Nfon: Weniger Seats, mehr Umsatz

Rund 18.000 Seats sind Nfon im vergangenen Jahr verloren gegangen. Vor allem dank dem Wachstum der KI-Tochter Botario schafft es das Unternehmen dennoch, sich im herausfordernden Marktumfeld stabil zu halten und hinsichtlich der maßgeblichen finanziellen KPIs sogar leicht zuzulegen.

"2026 steht im Zeichen der Skalierung unserer KI-gestützten Lösungen sowie der Umsetzung unserer Strategie Nfon Next 2027." Andreas Wesselmann, CEO, Nfon (Foto: Nfon)

Der europäische Telekommunikationsmarkt bleibt angespannt. Viele Unternehmen, insbesondere aus dem Mittelstand, halten sich angesichts der wirtschaftlichen Lage bei Investitionen in die Digitalisierung ihrer Kommunikationstechnologie zurück, um zu sparen oder das Budget in andere Sektoren wie KI zu verschieben. Das bekommt auch Nfon zu spüren. Im vergangenen Jahr ging die Anzahl der Seats von 665.449 (2024) auf 647.384 zurück. Es gab also 18.065 bezahlte Nebenstellen der Cloud-Telefonie-Lösungen weniger bei den Kunden. Lediglich die deutsche Nfon und die italienische Ländergesellschaft konnten hier leichte Zuwächse verzeichnen, während der Ausbau des Kerngeschäfts in Frankreich, Polen und Großbritannien ins Stocken geriet. So gingen etwa in UK fast 9.000 und damit mehr als 10 Prozent der Seats verloren, wodurch der Umsatz auf der Insel von 8,5 auf 7,9 Millionen Euro fiel.

Dennoch zieht die Geschäftsführung insgesamt eine positive Bilanz. Denn trotz dieser schwierigen Ausgangslage konnte der Gesamtumsatz nach den vorläufigen Zahlen um 2 Prozent von 87,3 auf 89,1 Millionen Euro gesteigert werden. Das bereinigte EBITDA erhöhte sich um 2,4 Prozent auf 12,6 Millionen Euro und lag damit leicht über der prognostizierten Bandbreite. Die wiederkehrenden Umsätze stiegen um 1,1 Prozent auf 82,6 Millionen Euro an, ihr Anteil lag mit 92,1 Prozent allerdings leicht unter dem Vorjahreswert (92,9 Prozent). "2025 war für NFON ein Jahr stabiler operativer Entwicklung und wichtiger strategischer Fortschritte", fasst CEO Andreas Wesselmann die Ergebnisse zusammen.

KI als Treiber

Dass das Unternehmen vergleichsweise gut durch das Jahr gekommen ist, lag nicht zuletzt an der Transformations-Agenda Nfon Next 2027, mit der sich das Unternehmen agiler aufstellt, sich stärker auf KI ausrichtet und die Bedürfnisse der Partner und Kunden mehr in den Fokus rückt. Bester Beleg, dass das offensichtlich auch funktioniert ist der blended ARPU, der durchschnittliche Umsatz pro Seat stieg im vergangenen Jahr von 9,89 (2024) auf 10,01 Euro. Noch wichtiger für den versöhnlichen Jahresabschluss war allerdings die KI-Tochter Botario. Ihr Umsatz steig von 1,9 auf 4,6 Millionen Euro an. Ohne sie wäre Nfons Umsatz also geschrumpft. Das verdeutlicht einmal mehr, wie strategisch wichtig der 2024 getätigte Zukauf war.

Zumal dessen Technologie ein wesentliches Element für die Weiterentwicklung und Anreicherung des Kern-Portfolios um KI-Lösungen wie Nia FrontDesk und AI Essentials ist. Sie ist die Basis für das erklärte Ziel einer integrierten Plattform für KI-gestützte Businesskommunikation, die konkrete Anwendungsfälle im Kundenservice und in der Unternehmenskommunikation adressiert und auf die effiziente Umsetzung zentraler Kommunikationsprozesse ausgerichtet ist. "In einem weiterhin anspruchsvollen Marktumfeld und hoher Dynamik im Bereich künstlicher Intelligenz setzen wir konsequent auf Lösungen mit klarem wirtschaftlichem Mehrwert für unsere Kunden", erklärt Wesselmann. "Gleichzeitig stärken wir unsere Position als europäischer Anbieter."

Für das laufende Jahr erwartet sich von Nfon eine "moderate Belebung der Geschäftsentwicklung in einem weiterhin anspruchsvollen gesamtwirtschaftlichen Umfeld". Neben externen Faktoren spielen dafür weiterhin Nfon Next 2027 und KI eine tragende Rolle, die für Wachstumsimpulse aus den Portfoliobereichen Intelligent Assistant und Kundenengagement sorgen und die Effizienz weiter verbessern sollen, auch hinsichtlich der Wertschöpfung auch im bestehenden Kundenbestand. Im Vertriebskanal erhofft sich Nfon hierfür zusätzliche Impulse durch das neue Partnerprogramm Nexus sowie die Umstellung auf ein modulares Lizenzmodell. Damit sollen auch 2026 wieder ein Umsatzwachstum im niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbereich und ein ähnliches bereinigtes Ergebnis wie im Vorjahr erreicht werden.

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