Unsexy, doch relevant: Littlebit und Plugilo starten Partnerschaft
Automatisiertes Arbeiten mit Produktdaten? Schwierig. So das Fazit von Distributor Littlebit. Gemeinsam arbeiten Plugilo und der Schweizer Grossist an einer innovativen Lösung eines Problems, das keine Lobby im Channel hat. Der Herr der Daten will das ändern.
Den Begriff Mail-Order kennt Jochen Bless noch sehr gut. Seit mehr als 25 Jahren ist er im Channel unterwegs, ist also noch, wenn man so will, ein junger Dinosaurier der Distributionsszene mit seinen bald 50 Jahren. So jung ist Bless nun aber auch wieder nicht. Denn er hatte mitbekommen, wie Reseller vor mehr als zwei Dekaden ihre Produkte bestellt haben: per Fax, per Telefon und ab Ende der 90er zunehmend per E-Mail. Die alten Transaktionswege lösten Dists ab - zuerst durch Online-Shops, die zu Marktplätzen mutierten, wenig später Cloudplattformen hießen und jetzt als KI-gesteuertes System daherkommen und alles vereinen: Bestellung und Tracking, Produkt-Analysen für Cross-Selling, Aggregation von Hersteller- und Disti-Content, kurz: die digitale eierlegende Wollmilchsau, im Branchensprech: One-Stop-Shopping genannt. Ein "Problem" indes ist über die Jahrzehnte geblieben, und es ist mehr als nur ein kosmetischer Makel, der dem Automationsprozess im Wege stehen kann.
"Mit Produktdaten ist es so wie mit einer Oberfläche, die auf den ersten Blick glatt aussieht. Sobald man aber mit der Hand darüberstreicht, fallen die Unebenheiten und Unregelmäßigkeiten sofort auf", sagt Jochen Bless, COO beim DACH-Distributor Littlebit.
Littlebit mit Zentrale in Hünenberg in der Schweiz ist auf den Vertrieb von ITK-Produkten und IT-Komponenten spezialisiert. Zu den Kunden zählen große Retailer und Etailer wie Mediamarkt oder Amazon, aber auch viele mittelständische Technologie-Handelsunternehmen und Integratoren. Und bei Littlebit fallen die kleinen Unebenheiten, also Datenfehler, nicht nur auf, sondern behindern das Geschäft. Gerade in der IT-Distribution mit ihren geringen Margen müssen Prozesse effizient und am besten automatisiert laufen.
"Auf Basis von Produktdaten automatisieren wir viele Abläufe", erklärt Bless. Zum Beispiel entscheiden die Abmessungen der Produktverpackung, wie der Distributor die Ware versendet. Stimmen die Herstellerangaben nicht oder sind sie unvollständig, muss Littlebit von Hand nacharbeiten. Das kostet Zeit und Geld. Datenqualität entscheidet am Ende, wie viel Zeit für manuelle Nacharbeit die Logistiker bei Littlebit aufwenden müssen.
Und Zeit ist bekanntlich bei Distis, die mit sehr kleinen Margen arbeiten, Geld. Aus diesem Grund war für Jochen Bless die Kooperation mit Plugilo ein "No-Brainer". Mit api-Chef Achim Heyne nutzt den Service des Datendienstleisters und nutzt die Plugilo-Datenbank damit digitalen Lesezeichen-Stecker als Archiv.
Die Sache mit den Produktdaten
Gibt es etwas Langweiligeres als über Produktdaten zu sprechen und zu schreiben? Für einen Fachjournalist darf dies keine Überlegung sein. Man lernt von guten Referenten auf der Journalistenschule, dass jedes noch so kleine Expertenthema Reiz und Relevanz haben könne - und sogar unterhalten sein kann. Legendär der Titel "Der Mann für alles, was in die Wand muss" von Philipp Crone, der für die Süddeutsche Zeitung einmal ein Porträt über den Inhaber des Münchner Traditionsgeschäft "Schrauben Mutter" schrieb.
In Anlehnung an den lokalen Schrauben-König kann man über Michael Mohr sagen, dass der 57-Jährige seit fast 30 Jahren im Metier der Daten und Inhalte, neudeutsch: Content, für den IT-Channel unterwegs ist. Also: Der Mann für alles, was in ein Procurement-System reingehört – und zwar harmonisiert, standardisiert, absolut konsistent, damit alle Prozesse ohne Reibungsverluste hochautomatisiert laufen können. Herr der Daten, also.
"Zwar reden alle darüber, wie wertvoll Daten sind. Aber Produktdaten haben keine starke Lobby", sagt Michael Mohr, Gründer der Firma Plugilo. Sein zuvor gegründetes Unternehmen Content Factory 1, früher DCI, bereitet Produktdaten auf und reichert diese für Retailer, Etailer und große Einzelhandelsketten individuell an.
"Es ist schwer nachvollziehbar, dass wir heute noch immer über die Qualität der Produktdaten sprechen müssen", räumt Michael Urban ein. Als langjähriger Top-Manager in der Distribution kennt er die Probleme und Aufgabenstellung sehr genau. Im Sommer 2024 ist Urban bei Plugilo eingestiegen.
Urban identifiziert zwei Ursachen für die immer noch unbefriedigende Situation der schlechten Datenqualität: Die sehr unterschiedliche Einstellung der Hersteller zum Thema. "Es gibt Hersteller, die sehen den Wert ihrer Daten und pflegen sie vorbildlich. Aber das ist nicht die Mehrheit." Zweites Problem: Der Umstand, dass Produktdaten statisch in Shop- und ERP-Systemen lagern und schnell altern. Wobei die vermischte Datenqualität eine automatisierte Artikelanlage oder -aktualisierung erschwert. Das stellt Littlebit und Jochen Bless vor Herausforderungen.
Eine globale Datenplattform für alle Produktdaten
Mit Plugilo verfolgen Mohr und Urban einen neuartigen Ansatz. Plugilo sammelt, vereinheitlicht und normalisiert Produktdaten und speichert sie in einer zentralen Datenbank. Das geschieht KI-gestützt und hochautomatisiert. Die Daten können aus allen möglichen Quellen stammen. Zum Beispiel von Distributoren wie Littlebit, aber auch von Herstellern und in allen Formaten wie CSV, API, Screen Scraping und sogar aus PDF-Dateien.
Die Datensätze legen Littlebit und Plugilo den Herstellern vor. Diese überprüfen die Daten, können sie modifizieren oder aktualisieren. Sind die Daten aktuell, können die Hersteller die Datenquelle als zuverlässig zertifizieren. "Schließlich sind die Hersteller die Besitzer der Produktdaten und müssen die Hoheit über ihre Daten behalten", erklärt Michael Mohr.
Seine Vision: Eine Datenplattform, die alle relevanten Produktdaten in unterschiedlichen Kategorien beinhaltet – stets aktuell und geprüft. Produktdaten, mit denen man auch hochautomatisiert arbeiten kann. Aus dieser Datenbank speisen sich Online-Shops und Plattformen. Von diesen Daten profitieren auch Littlebit und seine Kunden. Denn denen kann der Distributor künftig Hersteller-zertifizierte Daten für ihre ERP-Systeme und Onlineshops zur Verfügung stellen.
Gemeinsam haben Distributor und Plattformbetreiber die Hersteller angeschrieben, deren Produkte in der Plugilo-Datenbank erfasst wurden. "Mehr als die Hälfte unserer Herstellerpartner hat sofort zugesagt", resümiert Jochen Bless. Die Reaktion wertet er einstweilen schon mal als einen "schönen Erfolg".
Das Aus für statische Produktdaten
"Je mehr Distributoren, Händler und Hersteller mitmachen, desto nützlicher wird die Datenbank und desto größer wird der Druck auf die anderen", ergänzt Michael Urban, "Schließlich kann der seine Produkte am besten vermarkten, der über die besten Daten verfügt."
Auch Problemursache Nummer zwei, statische Produktdaten, geht Plugilo an. Um die Daten "in Perfektion" zu zeigen und dynamisch stets aktuell zu halten, hat Plugilo sogenannte "Karten" erfunden. Diese sind eine Art Container, der die Daten transportiert. Ändern sich die Daten in der Masterdatenbank, ändern sich in Echtzeit auch die Karten. "Das ist in keinem Shop der Welt möglich. Deshalb sind die Karten für Onlineshops ein echter Mehrwert", sagt Urban.
Über einen kleinen Plugilo-Stecker neben dem Artikel im Littlebit Onlineshop können Kunden die Datenkarte zum Produkt laden und weiter nutzen. Ändern sich Produktdaten (oder die Abbildung), aktualisieren sich automatisch die Karten. Den Plugio-Stecker hat auch CRN auf seiner Webseite integriert, der bei jeder teilnehmenden Firma automatisch eingeblendet wird und Lesern Zusatzinformationen bietet.
Während das Produktmarketing gemeinsam mit dem Plugilo-Team an der Datenqualität arbeitet, hat das Littlebit-Marketing bereits erste Marketingaktivitäten mit diesen Karten gestartet.
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