Anthropic pusht das Partner-Netzwerk

Der KI-Anbieter treibt den Aufbau seines Partner-Ökosystems mit Hochdruck voran und schafft einen Services-Track, der Dienstleister dabei unterstützen soll, KI im Enterprise-Sektor zu verankern. Dabei setzt Anthropic auf ergebnisorientierte Anreize und verspricht gigantische Chancen – die laut Channel-Chef Karl Kadon bereits das Interesse zehntausender potenzieller Partner geweckt haben.

(Foto: Anthropic)

Einhergehend mit dem rasanten Wachstum geht auch der Channel-Ausbau bei Anthropic ungebremst voran. Neuste Erweiterung im Claude Partner Network ist ein Services-Track. Bereits zum Start sind mehr als 100 Partner dabei. Die erste Kohorte von Hunderten, möglicherweise sogar Tausenden Partnern soll nach den Plänen des Unternehmens im Oktober in das Programm überführt werden. Karl Kadon, Global Head of Partner Experience bei Anthropic, erläuterte im Gespräch mit CRN, dass das von Grund auf für KI konzipierte Partnerprogramm vier Stufen umfasst und Lösungsanbietern ein Wertemodell für ergebnisbasierte Geschäftsmodelle bieten soll.

Der Anbieter entwickelt zudem ein leistungsbasiertes Anreizmodell, das noch in diesem Jahr starten soll und auf Claude-Implementierungen zielt, die den Geschäftsnutzen beim Kunden messbar voranbringen. "Diese Chance im Ökosystem ist ein enorm wichtiger Teil davon, wie sich KI weltweit verbreiten wird", berichtete Kadon. "Mehr als 40.000 Unternehmen haben uns ihr Interesse bekundet, mit dieser Technologie arbeiten zu wollen. Das übertrifft jedes Partnerprogramm, an dem ich bislang gearbeitet habe. Das soll keine Geringschätzung sein. Es zeigt vielmehr, welche Chancen diese Partner in dem Markt sehen."

Anthropics Partnerstrategie nimmt Formen an

Elaina Shekhter, Chief Strategy and Transformation Officer beim amerikanischen Anthropic-Lösungsanbieter EPAM Systems, der Nummer 25 der CRN Solution Provider 500 des Jahres 2025, führte in einem aktuellen CRN-Interview aus, dass eine der größten Chancen für EPAM im Einsatz von KI-Tools entlang der Software- und Produktentwicklungszyklen liege. "Sie hat uns geholfen, die KI-native Engineering- beziehungsweise IT-Organisation neu zu gestalten", sagte Shekhter, die im März nach rund elf Jahren als Chief Marketing and Strategy Officer von EPAM in ihre aktuelle Rolle gewechselt war. "Das ist ein massiver Wandel."

EPAM gab im Mai bekannt, eine mehrjährige strategische Partnerschaft mit Anthropic geschlossen zu haben, um die sichere, verlässliche und für den Unternehmenseinsatz geeignete Bereitstellung von KI zu beschleunigen. Mehr als 20.000 EPAM-Mitarbeitende haben bereits Schulungen über die Anthropic Academy absolviert. Darüber hinaus verfügt EPAM nach ihren Angaben über rund 1.600 Anthropic-zertifizierte Fachkräfte und arbeitet im Rahmen der Vereinbarung auf mehr als 10.000 Claude-zertifizierte Architekten hin. Bis Ende des Jahres werden zudem etwa 250 "Black Belts" erwartet.

EPAM betreibt nach Angaben von Shekhter mehr als 650 skalierte KI-Programme über ein Kundenportfolio von mehr als 1.500 Unternehmen hinweg. Mehr als 80 Prozent der Kunden haben demnach mindestens ein laufendes KI-Projekt. Die Hälfte der 650 Programme setzt KI in mehreren Bereichen ein, was auf mehrere Anwendungsfälle innerhalb eines einzelnen Kundenunternehmens hindeutet, sagte sie.

Der Services-Track im Anthropic Claude Partner Network

Zu den frühen Services-Partnern von Anthropic zählen in der Elite-Stufe Deloitte, Accenture und PwC. Elite ist die höchste Stufe, gefolgt von Premier, Select und Registered. Für alle Unternehmen gelten in den jeweiligen Stufen einheitliche Anforderungen. Dazu zählen die Zahl zertifizierter Fachkräfte, aktive Kundeneinführungen und öffentliche Referenzen. Der Unterschied zwischen den Stufen ist laut Kadon dabei nicht zwingend ein Ausdruck unterschiedlicher Fachkompetenz. Kriterien seien unter anderem Reichweite, die Fähigkeit zum Aufbau von Beziehungen sowie die Bereitschaft zu gemeinsamen Investitionen.

Nach seinen bisherigen Erfahrungen wolle unter diesen Bedingungen jeder Anthropic-Account-Manager gerne mit Partnern zusammenarbeiten. "Alle Partner in diesem Ökosystem können sehr zuversichtlich sein, dass ihre Stufe, ihre Position in diesem Programm und die Anerkennungsstruktur, die ich mit diesem Team im Programm aufbauen werde, ihre jeweiligen Kompetenzbereiche klar abbilden werden – sei es nach Branche, Produkt, Zielgruppe oder in anderen Kategorien", versprach Kadon, der im März nach rund fünf Jahren bei Databricks zu Anthropic gekommen war.

Anthropic arbeitet zudem mit dem Anbieter der Partner-Relationship-Management-Plattform Euler zusammen, um einen Model-Context-Protocol-Konnektor in Claude zu integrieren. Damit sollen Lösungsanbieter Materialien nicht mehr mühsam im Partnerportal suchen und herunterladen müssen. Lösungsanbieter können Claude Cowork oder Claude Code beispielsweise dazu nutzen, gemeinsame Kunden-Pipelines mit Anthropic anzeigen zu lassen. "Damit wird die Partnerschaft in die Hände vieler verschiedener Menschen beim Partner gelegt", sagte er. "Das wird das Geschäft und auch die Entwicklung unserer Beziehungen in einer Weise exponentiell beschleunigen, die mich sehr begeistert."

Neuer Partner Hub und Multiparty-Ansätze

Kadon zeigte sich zudem überzeugt vom Potenzial der Entwicklung von Multiparty-Lösungen durch die Partner. Als Beispiele nannte er Sicherheits- und Governance-Anwendungsfälle für Anthropic-Partner, die zugleich mit Snowflake und Databricks arbeiten – ebenso wie Partner, die parallel Practices mit Anthropic und Amazon Web Services, Google oder Microsoft aufbauen. "Ich will keine Inputs belohnen", stellte Kadon klar. "Ich belohne keine Logos. Ich belohne weder Eingaben noch Erbsenzählen. Mir geht es um messbare, klar erkennbare Ergebnisse und darum, eine Erfolgsbilanz für den verantwortungsvollen Einsatz von Claude über eine breite Kundenbasis hinweg aufzubauen."

Parallel zum neuen Services-Track führt Anthropic einen neuen Claude Partner Hub ein, der Echtzeit-Transparenz über Partnerstufen, Deal-Zuordnung, Sandbox-Guthaben und einen dauerhaft verfügbaren Programmassistenten auf Basis von Claude mit dem Namen PAM AI bietet. "Bauen Sie mit uns auf", lud Kadon ein. „Diese Partner haben eine enorme Chance, den verantwortungsvollen Einsatz von KI weltweit mitzugestalten. Genau das wollen wir ihnen vermitteln. Wir möchten ihnen die Möglichkeit geben, dies gemeinsam mit uns und für den Enterprise-Markt umzusetzen."

Dieser Artikel erschien zuerst bei unserer Schwesterpublikation crn.com.

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