x86-CPUs: Intel fällt in historisches Tief

Der KI-Boom treibt das Geschäft mit Rechenzentren kräftig voran und beschert AMD und Intel Rekordumsätze. Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Denn bei den Marktanteilen ist Intel auf den niedrigsten Stand seit mehr als 30 Jahren eingebrochen, während AMD faktisch in Schlagdistanz abgekommen ist.

Sowohl im Server- als auch im Client-Bereich gelingt es AMD derzeit besser, mit den Herausforderungen des Marktes und den Anforderungen der Kunden umzugehen (Foto: AMD)

Die gigantischen KI-Datacenter-Projekte der Hyperscaler und anderen Cloud-Anbieter brauchen nicht nur entsprechend große Mengen GPUs und Speicher für ihre Serverfarmen, sondern auch CPUs. Dieser enorme Anstieg der Nachfrage wirkt seit Anfang des Jahres wie eine Art Turbo für das Geschäft der beiden Platzhirsche. Während er AMD hilft, sein zuvor schon starkes Wachstum weiter zu beschleunigen, kommt er für Intel gerade zur richtigen Zeit, um eine Trendwende zu schaffen und sich wieder aus der Talsohle der vergangenen Jahre herauszuarbeiten. Gerade erst hat Intel für das zweite Quartal 2026 ein Rekordwachstum des Umsatzes seiner Data Center Group von 59 Prozent vermeldet und konnte sich nach eigenem Bekunden zehn langfristige CPU-Liefervereinbarungen mit wichtigen Kunden wie Google sichern.

Sieht man sich die aktuellen Umsatz-Erfolgsgeschichten der beiden CPU-Giganten allerdings im Direktvergleich der Absatzzahlen und Marktanteile an, zeigt sich schnell ein ganz anderes Bild. Laut dem aktuellen Bericht der Marktforscher von Mercury Research konnte AMD im zweiten Quartal 2026 seinen Marktanteil bei x86-Prozessoren für PCs und Server auf den Rekordwert von 30,7 Prozent hochschrauben, während Intel gegenüber dem Vorjahr 6,5 Prozentpunkte verlor und auf 69,3 Prozent absackte. Das ist der schlechteste Wert der vergangenen 31 Jahre, zuletzt hatte Intel 1995 weniger als 70 Prozent des CPU-Marktes für sich vereinnahmt. Zählt man dazu auch noch die x86-CPUs für Semi-Custom-, Embedded- und IoT-Produkte, bei denen AMD unter anderem von einem starken Konsolengeschäft profitierte, verschiebt sich das Marktverhältnis auf nur noch 65,9 zu 34,1 Prozent für Intel.

Intel im Datacenter-Geschäft nur noch mit einstelligem Vorsprung

Und auch das ist noch lange nicht das Ende der Fahnenstange. Betrachtet man ausschließlich das boomende Datacenter-Geschäft, in dem der Absatz im Q2 um 20 Prozent zulegte, konnte AMD das deutlich besser für sich nutzen und bei den Marktanteilen im Jahresvergleich um 7,3 Punkte auf 34,5 Prozent zulegen, während Intel nur noch auf 65,5 Prozent kam. Zudem zählt Intel hier im Gegensatz zu AMD auch Embedded-CPUs, die es für Netzwerk- und Speicheranwendungen in Rechenzentren ausliefert, mit zum Ergebnis der Data Center Group. Stellt man die Berechnung auf die gleiche Grundlage, kommt Intel laut Mercury sogar nur noch auf einen Marktanteil 53,6 Prozent, während AMD mit 9,2 Prozent Zuwachs auf 46,4 Prozent kommt und damit die direkte Schlagdistanz erreicht.

Ein Sprecher von Intel wollte diese Zahlen auf Anfrage von CRN nicht kommentieren und verwies stattdessen lediglich auf das erwähnte Rekordwachstum beim Umsatz der Data Center Group gegenüber dem Vorjahr, die im jüngsten Ergebnisbericht hervorgehobene Dynamik im Client-Geschäft sowie auf eine wachsende Zahl langfristiger Liefervereinbarungen.

Auch im Channel bestätigen viele Distributoren, Integratoren und Händler diese zunehmende Stärke von AMD. Ein wichtiger Faktor für diesen Erfolg ist ihrer Einschätzung nach, dass AMDs Server-CPUs technisch aktuell zumindest gleichwertig, wenn nicht gar leicht überlegen sind. Hinzu kommt, dass AMD deutlich besser mit KI-Ansturm zurechtkommt und eine größere Lieferfähigkeit aufbieten kann. Zugleich arbeitet Intel unter Hochdruck daran, diese Schwächen abzustellen. Wichtigste Ansatzpunkte dafür sind neue Server-CPUs und neue Fertigungskapazitäten, wie der Unternehmenssprecher gegenüber CRN erklärte. "Unsere oberste Priorität ist es, die Kapazitäten hochzufahren und die Fabrikleistung so schnell wie möglich zu verbessern, um die Kundennachfrage zu bedienen, während wir zugleich daran arbeiten, unsere Wettbewerbs-Roadmap zu stärken."

Damit einhergehend fährt Intel zudem seine Bemühungen im Channel hoch. Ein leitender Manager eines US-Systemintegrators, der sowohl mit Intel als auch mit AMD zusammenarbeitet, bestätigte CRN kürzlich, er nehme nach einer Phase, in der AMD mehr seiner Aufmerksamkeit für sich gewonnen habe, wieder verstärkte Aktivitäten seitens Intels Channel-Teams wahr. "Ich glaube, sie erkennen: ‚Wir müssen aktiv sein. Wir müssen draußen bei den Partnern präsent sein. Wir dürfen bei diesem Thema nicht einschlafen.‘ Und ich denke, genau das haben sie eine Zeit lang getan", erklärte der Manager, der anonym bleiben wollte, um offen sprechen zu können.

Obwohl der Client-Markt unter völlig anderen Vorzeichen steht und deutlich schrumpft, spiegelt sich im Hinblick auf die beiden dominierenden CPU-Hersteller und ihre Marktanteile auch hier das beschriebene Bild. (siehe nächste Seite)

Client-Geschäft im Sinkflug

Bislang hat Intel noch keine großen Kunden für das Foundry-Geschäft präsentiert (Foto: Intel)

Neben dem Nachhall der abgeschlossenen Migrationswelle auf Windows 11 führt Mercury-Präsident Dean McCarron den Einbruch vor allem auf "höhere PC-Preise und begrenzte GPU-Liefermengen" zurück. Weil die Speicher- und CPU-Hersteller sich vorwiegend auf die Produktion für das wachstums- und margenstärkere Rechenzentrumsgeschäft konzentrieren, sind die Auswirkungen auf den Client-Markt besonders drastisch. Inmitten dieses Sturms konnte AMD dem Rückgang weitgehend trotzen und seine Marktanteile gegenüber 2025 um 6,4 Prozentpunkte auf 30,3 Prozent ausbauen, während Intel nur noch 69,7 Prozent der Client-CPUs auslieferte.

McCarron zufolge ist insbesondere die Situation bei den Desktop-CPUs aktuell "am besten als hässlich zu beschreiben", denn das Segment wurde von einem "starken Rückgang von mehr als 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr" getroffen. Selbst hier konnte AMD seinen Anteil an den Auslieferungen um 2,7 Punkte auf 34,9 Prozent steigern, während Intel bei 65,1 Prozent lag. "Sowohl AMD als auch Intel verzeichneten bei Desktop-CPUs eine deutliche Schwäche gegenüber dem Vorjahr – wobei die Rückgänge bei AMD vergleichsweise geringer ausfielen", erläutert der Analyst und ergänzt: "Sequenziell waren AMDs Rückgänge jedoch deutlich kleiner als die von Intel."

AMD steigert Marktanteil bei Notebooks am schnellsten

Deutlich mehr Bewegung und positive Signale gibt es aus dem Bereich der Notebooks und mobilen Geräte zu verzeichnen – vor allem aus Sicht von AMD. Obwohl Intels Vorsprung bei den Notebook-CPUs noch etwas größer ist (71,1 Prozent), konnte der Herausforderer seinen Absatz mit einem Zuwachs um 8,4 Prozent gegenüber dem Q2 2025 erneut deutlich stärker ausbauen und sich weiter in Richtung der Marke von einem Drittel (28,9 Prozent) bewegen.

Obwohl Intel im zweiten Quartal "Millionen zusätzlicher Einheiten mobiler CPU-Kapazität" bereitstellte, um die Lücke zwischen Angebot und Nachfrage zu schließen, konnte AMD den Anteil sequenziell dennoch leicht erhöhen und somit stärker profitieren, schrieb McCarron. Die gesamten Auslieferungen in diesem Segment seien "sequenziell deutlich gestiegen und auch gegenüber dem Vorjahr moderat im Plus gewesen – ein deutlicher Gegensatz zu den Warnungen vor einer Schwäche im Client-Segment aus dem vorangegangenen Quartal", fügte er hinzu.

Arm-CPUs setzen Intel und AMD zunehmend unter Druck

Gleichzeitig mit dem unablässigen Vorrücken von AMD verzeichnen die Marktforscher aber noch einen weiteren interessanten Trend, der beide x86-Anbieter zunehmend unter Druck setzt: Das Vorrücken der Arm-Konkurrenz. Während ihnen im Datacenter etwa Nvidia mit seiner neuen Vera-CPU entgegentritt und auch die Hyperscaler Amazon und Google vermehrt eigene Chips und Designs auf Basis des Arm-Befehlssatzes einsetzen, erweitern im Client-Bereich Qualcomms Snapdragon-Prozessoren sowie Apples M-Serie-Chips für Macs das Feld der Konkurrenten. Zudem plant Qualcomm einen weiteren Anlauf im Markt für Server-CPUs und Nvidia steigt mit dem RTX-Spark-Chip für Windows-PCs in den Client-Markt ein.

In der umgekehrten Richtung ist AMD ebenfalls klar vor Intel: Mit seinen Instinct-GPUs sichert sich AMD einen wachsenden Anteil an den stark wachsenden Chancen im KI-Bereich, für den Intel weiterhin starke Produkte fehlen. Bei der Vorstellung der Ergebnisse des zweiten Quartals prognostizierte AMD-Chefin Lisa Su, dass der Instinct-Umsatz im kommenden Jahr die Marke von 30 Milliarden US-Dollar überschreiten könnte, da sich immer mehr große Kunden dafür positionieren. Bei Intel ist man gerade erst dabei, entsprechende Pläne für KI-Chips auszuarbeiten. Zuletzt rückte dabei der Gedanke in den Fokus, Inferenz- und agentische KI-Workloads mit GPUs – darunter auch von Intel entwickelte Modelle – im Zusammenspiel mit anderen Chiptypen zu betreiben.

Intel gewann seinerseits zwar kürzlich den Sicherheitsanbieter Fortinet als Kunden für seine Auftragsfertigung und sein Geschäft mit kundenspezifischem Chipdesign – also jene zwei zentralen Wege, über die das Unternehmen sein Geschäft diversifizieren will. Allerdings hat das Unternehmen bislang – trotz einer angeblich in Richtung der 2 Milliarden US-Dollar gehenden jährlichen Run Rate des Custom-Silicon-Geschäfts – offiziell noch keinen großen Kunden dafür genannt. Ein solcher wäre nach Ansicht einiger Unternehmensvertreter jedoch unbedingt notwendig für die langfristige Zukunft von Intel Foundry.

Für Teile dieses Artikels wurde Material unserer geschätzten Kollegen von crn.com verwendet.

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