Systemhaus-Branche auf der Synaxon-Impulse: Es lebe der Zentralfriedhof!
Gleich zwei Mal warnt Nostradamus vor KI und prophezeit den Untergang von IT-Dienstleistern. Die Stimmung der 500 Teilnehmer auf der Impulse von Synaxon: prächtig! Wie resistent ist eine Branche, deren Geschäftsmodell vielleicht nicht abgeschafft wird, aber durchaus ins Wanken geraten kann?
CRN trifft am Abend auf die immer noch von KI-Innovationen geflashten Ralph Friederichs und Stefan Hörhammer. Beide waren wenige Tage zuvor auf der Nvidia GTC im Silicon Valley. Friederichs hatte spontan für CRN einen Beitrag geschrieben, dessen Tenor auf dem Systemhaus-Event Impulse in Kassel noch viel diskutiert werden sollte. Beide Systemhauschefs waren bester Laune. Ebenso Thomas Radzimski und Tim Rauch. Ein herzliches Wiedersehen mit Thomas, den CRN seit zwei Jahrzehnten begleitet – seit 8 Jahren nunmehr bei Bluechip. Die Geschäfte der Sachsen, so die beiden Bluechip-Manager, würden hervorragend laufen, vor allem die Eigenmarken, aber auch die Distribution. Alles bestens also?
Wo man doch gerade gehört hatte, dass KI Systemhäuser und MSP so gewaltig unter Druck setzen würde, dass es für viele am Ende so ausgehen werde: "Game Over"!. "Markt und Technologien verändern sich radikal", hören die 500 Teilnehmer am Nachmittag in der Keynote von Systemhaus-Chef Thorsten Podzimek.
Tags darauf Vortrag eines weiteren Nostradamus, Marko Bauer von Fornax. Er legt eine Folie mit Grabstein und der Inschrift auf: "HIER RUHT TRADITIONELLES SYSTEMHAUS". Bauer ist noch Optimist: Er taxiert das Sterbedatum auf 2035. 'Uhhff, noch 9 Jahre Zeit'. Podzimek dagegen zählt eher in Wochen, wann die KI typische Geschäftsbereich eines IT-Dienstleisters übernimmt und sich die Wertschöpfung in Luft auflöst: 12 bis maximal 18 Monate, so seine Prognose.
Keine aufgehende Sonne über durchdigitalisierte Metropolen
Die Stimmung im Kongress Palais Kassel, wo Synaxon 500 Systemhaus-Verantwortliche und rund 40 Hersteller-Vertreter versammelt, kocht, könnte nicht besser sein: So vital und so kontrovers diskutierte die Branche ihre Zukunft noch nie. Es lebe der Zentralfriedhof der Systemhaus-Branche! "Wir bringen auf der Impulse ja nicht zur nur zur Sprache, was unsere Mitglieder hören wollen", verteidigte Synaxon-Chef Mark Schröder den Auftritt von Systemhaus-Chefs, die KI nicht ausschließlich als riesige Chance darstellen.
Jede Transformation kennt ja auch Verlierer, die den Wandel im Markt nicht sehen, nicht sehen wollen, zu spät reagieren oder ihn bis zur Rente auszusitzen hoffen. Podzimeks Keynote fehlt das typisch Amerikanische, die Aufbruchsstory von Pionieren, die die Welt auf den Kopf stellen. In den Präsentationen auf Channel Summits von Cisco, HPE oder Nvidia werden Partner mit Videos von der aufgehenden Sonne über durchdigitalisierte Metropolen empfangen, werden auf eine glorreiche Zukunft eingestimmt, die sie mitgestalten. Typisch dagegen die deutsche Seele, die schwere und schwarze, die mit einem Grabstein nicht besser illustriert werden könnte.
Podzimek und Bauer sind keine Propheten eines Branchensterben. Man muss ihre Auftritte auf der diesjährigen Synaxon Impulse als das verstehen, was sie sind: ein Weckruf. So sieht das auch Synaxon-Chef Mark Schröder. "Wir haben in unserer Branche schon immer Veränderungen erlebt. Mussten die Geschäftsmodelle an sich ändernde Technologien und den Markt anpassen", sagt er. Weg vom Break-Fix-Modell, hin zu Managed Service oder der Übergang zu Cloud Computing. Solche Transformationen hat Synaxon nicht nur diskutiert, sondern aktiv Lösungen für seine mittlerweile 3.400 Mitglieder im Systemhausnetzwerk erarbeitet – bis hin zu MSP-Betreibermodellen sowie MSP-Franchisemöglichkeiten wie es das Partnernetzwerk Einsnullseins bietet.
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Event-Lokation an der Kapazitätsgrenze
Mark Schröder ist seit 20 Jahren in der Führungsspitze von Synaxon. Europas größte Systemhaus-Kooperation, wie überhaupt jede Verbundgruppe für IT-Dienstleister, ist in der Rolle eines Lotsen, eines Know-how-Vermittlers und Peer-Group-Vernetzers überaus wichtig geworden. Je schneller Innovationen wie KI auf den Markt kommen, je komplexer Technologie wird und die Digitalisierung aller Sektoren und über alle Unternehmensgrößen voranschreitet, desto wichtiger werden die Leistungen einer Kooperation und ihre Events. Das zeigt das Format Impulse von Synaxon.
Nach 11 jährlichen Events in Kassel ist man im Kongress Palais an der Kapazitätsgrenze angelangt. Viele Partner musste Synaxon in diesem Jahr auf die Warteliste setzen, es gab mehr Interesse von Ausstellerseite als Platz vorhanden war.
Hatten Auguren der IT-Branche in der Corona-Krise nicht gesagt, das Sitzen vor Monitoren wäre das "neue Normal" und man würde sich nie wieder auf Präsenzveranstaltungen treffen?
Mehr als 50 informative Vorträge von Systemhaus-Chefs für Systemhaus-Chefs gab es in Kassel auf der Impulse, Präsentationen von Herstellern und die informative wie humorvolle Abschluss-Keynote des bekannten Wissenschaftsjournalisten und Fernsehmoderatoren Ranga Yogesh. Die Referenten haben so viele Impulse in so vielen unterschiedlichen Themen gesetzt, dass dieses Event-Format nach Verlängerung und Vergrößerung geradezu schreit.
Und daher verlegt Synaxon die "Impulse XL" am 6. und 7. April 2027 in das Darmstadtium nach Darmstadt. Warum Friederichs, Hörhammer, Podzimek, Bauer und alle anderen und noch viel mehr Systemhaus-Chefs auch 2027 auf der Impulse sein werden?
RAMageddon fällt aus
Weil es das so angeblich durch die KI gefährdete "klassische Systemhaus" schon lange nicht mehr gibt, erläutert Synaxon-CEO Mark Schröder im Pressegespräch mit CRN. Die Vielfalt der Mitglieder innerhalb des Synaxon-Netzwerks zeigt ihm, dass sich die Branche auf Veränderungen und einen Wandel der Geschäftsmodelle schon immer eingestellt hat. Wohl auch dieses Mal den KI-Boom für sich umzumünzen versteht, auch wenn die schnelle Veränderungsgeschwindigkeit dieser Technologie einmalig ist und keine Vorbilder kennt.
Schröder und Vorstandskollege Miguel Rodriguez (zuständig für Zentralbeschaffung und Logistik) sehen im Großen und Ganzen keine Bedrohung der Geschäftsmodelle ihrer Mitgliedsunternehmens durch KI oder etwas der aktuellen Krise auf dem Komponentenmarkt. Verzögerte Hardware-Projekte können mache IT-Häuser zwar vor Herausforderungen bei der Liquidität stellen. Die meisten Systemhäuser aber sichern ihre Einnahmen durch länger laufende Service-Verträge ab. Ein RAMageddon, wie Totengräber Marko Bauer von Fornax auf dem Grabstein des klassischen Systemhauses digital (und per KI) eingraviert, sehen die Manager nicht. Im Gegenteil: Rodriguez sieht ein boomendes Hard- und Softwaregeschäft. Mehr als 1,3 Mrd. Euro Umsatz erzielt Synaxon über den Zentraleinkauf Egis. Dass Synaxon der VMware-Konsolidierung des seines VCSP-Partnerkanals zum Opfer gefallen ist, bedauert er zwar. Sonderlich erschüttert gibt sich Rodriguez nicht.
Tools für Infrastruktur-Analyse kommt
Die Nachfrage nach Security sowie Infrastruktur-Beratung im Hinblick vor allem digitale Souveränität spielt Synaxon und seinen Partnern in die Hände. Der Status "Trusted Advisor" biete gerade auch im Hinblick auf die Möglichkeiten der KI-Beratung der mittelständischen Unternehmen hierzulande große Chancen, wenn sich IT-Dienstleister auf diesen Beratungsbedarf ausrichten. Auf die bevorstehende Einführung eines Tools für Infrastruktur-Analyse setzt Synaxon große Hoffnungen.
Impulse XL künftig in Darmstadt
Gemeinsam in Partnerschaft gelingt die Zukunft ohnehin besser. So denkt man schon immer bei Synaxon, und plant auch die Formate entsprechend größer: Eine Impulse XL in Darmstadt könnte künftig für rund 1.000 Gäste gut sein. Das Systemhausnetzwerk stellt sich auf Wachstum ein. Zumindest die nächsten 24 Monate dürfte diese bis zu 3.000 Gäste fassende Lokation ausreichend Platz für die Systemhaus-Branche bieten.
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