Rekordergebnis: Halbjahresumsatz bei Computacenter legt kräftig zu
Ein Boom im Handelsgeschäft und Rekorderlöse in Nordamerika haben Computacenter einen Umsatzrekord beschwert. Auch in Deutschland legte die Landesgesellschaft stark zu. Mike Norris, CEO des britischen Systemhauses, erhöht die Jahresprognose.
Das britische Systemhaus Computacenter hat Rekordergebnisse für das erste Halbjahr vorgelegt: Der Umsatz stieg um 71,6 Prozent auf 7,97 Mrd. Euro (alle Angaben in britische Pfund hat CRN in Euro umgerechnet). Das Wachstum wurde dem Unternehmen zufolge vor allem durch das Geschäft in Nordamerika und im Heimatland Großbritannien getrieben. Der Bruttogewinn kletterte um 30,5 Prozent auf 765,6 Mio. Euro. Der Gewinn vor Steuern verdoppelte sich fast auf 166 Mio. Euro.
"Computacenter hat ein Rekordhalbjahr erzielt, das deutlich über unseren Erwartungen zu Jahresbeginn lag. Wir haben die starke und wachsende Kundennachfrage nach digitaler Infrastruktur in erhebliches Umsatz-, Bruttogewinn- und operatives Ergebniswachstum umgesetzt", kommentierte CEO Mike Norris die Bilanzzahlen.
Haupttreiber des Wachstums war mit großem Abstand das Systemhausgeschäft: Der Umsatz der BU "Technology Sourcing" schnellte um 85,9 Prozent von 3,72 Mrd. Euro im Vorjahreszeitraum auf 6,87 Mrd. Euro nach oben.
Der Umsatz mit Professional Services stieg ebenfalls: um 36,1 Prozent auf rund 608 Mio. Euro, während das Managed Services von Computacenter nach wie vor schwächelt. Die Erlöse gingen hier zum Halbjahr 2026 um 2,9 Prozent auf 480 Mio. Euro zurück.
Nordamerika treibt das Wachstum
Die herausragende Region ist Nordamerika: Der Umsatz in "NORAM" stieg um 84,1 Prozent von 2,44 Mrd. Euro im Vorjahr auf 4,42 Mrd. Euro.
Fast die gesamten Erlöse in dieser Region ging auf das Konto von "Technology Sourcing", also dem Handelsgeschäft von Computacenter. Es schnellte um 81,5 Prozent auf 4,19 Mrd. Euro nach oben, während sich der Umsatz mit Professional Services von 77,3 Mio. Euro auf 220,1 Mio. Euro nahezu verdreifachte.
Computacenter führt die Entwicklung auf steigende Investitionen in KI-Infrastruktur sowie auf Wachstum bei Hyperscalern, Neocloud- und Unternehmenskunden zurück. "Unser Wachstum und unsere Marktanteilsgewinne wurden durch Kundeninvestitionen in KI-Infrastruktur sowie durch traditionellere Projekte von Unternehmen und staatlichen Stellen getrieben", erklärte der IT-Dienstleister.
Computacenter schloss im Berichtszeitraum zwei Übernahmen in Nordamerika ab. Im Januar übernahmen die Briten den kalifornischen Professional-Services-Spezialisten AgreeYa, im Juni wurde der Kauf von Government Acquisitions Incorporated (GAI) abgeschlossen, ein auf den US-Bundesbehördenmarkt spezialisiertem Systemhaus.
AgreeYa erzielte 2025 rund 120 Mio. US-Dollar Umsatz und 14 Mio. Dollar bereinigtes EBITDA, während GAI etwa 390 Millionen Dollar bruttofakturierten Umsatz und 8 Mio. Dollar bereinigtes EBITDA auswies.
Durch die Übernahmen kamen acht große Kunden zum NORAM-Geschäft von Computacenter hinzu; insgesamt stieg deren Zahl im Jahresvergleich um 14 auf 67.
Computacenter-Umsatz in Großbritannien mehr als verdoppelt
Auch Großbritannien verzeichnete eine starke Beschleunigung: Der Umsatz sprang um über 136 Prozent auf umgerechnet 1,76 Mrd. Euro. In die Höhe. Technology Sourcing trug mit 1,51 Mrd. den Löwenanteil bei und verdreifachte seine Umsätze. Der Serviceumsatz stieg um 6,6 Prozent auf 284,1 Mio. Euro, darunter ein Plus von 13 Prozent bei Professional Services auf 120,5 Mio. Euro und ein Anstieg von 2,3 Prozent bei Managed Services auf 163,6 Mio. Euro.
Computacenter erklärte, Professional Services hätten von der Nachfrage in den Bereichen Workplace, Cybersicherheit, Cloud und Anwendungen profitiert, darunter große Transformationsprojekte für einen wichtigen Kunden aus dem öffentlichen Sektor.
Das Wachstum bei Managed Services fiel moderater aus und wurde teilweise durch auslaufende beziehungsweise reifende Verträge im Verteidigungsbereich getragen; zugleich belastete ein bereits zuvor gemeldeter schwächer laufender Vertrag weiterhin das Geschäft.
Geschäft in Westeuropa erholt sich weiter
Westeuropa zeigte ein gemischteres Bild: Der Umsatz stieg um 15,7 Prozent auf 482,7 Mio. Euro. Während der Umsatz im Technology Sourcing um 28 Prozent auf 361,5 MioPfund Euro kletterte, sank der Serviceumsatz um zehn Prozent auf 121,1 Mio. Euro. Professional Services gingen um 7,8 Prozent auf 30,4 Mio. Euro zurück, Managed Services verzeichnet ein Minus von 10,8 Prozent auf 90,8 Mio. Euro.
Deutschland: Umsatz erstmals über 1 Mrd. britische Pfund
Die Milliarden-Euro-Hürde zum Halbjahr geknackt zu haben, konnte Deutschland-Chef Bernd Charpentier mit seinem Team bereits vergangenes Jahr feiern. Nun konnte die deutsche Landesgesellschaft von Computacenter nach London auch den Durchbruch der Milliarde in britische Pfund melden: 1,06 Mrd. Pfund – ein Plus von 20,7 Prozent. Um mehr als ein Drittel ist das Handelsgeschäft hierzulande kräftig gestiegen – auf 686 Mio. Pfund. Im Systemhausgeschäft legte Computacenter Deutschland leicht um 3,2 Prozent zu (knapp 204 Mio. Pfund), während die Erlöse bei Managed Services leicht auf 170,2 Mio. Pfund in der Bilanz der Briten zum Halbjahr 2026 verbucht sind.
Die Schweiz blieb ein Schwachpunkt: Computacenter bezeichnete die Entwicklung dort als "enttäuschend", nachdem das Managed-Services-Volumen bei einem wichtigen Kunden zurückgegangen war.
Frankreich profitierte nach einem schwachen Jahr 2025 von höheren Hardware-Volumina im öffentlichen Sektor; sowohl Managed Services als auch Professional Services gingen jedoch infolge von Vertragsverlusten zurück.
Belgien verbesserte sich sowohl im Technology Sourcing als auch im Servicegeschäft, während die Niederlande insgesamt weitgehend stabil blieben, da das Wachstum im Technology Sourcing durch schwächere Services ausgeglichen wurde.
Ausblick für das Geschäftsjahr 2026 angehoben
Computacenter hob nach den Ergebnissen und einem starken Start in die zweite Jahreshälfte den Ausblick für das Gesamtjahr an.
Ende Juni verfügte das Unternehmen über einen Auftragsbestand von 10,82 Mrd. Euro, ein Plus von über 323 Prozent im Jahresvergleich und von 29,5 Prozent gegenüber Ende 2025 bei konstanten Wechselkursen.
"Nach einem starken Start in die zweite Jahreshälfte und einem weiteren Anstieg unseres Produkt-Auftragsbestands erwarten wir nun, dass der bereinigte Gewinn vor Steuern für das Gesamtjahr 2026 deutlich über den aktuellen Markterwartungen liegen und mindestens 380 Millionen Pfund betragen wird", sagte Computacenter-Chef Norris.
Mit Blick auf die weitere Entwicklung erklärte IT-Dienstleister, dass anhaltende technologische Innovation und Nachfrage in Verbindung mit seinen Aktivitäten in den BUs Technology Sourcing (Handel), Professional Services (Lösungsgeschäft) und Managed Services eine gute Ausgangsposition für weiteres profitables Wachstum schaffen würden.
Der Artikel erschien zuerst bei unserer Schwesterpublikation CRN UK. Er wurde von CRN Deutschland ergänzt.
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