Neuer Systemhaus-Riese in UK und USA: Softcat übernimmt GDT
Softcat, führendes britisches Systemhaus in der Top-VAR-Liste der CRN UK, hat den US-Dienstleister GDT übernommen und schafft damit ein neues globales Channel-Schwergewicht. Softcat hat auch in Deutschland eine Niederlassung.
Die Übernahme verbindet das börsennotierte britische Unternehmen Softcat mit einem Umsatz von umgerechnet 2,85 Mrd. Dollar und 2.800 Mitarbeitern mit GDT, einem Solution Provider aus Dallas mit 900 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von 1,4 Mrd. Dollar.
H.I.G. Capital, Mehrheitseigner von GDT, erklärte, der Deal habe einen Enterprise Value von 1,05 Mrd. Dollar. Der Enterprise Value steht für den Gesamtwert des übernommenen Geschäfts, einschließlich Schulden und abzüglich liquider Mittel.
GDT, das über ein bedeutendes Rechenzentrums- und Netzwerkgeschäft verfügt, wird Namen, Führungsteam und Belegschaft behalten und als hundertprozentige Tochtergesellschaft von Softcat operieren.
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"Das ist ein beeindruckender neuer globaler Wettbewerber, mit dem wir uns alle auseinandersetzen müssen", sagte ein in den USA ansässiger CEO eines Dienstleisters, der nicht namentlich genannt werden wollte. "Kompliment an Softcat dafür, dass das Unternehmen frühzeitig auf eine neue Ära des globalen Wettbewerbs reagiert, in der Kunden globale Reichweite und Unterstützung bei der Einführung und Umsetzung von KI suchen. Ich erwarte, dass sich dieser Trend fortsetzt."
Deutsche GmbH mit Sitz München gegründet
Softcat hat auch eine Niederlassung in Deutschland. Das britische IT-Systemhaus gründete Mitte Juli 2024 die Softcat Deutschland GmbH mit Sitz in München. Im Handelsregister sind Liam Dennison (für die globale Expansion bei Softcat zuständig), John Griffith und Howard Holland (Group Financial Controller bei Softcat) als Geschäftsführer eingetragen - alle drei mit Wohnsitz in Großbritannien. Die deutsche Website steht, allerdings ist der britische IT-Dienstleister hierzulande in Markt noch wenig bekannt. Was Softcat hierzulande vorhat, ist nicht bekannt.
Die Briten haben den Anspruch, global präsent zu sein, fokussieren sich erst einmal auf die USA, wo auch Wettbewerber Computacenter aktiv ist und stark wächst – auf vorerst noch niedrigem Niveau verglichen mit dem Gesamtumsatz dieses ebenfalls britischen IT-Dienstleisters.
Global mitspielen ab 1 Mrd. US-Dollar Umsatz
In der neuen Ära globaler Solution Provider seien 1 Mrd. Dollar Umsatz die Mindestvoraussetzung, so der von CRN USA kontaktierte CEO eines US-Dienstleisters über den Markt. "Früher konnten Unternehmen mit 300 bis 500 Millionen Dollar Umsatz bei solchen globalen Deals mithalten. Das ist heute nicht mehr der Fall. Man muss ein Anbieter mit mehr als 1 Milliarde Dollar Umsatz sein."
Laut einer regulatorischen Mitteilung von Softcat soll die Übernahme durch eine Kombination aus vorhandenen Barmitteln in der Bilanz (100 Mio. britische Pfund), neuen Krediten mit Softcats Hausbanken (550 Mio. Pfund) sowie den Erlösen aus einer Kapitalplatzierung (350 Mio. Pfund) finanziert werden. Diese soll voraussichtlich weniger als 10 Prozent des ausgegebenen Aktienkapitals ausmachen.
"Transatlantische Plattform für IT-Lösungen"
In einer Pressemitteilung erklärte der von Softcat übernommene US-Dienstleister GDT, der Deal schaffe eine "marktführende transatlantische Plattform für IT-Lösungen", die Kunden mit internationalen Anforderungen unterstützen und zugleich Wachstumschancen in den Märkten beider Unternehmen eröffnen könne.
GDT bezeichnete die Übernahme als "Kulminationspunkt" von Softcats "mehrjähriger Suche nach einem nordamerikanischen Unternehmen mit der nötigen Größe, den Fähigkeiten und der kulturellen Passung, um die internationale Wachstumsstrategie zu unterstützen".
Der Deal kommt fünf Jahre nachdem H.I.G. Capital, ein in Miami ansässiger Anbieter von Fremd- und Eigenkapital für kleine und mittelständische Unternehmen, eine Beteiligung von 80 Prozent an dem Solution Provider übernommen hatte.
In einer Pressemitteilung zur Ankündigung des Deals erklärte H.I.G., GDT habe sein EBITDA (Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) verdoppelt und den Anteil wiederkehrender Bruttogewinne erhöht. "Der Zusammenschluss mit Softcat wird jedem Kunden, jedem Mitarbeiter und jedem Technologiepartner sowie unseren jeweiligen Ergebnissen zugutekommen", so GDT-CEO Shawn O’Grady in einer vorbereiteten Erklärung.
GDT zufolge würden Kunden von erweitertem globalem Support und tieferen technischen Ressourcen profitieren, da beide Seiten in den Ausbau des Global Operations Center von GDT in Bangalore investieren. Diese Investition werde es dem Zentrum ermöglichen, erweiterte Engineering-Expertise, optimierte Geschäftssysteme und einen 24/7-Service bereitzustellen, der in der heutigen Always-on-IT-Umgebung zunehmend entscheidend sei, GTC.
Kundengetriebene US-Expansion
Softcat-Executive-Director und CEO Graham Charlton sagte seinerseits in einer vorbereiteten Erklärung, Kunden hätten das Unternehmen wiederholt gebeten, ihre Technologieanforderungen außerhalb Großbritanniens und Irlands zu unterstützen, insbesondere in Nordamerika.
"GDT erfüllt jeden Maßstab, den wir angelegt haben, um dieser Anfrage gerecht zu werden – darunter eine relevante Größe in den USA, einen etablierten US-Enterprise-Kundenstamm, umfassende Rechenzentrums- und Netzwerkkompetenzen sowie eine kundenorientierte Unternehmenskultur, die zu unserer eigenen passt", so Charlton. "Mit GDT schaffen wir ein Unternehmen mit der Größe, dem Talent und der technischen Tiefe, um die enormen Wachstumschancen im heutigen Technologiemarkt zu nutzen."
Mehrere in den USA ansässige CEOs von SP-500-Unternehmen sagten, Softcat sei in den vergangenen Jahren auf sie zugekommen, um die Möglichkeit eines Deals auszuloten. Der entscheidende Faktor für den endgültigen Kaufpreis des Deals dürfte der Anteil an Services und wiederkehrenden Umsätzen gewesen sein, den GDT eingebracht habe, so der CEO eines US-Dienstleisters gegenüber CRN USA, der namentlich nicht genannt werden wollte. "Je höher der Anteil von Services und wiederkehrenden Umsätzen, desto höher die Bewertung", sagt er.
Der Artikel erschien zuerst bei unserer Schwesterpublikation crn.com und wurde von CRN Deutschland ergänzt.
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