Wo TD Synnex-CEO Wachstum und Potenzial sieht
TD Synnex-Tochter Hyve ist ein Wachstumsmotor im Konzern, profitiert stark von steigender Nachfrage nach KI-Rechenzentren. Auch der PC-Markt wird laut Patrick Zammit noch bis Jahresmitte boomen. Wo der Distributionskonzern gegen Wettbewerber punktet, wo er expandieren will: Der TD Synnex-CEO im CRN-Interview.
Das Geschäft der TD Synnex-Tochter Hyve erzielte im vierten Quartal des Geschäftsjahres 2025 eine herausragende Leistung und verzeichnete ein Wachstum von mehr als 50 Prozent. Die Geschäftseinheit, spezialisiert auf teils hochkomplexe Konfigurationen von Server-Hardware für Rechenzentren im Kundenauftrag, ist damit einmal mehr ein Wachstumstreiber im Distributionskonzern.
Patrick Zammit, Präsident, CEO von TD Synnex, führt die florierenden Geschäfte auf eine Kombination aus stetigem Wachstum in den Kernprogrammen von Hyve – Original Design Manufacturing (ODM) und Custom Manufacturing (CM) – sowie Dienstleistungen für Lieferkette von Rechenzentren zurück.
Zu diesen Dienstleistungen gehören strategische Komponenteneinkäufe, bei denen Hyperscaler Hyve beauftragen, Preise zu sichern, Lagerbestände zu halten und Lieferrisiken zu managen, wofür sie im Gegenzug eine Marge erhalten. Dieser Teil des Geschäfts sei zwar von Natur aus schwankend, erklärt Zammit gegenüber CRN. Doch Vergleiche mit früheren Quartalen hätten die Wachstumsrate im vierten Quartal verstärkt und die Erwartungen übertroffen.
Die Präsenz von Hyve in den USA, wo über 70 Prozent der Engineering- und Produktionsressourcen des Unternehmens angesiedelt sind, sei ein weiterer Differenzierungsfaktor, so Zammit. Immer mehr Hyperscaler suchten die Zusammenarbeit mit dem Lösungsanbieter.
Über Hyve hinaus meldete TD Synnex eine starke Entwicklung im PC-Vertriebsgeschäft, getrieben durch den Windows 11 ausgelösten Erneuerungszyklus. Dieser werde sich bis in die erste Jahreshälfte 2026 fortsetzen, so die Prognose des Chefs von TD Synnex. Er rechnet auch mit einem Trend zu höherpreisigen KI-PCs . Steigende DRAM- und SSD-Preise treiben ebenfalls die durchschnittlichen Verkaufspreise in die Höhe und sorgen für kurzfristigen Rückenwind. Zammit warnte, dass anhaltende Preiserhöhungen letztendlich Auswirkungen auf die Absatzmengen haben könnten.
Nachfolgen das Interview mit TD Synnex-Chef Zammit.
CRN: Hyve hat sich sehr gut entwickelt. Was steckt hinter dem 50-prozentigen Wachstum des Bruttoumsatzes bei Hyve?
Patrick Zammit: Zahlen zum Wachstum und zum Anstieg der Investitionen der Hyperscaler für das vierte Quartal liegen uns noch keine vor. Im dritten Quartal hatten ein Wachstum von 39 Prozent, was sehr gut übereinstimmt. Hyperscaler investieren weiterhin in ihre Rechenzentren. Wir beteiligen uns daran durch eine Reihe von Programmen. Hyve hat ODM- [Original Design Manufacturing] und CM- [Custom Manufacturing] -Aktivitäten und verfügt über das, was wir DCSCS nennen - Data Center Supply Chain Services. Das umfasst Lieferkette und strategische Einkäufe. Letzteres ist ein eher opportunistisches Geschäft. Es handelt sich um eine Dienstleistung, die wir für die Hyperscaler erbringen. Sie sagen uns: 'Wir möchten, dass Sie die Preise für diese Komponenten sichern. Können Sie den Bestand kaufen und für uns lagern? Ihr bekommt dafür eine Marge.' Dies ist ein eher unregelmäßiges Geschäft. Aber im vierten Quartal hatten wir ein Wachstum von mehr als 50 Prozent, was besser als erwartet ausfiel.
Die Kombination aus beidem, also dem sehr soliden Wachstum im ODM/CM-Geschäft im Zusammenhang mit den Investitionen sowie einigen spezifischen besonderen Supply-Chain- und strategischen Einkaufsaktivitäten, erklärt das Hyperwachstum.
CRN: Ist dieses Wachstum bei Hyve das Ergebnis der jüngsten Zunahme der Ausgaben für Hyperscaler-Rechenzentren? Hängt es ausschließlich mit dem Aufbau von Rechenzentren für KI zusammen, den wir derzeit beobachten?
Zammit: Das hängt natürlich mit den Investitionen zusammen, die Hyperscaler in ihre Rechenzentren tätigen. Aber nicht ausschließlich. Übrigens unterstützen wir vor allem Netzwerk- und CPU-Programme, weniger GPU-Programme. Aber ja: Unsere Dienstleistung erbringen wir für die Rechenzentren der Hyperscaler, die wir in ihrem Wachstum unterstützen.
CRN: Sie haben in Ihren Ausführungen erwähnt, dass Hyve vorwiegend in den USA tätig ist. Wie wichtig ist die starke US-Präsenz?
Zammit: Mehr als 70 Prozent unserer Ressourcen befinden sich in den USA, einschließlich Technik und Produktion. Das ist wichtig, weil in der heutigen Zeit die Fähigkeit, in den USA zu produzieren, aus Sicht von Souveränität und Kundennähe sowie Flexibilität ein klares Unterscheidungsmerkmal ist. Die Nähe zu unseren Kunden, wenn sie expandieren wollen, ist einer der Vorteile von Hyve.
Ein weiterer sehr interessanter Vorteil sind unsere technischen Fähigkeiten. Immer mehr Hyperscaler interessieren sich für Co-Design und erwarten von uns, dass wir ihnen mit unseren Ingenieuren dabei helfen. Genau hier haben wir investiert. Das ist ein zweiter wichtiger Unterscheidungsfaktor. Dadurch können wir Hyperscaler weltweit unterstützen. Der Großteil unseres Geschäfts findet in den USA statt, aber wir unterstützen auch Kunden in Europa und im asiatisch-pazifischen Raum, allerdings ist das Volumen dort viel geringer.
CRN: Das Wachstum von Hyve von über 50 Prozenz im vierten Quartal springt im Vergleich zum Vorjahr auch deshalb ins Auge, weil es 2024 rückläufig war. Wie erklärt sich dieser ziemlich große Kontrast?
Zammit: Das Team hat viel Arbeit in die Akquise neuer Programme gesteckt, außerdem hatten wir die Anlaufphase, sodass einige der Programme bereits im letzten Jahr zu gewonnen Aufträgen führten. Wir mussten einige Quartale warten, bis wir wachsen und konnten und Umsätze generierten. Wir sind sehr zufrieden mit der Geschäftsentwicklung. Die Investitionen in Kapazitäten und Fähigkeiten zahlen sich aus, und das sehen wir heute. Wie haben von der Hyperscaler-Nachfrage profitiert.
Nächste Seite: Welche Auswirkungen der Komponentenkrise Zammit sieht …
CRN: Wie haben sich Probleme der Komponenten-Krise – knappe Verfügbarkeit und drastische Preissteigerungen bei Speicher, SSDs, Flash-Speicher – auf den IT-Vertrieb ausgewirkt?
Zammit: Im vierten Quartal war das schwierig zu beurteilen, aber es hatte keinen Einfluss auf unsere Ergebnisse für das vierte Quartal.
CRN: Welche allgemeinen Auswirkungen sehen Sie auf den IT-Vertrieb?
Zammit: Das ist schwer zu sagen. Ich gehe davon aus, dass die Auswirkungen auf den Vertrieb im Allgemeinen bis November begrenzt waren. Im Dezember könnten einige unserer Wettbewerber davon profitiert haben. Wir werden sehen und warten ab. Wir sind sehr gespannt auf die Ergebnisse unserer Wettbewerber.
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CRN: Wie läuft das PC-Geschäft? Was erwarten Sie für 2026?
Zammit: Im vierten Quartal hatten wir ein sehr starkes Quartal im PC-Bereich mit einem Wachstum von voraussichtlich 18 Prozent. Für uns ist dies eine sehr wichtige Kategorie, in der wir weiterhin schneller wachsen als der Markt. Der PC-Erneuerungszyklus ist 2026 noch nicht vorbei. Er hat später als erwartet begonnen, daher gehe ich davon aus, dass er bis zum ersten Quartal andauern wird, wahrscheinlich auch im zweiten Quartal.
Wir sehen auch, dass die Gesamtkäufe von KI-PCs weiter zunehmen. Und der ASP [durchschnittliche Verkaufspreis] für einen KI-PC ist höher, also Rückenwind für uns.
Angesichts steigender Speicherpreise, DRAM und SSD, geben die Anbieter bereits erhebliche Preiserhöhungen weiter: im hohen einstelligen bis zweistelligen Bereich, und das wird zumindest kurzfristig auch Rückenwind für uns sein. Die Frage ist, ob sich dies auf die Absatzmengen auswirken wird. Das hängt von Preiserhöhungen und den Budgets der Endkunden ab.
CRN: Befürchten Sie, dass Unternehmen PC-Investitionen weiter aufschieben, auch weil die Gerätepreise steigen?
Zammit: Erstens: Wir verkaufen hauptsächlich an gewerbliche Kunden, nicht an das Verbrauchersegment. Ich glaube, dass hier die Elastizität geringer ist, wenn man die Preise erhöht. Unternehmen haben ihre Budgets, aber wenn sie einen PC ersetzen müssen, werden sie dies auch bei einer erheblichen Preiserhöhung tun.
Zweitens: Wir sollten auf die Folgen der US-Zölle vergangenes Jahr zurückblicken, um zu sehen, was passieren wird. Es stellen sich dieselben Fragen. Wie groß werden die Rückenwind-Effekte durch die durchschnittlichen Verkaufspreise oder die Gegenwind-Effekte durch das Volumen aufgrund der Preiserhöhung sein? Die Aussichten sehen ziemlich gut aus. Ich weiß noch nicht, was passieren wird, aber ich würde sagen, dass ich für die PC-Kategorie bis in die erste Hälfte dieses Jahres optimistisch bin.
CRN: Sehen Sie in Bezug auf den Gesamtmarkt und nicht nur auf PCs, dass Geschäftskunden und Vertriebspartner jetzt ihre Bestellungen erhöhen, um sich vor Preiserhöhungen einzudecken?
Zammit: Im vierten Quartal gab es keine Auswirkungen. Im ersten Quartal könnten wir erste Auswirkungen sehen. Die Zukunft wird es zeigen. Für unsere Prognose haben wir eine Bottom-up-Analyse durchgeführt, bei der mehrere Faktoren berücksichtigt wurden. Interessant ist, dass Angebote heute nur maximal zwei Wochen lang gültig sind. Wird es also zu einer starken Vorverlegung von Bestellungen kommen, um Preissteigerungen zuvorzukommen? Ich würde sagen, dass die Anbieter sehr schnell reagiert und umfassend kommuniziert haben. Mal sehen, wie groß die Auswirkungen sein werden.
CRN: Zweiwöchige Preisbindung für Bestellungen scheint uns sehr kurz. War das so früher auch schon?
Zammit: Daran kann ich mich nicht erinnern. Aber ja: wenn man heute ein Angebot macht, ist es in der Regel zwei Wochen gültig. Das war der Stand kurz vor Dezember. Vielleicht ist es jetzt sogar noch kürzer. Ich habe es nicht überprüft.
CRN: Wie sehen Sie die Preisentwicklung für IT insgesamt im Jahr 2026?
Zammit: PCs, Server und Speicher werden von den steigenden Komponentenpreisen betroffen sein. Ich gehe daher davon aus, dass die durchschnittlichen Verkaufspreise im niedrigen bis hohen zweistelligen Bereich steigen werden. Ja, es wird insgesamt eine gewisse Inflation geben.
CRN: Was sind die guten Nachrichten für die IT-Branche im Jahr 2026?
Zammit: Ich denke, es besteht die Notwendigkeit, in KI zu investieren, was von den Unternehmen ausgehen wird. Agentische KI wird zu einem echten Anwendungsfall. Die Unternehmen machen gute Fortschritte bei der Identifizierung der Anwendungen. Das bedeutet auch eine Erneuerung und Modernisierung der Infrastruktur. Das könnte positiv für die Branche sein. Was die Cloud im Allgemeinen angeht, so entwickeln wir uns weiterhin gut. Auch im Bereich Security dürfte es weiterhin gut laufen.
Es gibt zwei Kategorien, die in diesem Jahr nicht so gut gelaufen sind: Speicher und Netzwerke. Angesichts der Notwendigkeit einer Modernisierung der Rechenzentren, insbesondere zur Unterstützung der KI, werden wir hoffentlich in diesem Jahr eine Verbesserung auf dem Speichermarkt sehen. Der Netzwerkmarkt war im letzten Jahr sehr verhalten, ein flacher bis leicht rückläufiger Markt. Daher würde es mich nicht überraschen, wenn dieser Markt 2026 die lang erwartete Erholung erleben würde.
CRN: Was sind neue strategischen Prioritäten bei TD Synnex für 2026?
Zammit: Keine neuen Strategien, aber wir setzen unsere bestehende weiterhin um. Wir haben mehrere Prioritäten. Die erste: Globale Expansion. Wir glauben daran, ein End-to-End-Distributor zu sein. Wir wollen – zweitens - die Präsenz der Technologien und Anbieter auf Länder erweitern, wo wir mit ihnen noch nicht präsent sind. Drittens: wir investieren weiterhin in erstklassige Enablement-Programme für unsere Kunden, darunter einige Ressourcen für den Vorverkauf und die Lösungsarchitektur. Die vierte Priorität liegt auf der Digitalisierung. Sie umfasst Investitionen in unsere PartnerFirst-Plattform, aber wir werden auch weiterhin in KI investieren, um unser Betriebsmodell zu verbessern. Das sind die wichtigsten Prioritäten für das nächste Jahr.
CRN: Welche Technologien im Portfolio von TD Synnex fehlen Ihrer Meinung nach in Nordamerika?
Zammit: Wir haben in Nordamerika ein fantastisches Portfolio und sind insgesamt sehr gut aufgestellt. Ich habe eher an Europa gedacht, und dort unser Angebot für Security. Und an die Regionen Asien/Pazifik sowie Lateinamerika, wo wir ein großes Wachstumspotenzial im Bereich Endgeräte und Sicherheit sehen. In den meisten Ländern, insbesondere in Asien/Pazifik, Osteuropa und Lateinamerika, ist unsere Marktposition bei einigen Technologien schwächer, entweder weil wir bisher nur Herausforderer waren oder weil uns einige Anbieter gefehlt haben.
Unser Ansatz ist länderspezifisch. Wir betrachten unsere Marktposition und suchen nach den besten Möglichkeiten, unser Portfolio aus technologischer und Anbietersicht zu ergänzen. So gehen wir vor. Stellen Sie sich also ein übersichtliches Dashboard mit allen wichtigen Technologien und Anbietern vor, das Sie dann mit den Ländern abgleichen: genau daran arbeiten wir derzeit aktiv. Übrigens tun wir dies in erster Linie organisch, aber wenn wir eine gute Akquisitionsmöglichkeit sehen, um die Umsetzung zu beschleunigen, werden wir diese auch tätigen.
Das Interview erschien zuerst bei unserer Schwesterpublikation crn.com.
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