Franchisesystem für MSP: So geht es mit Einsnulleins weiter

Von ursprünglich anvisierten 101 Standorten ist Einsnulleins, 13 Jahre nach dem mutigen Start des Laborbetriebs eines neuen Geschäftsmodells, weit entfernt. Betreiber Synaxon hat das Wachstum aber nicht aus den Augen verloren – musste aber Standorte schließen und eine "intensive Lernkurve" durchleben.

"Wir haben zu Beginn verschiedene Modelle getestet und dabei gelernt, dass die Pilotphase für ein so komplexes Modell zu kurz war". Frank Weber, Geschäftsführer Einsnulleins (Foto: Synaxon)

In der Theorie ist ein sauber durchdachtes Geschäftskonzept in einem Wachstumsmarkt wie der professionellen IT-Dienstleistung schlüssig, naheliegend und erfolgversprechend. Managed Services wird von Unternehmen stark nachgefragt: wenn es gelingt, die IT-Betreuung hochstandardisiert anzubieten, zentrale Systeme für die Leistungserbringung und den Support zu etablieren, administrative Tätigkeiten an eine Zentrale auszulagern, kann sich der Geschäftsführer einer starken TI-Dienstleistungsmarke auf den Vertrieb und die Kundenakquise in seiner Region kümmern und Flatrate-Laufzeitverträge schließen. So startete der Systemhausverbund Synaxon ein neues Geschäftsfeld.

Mit Franchise (PC Spezialist) kennt man sich besten aus, also wird Managed Services auch im Franchisemodell ausgerollt. Genügend IT-Unternehmer kennt man, die sich Einsnulleins anschließen werden, so damals Synaxon-Chef Frank Roebers und sein wichtigster Kopf und Leiter eines zunächst so genannten "Laborbetriebs", Informatiker Frank Weber. 2019 war es so weit: Die ersten Standorte von Einsnulleins wurden eröffnet. Zwölf "wirtschaftlich starke Standorte" sind abgedeckt, der Zufall wollte es, dass es Einsnulleins sogar im finnischen Tampere gibt.

Ex-Synaxon-Chef Frank Roebers kein Einsnulleins-Unternehmer mehr

14 Städte, quer durch die Republik, sind für eine Filiale prädestiniert und warten, von einem Franchise-Nehmer beackert zu werden. Darunter auch Dortmund. Ursprünglich sollte dort Frank Roebers eine Filiale betreiben, die zweite nach Detmold. Die IT-Branche zollte ihm viel Respekt, als er sich im April 2024 entschied, als CEO von Synaxon zurückzutreten und wieder als Start-up-Unternehmer unter der Flagge von Einsnulleins von vorne zu beginnen. Einen besseren Kronzeugen für sein Franchisemodell Einsnulleins konnte Synaxon nicht finden als den eigenen CEO. Doch die Unternehmer-Ehe währte nicht lange. Freigeist Roebers, obwohl Jurist, kann man mit vorgehaltenen Paragrafen eines Franchise-Vertrags nicht in Standardprozesse zwingen. Detmold und Dortmund sind auf der Webseite von Einsnulleins daher nicht als Präsenzstandorte verzeichnet. Stattdessen hat Roebers den ITR-Dienstleister Fox Romeo IT gegründet. Man ging im Guten auseinander. Fox Romeo IT ist Mitglied bei Synaxon, wie uns das Systemhausnetzwerk versicherte.

Der ehemalige Roebers-Vertraute und Einsnulleins-Geschäftsführer Frank Weber blickt nach vorn. Die Roebersche Vision von 101 Standorten ist dem Realismus gewichen: Man plant jetzt zwei oder drei neue Standorte jährlich neu zu eröffnen. Von einer bestimmten Anzahl an Filialen ist man abgerückt.

Durchaus selbstkritisch fällt Webers Zwischenbilanz aus, denn zwischen den Zeilen liest sich die jüngste Pressmitteilung nun wirklich nicht wie eine Success Story aus dem PR-Lehrbuch. Alles andere wäre ja auch unglaubwürdig. Ob MSP als hochstandardisiertes Modell im Franchisesystem oder von IT-Dienstleistern selbst in vielen Jahren entwickelte und optimierte Service-Erbringung: Ein völlig reibungsloser und gänzlich automatisierter IT-Betrieb auf Knopfdruck, der zudem noch beliebig auf viele Kunden erweitert werden kann, ist so realistisch wie eine Fahrt im Auto ohne Räder. Technisch, menschlich, vertrieblich: Einsnulleins-Manager und freie IT-Unternehmer stehen vor ähnlichen Hürden, nehmen ähnliche Lernkurven.

Konsolidierung schwacher Standorte

Weber deutet sie an. "Wir haben zu Beginn verschiedene Modelle getestet und dabei gelernt, dass die Pilotphase für ein so komplexes Modell zu kurz war". Bei der Auswahl der Franchisenehmer sowie der "Ausreife der Standards" habe es "Lernkurven gegeben. Für die Anfangsphase junger Franchisesystem sei dies "jedoch normal", so Weber. Einsnulleins habe diese Erfahrungen genutzt, um die Ressourcen konsequent auf die Optimierung der Standards und die Qualität der Partnerschaften zu bündeln. "Die Kriterien für neue Franchisepartner wurden präzisiert und wirtschaftlich schwache Standorte konsolidiert".

Folge: Alle Standorte würden nun stark wachsen und positive Ergebnisse erzielen. Einsnulleins spricht von eine "System im Reifeprozess". Man legt bei der künftigen Expansion den Maßstab an auf Qualität, nicht auf Quantität.

Vorbild-Standorte – "qualitativer Ausbau des Partnernetzwerks"

Die Standorte Lübeck, Bremen, Hannover und München hebt Einsnulleins als besonders erfolgreiche Filialen hervor. Die dortigen Franchisenehmer starten bereits mit einem zweiten Standort. Kern des Franchise-Konzepts und Grund, warum die Filialen profitabel betrieben werden können: "Leistungen der Franchise-Zentrale im Hintergrund ermöglichen Fokus auf den Vertrieb und Kundenbeziehungen in den Einsnulleins-Standorten". Das muss auch si sein, denn die Komplexität des IT-Dienstleistungsgeschäfts ist enorm hoch.

Zu den zentral erbrachten Leistungen für die einzelnen Franchise-Nehmer gehören die drei Bereiche Technik (First- und Second-Level Helpdesk, Technikerpool sowie Kundenservice) Backoffice (Buchhaltung und Personalbeschaffung) sowie Vertrieb (Leadgenerierung und Marketing).

"Durch diese Struktur kann sich der heutige Geschäftsführer vor Ort voll auf seine Kernaufgabe konzentrieren: den Vertrieb und die Kundenbeziehungen", so Frank Weber.

"Wir sind in Rekordzeit gewachsen und stehen wirtschaftlich absolut solide da. Ich bereue keinen Tag, diesen Weg seit drei Jahren mit der Einsnulleins zu gehen", sagt Johann Wolf, Geschäftsführer Einsnulleins Bremen.

Weber sieht jetzt überall bei Einsnulleins "stabile Standorte" und wird sich nun auf den "weiteren, qualitativen Ausbau des Partnernetzwerks" konzentrieren.

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