Warum Jacques Diaz wieder zu Axians wechselt
Viele Führungskräfte sind Bumerang-Manager, kehren zurück zu einem ehemaligen Arbeitgeber. Wie Jacques Diaz, der nach kurzem Wirken als Chef von Systemhaus Netgo zurück zu Axians Deutschland geht und als COO Synergien innerhalb der vielen Töchtergesellschaften heben soll.
Wenn die Einstellung des langjährigen Systemhaus-Kenners Jacques Diaz bei seinem vormaligen Arbeitgeber eine Überraschung ist, dann nicht die Tatsache, dass der 58.-Jährige wieder zu Axians Deutschland zurückkehrt, sondern dass er 18 Monate nach seinem Ausscheiden als CEO wieder eine Spitzenposition beim ICT-Anbieter belegt.
Diaz wird Chief Operating Officer Axians Deutschland, berichten wird er an Burim Mirakaj, den CEO für die Regionen DACH & CEE der Muttergesellschaft VINCI Energies, die wiederum zum französischen 75-Milliarden-Euro-Konzerns VINCI gehört.
72 globale und spezialisierte Business Units
Als COO von Axians in Deutschland soll Diaz "übergeordnete strategische Aufgaben" übernehmen und Burim Miraka in zwei Punkten unterstützen: Wachstum und Integration sowie Synergien der vielen Gesellschaften unter dem Dach von VINCI Energies ermöglichen. Die Aufgaben sind anspruchsvoll, denn das Firmengeflecht des durch Akquisitionen gewachsenen ICT-Dienstleisters ist groß. Der Konzern spricht von "72 globalen und spezialisierten Business Units. Grob betrachtet, bedient Axians die Themen IT-Infrastruktur und Cloud-Dienste, Applikationen und Software, Cybersecurity, TK-Infrastruktur.
Seit dem Ausscheiden von Diaz als CEO von Axians Deutschland ist die Unternehmensgruppe unter der Leitung von VINCI Energies-CEO Burim Mirakaj DACH & CEE ICT" kontinuierlich weitergewachsen. Mirakaj hat 2017 die Gesamtverantwortung des ICT-Geschäfts in Deutschland und der Schweiz als Konzernbereich inne und trägt seit 2022 zudem auch die Gesamtverantwortung für das Axians Geschäft in Österreich und Osteuropa.
Das operative Geschäft von Axians in Deutschland wurde 2025 in zwei strategische Säulen unterteilt: IT leitet seither Olaf Niemeitz, Telekommunikations-Infrastruktur obliegt Sascha Bendler. 2026 wurde das IT-Geschäft von Axians in Deutschland erneut aufgeteilt - und zwar in die Management-Bereiche "Networks & Security" (Leitung Olaf Niemeitz) und "IT Solutions" (Leitung Daniel Riss).
Jacques Diaz trifft also auf einen Dienstleister, der nicht nur wächst (sogar im Krisenjahr 2025 legte Axians in Deutschland um 15,3 Prozent zu), sondern sich strukturell sehr häufig verändert. Er kennt das. Diaz war nach seiner 13-jährigen Tätigkeit für Cancom 2018 als CEO zu Axians Deutschland gewechselt. Bis sich im Herbst 2024 die Chance für ihn bot, zur stark gewachsenen Netgo-Gruppe unter Investor Waterland zu wechseln und Nachfolger des überraschend zurückgetretenen Netgo-CEO Oliver Mauss zu werden. Mauss trat nach drei Jahren an der Spitze von Netgo im Mai 2024 aus persönlichen Gründen zurück. Nach dem kurzen Intermezzo von Diaz haben die Borkener keinen offiziellen CEO, faktisch führt CFO Sven Fürst die Systemhausgruppe.
Harmonische Legierung oder Salzsäure auf Kaliumpermanganat
Was hat zwischen Jacques Diaz und den Netgo-Gesellschaftern nicht gepasst? Was ist bei Axians, respektive VINCI Energies anders? Offen spricht freilich niemand mit CRN darüber, zitiert werden will man erst recht nicht. Und doch gibt es Hinweise darauf, dass die eine chemische Verbindung nicht trägt und irgendwann wie Salzsäure auf Kaliumpermanganat reagiert, während die andere eine harmonische Legierung eingeht.
Jacques Diaz und Burim Mirakaj, im Mai 2024 zum Beispiel, wie sich der eine vom anderen per Handschlag verabschiedet und seinem CEO-Nachfolger alles Gute für den Job wünscht. Ein solches Pressefoto ist eine seltene Ausnahme in der IT-Branche. Scheidende Top-Manager wollen die meisten PR-Strategen nicht in den Fokus stellen, erst recht nicht, wenn sie vom Hof gejagt wurden.
Keine zwei Jahre später das gleiche Motiv bei Axians: CEO Mirakaj begrüßt seinen neuen COO Diaz. Übrigens: Als der Top-Manager bei Netgo ausschied, gab es noch nicht einmal eine Pressemitteilung darüber. CRN "stolperte" über die Austragung von Diaz als GF im Handelsregister und berichtete damals exklusiv.
"Mit Jacques gewinnen wir einen sehr erfahrenen und geschätzten Top-Manager zurück, der unsere Strategie und unser Geschäft genau kennt", sagt Burim Mirakaj. "Mit seiner Passion für unser Portfolio, unsere Menschen, unsere Kunden und seiner Umsetzungsstärke wird Jacques mit unserem gesamten Management-Team viele Synergien auf unserem Wachstumskurs heben", so der CEO.
Im Maschinenraum der Macht
Diaz hat sich zwischen dem Ausscheiden als Netgo-CEO und der Rückkehr zu Axians viele Gedanken über dysfunktionale Führung, unklare Erwartungshaltungen, nicht tragfähige Narrative und Gefahren für eine Unternehmenskultur gemacht. Er hat viele Artikel der Channel-Presse über Managerwechsel, vor allem Demissionen und Entlassungen, gelesen. Und er hat Schlüsse gezogen, ganz allgemein, wie es aussieht "im Maschinenraum des erweiterten Stakeholder-Umfelds, also im Zusammenspiel von Aufsichtsräten, Beiräten, Eigentümern, Investoren und weiteren Einflussnehmern". Dort würden "andere Mechanismen mit deutlich größerer Tragweite für das gesamte Unternehmen greifen", als die öffentlichen Selbstdarstellungen einer Firma suggerieren wollen.
"Menschen entscheiden sich für eine Position im Top-Management meist wegen der Strategie, der Perspektive, der Erzählung über die Zukunft eines Unternehmens und natürlich auch wegen der damit verbundenen, vermeintlich hohen finanziellen Anreize", sagt Diaz. Erst im operativen Alltag zeige sich, ob dieses Zukunftsbild, die tatsächlichen Rahmenbedingungen und die realen Erwartungen im Unternehmen wirklich zusammenpassen. "Klaffen das zuvor vermittelte Narrativ, Erwartungshaltung und Realität spürbar auseinander, entsteht sehr früh Reibung".
Es lohnt sich, mit Diaz in diesen "Maschinenraum" einzutreten. Freilich will der Manager seine Beobachtungen "nicht auf einzelne Unternehmen oder konkrete Situationen bezogen" wissen. Aber: Ganz trennen kann man als Betroffener das Objekt vom Subjekt nicht.
Und ein Schelm, der diesen Hinweis am Ende der Pressemitteilung von Axians nicht als Bestätigung einer intakten Firmenkultur liest, der als Gegensatz zu einer ganz anderen Unternehmenskultur gemeint ist: "Die Attraktivität von Axians in Deutschland als Arbeitgeber wird neben der positiven wirtschaftlichen Entwicklung auch durch einen starken Anstieg der Bewerbungszahlen untermauert. 2025 wuchs die Gesamtzahl der Bewerbungen um 61,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr."
CRN-Newsletter beziehen und Archiv nutzen - kostenlos: Jetzt bei der CRN Community anmelden