Der Channel im Preisvergleichs-Fieber

Der Channel passt sein Einkaufsverhalten zunehmend an die Verwerfungen durch die angespannte wirtschaftliche Lage und die Komponentenkrise an. Während die Nachfrage im ersten Quartal zwar etwas anstieg und mehr Bestellungen platziert wurden, sank zugleich der durchschnittliche Warenkorbwert. Gerade bei Speicherprodukten agieren die Einkäufer deutlich kurzfristiger.

(Foto: ITscope, KI-generiert)

Das aktuelle ITscope Marktbarometer verzeichnete im ersten Quartal einen sanften Aufschwung, wenn auch mit einigen Einschränkungen. So sind zwar sowohl das über die Klickzahlen gemessene Interesse an den Top-1000-Produkten (Plus 3,5 Prozent) als auch die Anzahl der Bestellungen (Plus 4 Prozent) zum Vergleich zum Vorjahresstart leicht gestiegen, gleichzeitig sank der durchschnittliche Warenkorbwert jedoch um rund 6 Prozent. "Wir sehen aktuell eine hohe Nachfrage, aber auch mehr Preissensibilität", konstatiert Dr. Oliver Charles, Managing Director bei ITscope. "Viele Produkte werden intensiver verglichen, bevor sie bestellt werden."

Speicherknappheit verschärft sich

Der Zusammenhang zwischen Lagerbestand, Preis und Absatz am Beispiel der Crucial-CT16G56C46S5 RAM (Foto: ITscope)

Besonders deutlich war das bei den Speicherriegeln zu beobachten, die aufgrund der Verschiebung der Produktionskapazitäten hin zu High-End-Produkten für KI-Rechenzentren auch am stärksten von den Verknappungen betroffen sind. Das Ergebnis sind immense Preisschwankungen innerhalb kürzester Zeit, die vor allem von der volatilen Verfügbarkeit getrieben werden. So verteuern sich die Preise für besonders gefragte Produkte wie DDR5-Module bei knapp werdenden Lagerbeständen schlagartig und deutlich und entspannen sich mit dem Eintreffen von Nachschub erst langsam wieder. Am beliebtesten waren hier ausgerechnet die DDR5-Module CT16G56C46S5 (16 GB, SO-DIMM 262-Pin) und CT16G56C46U5 (16 GB, DIMM 288-PIN) Crucial, obwohl der Mutterkonzern Micron die Consumer-Marke zugunsten der margenträchtigeren Datacenter-Chips einstellt.

Mehr Nachfrage nach SSDs

Die Klick-Entwicklung bei SSDs und RAM im Vergleich (Foto: ITscope)

Nicht ganz so gravierend ist diese Entwicklung auch bei SSDs zu beobachten, die sich aktuell einer starken Nachfrage erfreuen. Laut ITscope haben die angeschlossenen Händler die 100 Top-SSDs in den ersten drei Monaten des Jahres 60 Prozent häufiger angeklickt als noch 2025. Auch hier ist allerdings davon auszugehen, dass ein nicht unerheblicher Teil davon der erhöhten Preissensibilität geschuldet war, aufgrund der Channel-Akteure ihre Einkäufe stärker am aktuellen Preis ausrichten. Tatsächlich gekauft wurden über die Beschaffungsplattform vor allem Modelle mit Kapazitäten von 500 GB über 1 und 2 TB bis hin zu größeren Enterprise-Devices. Besonders groß war das Interesse an den Modellen von Samsung, allen voran der Samsung 990 PRO MZ-V9P2T0BW (verschlüsselt) mit 2 TB, sowie der 1-TB-Variante MZ-V9P1T0BW.

Grafikkarten: High-End anschauen, Mittelklasse ordern

Highend-Karten werden oft abgefragt, aber wenig gekauft (Foto: MSI)

Eine besondere Situation verzeichnete ITscope bei den Grafikkarten: Während das Interesse der Händler sich vor allem auf hochpreisige Modelle fokussierte, wurden letztendlich doch vor allem Grafikkarten aus dem mittleren Preissegment gekauft. Offensichtlich hatten hier also viele Reseller vergeblich auf eine deutlichere Senkung der Preise in der GPU-Oberklasse gehofft. Die meisten Aufrufe erhielt hier das MSI-Modell GeForce RTX 5090 32G GAMING TRIO OC (V530-014R).

Notebooks: Trend zu Standardkonfigurationen

Lenovo profitierte im Q1 am meisten von der steigenden Nachfrage (Foto: Lenovo)

Bei den Notebooks sorgt diese Entwicklung bei den Preisen der wichtigen Komponenten für einen Trend zu Standardkonfigurationen ohne große Extras oder Aufrüst-Optionen. Gefragt waren im Q1 demnach insbesondere klassische Business-Ausstattungen mit 16 GB RAM und 512 GB SSD, wie sie die Hälfte der meistgeklickten Modelle aufwiesen. Unter den Herstellern konnte davon vor allem Lenovo profitieren, aus dessen Portfolio ein Großteil der am häufigsten angeklickten Geräte stammte. Dazu gehörte auch der Spitzenreiter Lenovo ThinkPad E16 Gen 3 21SR. Und auch Apple konnte demnach für einige seiner Produkte wie das MacBook Air M4 eine hohe Aufmerksamkeit erzielen. Bei HP und Dell blieb die Nachfrage unterdessen trotz der leicht wachsenden Nachfrage konstant.

Ähnlich stellte sich die Lage im Bereich der Komplettsysteme dar. Auch hier wächst die Nachfrage wieder leicht und konzentriert sich vor allem auf kompakte Mini- und Tiny-Geräte rund um Standard-Konfigurationen aus dem mittleren Preissegment mit 16 GB RAM und 512 GB SSD. Hier konnte dem Marktbarometer zufolge vor allem HP mit seinem Pro 400 G9 Mini punkten.

Komponentenkrise: Noch kein Ende in Sicht

"Die aktuelle Phase ist stark von kurzfristigen Marktbewegungen geprägt." Oliver Charles, Managing Director, ITscope (Foto: Lenovo)

Insgesamt agiert der Handel also trotz der anziehenden Nachfrage deutlich vorsichtiger und überprüft seine Optionen und die Preisentwicklungen wesentlich stärker als gewohnt. Diese Entwicklung dürfte sich nach dem Dafürhalten von Charles in den nächsten Monaten noch weiter verstärken: "Sobald bestehende Lagerbestände abgebaut sind, wird sich der Preisdruck entlang der Lieferkette noch deutlicher zeigen."

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