Materna schaltet KI-Booster für Behördengenehmigungen frei
Drei Monate in Ungarn, vier Jahre in Deutschland: Ist bald Schluss mit einem Europa der unterschiedlichen Geschwindigkeiten bei Genehmigungsverfahren? Wenn es nach Materna und dem Bundesdigitalminister Wildberger geht, klappt es schon noch mit Deutschlands Staatsmodernisierung. Das KI-Projekt SPARK will Behörden schnelle Beine machen. Es geht um Investitionen in den Standort Deutschland.
Warum ein großes Deutsches Rüstungsunternehmen hochmoderne Fabriken in Ungarn und nicht in Deutschland baut, hat mit der lahmen und lähmenden Bürokratie hierzulande zu tun. Der CEO des Konzerns rechnet Wolfgang Irschinger vor: In Ungarn seien die Genehmigungen in drei Monate erteilt, in Deutschland brauchten Behörden dafür vier Jahre, berichtete der Vorsitzender der Münchner IT-Sicherheitskonferenz CRN am Rande seines Vortrags, den er gestern beim MSP Day von Elovade in der Lokation Klassikstadt in Frankfurt/Main hielt. Hoffnung macht nun die Meldung von IT-Dienstleister Materna, der mit öffentlichen Auftraggebern gut im Geschäft ist.
Die Dortmunder haben das Projekt SPARK abgeschlossen und SPARK Workflow feigeschaltes. Das ist ein KI-gestütztes Werkzeug, mit dem Behörden Planungs- und Genehmigungsverfahren schneller bearbeiten können.
Das Open-Source-Projekt SPARK ("Beschleunigung von Planungs- und Genehmigungsverfahren durch KI") ist eine Digitalisierungsinitiative, die vom neuen Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung initiiert und finanziert wird. Dem Konsortium gehört neben PwC und dem KI-Spezialisten VAGO Solutions auch IT-Dienstleister Materna an.
Die Idee: Wenn man schon offenbar die Entbürokratisierung in Deutschland nicht hinbekommt, dann soll wenigstens der Prüfprozess für die Sichtung, Strukturierung und fachlichen Vorprüfung eingereichter Unterlagen wesentlich schneller vonstatten gehen. Ein KI-basiertes LLM, das SPARK Workflow zugrunde liegt, soll dabei helfen.
Dafür greift das System über Schnittstellen auf aktuelle Gesetzesdatenbanken zu und zerlegt relevante Vorschriften in einzelne Prüfschritte. Im Hintergrund verbindet ein Datenmodell diese Prüfschritte mit den Angaben aus dem Antrag und den zugehörigen Dokumenten. So entstehe eine nachvollziehbare Grundlage für die KI-gestützte Bewertung: SPARK Workflow könne Hinweise geben, Abweichungen markieren und Prüfergebnisse begründen, erläutert Materna. Die fachliche Bewertung und Entscheidungen obliegen weiterhin den Sachbearbeitenden in Behörden.
Überlastete Behörden – fehlendes Personal
Die technische Architektur von SPARK Workflow ist modular angelegt. Einzelne Komponenten können in vorhandene Workflows eingebunden oder als eigenständige Verfahrensunterstützung genutzt werden. Dazu zählen unter anderem KI-gestützte Dokumentenanalyse, Vollständigkeits- und Plausibilitätsprüfungen, die Aufbereitung rechtlicher Grundlagen sowie Funktionen zur strukturierten Verfahrensübersicht. SPARK Workflow sei als prozessorientierte KI-Plattform konzipiert, die reale Planfeststellungs- und Genehmigungsverfahren fachlich abbildet und eine Skalierung auf weitere Domänen ermöglichen soll, so der Dortmunder IT-Dienstleister.
Für Behörden liege der Mehrwert vor allem in der Entlastung bei komplexen, dokumentenintensiven Verfahren. "Wo Sachbearbeitende bislang Hunderte Seiten manuell prüfen, fehlende Unterlagen identifizieren, Widersprüche erkennen und Rechtsgrundlagen nachschlagen müssen, unterstützt SPARK Workflow durch strukturierte KI-Agenten. Gerade vor dem Hintergrund von Fachkräftemangel, anstehenden Pensionierungen und Vertretungssituationen kann SPARK dazu beitragen, wertvolles Fachwissen besser nutzbar zu machen und Verfahren stabiler zu organisieren", beschreibt Materna die Ausgangslage.
Lange hat der Bitkom bei jeder neuen Koalitionsregierung ein Ressort für Digitalisierung auf Bundesebene gefordert. Bundeskanzler Merz hat es schließlich geschaffen und mit einem Mann aus der Wirtschaft besetzt: Karsten Wildberger, ehemals CEO von Ceconomy, des Mutterkonzern von Mediamarkt/Saturn (jetzt unter chinesischer Regie). Er steht dem Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung vor, letzteres muss und will Wildberger mit Hochdruck vorantreiben. Das von seinem Ministerium initiierte Projekt SPARK soll ein Leuchtrum für ein modernes, vernetztes und effizientes Deutschland der Behörden sein. "Mit dem Projekt SPARK zeigen wir, wie moderne Verwaltung funktioniert: schnell, transparent und nutzerzentriert. Heute stellen wir den Quellcode der KI-Lösung SPARK Workflow bereit und geben ihr damit einen festen Platz im Deutschland-Stack", so der Bundesminister. "Dies ist ein bedeutender Fortschritt und wichtiger Beitrag zur Staatsmodernisierung", sagt Wildberger.
Es geht um dringend benötigte Investitionen in den Standort Deutschland
Die technische Plattform dieses KI-Booster für Behördengenehmigungen steht also, nun muss die Anwendung aber auch genutzt, Behörden überzeugt und Sachbearbeiter drin geschult werden. Das ist der Job von Materna, "SPARK Workflow nun in die Praxis zu bringen", sagt Materna-Chef Michael Hagedorn. Man unterstütze dabei, "SPARK sicher, skalierbar und fachlich präzise in ihre bestehenden Prozesse zu integrieren".
Wie lange ein solches Onboarding dauert und schließlich auch für Bürger und Unternehmen eine Beschleunigung von Behördengenehmigungen spürbar wird, ist nicht bekannt. Man kann nur hoffen, dass das Sprichwort von den langsam mahlenden Mühlen der Bürokratie sehr rasch zu den Akten gelegt werden kann. Die strapazieren nämlich nicht nur Nerven, sondern auch Investitionen, die der Wirtschaftsstandort Deutschland dringend braucht. "Beschleunigte Genehmigungsverfahren entscheiden mit darüber, ob Investitionen schneller möglich werden, ob Projekte vorankommen und ob Menschen erleben, dass der Staat handlungsfähig ist", so Materna-Chef Hagedorn. Das ist mehr als nur die Aussage eines CEOs aus der Privatwirtschaft, der mit Digitalisierung sein Geld verdient.
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