Exportverbot von Nvidia-Chips nach China: Nächster Fall wird untersucht

Dieses Mal sollen in den USA Supermicro-Server mit Nvidia-GPUs an Universitäten in China verkauft worden sein. Besonders pikant: Zwei davon sollen mit dem chinesischen Militär verbundenen sein.

Für die A100-GPUs von Nividia, die im Mai 2020 auf den Markt kamen, interessierten sich auch Universitäten in China. Zeitgleich beschloss der US-Kongress ein Exportverbot für Serversysteme mit A100- und H100-GPUs von Nivida in ausgewählte Länder, darunter China (Foto: Nvidia)

Der nächste mutmaßliche Fall von unerlaubtem Export von Nvidia-Chips nach China kursiert in den US-Medien: Mehrere Universitäten in China, darunter zwei mit Verbindungen zum chinesischen Militär, sollen Supermicro-Server mit Nvidia-A100-GPUs erworben haben. Davor waren zwei vielbeachtete Fälle in den letzten zwei Wochen bekannt geworden, wonach Supermicro-Mitarbeiter und Auftragnehmer wegen Schmuggels und versuchten Schmuggels von Servern mit leistungsstärkeren GPUs festgenommen wurden, wie CRN am Freitag und davor am Mittwoch (verhaftet wurde u.a. der Gründer des Server-Herstellers Supermicro) vergangener Woche berichtete.

Laut einem neuen Bericht der Nachrichtenagentur Reuters wurden im vergangenen Jahr Server von Supermicro mit Nvidia-GPUs von vier chinesischen Universitäten erworben. Reuters bezieht sich auf öffentlich zugänglichen Ausschreibungsunterlagen aus dem Jahr 2025, wonach zwei weitere in China ansässige Universitäten ebenfalls versucht hätten, Supermicro-Server zu kaufen. Die erste, die Beihang-Universität in Peking, unterhält Verbindungen zur chinesischen Volksbefreiungsarmee. Die zweite, das Harbin Institute of Technology, befasst sich laut Reuters mit Raketen-, Satelliten- und Robotertechnologien.

Die fraglichen Server, die für KI-Anwendungen konzipiert sind, sind mit Nvidia A100-GPUs ausgestattet. Die A100-GPUs kamen ursprünglich im Mai 2020 auf den Markt. Ihre Verfügbarkeit endete Anfang 2024. Der US-Kongress hat Exportkontrollen für Nvidia A100- und H100-GPUs eingeführt. Ob sie schon galten, als der besagte Kauf durchgeführt wurde, ist nicht abschließen geklärt. Es ist möglich, dass die in dem Reuters-Bericht erwähnten Server legal nach China geliefert wurden.

CRN USA hat die Beihang-Universität und das Harbin Institute of Technology um eine Stellungnahme gebeten. Weder Supermicro noch Nvidia haben bis zum Redaktionsschluss auf die Anfragen von CRN USA nach weiteren Informationen reagiert.

Die Nachricht über den Einsatz von Supermicro-Servern mit Nvidia-GPUs kommt zu einem heiklen Zeitpunkt. Letzte Woche wurden Yih-Shyan "Wally" Liaw – Mitbegründer, Vorstandsmitglied und Senior Vice President of Business Development bei Supermicro – sowie ein in Taiwan ansässiger Supermicro-Mitarbeiter und ein externer Auftragnehmer angeklagt, weil sie angeblich in den USA montierte Server im Wert von 2,5 Milliarden US-Dollar mit Nvidia-GPUs über Taiwan an ein anderes Unternehmen geliefert haben sollen, wo diese vor dem Versand an ihre endgültigen Bestimmungsorte in China neu verpackt wurden. Liaw, der festgenommen wurde, trat aus dem Vorstand von Supermicro zurück.

Darauf folgten diese Woche Nachrichten über die Anklage und Festnahme von zwei US-Bürgern, bei denen es sich offenbar um Führungskräfte eines IT-Lösungsanbieters handelt, sowie eines Staatsangehörigen aus Hongkong wegen Verschwörung zum Versand von Servern mit Nvidia-GPUs über ein thailändisches Unternehmen mit dem Endziel China.

Der Artikel erschien zuerst bei unserer Schwesterpublikation crn.com.

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