Was die Mega-Übernahme im US-Systemhausmarkt für deutsche Systemhäuser bedeutet

CDW ist in den USA das Pendant zu Bechtle, aber dreimal so groß. Das Systemhaus hat für über eine halbe Mrd. US-Dollar einen Partner gekauft, dessen Gründung 2017 von Hersteller Databricks unterstützt wurde. Warum der Kauf für CDW strategische Bedeutung hat – mit Signalwirkung weit über den US-Markt hinaus.

Auf dem Data + AI Summit seines wichtigsten Herstellers Databricks in San Francisco vergangenen Juni waren über 40 Experten und Expertinnen von Partner Lovelytics anwesend. (Foto: Lovelytics/Linkedin)

In den USA hat die Übernahme von Lovelytics aus Arlington, Virginia/USA durch das Systemhaus CDW für Aufsehen gesorgt. CDW mit einem Jahresumsatz von über 22 Mrd. US-Dollar ist in den USA einer der größten herstellerunabhängigen Systemhäuser – ähnlich aufgestellt wie hierzulande die großen handeltreibenden Systemhäuser. CDW vertreibt Produkte von rund 1.000 Herstellern und agiert als Lösunganbieter vorwiegend in Nordamerika. Das Unternehmen hat vergangene Woche bekannt gegeben, Lovelytics für 525 Mio. US-Dollar übernehmen zu wollen. Das ist nicht nur vergleichsweise viel Geld für ein kaum 10 Jahre altes Unternehmen in der IT-Service- und Beratungsbranche. Es ist auch ein Signal, warum CDW gerade im Spezialgebiet von Lovelytics investiert.

Partner von Databricks – am schnellsten wachender Softwareanbieter

Lovelytics ist ein wichtiger Partner von Softwarehersteller Databricks, Anbieter einer Plattform für die Aufbereitung riesiger Mengen von Daten. Databricks schafft die Grundlage für KI-Anwendungen und gehört aktuell zu einem der am schnellsten wachenden Softwareanbietern. Für das zweite Quartal gab der Anbieter ein Wachstum von über 80 Prozent bekannt. 5 Mrd. Dollar flossen in einer weiteren Finanzierungsrunde in die Kasse. Damit will der Hersteller seine Produkte weiterentwickeln: Lakebase, der serverlosen Postgres-Datenbank für KI-Agenten, Genie dem KI-Coworker von Databricks, der Geschäftsdaten in verlässliche Antworten und Maßnahmen umwandle, sowie Unity AI Gateway für die Steuerung mehrerer KI-Systeme und die Kostenkontrolle. Databricks hat eigenen Angaben zufolge einen Firmenwert von 190 Mrd. Dollar.

Zur Zukunft von Daten + KI sagt Databricks: "Heute müssen Unternehmen eine neue Art von Mitarbeitern unterstützen: KI-Agenten. Um ihre Aufgaben zu erfüllen, benötigen diese Agenten eine zuverlässige, skalierbare Grundlage, klare und präzise Antworten aus Unternehmensdaten. Darüber hinaus müssen sie Budgets prognostizieren und auf kosteneffizientere Modelle umsteigen können, um den Verbrauch teurer Token zu vermeiden."

"Ohne Datenstrategie gibt es keine KI-Strategie"

Der Hersteller und seine Partner wie Lovelytics. SVA oder Devoteam hierzulande sowie die Marktplätze der Hyperscaler und global agierende IT-Beratungshäuser (Accenture Deloitte, Capgemini und weitere verzeichnen eine starke Nachfrage nach Datenaufbereitung im Zuge von KI-Einführungen.

Lovelytics wurde 2017 gegründet und bezeichnet sich selbst als ersten Consulting-Partner, der von Databricks Ventures unterstützt wurde. Zudem erhielt das Unternehmen Unterstützung von Interlock Equity. Neben Databricks arbeitet der Lösungsanbieter mit den drei US-Hyperscalern AWS, Google und Microsoft zusammen und ist Partner von Anthropic.

CDW-Chefin Christine Leahy: Gemeinsam werden Lovelytics und CDW Unternehmen dabei helfen, Daten in einen strategischen Vermögenswert zu verwandeln, die KI-Einführung zu beschleunigen, Entscheidungen zu verbessern und stärkere Geschäfts- und Missionsergebnisse zu erzielen." (Foto: CDW)

Christine Leahy, Chair und CEO von CDW, betonte in einer vorbereiteten Erklärung die Bedeutung von Daten für die Kunden des in Vernon Hills, Illinois, ansässigen Lösungsanbieters. "Ohne Datenstrategie gibt es keine KI-Strategie", sagte sie. "Wenn unsere Kunden von KI-Pilotprojekten in die Umsetzung gehen, führt dieser Weg direkt über ihre Daten. Gemeinsam werden Lovelytics und CDW Unternehmen dabei helfen, Daten in einen strategischen Vermögenswert zu verwandeln, die KI-Einführung zu beschleunigen, Entscheidungen zu verbessern und stärkere Geschäfts- und Missionsergebnisse zu erzielen."

CDW-Führungskräfte standen für weitere Informationen zur Übernahme nicht zur Verfügung. Ein Unternehmenssprecher sagte CRN jedoch, dass Daten eines der größten Hindernisse seien, mit denen Organisationen konfrontiert sind, wenn sie ihre KI-Investitionen in echte Geschäftsergebnisse umsetzen wollen.

"Wir sehen Daten als Speerspitze für KI-Einführung und Wirkung", sagte der Sprecher. "Lovelytics gehört zu den führenden Unternehmen in diesem Bereich und verfügt über ein starkes Geschäft rund um Daten- und KI-Services mit tiefgehenden Beratungs-, Implementierungs- und Bereitstellungskompetenzen. Das war einer der wichtigen Faktoren für die Übernahme."

Der Sprecher konnte keine Details zu den Integrationsplänen für Lovelytics nennen, da die Übernahme noch nicht abgeschlossen ist. Lovelytics habe rund 600 Beschäftigte, darunter Mitarbeitende in den USA, Kanada, Argentinien und Kolumbien.

KI und das Datenmanagement rund um KI stünden bei vielen CDW-Kunden ganz oben auf der Agenda, sagte der Sprecher. "Was wir sehen, ist, dass Kunden von der reinen Implementierung zu der Frage übergehen wollen, wie sich tatsächlich geschäftlicher Mehrwert erzielen lässt", so der Sprecher von CDW gegenüber CRN.

Der Return on Investment ist die alles entscheidende Frage bei Investitionen in KI. Partner, die ihren Kunden den ROI vorrechnen oder zumindest realistische Annahmen treffen können, werden die Nase vorne haben bei KI-Projekten. CDW investiert hier in die Zukunft und übernimmt mit Lovelytics einen ausgesprochenen Spezialisten für Datenmanagement und KI.

Der Beitrag wurde um Material unserer Schwesterpublikation crn.com ergänzt.

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