Bechtle-CEO: Sorge um steigende Herstellerpreise und Lieferschwierigkeiten
Erlöse leicht im Plus, der Gewinn vor Steuern im Minus: So richtig zufrieden kann Bechtle mit dem Geschäftsjahr 2025 nicht sein. Die Bilanz des scheidenden CEO Thomas Olemotz kann sich sehen lassen. Aber 2026 bleibt, wie das Vorjahr und auch 2024: herausfordernd.
2025 ging einigermaßen versöhnlich für Systemhaus Bechtle zu Ende, ein starkes Jahresendgeschäft hatte nochmal Auftrieb gegeben. Nach vorläufigen Zahlen steht beim Umsatz ein Plus von rund 2 Prozent auf 6,4 Mrd. Euro in den Büchern. Das Geschäftsvolumen kletterte um 8 Prozent auf 8,6 Mrd. Euro. "Die Leistung unserer Teams zum Jahresende verdient höchsten Respekt und zeigt einmal mehr die Stärke von Bechtle", so CEO Thomas Olemotz. Das vierte Quartal habe "eine sehr starke Entwicklung, insbesondere aufgrund eines herausragenden Schlussmonats", gezeigt: Das Geschäftsvolumen stieg von Oktober bis Dezember laut Bechtle um mehr als 16 Prozent.
Ungewöhnlich für Bechtle, in einer zugegebenermaßen für Deutschland ungewöhnlich langen Phase der wirtschaftlichen Flaute, hatte das Systemhaus keine Umsatzvorhersage für 2025 treffen können. Ende September 2025 lag das Umsatzplusplus bei einem bescheidenen Prozentpunkt.
Rekordzuwachs EBIT im Schlussquartal
Bemerkenswert: CEO Thomas Olemotz hatte seit der Übernahme des Chefpostens nur zwei Jahre mit einem Umsatzminus verkünden müssen: 2009, in seinem ersten Jahr als CEO, und 2024. Wird er auch auf das letzte Jahr als CEO ein Umsatzwachstum verkünden und dann auf eine sehr bemerkenswerte Bilanz seiner letzten 18 Jahre bei Bechtle blicken können? Und auch den Vorsteuergewinn wieder steigern können? Das EBT 2025 war das zweite Mal in Folge gefallen und lag bei 325 Mio. Euro, ein Minus von 20 Mio. Euro gegenüber dem Vorjahr.
Mut macht indes der Vorsteuergewinn, den Bechtle im Schlussquartal 2025 einfuhr: Plus 20 Prozent auf 121 Mio. Euro. Einen so hohen Zuwachs hatte Bechtle in seiner 43-jährigen Unternehmensgeschichte nicht erlebt. Dennoch stand unter dem Strich ein sinkender Gewinn in der Bilanz 2025: Das darf für Bechtle kein gutes Jahr gewesen sein und ist es auch nicht.
Als Olemotz 2009 den CEO-Posten antrat, schrieb Bechtle einen Umsatz von 1,38 Mrd. Euro und beschäftigte rund 4.300 Mitarbeiter. Aktuell sind über 16.000 Menschen im Bechtle-Konzern tätig, die europäische Expansion des Systemhausgeschäfts über den deutschen Sprachraum hinaus hatte der Manager eingeleitet. Umso überraschender, dass man bei Bechtle die Zahl der Vorstände wieder verkleinert. Zumal die Zeichen, vorsichtig gedeutet, auf Wachstum auch in der Ära nach Olemotz stehen.
Hersteller: Massive Preiserhöhung und drohende Lieferschwierigkeiten
"Wir gehen auch für 2026 davon aus, dass sich Bechtle positiv entwickeln wird, wenngleich die gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen herausfordernd bleiben", so der Bechtle-Chef. Wenn im zwei Faktoren das letzte CEO-Jahr nicht so richtig vermiesen: Investitionsbremse bei Kunden, weil Hersteller weiter an der Preisschraube nach oben drehen; Lieferschwierigkeiten im weiteren Verlauf des Jahres. Weil Komponenten knapp werden könnten und den Preisauftrieb nochmals beschleunigen.
An der Börse kann sich Bechtle der allgemein schlechten Stimmung für Technologieunternehmen nicht entziehen, die insbesondere Softwarehersteller und IT-Dienstleister trifft. Es herrscht Unsicherheit, inwieweit KI traditionelle Geschäftsmodelle wie SaaS-Anwendungen oder Systemintegration ersetzen kann. Bechtle-Aktie verlieren in diesem Jahr fast 14 Prozenz an Wert und haben somit deutlich schwächer als der Techdax abschnitt, der seit Jahresbeginn auf der Stelle tritt.
Bechtle wird die vollständigen und geprüften Ergebnisse für das Geschäftsjahr 2025 am 20. März 2026 veröffentlichen.
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