Systemhäuser: Wirtschaftslage trifft auf Lieferengpässe

Nur noch 5 Prozent der deutschen Systemhäuser berichten von Wachstum, mehr als die Hälfte von Umsatzrückgang und herausfordernder Lage, so das Ergebnis einer Umfrage des Channel-Dienstleisters Compris. "Die fetten Jahre sind vorbei", sagt Gerald Holler.

So bewerten Systemhäuser und IT-Dienstleister ihre aktuelle Wirtschaftslage. Von einer flächendeckenden Krisenstimmung spricht Compris aber nicht  (Quelle: Compris Market Insights, August 2026)

Es gibt den schönen Vergleich eines ehemaligen Deutsche Bank-Chefs, der Statistik mit einer Hafenlaterne gleichsetzte und anmerkte, dass sie dem betrunkenen Seemann mehr zum Halt als zur Erleuchtung diene. Nun kennt CRN die verantwortlichen Manager, die regelmäßig der Systemhaus-Branche den Puls messen, und kann versichern: Sowohl die Verantwortlichen von Synaxon als auch die bei Compris sind keine Matrosen und erstellen ihre Umfragen nicht für diese Zielgruppe. Zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen kommen sie bisweilen dennoch, wie vor einem Jahr.

Synaxon hatte im Frühjahr letzten Jahres von einer guten und optimistischen Stimmung bei Systemhäusern berichtet, das im Sommer darauf veröffentlichte Barometer von Compris zeigte aber schon ein Sturmtief auf. Man hätte dieses gerne als lokale Gewitterzelle interpretiert, aber 35 Prozent Systemhäuser mit rückläufigem Geschäft, davon 4 Prozent sogar stark rückläufig zeigte vor 12 Monaten einen heftigen allgemeinen Stimmungseinbruch.

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Nun legt Compris ein Update auf, und mit Blick auf die nackten Zahlen aus den Umfragen von 326 IT-Dienstleistern und Systemhäusern in Deutschland und Österreich könnte man von einem anhaltenden Tiefdruckgebiet sprechen.

Nur noch 5 Prozent Systemhäuser wachsen

Gerald Holler analysiert den Channel seit rund 25 Jahren und sagt: "Die fetten Jahre sind vorbei" (Foto: Compris)

Über der Dienstleistungsbranche hängen dunkle Wolken, "die konjunkturelle Stimmung im IT-Channel hat sich im Jahresvergleich eingetrübt", schreibt Compris in seiner am Montag veröffentlichten Studie. Der Vergleich mit den Ergebnissen aus 2025 zeige "eine klare Verschiebung hin zu vorsichtigeren Markteinschätzungen". Der Anteil stabiler Bewertungen ist laut Studie von 52 Prozent auf 38 Prozent gesunken, während sich der Anteil der Unternehmen mit schwieriger Geschäftslage von 4 auf 17 Prozent mehr als vervierfacht hat. Gleichzeitig ist der Anteil wachsender Unternehmen von 13 auf 5 Prozent zurückgegangen. Nur noch 5 Prozent der Systemhäuser und IT-Dienstleister wachsen?

Wir müssen uns bei Gerald Holler versichern. "Die fetten Jahren sind vorbei", versichert der Compris-Geschäftsführer. Erläutert, dass an der Umfrage vor allem Standard-Infrastruktur-Anbieter teilgenommen haben, und zwar nicht ganz kleine IT-Häuser, sondern solche ab 5 Mio. Euro Umsatz.

Keine Krise!

Von einer flächendeckenden Krise ist in der aktuellen Compris-Studie ausdrücklich nicht die Rede, und auch Holler sieht die Lage nicht so schwarz, wie die nackten Zahlen der Umfrage durchaus nahelegen. IT-Häuser mit Fokus Digitalisierungsberatung und Behördengeschäft berichten ihm von gut laufenden Geschäften. Ebenso Dienstleister mit Managed Services, die dank regelmäßiger Einnahmen aus IT-Betrieb von konjunkturellen Schwankungen nicht so betroffen sind. "Grundrauschen und damit Geschäft abgesichert", beschreibt Holler die Lage im Systemhaus.

Endkunden Fahren auf Sicht - Betrieb und Absicherung statt Innovation

Nach wie vor ist die Lage für IT-Dienstleister mit hohem Anteil am Projektgeschäft durch zwei Rahmenbedingungen angespannt: die allgemeine Wirtschaftsflaute in Deutschland sowie die Komponentenkrise, also starker Preisauftrieb für Infrastruktur und teilweise Lieferengpässe.

Eine Komponentenengpass-Studie von Compris zeigte sich, dass 88 Prozent der Systemhäuser und IT-Dienstleister von Lieferengpässen im Server- und Storage-Bereich betroffen waren – mit spürbaren Folgen wie Projektverschiebungen (24 Prozent) und längeren Sales Cycles (17 Prozent). Die konjunkturelle Stimmung habe im Jahresvergleich verschlechtert.

Zusammen würden beide Compris-Befragungen "ein konsistentes Muster" ergeben: "Der IT-Channel steht im IT-Infrastrukturgeschäft aktuell unter doppeltem Druck – einerseits durch operative Lieferkettenprobleme, andererseits durch eine sich eintrübende konjunkturelle Gesamtlage. Beide Effekte verstärken sich gegenseitig: Komponentenengpässe erhöhen den Aufwand und verlangsamen Projekte, während die schwächere Wirtschaftslage gleichzeitig die Investitionsbereitschaft der Endkunden dämpft".

Compris sieht eine "Phase erhöhter Unsicherheit, in der sowohl Lieferfähigkeit als auch Investitionsklima gemeinsam über Projekterfolg und Umsatzentwicklung im Channel entscheiden". Der Fokus bei vielen IT-Dienstleistern liege momentan klar auf "Betrieb sichern und optimieren statt auf Innovationsprojekten", so das Fazit der Compris-Studie.

Investitionsschwerpunkte der Endkunden

Trotz der eingetrübten Wirtschaftslage investieren Endkunden weiterhin in ihre IT. Allerdings verschieben sich laut Compris die Prioritäten deutlich: Im Vordergrund stehen die Sicherstellung des IT-Betriebs, Cybersecurity und die Optimierung bestehender Umgebungen. Investitionen in innovative Zukunftsthemen erfolgen deutlich selektiver.

Das Feedback der IT-Systemhäuser fasst Compris so zusammen:

Weiter genannt, aber deutlich geringer gefragt sind laut Umfrage: Consulting (8 Prozent), Workplace/Clients (8 Prozent), Anwendungssoftware (6 Prozent) sowie Künstliche Intelligenz mit lediglich 3 Prozent.

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