Nach Hornetsecurity: Nächste Milliarden-Akquisition von Proofpoint

Proofpoint will Varonis für 6,3 Mrd. US-Dollar kaufen. Eine Rekordsumme für den börsennotierten IT-Security-Anbieter aus den USA - dreimal so hoch wie die bislang größte Übernahme des Konzerns: der Kauf von Hornetsecurity aus Hannover. Mit Varonis will sich Proofpoint im boomenden Markt für Daten- und KI-Sicherheit an die Spitze setzen.

Die Übernahme des börsennotierten Unternehmens Varonis durch Proofpoint, das sich im Besitz der Investorengesellschaft Thoma Bravo befindet, soll nach Angaben der Unternehmen in der ersten Jahreshälfte 2027 abgeschlossen werden. Nach Abschluss der Transaktion würde durch den Zusammenschluss "eines der weltweit führenden reinen Cybersicherheitsunternehmen" entstehen und zugleich "die branchenweit größte Organisation für Daten- und KI-Cybersicherheit" geschaffen, teilten die Unternehmen am Donnerstag in einer Pressemitteilung mit.

Im Folgenden finden Sie fünf wichtige Fakten zur Übernahme von Varonis durch Proofpoint.

Varonis wird von der Börse genommen

Im Rahmen der Vereinbarung bietet Proofpoint den Aktionären von Varonis 49,75 Dollar je Aktie in bar. Damit wird die Transaktion mit rund 6,3 Mrd. Dollar bewertet.

Der Preis entspricht einem Aufschlag von 52 Prozent auf den Varonis-Schlusskurs von 32,71 Dollar am 22. Juni – unmittelbar vor "ersten Gerüchten über einen möglichen Verkauf" – sowie einem Aufschlag von 17 Prozent auf den Schlusskurs des Anbieters von 42,35 Dollar am 1. September, teilten die Unternehmen mit.

Die Private-Equity-Gesellschaft Thoma Bravo, Eigentümerin von Proofpoint, stellt laut Pressemitteilung Eigen- und Fremdkapital für die Transaktion bereit. Proofpoint strebt nach Angaben von CEO Sumit Dhawan gegenüber CRN einen Börsengang möglicherweise noch in diesem Jahr an.

Produkte sollen integriert werden

Proofpoint erklärte in der Mitteilung, nach Abschluss der Varonis-Übernahme "zügig voranzugehen", um die Fähigkeiten beider Unternehmen zu integrieren, die Vertriebsaktivitäten aufeinander abzustimmen und die Bereitstellung der gemeinsamen Plattform für Kunden zu beschleunigen.

Das fusionierte Unternehmen wolle eine einheitliche Plattform bereitstellen, die Organisationen bei einer vertrauensvollen Einführung von KI unterstützt. Dazu gehören die Erkennung und der Schutz sensibler Daten sowie die Kontrolle des Zugriffs von Menschen und KI auf die Ressourcen eines Unternehmens, hieß es in der Mitteilung.

Nach Angaben der Unternehmen würde das gemeinsame Geschäft letztlich mehr als 16.000 Unternehmenskunden und insgesamt "Millionen von Organisationen" bedienen.

Sicherheit von KI-Agenten ist entscheidend

Proofpoint legt dabei einen besonderen Schwerpunkt auf die wachsenden Risiken im Zusammenhang mit KI-Agenten und deren Zugriffsmöglichkeiten. Dhawan schrieb am Donnerstag in einem Blogbeitrag, der "nächste grundlegende Wandel" in der Cybersicherheit bestehe darin, "die Daten zu schützen, auf denen KI basiert, und zu steuern, wie KI-Agenten und Menschen mit ihnen interagieren".

Die geplante Übernahme von Varonis durch Proofpoint soll nach Angaben der Unternehmen zwei grundlegende Probleme beim Betrieb KI-basierter Systeme lösen helfen: Den Datenzugriff von Agenten kontrollieren und verhindern, dass sich "agentische Werkzeuge" einer Kontrolle durch verantwortliche Betreiber entziehen und autonom agieren, wie etwa der organisierte und von OpenAI zuerst unentdeckte, beispiellose Angriff Hunderter Agenten auf die Plattform Hugging Face, nachdem aus einer vermeintlich abgeschotteten Systemumgebung selbständig ausgebrochen waren.

Einheitliche Plattform für Daten- und KI-Sicherheit

Proofpoint will laut Dhawan seine Fähigkeiten mit denen von Varonis in Bereichen wie Data Security Posture Management und Data Access Governance sowie Data Loss Prevention, KI-Governance und Insider-Risiken verbinden. "Unsere Vision geht über die bloße Integration von Technologien hinaus", schrieb er. "Indem wir verknüpfen, worauf Menschen und KI-Agenten zugreifen können, mit der Art und Weise, wie sie mit Daten interagieren und diese nutzen, wollen wir Bedrohungsschutz, Datensicherheit und KI-Governance vereinheitlichen."

Dhawan verwies auf die bereits breite Nutzung von Proofpoint. Jährlich werden unter anderem 2,37 Billionen E-Mails gescannt und 410 Milliarden Datensicherheitsereignisse verarbeitet. "Diese leistungsstarken Signale fließen in den Knowledge-Graph von Proofpoint ein und stärken unsere KI-Modelle mit tiefgehenden Erkenntnissen zu Cyberbedrohungen, menschlichem Verhalten und Datenrisiken", schrieb er.

"In Verbindung mit der Transparenz von Varonis bei sensiblen Daten, Zugriffsrechten und Nutzung sehen wir darin eine leistungsfähige Grundlage für intelligente, adaptive Sicherheit", so Dhawan. "Durch die Zusammenführung dieser Signale mit modernen agentischen Sicherheitsplattformen wollen wir Kunden in die Lage versetzen, sensible Daten kontinuierlich zu erkennen, zu klassifizieren und zu schützen, Richtlinien durchzusetzen und Risiken mit Maschinengeschwindigkeit zu beheben."

Zweite Milliardenübernahme innerhalb eines Jahres

Für Proofpoint kommt die geplante Varonis-Übernahme weniger als ein Jahr nach Abschluss der 1,8 Mrd. Dollar schweren Übernahme von Hornetsecurity. Proofpoint schloss die Übernahme des auf Microsoft-365-Sicherheit spezialisierten, aus Hannover stammenden Unternehmens im Dezember 2025 ab. Damals war dies die größte Akquisition in der Geschichte von Proofpoint und ein "kleiner Paukenschlag" in der deutschen Security-Branche, wie CRN damals über die Akquisition berichtete.

Die Akquisition ermöglichte Proofpoint, über das Enterprise-Segment hinauszugehen und mit dem MSP-freundlichen Angebot von Hornetsecurity verstärkt in den US-amerikanischen KMU-Markt vorzudringen, erklärte Dhawan seinerzeit gegenüber CRN.

Hornetsecurity agiert weitgehend selbständig von Proofpoint. Die Muttergesellschaft mit Konzernsitz in Sunnyvale/Kalifornien öffnet den Hannoveraner den US-Markt. Umgekehrt verbessert Hornetsecurity durch sein auf Subskriptionen basierendes Geschäftsmodell die ARR-Bilanz (Annual Recurring Revenue) im Gesamtkonzern, also regelmäßig wiederkehrende Einnahmen. Dieser KPI steht bei Investoren hoch im Kurs.

Hornetsecurity-Gründer Daniel Hofmann kündigte Anfang dieses Jahres im CRN-Interview große Expansionspläne an. "In den USA sitzt die Hälfte der weltweiten MSPs – also rund 25.000. Wir wollen in den USA und schließlich auch global Security-Marktführer für MSPs werden", so Hofmann zu seinen ambitionierten Zielen.

Der Artikel erschien zuerst bei unserer Schwesterpublikation crn.com. Er wurde von CRN Deutschland gekürzt und in Teilen ergänzt für den deutschen Markt.

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