Anthropic und OpenAI starten eigene Service-Töchter

Parallel zu ihren Vorstößen über den Channel bauen die beiden KI-Giganten Anthropic und OpenAI mit ähnlich viel Schwung und Geld eigene Dienstleistungs-Töchter auf. So etwa die mit rund 4 Milliarden US-Dollar Kapital ausgestattete " OpenAI Deployment Co.", die zum Start zunächst einmal die britische Tomoro schluckt.

(Foto: ismagilov - GettyImages)

Mit großen Auftritten haben die KI-Konzerne Anthropic und OpenAI in den letzten Wochen gigantische Investitionen in den Channel angekündigt, um den Vertrieb ihrer Produkte im Business-Segment zu festigen und beschleunigen. Zuletzt stellte etwa Anthropic ein neues Zertifizierungsprogramm für sein Claude Partner Network vor, dessen Aufbau mit 100 Millionen Dollar unterfüttert werden soll. OpenAI holte unterdessen mit Colleen Kapase eine versierte Channel-Managerin an Bord, die bereits bei Google Cloud und Snowflake aggressive Channel-Offensiven verantwortet hat.

Gleichzeitig schicken sich die KI-Riesen allerdings auch an, den Partnern in einigen Bereichen Konkurrenz zu machen, indem sie selbst ins Servicegeschäft vorstoßen. Unmittelbar nach dem Rivalen Anthropic hat dafür jetzt auch OpenAI eine eigene Tochter für Dienstleistungen im Bereich Künstliche Intelligenz vorgestellt, die "OpenAI Deployment Co.". Sie besteht zu Start im Wesentlichen aus Tomoro, einem in London ansässigen und schon seit seiner Gründung vor drei Jahren eng mit OpenAI kooperierenden Beratungs- und Engineering-Unternehmen für angewandte KI, das der KI-Konzern eigens dafür übernommen hat. Finanzielle Details zum Kauf wurden nicht genannt.

Die Anfangsinvestitionen von mehr als 4 Milliarden US-Dollar zeigen deutlich, in welche Richtung OpenAI mit dieser Dienstleistungs-Tochter zielt. Angesichts dieser Größenordnung dürften weitere Zukäufe zum Ausbau des eigenen Services-Geschäfts nicht allzu lange auf sich warten lassen. Zu den Investoren des neuen Unternehmens zählen auch Capgemini (Nr. 4 der CRN Solution Provider 500 2025), sowie die Beratungs- und Systemintegrationsriesen Bain & Co. und McKinsey & Co. CRN hat OpenAI, Bain und Capgemini um eine Stellungnahme gebeten.

"KI wird zunehmend in der Lage sein, innerhalb von Organisationen immer bedeutsamere Arbeit zu leisten", erklärte OpenAIs Chief Revenue Officer, Denise Dresser, am Montag in einer offiziellen Mitteilung zur Übernahme und Unternehmensgründung. "Die Herausforderung besteht nun darin, Unternehmen dabei zu helfen, diese Systeme in die Infrastruktur und die Arbeitsabläufe zu integrieren, die ihr Geschäft antreiben. DeployCo wurde entwickelt, um Organisationen dabei zu unterstützen, diese Lücke zu schließen und KI-Fähigkeiten in reale operative Wirkung zu verwandeln."

Agile Startups fordern etablierte Lösungsanbieter heraus

Mit dem Eintritt der Dienstleister in Diensten der KI-Hersteller verschärft sich der im Channel zu beobachtende Wettbewerb zwischen traditionellen Systemhäusern und neuen Startups, die sich voll auf KI fokussieren, weiter. Ein Wettbewerb, in dem sich viele klassische Anbieter allerdings klar im Vorteil sehen, wie mehrere Vertreter in jüngster Zeit gegenüber CRN bekräftigten. Während sie zwar im KI-Bereich noch weitere Kompetenzen aufbauen müssten, hätten sie auf ihrer Seite dafür den kaum aufzuwiegenden Vorteil, die Geschäftsprozesse und Arbeitsabläufe ihrer Kunden bereits seit Jahrzehnten zu kennen und zu verstehen, so die Systemhausverantwortlichen unisono.

So auch Russell Goodenough, Senior Vice President und KI-Leiter für das Vereinigte Königreich und Australien bei CGI (Nr. 13 der CRN Solution Provider 500 des Jahres 2025), sowohl Partner von Anthropic als auch von OpenAI ist. Er unterstrich in einem Interview mit CRN, dass CGI im Gegensatz zu diesen KI-nativen Lösungsanbietern das Vertrauen und die Sicherheit mitbringt, auf die große Unternehmen und Backoffice-Bereiche beim Ausrollen von KI im großen Maßstab bauen. Ganz zu schweigen davon, dass durch die Wahl unabhängiger Service-Partner eine zu große Abhängigkeit von einem Anbieter sowie teure und ineffiziente Migrationen auf Basis der bestehenden IT-Landschaft des Kunden vermieden werden können.

Mit diesen Vorteilen im Rücken will CGI den aufstrebenden KI-nativen Lösungsanbietern bei einigen der wichtigsten Anwendungsfälle für KI am Arbeitsplatz zuvorkommen, etwa beim Einsatz von KI für eine modernisierte Version komplexer ERP-Systeme. "Wir wollen die erste Organisation sein, die versucht, diese Art von Arbeit zu leisten – also ein ERP zu ersetzen", sagte Goodenough. "Wir wollen die ersten Organisationen sein, die beweisen, dass das auf vertrauenswürdige und verlässliche Weise möglich ist und nicht nur im Rahmen eines Hackathons geübt wird." Zugleich hält Goodenough die Nachfrage nach KI am Arbeitsplatz allerdings für groß genug, dass auch neue Marktteilnehmer neben den etablierten Dienstleistern ihren Platz im Markt finden können.

Aber auch die KI-nativen Lösungsanbieter haben einige Vorteile auf ihrer Seite. Dazu zählt etwa, dass ihre Belegschaft von Grund auf mit der neuen Technologie vertraut und darauf spezialisiert ist. Hinzu kommt, dass sie aufgrund ihrer schlankeren Strukturen meist deutlich schneller und flexibler agieren können als die etablierten Anbieter. Mit dieser Mischung ziehen sie zunehmend das Interesse der Investoren auf sich, auch abseits von Anthropic und OpenAI. So überzeugte etwa kürzlich Treeline die renommierte Venture-Capital-Gesellschaft Andreessen Horowitz mit seiner KI-gestützten Dienstleistungsstrategie und schloss eine Series-A-Finanzierungsrunde über 25 Millionen US-Dollar ab. "Wir bauen sehr schnell etwas sehr Einzigartiges auf", kündigte Treeline-CEO Peter Doyle nach der Bekanntgabe der Finanzierung in einem Interview mit CRN an.

So soll OpenAIs DeployCo mit Unternehmen und Partnern zusammenarbeiten

Durch effizienten KI-Einsatz will Tomoro Kunden in Richtung der 3-Tage-Arbeitswoche bringen (Foto: Screenshot tomoro.ai)

Das neue Dienstleistungsunternehmen von OpenAI soll Kunden dabei helfen, KI-Systeme am Arbeitsplatz aufzubauen und einzusetzen. Die Zusammenarbeit von DeployCo mit Kunden beginnt mit KI-Diagnosen, um die größtmöglichen Ergebnisse zu identifizieren, gefolgt von einer kleinen Anzahl priorisierter Arbeitsabläufe und anschließend einer Phase zum Entwerfen, Bauen, Testen und Ausrollen produktionsreifer Systeme. Diese Systeme werden laut OpenAI die eigenen Modelle mit Kundendaten, Werkzeugen, Kontrollen und Geschäftsprozessen verbinden.

Eine der wesentlichen Säulen, auf die DeployCo dabei setzt, sind Forward-Deployed Engineers (FDEs). Diese auf den Einsatz modernster KI spezialisierten Fachleute werden direkt in die Kunden-Organisationen eingebettet, um KI dort auf komplexe Probleme in anspruchsvollen Umgebungen anzuwenden, teilte der Anbieter am Montag mit. Dort sollen die Ingenieure mit Geschäftsleitern, operativen Verantwortlichen und Teams in der ersten Reihe des Kunden zusammenarbeiten, um zu identifizieren, wo KI die größten Ergebnisse erzielen kann. Damit einhergehend sollen sie die organisatorische Infrastruktur und geschäftskritische Arbeitsabläufe neu gestalten, um beständige Systeme zu schaffen.

In seiner Ankündigung zu DeployCo erklärte OpenAI, dass bereits mehr als 1 Million Unternehmen die Produkte und Programmierschnittstellen (APIs) von OpenAI übernommen haben. Laut OpenAI unterstützen allein die Investment- und Beratungspartner von DeployCo mehr als 2.000 Unternehmen weltweit. Die Beratungs- und Integrationspartner würden dieser Zahl "viele Tausend weitere" hinzufügen, erklärte OpenAI in Richtung der Partner und versprach ihnen, dass DeployCo bei der KI-Einführung und den begleitenden Change-Management-Prozessen mit seinem Partnerökosystem Frontier Alliance und der Beratungsbranche zusammenarbeiten werde.

Wer hinter OpenAIs DeployCo steht: TPG, Brookfield, Goldman Sachs

Laut OpenAI besteht DeployCo aus OpenAI sowie 19 Investmentfirmen, Beratungshäusern und Systemintegratoren. TPG ist dabei die Investmentgesellschaft, die die Partnerschaft anführt. Advent, Brookfield und der Investmentarm von Bain sind mitgründende Lead-Partner. B Capital, BBVA, Emergence Capital, Goanna, Goldman Sachs, SoftBank Corp., Warburg Pincus und WCAS gehören zu den Gründungspartnern von DeployCo. Interessant an der Konstellation ist unter anderem, dass Goldman Sachs auch das Dienstleistungsunternehmen von Anthropic unterstützt. Nach Angaben von OpenAI können die Private-Equity-Sponsoren von DeployCo ihre Portfoliounternehmen für frühe Anwendungsfälle der KI-Transformation nutzen.

Brookfield teilte am Montag mit, dass das Unternehmen 500 Millionen US-Dollar in DeployCo investiert. Anuj Ranjan, CEO des Private-Equity-Geschäfts von Brookfield, führte dazu am Montag in einer Erklärung aus, dass das Unternehmen bereits Produktivitätsgewinne durch KI-Anwendungen in seinem Portfolio gesehen habe und in DeployCo investiere, um die Einführung von KI weiter zu skalieren. "Künstliche Intelligenz wird ein prägender Treiber für Produktivität entlang des Rückgrats der Weltwirtschaft sein", ist Ranjan überzeugt.

Ähnlich äußerte sich auch TPG-CEO Jon Winkelried am Montag in einer Erklärung. "Die KI-getriebene Unternehmenstransformation stellt heute eine der überzeugendsten Wachstumschancen in der Technologiebranche dar – angetrieben durch rasante Fortschritte bei LLMs und die wachsende Nachfrage von Organisationen nach Werkzeugen, die KI in Kernsysteme und Arbeitsabläufe integrieren", so Winkelried. "DeployCo adressiert diesen Bedarf im großen Maßstab, und wir sind stolz darauf, mit OpenAI zusammenzuarbeiten, um den vollen Wert von KI zu erschließen."

Rechtlich ist DeployCo eine eigenständige Geschäftseinheit, bei der OpenAI Mehrheitsinhaber und kontrollierende Partei ist. Laut dem Anbieter fungiert DeployCo als Erweiterung von OpenAI, um Kunden eng mit Forschung, Produktentwicklung und den internen Deployment-Teams zu verbinden. Die Ingenieure von DeployCo sollen über Modelle, Werkzeuge und Deployment-Muster eine Roadmap für künftige OpenAI-Fähigkeiten erhalten. Das Startkapital von über 4 Milliarden US-Dollar soll in den Ausbau des Betriebs und in weitere Unternehmensübernahmen fließen.

Das britische Beratungsunternehmen Tomoro bringt nicht nur etwa 150 FDEs und Deployment-Spezialisten als Grundstock in DeployCo ein, sondern auch einige große Kunden wie Tesco, Virgin Atlantic und Supercell. OpenAI plant, die Übernahme "in den kommenden Monaten" abzuschließen. In einer eigenen Stellungnahme zur Übernahme erklärte der Lösungsanbieter, dass der Zusammenschluss mit OpenAI seinen Anspruch verstärke, Organisationen dabei zu helfen, von einem OpenAI-Zugang zu produktionsreifen KI-Implementierungen zu gelangen. "Als Teil der Deployment Company werden wir in einem viel größeren Maßstab in der Lage dazu sein", heißt es in der Erklärung. Tomoro-Direktor Ash Garner hat das Unternehmen 2023 mitgegründet, nachdem er rund fünf Jahre bei Accenture und Mudano tätig gewesen war, wie aus seinem LinkedIn-Profil hervorgeht. Accenture übernahm Mudano im Jahr 2020. Garner verließ Accenture mit dem Titel "Generative AI Lead" für die Bankenbranche in Europa.

Anthropics KI-Dienstleister fokussiert den Mittelstand

Anfang dieses Monats hatte bereits Anthropic angekündigt, ein eigenes KI-Dienstleistungsunternehmen zu gründen und gleichzeitig weiter in Lösungsanbieter zu investieren. Wie der Hersteller von Claude erklärte, soll der Service-Anbieter vor allem mit mittelständischen Kunden aus verschiedenen Branchen zusammenarbeiten und bei ihnen KI als Werkzeug in operative Abläufe einführen. Für die Gründung holte sich Anthropic die Finanzriesen Blackstone, Hellman & Friedman und Goldman Sachs ins Boot, unterstützt von einem Konsortium alternativer Vermögensverwalter.

Medienberichten zufolge verfügt das neue Unternehmen über ein Gesamtfinanzierungsvolumen von rund 1,5 Milliarden US-Dollar, also deutlich weniger als OpenAIs DeployCo. Anthropic, Blackstone und Hellman & Friedman werden demnach jeweils etwa 300 Millionen US-Dollar investieren, Goldman Sachs soll rund 150 Millionen US-Dollar beisteuern.

Dieser Artikel basiert auf Material unserer Schwesterpublikation crn.com.

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