So hoch könnten 2026 die Preise für IT-Services steigen
Zwei von drei IT-Dienstleistern kündigen für dieses Jahr Preiserhöhungen an. Mutig ist aber nur jeder Zehnte IT-Anbieter, der Rest will moderat erhöhen – wenn überhaupt. Andere Branchen sind cleverer als der bescheidene IT-Mittelstand - ja geradezu frech.
Die ersten Bilanzen für 2025 sind ausgewertet und die Kostensteigerungen im Einkauf von Lizenzen und vor allem beim Personal unübersehbar. Die Standardfrage, die Synaxon seinen mehr als 3.000 IT-Händlern und Systemhäusern für seinen jährlichen IT-Preisspiegel stellt, so wie auch 2026: Welche Veränderungen der IT-Servicepreise planst du in den kommenden 12 Monaten? Um es vorwegzunehmen: die Zahlen sind wenig überraschend, weil sie sich von Jahr zu Jahr kaum unterscheiden. Also hat sie Friedrich Pollert in der Online-Vorstellung vergangene Woche ein wenig "gewürzt", sprich über den Tellerrand der eigenen Branche geschaut. Erstaunliches hört man da aus dem KFZ-Bewerbe. Dazu gleich.
741 IT-Häuser nahmen an der Synaxon-Umfrage für den IT-Service-Preisspiegel 2026 teil, die Ergebnisse der brandneuen Ausgabe darf man daher als repräsentativ bezeichnen. Fast 36 Prozent der IT-Dienstleister gaben an, ihre Preise unverändert zu lassen. Bis auf 2 IT-Häuser will niemand die Preise senken. Knapp mehr als die Hälfte plant eine Preiserhöhung bis 10 Prozent, nur jeder 10. Befragte will bis zu 20 Prozent oder darüber hinausgehen.
Soweit die Theorie. In der Praxis sieht es freilich so aus, wie Friedrich Pollert es in den Jahren zuvor erlebte: IT-Dienstleister planen zu Jahresbeginn Preiserhöhungen, lassen dieses Vorhaben dann im Jahresverlauf fallen. Pollert hat eine Vermutung: Wer EBIT-Margen größer als 10 Prozent bei IT-Services erzielt, steht nicht unter Druck, Preise anheben zu müssen. Wer um die 5 Prozent EBIT-Marge erwirtschaftet, sieht sich zu diesem Schritt gezwungen. Und hat womöglich grundlegende Herausforderungen im Geschäftsmodell.
Ein Problem: Während die Preise für Managed Services weitgehend stabil bleiben, steigt der Leistungsumfang der MSPs, die das Mehr an Diensten nicht monetarisieren. Es fällt das Wort "ausgemanaged". Das Geschäftsmodell Managed Services, obwohl von über 57 Prozent der befragten IT-Häuser als der Bereich mit dem größten Umsatzwachstum in den vergangenen 12 Monaten bezeichnet, ist kein Garant für Profitabilität. Der Wettbewerbsdruck ist hoch, den USP von IT-Diensten den Kunden zu vermitteln, ist schwer.
Beziehung schlägt Technik
Synaxon-Chef Mark Schröder bringt es auf den Punkt: "Technologie ist 2026 eine Commodity. Einzigartigkeit entsteht nicht mehr durch das 'Was' der IT-Infrastruktur, sondern ausschließlich durch die Exzellenz im Management der persönlichen Kundenbeziehung".
Beziehung schlägt Technik, so Schröders These, die schmerzlich ist für Systemhaus-Chefs, die als Techniker tief in der Server- und Rechenzentrumswelt sozialisiert sind. Kunden sehen IT recht nüchtern, wägen Kosten und Nutzen ab. Eine Kalkulation, die MSPs dringend mit der nötigen Zuverlässig- und Vollständigkeit eines Tools machen sollten, wenn man beispielsweise von Kaseya hört, dass die Hälfte der MSPs nicht profitabel arbeitet. Einfach die Preise anheben, löst das grundsätzliche Problem eines Geschäftsmodells nicht. Allerdings: IT - und zunehmend KI - ist so wichtig und unentbehrlich geworden für Kunden der IT-Dienstleister, wie es Autos für ein Taxiunternehmen schon immer waren.
Und vom KFZ-Dienstleistungsgewerbe können sich MSPs so einiges an Preisdurchsetzungsfähigkeit abschauen. Synaxon-Akademieleiter Friedrich Pollert hat recherchiert und aktuell verfügbare Stundensätze der Autowerkstätten zusammengetragen. Arbeiten an der Mechanik, Elektrik oder Karosserie kosteten 2022 im Durchschnitt 173 Euro pro Stunde, Lackieren sogar 188 Euro.
Preise für IT-Services für den 1st-, 2nd, und sogar 3rd-Level-Support fallen dagegen dahinter zurück - je nach Unternehmensgröße von knapp über 90 Euro bis 148 Euro. Will ein IT-Dienstleister mit dem KFZ-Gewerbe mindestens gleichziehen, erfordert das eine Unternehmensgröße von mehr als 50 Beschäftigten und "Chefbehandlung", sprich der Geschäftsführer berät. Dann ist im Schnitt laut der Synaxon-Statistik 185,50 Euro pro Stunde drin.
IT-Kosten so stark gestiegen, so KFZ-Branche zu ihren saftigen Werkstatt-Rechnungen
Autowerkstätte gehen bei der Rechnungsstellung übrigens recht clever vor, führt Pollert aus. Die Verrechnung von Leistungseinheiten mit den Faktoren Arbeitswerte und Zeiteinheiten seien alles andere als nachvollziehbar und transparent. Fragt ein Kunde, warum die Rechnung so hoch ist, bekomme er zu hören: "Die IT-Kosten sind so stark gestiegen", zitiert Pollert aus dem KFZ-Gewerbe.
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