damit verbundenen Veränderungen für die Partner gebeten, bis zum Redaktionsschluss jedoch keine Antwort erhalten.

Der Channel soll KI zum Durchbruch verhelfen

Weiter erklärt Kapase, sie freue sich enorm darauf, mit OpenAI-CRO Denise Holland Dresser, zusammenzuarbeiten, die Kapases Ernennung im Rahmen einer umfassenden Partneroffensive für die KI-Programmierplattform "OpenAI Codex" bekannt gegeben hatte. Laut einem Post von Holland Dresser auf LinkedIn hat Codex die Marke von 4 Millionen wöchentlich aktiven Nutzer erreicht – was einen deutlichen Anstieg um eine Million Nutzer in nur zwei Wochen bedeute. "Wir sehen, dass Codex ein zentraler Bestandteil der Arbeitsweise von Teams wird", so Holland Dresser. "Um Unternehmen den schnellen Einsatz von Codex zu erleichtern, starten wir Codex Labs – ein Programm, das OpenAI-Experten direkt zu Ihnen bringt, um Teams beim raschen Einsatz von Codex zu unterstützen. Aber wir können das nicht alleine tun. Deshalb arbeiten wir mit Unternehmen wie Accenture, Capgemini, CGI, Cognizant, Infosys, PwC und Tata Consultancy Services zusammen, um Codex weltweit zu skalieren."

Für Kapase bieten OpenAI mit seinen KI-Lösungen völlig neue Möglichkeiten und gigantische Chancen für alle Beteiligten. ChatGPT habe die "Welt im Sturm erobert" und neue Möglichkeiten eröffnet, "die Menschheit zu inspirieren", Dinge anders zu tun. "OpenAIs Einflussbereich hat sich schnell auf Unternehmenskunden ausgeweitet, die bereits bedeutende Ergebnisse erzielen", führt sie weiter aus. "Aber dieses Spiel hat erst begonnen und OpenAIs – gemeinsam mit unseren Partnern – künftiger Einfluss auf gemeinsame Kunden wird monumental sein. Einige sagen, es sei der bedeutendste technologische Fortschritt aller Zeiten."

Mit der Ernennung von Kapase und dem damit verbunden Ziel einen schlagkräftigen Enterprise-Vertriebskanal aufzubauen, folgt OpenAI dem Beispiel anderer LLM- und KI-Unternehmen, die ebenfalls groß angelegte Channel-Initiativen starten. Erst letzten Monat hatte CRN exklusiv berichtet, dass Anthropic, ein führender Anbieter von LLMs, 100 Millionen US-Dollar in den Aufbau seines Claude Partner Network investiert und dafür mit Lukas Chipala ebenfalls einen ehemaligen Channel-Manager von Snowflake an Bord geholt hat.

OpenAI-Partner sehen Kapase als "Game-Changer"

"Ich erwarte, dass wir ein Partnerprogramm sehen werden, das sich daran orientiert, wie MSPs tatsächlich arbeiten: wiederkehrende Einnahmen, Paketservices und langfristiger Kundenbesitz." Kevin Damghani, CEO, ITPartners+

(Foto: ITPartners+)

Nicht nur OpenAI, auch die Partnerlandschaft traut es Kapase offenbar zu, diese Aufgabe zu meistern. Gegenüber CRN äußern sich die Partner in ersten Reaktionen äußerst positiv auf ihren Einstieg von Kapase bei OpenAI. Jhon Alexander, globaler Marketingleiter bei Quantiphi, einem der führenden US-Anbieter von KI-Lösungen, bezeichnet Kapases Ernennung etwa als "Game-Changer" für OpenAI. Sie habe ihre Channel-Erfahrung bei KI-orientierten Unternehmen wie Google Cloud und Snowflake bewiesen. "Wir haben mit Colleen sowohl bei Google Cloud als auch bei Snowflake zusammengearbeitet", erklärt er und lobt: "Sie ist eine starke Channel-Verfechterin, die phänomenale Arbeit leistet, indem sie Initiativen mit Partner-Fokus und Partner-Orientierung vorantreibt."

Aus seiner Sicht ist sie daher eine Idealbesetzung für OpenAI, um vielen weiteren Partnern und Unternehmenskunden die mit KI verbundenen Chancen zu erschließen. "Dies ist eine großartige Gelegenheit", unterstreicht er. "OpenAI ist der Marktführer im Bereich LLM. Das Timing könnte nicht besser sein. Das ist eine große Chance für Quantiphi, die Kraft der KI zu mehr Unternehmenskunden zu bringen."

MSPs auf dem Weg zum Managed-Intelligence-Anbieter

Ähnlich begeistert über die Anwerbung von Kapasi und die mit Codex verbundenen Chancen zeigt sich auch Kevin Damghani, Gründer und CEO des MSP ITPartners+. Aus seiner Sicht fehlt im Channel bisher ein Partnermodell, das es MSPs ermöglicht, die Codex-Coding-Plattform auf sinnvolle und wiederkehrende Weise zu monetarisieren. "Die Einführung bewährter Channel-Führungskräfte zeigt, dass OpenAI diese Lücke erkannt hat", konstatiert Damghani. "Ich erwarte, dass wir ein Partnerprogramm sehen werden, das sich daran orientiert, wie MSPs tatsächlich arbeiten: wiederkehrende Einnahmen, Paketservices und langfristiger Kundenbesitz. Mit Angeboten wie Codex können MSPs über den traditionellen Support hinausgehen und echte Managed-Intelligence-Anbieter werden, die Automatisierung und echte Geschäftsergebnisse für ihre Kunden erzielen. Wenn das Monetarisierungsmodell folgt, wird dies zu einem Gewinn für Partner, Kunden und das Tempo der KI-Adoption im SMB-Markt."

Neuer Einstiegspunkt für MSPs

Michael Hadley, CEO des bereits stark im KI-Bereich aktiven MSP iCorps Technologies zeigt sich "definitiv interessiert" daran, mit Kapase als Channel-Leiterin die Möglichkeit einer Codex-Partnerschaft von OpenAI zu prüfen. "Das ist etwas, das wir uns anschauen werden, um unsere Kunden effizienter und effektiver zu machen", kündigt er an. Er sieht die Codex-Plattform vor allem als Möglichkeit für Kunden, individuelle Softwareentwicklung zu betreiben, ohne dafür hochpreisige Talente einstellen zu müssen.

Obwohl sein Unternehmen im vergangenen Jahr bereits doppelt so viele Bewertungs-Projekte für KI wie im Vorjahr durchgeführt hat, ist er überzeugt, dass iCorps damit erst an der Oberfläche des KI-Potenzials kratzt. "Wir investieren viel Zeit in die Schulung und Aufklärung der Kunden über den Wert von KI und wie sie diese in ihren Organisationen nutzen können", sagt er.

Partner hoffen auf breitere Zusammenarbeit

Um die Codex-Plattform voranzutreiben, hat OpenAI Codex Labs ins Leben gerufen – ein Programm, bei dem Experten von OpenAI eingesetzt werden, um Teams bei der schnellen Einführung von Codex zu unterstützen. Während diese Codex-Vertriebsoffensive Partnerschaften mit einigen großen Partnern wie Accenture, Capgemini, Cognizant und Tata Consultancy Services beinhaltet, fehlt vielen MSPs eine breitere und tiefere Zusammenarbeit mit dem gesamten Vertriebskanal, um Codex erfolgreich im Unternehmensmarkt zu etablieren.

So sieht etwa Bill Blum, CEO von Alpine Business Systems, die Codex-Initiative eher als Zeichen für einen breiter werdenden Wettbewerbs denn als rein OpenAI betreffenden Vorstoß. "Wenn man sich das Umfeld aller Frontier-Modelle anschaut … Claude hat bisher das Rennen beim Coding gemacht, und alle anderen holen auf", konstatiert Blum gegenüber CRN. "Das Gute daran ist, dass wir alle davon profitieren." Weiter führt er aus: "Diese Modelle werden unglaublich leistungsstark, das senkt die Kosten und erhöht die Funktionalität exponentiell. Es bietet uns viel mehr Auswahlmöglichkeiten und zeigtt uns, welche Tools unsere Kunden bevorzugen."

Corey Kirkendoll, Präsident und CEO von 5K Technical Services aus Dallas, stimmt zu, dass Codex für MSPs vorteilhaft sein kann, da sie die IT im eigenen Haus besser nutzen und beginnen können, Apps zu entwickeln. "Wir nutzen nicht alles in unserem PSA. Wir nutzen nicht alles in unseren Abrechnungssystemen. Wir verwenden nur sehr spezifische Teile davon", berichtet er gegenüber CRN. "Warum also all das Geld ausgeben, wenn wir intern entwickeln und es für uns selbst anpassen können, und dieses Wissen dann auch unseren Kunden anbieten? Genau darin sehen wir den Wert. Es hilft, eigene Inhouse-Entwicklungen zu schaffen, die tatsächlich Kosten sparen und direkt das Ergebnis verbessern."

Mehr Aufmerksamkeit für MSPs

Einen etwas anderen Blickwinkel nimmt Joe Ussia ein. Der Präsident und CEO des kanadischen MSPs Infinite IT Solutions sieht Codex vor allem als Möglichkeit für MSPs, "ein höheres Coding-Niveau" zu erreichen, ohne dafür in gleichem Maße interne Expertise aufbauen zu müssen. "Wie alle LLM- und KI-Plattformen heben sie die internen Fähigkeiten auf ein höheres Level, was Unternehmen hilft, mehr mit weniger zu erreichen und die Markteinführungszeiten verkürzt", so Ussia gegenüber CRN.

Michael Goldstein vom MSP-Giganten Entech äußert sich ebenfalls begeistert, dass OpenAI Codex in den Channel bringt. "Es wird Zeit", kommentiert er angesichts der Ernennung von Kapase. "Wir brauchen ein gutes MSP-Angebot von OpenAI. Es gibt viele Produkte und viele KI-Unternehmen, die um die Aufmerksamkeit der MSPs konkurrieren. Ein Programm von OpenAI, das mit den Angeboten von Microsoft und Google konkurriert, wäre ein großer Vorteil für die MSP-Community und ein Gewinn für den Channel."

Dementsprechend freut er sich darauf, das kommende OpenAI Codex Channel-Programm zu nutzen. "OpenAI muss über die globalen Systemintegratoren hinausblicken und MSP-Partner breit einbeziehen", fordert er. "Als MSPs sind wir in jedem Unternehmen und in jeder Branche aktiv. Wir alle suchen nach einer besseren Möglichkeit, KI-Coding zu monetarisieren. OpenAI bringt mit einem innovativen Programm eine echte Veränderung für den Channel!"

Dieser Artikel basiert in Teilen auf Material unserer geschätzten Kollegen Steven Burke und CJ Fairfield von crn.com.

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