Nfon bringt KI-Hackathons in Serie: "Ein Prototyp allein reicht nicht"

Wegen der äußerst positiven Ergebnisse und Rückmeldungen der Partner beim ersten KI-Hackathon hat sich Nfon dazu entschieden, mit dem Format auf Tour zu gehen. CRN hat bei Nfons KI-Chefin Jana Richter nachgefragt, wie sich die Partner dort praktische KI-Kompetenzen aufbauen und KI-Lösungen für reale Anwendungsfälle entwickeln können.

"Der Hackathon hat gezeigt, wie groß das Interesse unserer Partner ist, KI konkret in Lösungen zu überführen. Entscheidend ist, dass wir nicht bei Konzepten bleiben, sondern gemeinsam an realen Use Cases arbeiten. Genau darin liegt der Mehrwert des Formats. Partner entwickeln eigene Anwendungen, testen diese direkt im System und können die Ergebnisse in ihre Kundenprojekte übertragen." Jana Richter, EVP Engineering, AI & Innovation, Nfon – im Gespräch mit Lars Bube, CRN (Foto: CRN)

Bei seinem diesjährigen Partnerevent Nexus Connect 2026 hatte Nfon mit dem Hackathon ein neues Format im Angebot, das den Teilnehmern einen außergewöhnlich greifbaren und praxisnahen Zugang zu den Möglichkeiten der KI bot. Statt wie derzeit allenthalben mit Buzzwords, Theorie und wolkigen Versprechen überschüttet zu werden, konnten Techniker wie Vertriebler dort unabhängig von ihren Vorkenntnissen gemeinsam in Teams echte KI-Lösungen für ganz reale Anwendungsfälle und Business-Cases entwickeln. Ein Konzept, wie es sich ganz offensichtlich viel mehr Reseller wünschen würden: Das Interesse war so groß, dass die 60 Plätze blitzschnell ausgebucht waren und zahlreiche weitere Interessenten nicht zum Zuge kommen konnten. Diejenigen, die dabei sein konnten, zeigten sich im Anschluss durchwegs begeistert von diesem Hands-On-Ansatz, der einigen sogar konkrete neue Geschäftsmöglichkeiten verschafft hatte. Der Saal war noch nicht durchgekehrt, da trudelten schon die ersten Anfragen ein, wann denn der nächste Hackathon stattfinde.

Also geht Nfon nun den logischen Schritt und bringt den Hackathon mit einer Roadshow quasi in Serie, sodass weitere Partner in ganz Deutschland die Möglichkeit bekommen, sich dort ganz praktisch den Möglichkeiten anzunähern, die sie sich mit Nfons KI-Portfolio erschließen können. Der Auftakt zur Tour fand am 8. Mai in Bremen statt, am 21. Mai gibt es ein Heimspiel in München, bevor es am 16. Juni noch nach Mannheim geht.

Woher die Idee zu dem Format kam, worauf Nfon damit abzielt, was die Partner vor Ort erwartet und welche konkreten Lektionen und Ergebnisse sie davon mit nach Hause nehmen können, wollte CRN von Jana Richter, die den Hackathon als Nfons EVP Engineering, AI & Innovation verantwortet und begleitet, wissen. Außerdem wird CRN selbst an einem der Hackathons teilnehmen und sich vor Ort vom Versprechen überzeugen, dass dort selbst Nicht-Techniker Lösungen für den realen Einsatz erstellen können.

CRN: Frau Richter, was war der konkrete Auslöser für den Hackathon und welches Ziel verfolgt Nfon damit über das Event hinaus?

Jana Richter: Uns war wichtig, ein Format zu schaffen, das deutlich näher an der Praxis ist als Webinare oder Präsentationen. Der konkrete Auslöser war also die Beobachtung, dass die aktuelle Dynamik rund um KI-gestützte Kommunikation und Automatisierung ihr Potenzial erst dann wirklich entfaltet, wenn damit konkrete Anwendungsfälle ausprobiert und umgesetzt werden.

Viele relevante Ideen entstehen im direkten Zusammenspiel mit Partnern und entlang von Erfahrungen aus Projekten. Partner, Entwickler und unsere Teams arbeiten gemeinsam an greifbaren Anwendungsfällen und testen sehr schnell, wie sich neue Ansätze mit unserem KI-gestützten Portfolio umsetzen lassen. So entsteht nicht nur ein besseres Verständnis für die Technologie, sondern vor allem ein klarer Blick auf den konkreten Mehrwert im Einsatz beim Kunden.

CRN: Inwiefern bringt das auch Nfon weiter?

Richter: Der Hackathon ist nicht nur ein Lernformat für die Teilnehmer, sondern auch sehr interessant für unsere Entwicklungsteams: Er liefert quasi eine Ergänzung zu den klassischen Instrumenten der Marktbeobachtung. Wir gewinnen durch den direkten Austausch einen zusätzlichen Blick auf aktuelle Entwicklungen und Bedürfnisse, da wir nicht nur Möglichkeiten und Anforderungen diskutieren, sondern gemeinsam Hands-on an den Systemen arbeiten. Das hilft uns, Anforderungen im Zusammenspiel der Lösungen präziser zu bewerten und gezielt Impulse für die Weiterentwicklung unseres Portfolios abzuleiten.

CRN: Welche Rolle spielen Partner in diesem Format und welchen messbaren Nutzen können diese aus der Teilnahme für ihr eigenes Geschäft ziehen?

Richter: Partner kommen im Hackathon mit dem gesamten Businesskommunikations-Portfolio in Berührung: das reicht von der Nutzung der KI-Features in der Telefonie wie Anruftranskription und Voicebot-Konfiguration für Inbound Call Management, über eigene Voicebot-Entwicklung zur Automatisierung eines ganzen Workflows bis hin zur Einbindung in unsere Contact-Center-Lösung.

Dabei erarbeiten die Partner dann für ihre typischen Zielkundensegmente die passende Kombination und Werte. Genau deshalb spielen sie eine zentrale Rolle, weil das Format bewusst als gemeinsamer Arbeitsraum angelegt ist. Die entscheidenden Impulse entstehen aus der Kombination von Projekterfahrung auf Partnerseite und unseren technologischen Möglichkeiten.

Gleichzeitig entsteht ein deutlich klareres Verständnis dafür, wie sich unser KI-gestütztes Portfolio in eigene Angebote integrieren lässt. Das reduziert nicht nur Komplexität, sondern beschleunigt auch den Weg hin zu eigenen, vermarktbaren Leistungen. Das wird vor allem dadurch messbar, dass Ergebnisse entstehen, die Partner in ihr Portfolio übernehmen können. Ein entscheidender Faktor ist dabei die Differenzierung: Partner können ihre Angebote gezielter positionieren und sich klarer vom Wettbewerb abheben.

CRN: Haben Sie ein Beispiel für solche eine Anwendung aus der Hackathon-Premiere?

Richter: Die Partner hatten während des Hackathon die Aufgabe, innerhalb eines vorgegebenen Zeitraums einen marktreifen Business Case zu entwickeln. Dabei ging es nicht nur um eine gute Idee, sondern um ein ganzheitliches Konzept inklusive Zielkunde, konkreter Lösung, Kundennutzen und Go-to-Market-Ansatz.

Ein besonders überzeugendes Beispiel aus der Hackathon-Premiere adressierte die Herausforderungen der Hausverwaltung, einem Bereich mit vielen wiederkehrenden Anfragen und hohem manuellem Aufwand. Durch die Kombination von Nia FrontDesk und botario werden eingehende Anfragen automatisiert erfasst, vorqualifiziert und direkt bearbeitet. So können etwa Energieausweise bereitgestellt, Schäden aufgenommen oder Tickets erstellt und automatisch an Hausmeister- oder Notdienste weitergeleitet werden.

Der Nutzen liegt klar auf der Hand: schnellere Bearbeitung, weniger manueller Aufwand und eine höhere Zufriedenheit auf beiden Seiten. Genau solche konkreten, umsetzbaren Lösungen zeigen, wie KI im Alltag echten Nutzen schafft.

"Aus Zurückhaltung wird Neugier und aus Distanz wird ein ganz anderes Vertrauen im Umgang damit"

Nach den schier überschwänglichen Rückmeldungen der Partner hat sich Nfon entschieden, den Hackathon zur Event-Serie auszubauen (Foto: CRN)

CRN: Inwieweit spielt dabei auch der erste Schritt eine Rolle, etwaige Unsicherheiten oder Berührungsängste gegenüber dem Thema KI abzubauen?

Richter: Gerade bei Themen wie KI entstehen viele Vorbehalte weniger aus konkreten Erfahrungen, sondern eher aus Unsicherheit oder weil vielen die Vorstellung fehlt, was technisch machbar und im Alltag wirklich sinnvoll ist. Ein Hackathon dreht diesen Blick oft ziemlich schnell. Am Anfang steht eher die Frage 'Was kann ich damit überhaupt machen?'. Diese, sagen wir mal, Skepsis wandelt sich dann recht schnell zu 'Wie kann ich diese Möglichkeiten noch stärker nutzen und weiter ausbauen?'.

Wenn man selbst ausprobiert, Dinge baut und merkt, dass man die Technologie auch klar auf konkreten Problemstellungen anwenden kann, verändert sich das Gefühl deutlich. Aus Zurückhaltung wird Neugier und aus Distanz wird ein ganz anderes Vertrauen im Umgang damit. Dadurch wird es auf einmal viel greifbarer, damit im Alltag zu arbeiten.

CRN: Wie stellt NFON sicher, dass aus den im Hackathon entwickelten Ideen tatsächlich marktfähige Lösungen mit realem Marktpotenzial entstehen und nicht nur Prototypen bleiben?

Richter: Wir arbeiten von Anfang an mit praxisnahen Anwendungsfällen, die sich somit auch zügig auf andere Gebiete über-tragen lassen. Ein wichtiger Teil der Aktivitäten ist neben der Hands-on-Erfahrung die teambasierte Gestaltung eines Business Cases, der dann auch Marktpotential, Go-to-Market Aspekte und mehr beleuchtet. Denn die Entwicklung ist natürlich nur ein kleiner Bruchteil in der echten Wertschöpfung. Deshalb verstehen wir den Hackathon nicht als einmaliges Event, sondern als Startpunkt für konkrete Projekte und Umsetzungen.

Die Frage, ob sich eine Idee auch vermarkten lässt, stellen wir ganz bewusst früh. Ein Prototyp allein reicht nicht. Entscheidend ist, ob sich daraus ein tragfähiges Angebot entwickeln lässt. Dieses muss nicht nur technisch funktionieren, sondern sich auch im Vertrieb und in der Anwendung beim Kunden bewähren. Wenn das zusammenkommt, kann ein tragfähiges Geschäftsmodell entstehen.

CRN: Und welche Schwerpunkte stehen dabei technologisch im Mittelpunkt?

Richter: Wir konzentrieren uns im Hackathon auf sehr praxisnahe Anwendungsfelder rund um KI-gestützte Kommunikation. Dazu gehört der Einstieg in KI-gestützte Cloud-Telefonie, etwa mit Lösungen wie Nia FrontDesk, um zu zeigen, wie sich intelligente Assistenz direkt im Alltag einsetzen lässt. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Entwicklung von Chat- und Voicebots zur Automatisierung von Kommunikationsprozessen. Hier geht es vor allem darum, wie sich solche Lösungen aufbauen und in bestehende Abläufe integrieren lassen.

Darüber hinaus betrachten wir die Integration von KI-gestützten Voicebots in Contact-Center-Umgebungen, also die Frage, wie sich Kundeninteraktionen effizienter und skalierbarer gestalten lassen. Genau in diesen Bereichen entsteht aktuell der größte Hebel für zusätzliche Wertschöpfung.

CRN: Was hat Sie bei der Hackathon-Premiere besonders überrascht und welche Impulse nehmen Sie mit auf die Roadshow?

Richter: Überrascht hat uns vor allem das große Interesse. Wir mussten bereits im November die Registrierung schließen, um innerhalb unserer Kapazitätsgrenzen zu bleiben. Schlussendlich war es aber die Dynamik vor Ort, die positive Energie, der intensive Austausch und die konkreten Ergebnisse, die unsere Erwartungen weit übertroffen haben. Genau deswegen haben wir uns dazu entschlossen, den Hackathon nicht bei einem einmaligen Event zu belassen, sondern ihn zu einer Serie auszugestalten.

Für die Roadshow nehmen wir den klaren Impuls mit, genau diesen Weg weiterzugehen. Also Formate, in denen Teilnehmende aktiv arbeiten, Dinge ausprobieren und greifbare Resultate mitnehmen, die sich unmittelbar weiter-verwenden lassen. Der eigentliche Wert entsteht dabei nicht im Event selbst, sondern in dem, was danach gemacht wird. Unser Ziel ist es, echten Mehrwert zu schaffen, der über das Event hinaus langfristige Wirkung entfaltet.

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