"Strategie 2028": q.beyond-Vorstand sucht den Befreiungsschlag

KI-Beratung, Branchenfokus, mehr Internationalisierung, Durchhaltebotschaft an enttäuschte Aktionäre: CEO und CFO des IT-Dienstleisters q.beyond sind für 2026 und darüber hinaus optimistisch. Sie verweisen auf gestiegene Ertragskraft, 42 Mio. Euro in der Kasse und wollen an der Börse wieder glänzen – vorerst wenigstens optisch.

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q.beyond-CEO Thies Rixen: "Unser fokussiertes Geschäftsmodell bewährt sich in einem unverändert herausfordernden Umfeld. Obwohl die Wirtschaft auch im Jahr 2025 stagnierte, konnten wir die Ertrags- und Finanzkraft wie geplant nachhaltig und deutlich steigern". (Foto: q.beyond)

Einen Tag vor der außerordentlichen Hauptversammlung gibt q.beyond an diesem Donnerstag vorläufige Zahlen für 2025 bekannt. Der Umsatz auf vergleichbarer Vorjahresbasis kletterte um 1,4 Prozent auf 182,6 Mio. Euro. Besser entwickelten sich die Erträge des IT-Dienstleisters, der vormals als QSC mit eigener Netzinfrastruktur als Hoster gekannt gewesen war. Der operative Gewinn kletterte um 17 Prozent auf 12,3 Mio. Euro (Ebitda), unterm Strich liegt der Konzernüberschuss wieder im Plus: um 6,5 Mio. Euro auf 2,5 Mio. Euro. Es habe sich ausgezahlt, sich auf profitable Umsätze zu konzentrieren, sagt CEO Thies Rixen.

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Positive Kennzahlen meldet CFO Nora Wolters auch beim Liquiditätsfluss: Der freie Cashflow verbesserte sich 2025 um 72 Prozent auf 5,5 Mio. Euro. Man sei schuldenfrei, verfüge über eine Nettoliquidität von 42 Mio. Euro. Diese Summe, verteilt auf die Aktien, betrüge allein 0,34 Euro pro Anteilsschein, was 43 Prozent der Marktkapitalisierung entspricht (bei einem aktuellen Kurs von 0,78 Euro).

Kapitalherabsetzung: Aktie soll optisch attraktiver werden

Seit Anfang 2023 wird die Aktie von q.beyond als Penny-Stock gehandelt, was per se keine gute Reputation bedeutet. CEO Thies Rixen und CFO Nora Wolters wollen diesen Nachteil beenden. Die Hauptversammlung soll grünes Licht geben für Aktienrückkäufe, Ausschüttung einer Dividende und eine Kapitalherabsetzung – der wichtigsten Maßnahme, um nach einem Reverse Split die Gesamtanzahl der Aktien im Verhältnis 5:1 zu senken und den Aktienkurs optisch in Richtung der 4 Euro-Marke anzuheben. Steigt der Börsenwert auf über 100 Mio. Euro könnten dann auch institutionelle Investoren in diesen Small Cap einsteigen. Die Nachfrage könnte dem Paper von q.beyond Aufwind geben, ebenso die Aussicht der Aktionäre auf eine Dividendenzahlung.

Dass es Small Caps an der Börse schwerer haben als größere IT-Systemhäuser mit deutlich höherer Marktkapitalisierung, zeigt sich auch am IT-Dienstleister Audius. Rechtfertigen die hohen Kosten einer Börsennotierung samt Berichtspflichten den Nutzen, Aktien öffentlich handeln zu lassen?

Anders als etwa IT-Dienstleister Datagroup, der aktuell ein Delisting vornimmt, setzt das Management von q.beyond weiter auf den öffentlichen Kapitalmarkt. So wie in den letzten Jahren kann es aber nicht weitergehen. Zwar war 2025 für alle IT-Diensleister kein einfaches Jahr. Aber die Konkurrenz konnte ihren Aktionären ein mehr oder weniger starkes Börsenjahr vorrechnen: Datagroup plus 50 Prozent, Bechtle plus 39 Prozent, Computacenter plus 36 Prozent, Cancom plus 14 Prozent,

Die Vorgängergesellschaft QSC hatten die Gründer Bernd Schlobohm und Gerd Eickers im Frühjahr 2000 zu einem Ausgabepreis von 12,50 Euro an den Neuen Markt der Frankfurter Börse und sogar an die US-Technologiebörse Nasdaq geführt. Danach hatte ein beispielloser Verfall der zuvor aufgebähten Unternehmenswerte der sogenannten "New Economy" eingesetzt: Die Dotcom-Blase war geplatzt, viele Internet-Unternehmen, auch Systemhäuser, gingen pleite. QSC, bzw. q.beyond, überlebte.

KI-Beratung "Consult-to-operate-Ansatz"

Und die Kölner haben in den kommenden Jahren so einiges Im März will der Vorstand die "Strategie 2028" präsentieren. So viel vorab: Mit seinen rund 1.100 Beschäftigten spielt KI-Beratung eine immer wichtigere Rolle im Geschäftsmodell. Der "Consult-to-operate-Ansatz", wie sich der IT-Dienstleister in dieser Rolle sieht, soll neue Kunden bringen und den Umsatz hierzulande und international steigern.

Dazu bauen die Rheinländer weiterer Fokusbranchen auf, etwa für den Energiesektor und das Gesundheitswesen. Auch Digitale Souveränität soll das Geschäft treiben. Vor rund einem Jahr hat q.beyond "Private Enterprise AI" vorgestellt, eine souveräne KI-Plattform für Mittelständler. Kunden könnten in ihrer eigenen IT-Infrastruktur sensiblen Unternehmensdaten für KI-Analyse speichern.

Nearshoring und Offshoring ausbauen

Außerdem will der sich der IT-Dienstleister weiter vom schwachen Inlandsmarkt emanzipieren und das Geschäft außerhalb Deutschlands ausbauen. Länder wie Lettland, Spanien, Indien und den USA werden stärkeres Gewicht bekommen. Denn die Verlagerung des Geschäfts an diese Standorte im Rahmen der Near- und Offshoring-Strategie der Kölner soll auf 30 Prozent steigen. 2023 hatte q.beyond diese Verlagerung angestoßen – mit einigem Erfolg: Die Quote kletterte seither von 3 auf 20 Prozent.

Daneben startet an den europäischen Standorten in Lettland und Spanien die Vermarktung des Portfolios von q.beyond. "Die erste Reaktion am Markt ist vielversprechend", sagt CEO Rixen. "In kurzer Zeit haben wir erste Kunden gewonnen. Wir werden schon in diesem Jahr vom Wachstum im Ausland profitieren".

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