Supermicro-Gründer wegen Chip-Schmuggel angeklagt und verhaftet

In den USA wurden drei Personen angeklagt, weil sie Server mit KI-Chips von Nvidia im Wert von rund 2,5 Milliarden Dollar nach China geschmuggelt haben sollen. Unter ihnen sind auch ein Mitarbeiter sowie einer der Gründer des Server-Herstellers Supermicro, der daraufhin seinen Posten im Vorstand niederlegen musste.

(Foto: US Department of Justice / FBI)

Ein Mitbegründer des Server- und Speicher-Giganten Supermicro sowie ein weiterer Mitarbeiter und ein Auftragnehmer des Unternehmens wurden diese Woche vom US-Justizministerium angeklagt, weil sie mit einer Schmuggel-Aktion gegen die strikten Exportkontrollen für Hochtechnologien verstoßen haben sollen. Konkret wird ihnen vorgeworfen, in den USA assemblierte Server im Wert von 2,5 Milliarden US-Dollar, in denen ausfuhrbeschränkte KI-Chips von Nvidia verbaut waren, über Taiwan an ein anderes Unternehmen verschifft zu haben, wo sie umverpackt und anschließend an ihre Endziele in China weitergeleitet wurden.

Besonders pikant ist, dass einer der Angeklagten Yih-Shyan "Wally" Liaw ist, der zu den Gründern von Supermicro gehört und Vorstandsmitglied und Senior Vice President für Geschäftsentwicklung bei Supermicro war. Er wurde von den US-Behörden umgehend festgenommen und trat daraufhin mit sofortiger Wirkung aus dem Vorstand zurück. CRN hat Liaw für eine weitere Stellungnahme kontaktiert.

Bei den anderen beiden Angeklagten handelt es sich um Ruei-Tsang "Steven" Chang, den General Manager des Supermicro-Büros in Taiwan, sowie um Ting-Wei "Willy" Sun, einen unabhängigen Broker. Während Liaw amerikanischer Staatsbürger ist, haben die anderen beiden einen taiwanischen Pass. Sun wurde den Behörden zufolge ebenfalls festgenommen, Chang hat sich offenbar abgesetzt und gilt als flüchtig.

Supermicro betont Unschuld

Das in Kalifornien ansässige Unternehmen selbst wird im Rahmen des Falls nicht als Angeklagter geführt oder genannt. Offiziell spricht das Justizministerium lediglich von einem börsennotierten IT-Unternehmen mit Sitz in San Jose, das Nvidia-GPUs in seine Server für Kunden integrieren kann, die große KI-Computing-Infrastrukturen aufbauen oder erweitern wollen. Angesichts dieser eindeutigen Beschreibung und der direkten Verbindung von zwei der drei Angeklagten fiel der Aktienkurs von Supermicro jedoch nach der Veröffentlichung der Anklage am Freitag auf etwa 21,60 US-Dollar pro Aktie, nachdem er am Donnerstag noch bei 30,73 US-Dollar geschlossen hatte.

Supermicro möchte sich zu den strafrechtlichen Vorwürfen nicht weitergehend äußern, als mit einer schriftlichen Stellungnahme. Darin bestätigt das Unternehmen, dass es über die Anklage gegen die drei Personen informiert wurde und betont, dass Supermicro selbst nicht als Angeklagter genannt ist. Weiter wird erklärt, dass Liaw und Chang mit sofortiger Wirkung beurlaubt wurden und die Zusammenarbeit mit Sun mit sofortiger Wirkung beendet wurde. "Das den drei Personen in der Anklage vorgeworfene Verhalten widerspricht den Richtlinien und Compliance-Kontrollen des Unternehmens, insbesondere hinsichtlich der Bemühungen, geltende Exportkontrollgesetze und -vorschriften zu umgehen. Supermicro verfügt über ein robustes Compliance-Programm und verpflichtet sich zur vollständigen Einhaltung aller geltenden US-Export- und Re-Exportkontrollgesetze und -vorschriften", hieß es dazu in der Erklärung von Supermicro.

Als interne Reaktion auf den Vorfall ernannte der Hersteller außerdem DeAnna Luna mit sofortiger Wirkung zur kommissarischen Chief Compliance Officer. Sie ist seit 2024 als Vice President für globale Handels- und Sanktions-Compliance im Unternehmen tätig.

Nvidia: Compliance hat "Höchste Priorität"

Ein Nvidia-Sprecher erklärte: "Strikte Compliance hat für NVIDIA höchste Priorität. Wir arbeiten weiterhin eng mit unseren Kunden und der Regierung an Compliance-Programmen, da die Exportvorschriften ausgeweitet wurden. Die unrechtmäßige Weiterleitung von kontrollierten US-Computern nach China ist für alle Beteiligten ein Verlustgeschäft – NVIDIA bietet für solche Systeme keinerlei Service oder Support und die Durchsetzungsmechanismen sind rigoros und effektiv."

Ausgangspunkt für die Anklage waren einer Stellungnahme des Justizministeriums zufolge Ermittlungen der Bundespolizei FBI. Diese hätten ergeben, dass Liaw, Chang und Sun mutmaßlich gemeinsam daran gearbeitet haben, Server im Wert von mehreren Milliarden US-Dollar mit sensiblen, exportbeschränkten Grafikprozessoren an Käufer in China zu verkaufen – unter Verletzung der US-Exportkontrollgesetze. "Die heute veröffentlichte Anklage beschreibt angebliche Bemühungen, die US-Exportgesetze durch gefälschte Dokumente, gestellte Dummy-Server zur Täuschung von Prüfern und komplexe Umschlagsysteme zu umgehen, um das wahre Ziel der eingeschränkten KI-Technologie – China – zu verschleiern. Diese Chips sind das Ergebnis amerikanischer Innovationskraft, und die NSD (National Security Division des Justizminsteriums) wird weiterhin unsere Exportkontrollgesetze durchsetzen, um diesen Vorteil zu schützen", erklärte John A. Eisenberg, stellvertretender Generalstaatsanwalt für nationale Sicherheit.

So lief der mutmaßliche Server-Schmuggel

In der eigentlichen Anklage, die am Dienstag eingereicht und am Donnerstag veröffentlicht wurde, wirft das Justizministerium Liaw, Chang und Sun vor, Milliarden von Dollar an Servern eines nicht namentlich genannten US-Herstellers nach China umgeleitet zu haben, die mit Nvidia-GPUs, darunter Nvidia-B200-Chips, ausgestattet waren, die strengen US-Exportkontrollen unterliegen und deren Verkauf nach China ohne ausdrückliche Genehmigung verboten ist. Dabei sollen die drei ein nicht genanntes Unternehmen mit Sitz in Südostasien als Durchlaufstelle genutzt haben, um den Transaktionen des US-Herstellers, die sie arrangierten, den Anschein legitimer Geschäftstätigkeit zu geben und ihre Endkunden in China zu verschleiern.

Dabei arbeiteten die drei Angeklagten demnach mit Führungskräften dieses in der Anklage als "Company-1" bezeichneten Unternehmens zusammen, um "Bestellungen beim US-Hersteller aufzugeben, um große Kontingente von Servern mit Nvidia-GPUs zu reservieren und zu kaufen und deren Weiterleitung nach China zu koordinieren. Damit die Kontingente intern beim US-Hersteller genehmigt wurden, fertigten die Angeklagten und Führungskräfte von Company-1 gefälschte Dokumente und Unterlagen an und übermittelten falsche Mitteilungen, die zeigen sollten, dass Company-1 der Endnutzer der Server sei", so das Justizministerium.

Sobald "Company-1" die Server erhalten hatte, nutzte sie ein separates Versand- und Logistikunternehmen, um die Server in neutrale Kartons umzupacken und deren Inhalt zu verschleiern, bevor sie an ihre endgültigen Ziele in China verschickt wurden – alles auf Anweisung und in Absprache mit den Angeklagten und anderen, so das Ministerium. Das Justizministerium geht zudem davon aus, dass die Angeklagten und ihre Mitverschwörer auch an anderen Stellen ähnlich umfangreiche Maßnahmen zur Verschleierung ihres Vorgehens getroffen haben: "Um beispielsweise das Compliance-Team des US-Herstellers, das für die Überprüfung der Käufe von Company-1 zur Sicherstellung der Einhaltung der US-Exportkontrollgesetze verantwortlich war, zu täuschen, stellten die Angeklagten ‚Dummy-Server‘ – nicht funktionsfähige, physische Nachbauten der Server des US-Herstellers – zur Inspektion an den Standorten auf, an denen Company-1 angeblich die Server lagerte, die sie vom US-Hersteller gekauft hatte. Die tatsächlichen Server waren jedoch bereits illegal nach China verschickt worden. Bei Nachfragen zu den Käufen von Company-1 tauschten die Angeklagten über verschlüsselte Messenger-Apps Entwürfe für Antworten mit falschen Angaben zu den Verkäufen und Tätigkeiten von Company-1 aus. Ungeachtet dieser Nachfragen drängten die Angeklagten bestimmte Mitglieder des Compliance-Teams des US-Herstellers dazu, die Lieferung der Server an Company-1 zu genehmigen – in dem Wissen, dass diese Server dann heimlich nach China umgeleitet werden würden."

Dabei hätte dieses Vorgehen durchaus Verdacht erregen können. Immerhin stieg Company-1 durch den Milliarden-Deal quasi aus dem Stand zu einem der wichtigsten Kunden auf. So soll es die Transferfirma etwa im vierten Quartal 2024 mit einem Umsatz von 99,7 Millionen US-Dollar auf Platz 11 der profitabelsten Kunden des Serverherstellers geschafft haben.

Dieser Artikel basiert auf Material unserer Schwesterpublikation crn.com.

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